Victoria ist die Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia. Sie liegt am Südzipfel von Vancouver Island und hat ihren Ursprung in einem im Jahre 1843 errichteten Handelsposten der Hudson’s Bay Company. Der Name geht auf Königin Victoria zurück. Im Kern hat die Stadt knapp 92.000 Einwohner, die Metropolregion rund 400.000.

Unter dem Namen Fort Victoria wurde die Stadt zum Zentrum des Pelzhandels in den westlichen Gebieten Kanadas. Sie entstand in einem Gebiet, das von den Küsten-Salish bewohnt war, einer großen Gruppe indianischer Ethnien, die im Nordwesten der USA und in British Columbia lebt. Die Stadt steht, abgesehen vom Parlamentsgebäude, dessen Grund 2006 von der Stadt gekauft wurde, bis heute auf Indianergebiet.

Aus dem zentralen Handelsposten entwickelte sich die Hauptstadt der britischen Kronkolonie Vancouver Island, dann der Vereinigten Kolonien von Vancouver Island und British Columbia und schließlich der besagten kanadischen Provinz. Ihre wirtschaftliche Basis war anfangs der Handel, zu dem sich Verwaltung, Militär und Polizei, dann die Marine gesellten. Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, vor allem von Holz, Kohle und der fischreichen Gewässer, besonders aber die Goldfunde auf dem Festland machten die Ansiedlung zu einer vergleichsweise großen Stadt. Sie wurde jedoch von Vancouver überflügelt. Starke Zuwanderung aus Großbritannien und politische Dominanz gaben ihr einen ausgesprochen „englischen“ Charakter.So vermerkt als eines von zahlreichen Beispielen die

Der Ballungsraum Capital Regional District umfasst neben der eigentlichen Stadt Victoria (91.867 Einwohner im Jahr 2021)Census Profile, 2021 Census of Population, Statistics Canada. noch zwölf weitere Gemeinden, die zusammen 397.237 Einwohner zählen (Stand: 2021).Census Profile, 2021 Census of Population, Statistics Canada. Gleichzeitig ist die Stadt Teil und Kern der Metropolregion Greater Victoria.

Geografie Die Kernstadt Victorias (Downtown) liegt an einer kleinen Bucht auf der dem Pazifik abgewandten Südostseite von Vancouver Island, die der westkanadischen Provinz British Columbia vorgelagert ist. Dazu kommen die umgebenden sogenannten Nachbarschaften (neighbourhoods), die zusammen das Stadtgebiet ausmachen. Die Stadt wiederum bildet den Kern des Capital Regional District, zu dem der Ballungsraum zusammengefasst wurde. Der überwiegende Teil der Bewohner von Vancouver Island lebt hier.

Die Juan-de-Fuca-Straße trennt die Insel von den Vereinigten Staaten, deren Olympic Mountains von Victoria aus im Süden zu sehen sind. Östlich liegt die Straße von Georgia, in der sich Hunderte von Inseln befinden, die unter dem Namen Gulf Islands bekannt sind. Die umgebende Hügellandschaft schützt das Stadtgebiet vor den ergiebigen Regenfällen an der Westküste der Insel. Zugleich liegt der Ort so günstig, dass er von Stürmen nur selten erreicht wird.

Die Stadt liegt südlich des 49. Breitengrades, der ansonsten ostwärts bis zu den Großen Seen die Grenze zwischen den USA und Kanada darstellt.

Flora und Fauna mini|Quamash (Camassia quamash), deren Zwiebeln essbar sind Die Gärten und Parks der Stadt gehen auf viktorianische Einflüsse zurück, aber auch auf indianische. Die Briten waren anfangs überrascht, eine Landschaft anzutreffen, die ihren Idealen so nahekam. George Simpson, Gouverneur der Hudson’s Bay Company (HBC), der diese Stelle als Standort für den Haupthandelsposten aussuchte, sah in der Landschaft mit ihrer parkartigen Erscheinung . Die Wahl des Ortes wurde also maßgeblich vom Landschaftsbild, allerdings auch vom milden Klima und dem natürlichen Hafen beeinflusst.

Die Schöpfer dieser Kulturlandschaft um Victoria waren die Songhees, eine zu den Küsten-Salish zählende ethnische Gruppe, die heute als „Stamm“ anerkannt ist. Sie pflanzten Camassia quamash an, meist vereinfachend als Camas bezeichnet, eine früher für ein Liliengewächs gehaltene Agavenart mit blauen Blüten. Ihre Zwiebeln schmecken wie sehr süße, gebackene Tomaten, manche auch wie Birnen. Sie haben einen Durchmesser von 4–8 cm und wiegen bis über 100 g. Besonders dieser Anbau und die Pflege des Bodens verwandelten die Landschaft im Laufe der Jahrhunderte und gaben ihr den parkartigen Charakter. Zudem war die Pflanze ein begehrtes Handelsobjekt. mini|Wanderdrossel (American Robin) Die baumarmen Zonen wurden durch den gezielten Einsatz von Feuer geschaffen. Besonders wichtig war für die Songhees eine bestimmte Eichenart, die Oregon-Eiche (Quercus garryana), die einem der Nachbarorte ihren Namen gab. Neben dem Grasland bildeten sie ein ganz eigenes Ökosystem, in der Nachbarschaft von Douglasien oder Sümpfen dominierten küstennahen Gebieten. Die Oregon-Eiche ist zwischen British Columbia und Kalifornien verbreitet, wächst aber am besten um Victoria. Sie ist nach Nicholas Garry (ca. 1782–1856) von der Hudson’s Bay Company benannt und wird bis über vierhundert Jahre alt. Um 1800 umfasste dieses System noch rund 15 km² im Gebiet von Victoria, heute sind davon nur noch 21 ha übrig. Die großen Parks im Stadtgebiet speisen ihr Erscheinungsbild bis heute aus der englischen und der indigenen Kultur.

Die von den Einwanderern vorgefundene Vegetation entsprach also schon lange nicht mehr dem sonst an der Westküste vorherrschenden gemäßigten Regenwald, der überwiegend aus Sitka-Fichten, Riesenlebensbäumen, Westamerikanischen Hemlocktannen, Douglasien und Pazifischen Eiben bestand. In diesem doppelten Sinn nennt sich die Stadt gern Great Victoria – The City of Gardens.

Lachs war die Hauptnahrung der Küsten-Salish. Dieser spielt für die Ernährung der Stadt bis heute eine wichtige Rolle. Vor allem San Juan Island wurde häufig mit Kanus angefahren. Auch andere Fische wie Hering und Heilbutt, aber auch Vögel – Victoria hat seit 1931 im Hafenbereich ein 134 ha großes Schutzgebiet für ZugvögelEnvironment Canada: . In: Network of Protected Areas, 31. Juli 2012. – standen und stehen auf der Speisekarte, dazu Muschelarten wie Tresus nuttallii, die im Englischen horse clam (Pferdemuschel) genannt wird.

Der Tourismus profitiert in hohem Maße von der Fauna der Umgebung. Das gilt vor allem für die Wale, die allerdings zunehmend durch schnelle Boote der Walbeobachter (Whale watching) belästigt werden. Das betrifft vor allem die Orcas der southern resident population, eine ortsfeste Population, die aus etwa 80 Tieren besteht.Jon Lien (Memorial University of Newfoundland): The Conservation Basis for the Regulation of Whale Watching in Canada by the Department of Fisheries and Oceans. A Precautionary Approach, in: Canadian Technical Report of Fisheries and Aquatic Sciences, (), 2001, (PDF; 28 S., 302 kB), S. 10. Allgemein zu Leitlinien: Carole Carlson: A Review of Whale Watch Guidelines and Regulations around the World, in: International Fund for Animal Welfare, Yarmouth Port, Massachusetts 2008, (PDF; 158 S., 1,2 MB), S. 32–47: Pacific Rim National Park Reserve. British Colombia. Zu neueren Untersuchungen: Carol Scarpaci, Michael Lück, E. C. M. Parsons: Recent advances in whalewatching research: 2008–2009., in: Tourism in Marine Environments, Vol. 6, No. 1, pp. 39–51, February 2010, vorgestellt vor der International Whaling Commission (IWC).

Klima Laut der Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger herrscht in Victoria ein Warm-Sommer-Mittelmeerklima (Csb). Wie vor der gesamten Westküste macht sich der Einfluss der Kuroshio-Strömung stark bemerkbar. Das Klima ist sehr mild; selten steigen die Temperaturen über 30 °C oder fallen unter 0 °C. An durchschnittlich zwei Tagen pro Jahr fällt die Nachttemperatur unter −5 °C. Die Sommer sind trocken und die Winter feucht, aber sie sind auch die mildesten in ganz Kanada.Government of Canada: Historical Climate Data, Environment and natural resources. Im Jahr fallen durchschnittlich 883 mm Niederschlag, während in Vancouver fast die eineinhalbfache Regenmenge fällt. An der Westküste der Insel herrschen weit ergiebigere Regenfälle vor, nämlich bis zu achtmal so ergiebig wie in Victoria. Im Schnitt fallen 43,79 cm Schnee pro Jahr,Environment Canada: , in: National Climate Data and Information Archive, 29. November 2012. nur selten fallen über 100 cm. Jeder dritte Winter ist praktisch ohne Schnee. Dabei erhält die Stadt über 2200 Sonnenscheinstunden pro Jahr.

Stadtbild und -gliederung Downtown mini|Eine der an vielen Stellen aufgehängten Orientierungshilfen in Downtown mini|links|Blick über den Inneren Hafen mini|links|Das Fairmont Empress Hotel von 1905 Die Innenstadt (Downtown) mit Fußgängerzone, Lokalen und Geschäften befindet sich östlich des Upper Harbour und des Inner Harbour, an dem sich die Sehenswürdigkeiten wie die Parlamentsgebäude und das Fairmont Empress Hotel befinden. Downtown steht überwiegend unter Denkmalschutz, vor allem die vor 1945 errichteten Gebäude.Der Denkmalschutz sollte im Mai 2008 auf einige jüngere Gebäude ausgedehnt werden. Vgl. Carolyn Heiman: City eyes postwar classic buildings for heritage registry, in: Times-Colonist, 16. Mai 2008. Aus den ehemaligen Lagerhäusern, Büros, Bars, Bordellen und Hotels sind, ebenso wie aus den Barackensiedlungen der Frühzeit Restaurants, Geschäfte, Pubs und Kunstgalerien geworden. Im ehemaligen Gebäude des Provinzgerichts war lange das Maritime Museum of British Columbia untergebracht. Der Gerichtssaal von 1889 ist vollständig erhalten und das Gebäude wurde 1981 zur National Historic Site of Canada erklärt.

Im Inner Harbour legen Fähren an, wenn auch nur noch die kleinen Schiffe nach Port Angeles in Washington. Dabei macht ihm der eigentliche Stadthafen Fisherman's Wharf erhebliche Konkurrenz.

Neighbourhoods 12 Neighbourhoods bilden die City of Victoria: Downtown-Harris Green, Downtown der älteste Siedlungskern, Chinatown (dort siedelten sich die ersten Chinesen in der Stadt an, von denen Chinatown bis heute stark geprägt ist), Burnside Gorge (Burnside und Rock Bay), Fairfield-Gonzales, Fernwood, Hillside Quadra, James Bay Jubilee (North J. und South J.), North Park Oaklands, Rockland, Victoria West.

Ortsteile wie Fairfield (zwischen Beacon Hill Park und Oak Bay) haben kleinstädtischen Charakter mit niedriger, meist viktorianischer Bebauung und Alleen. Der Ort geht auf James Douglas’ Fairfield Farm zurück. Ähnlich beruht Fernwood, das bis in die 1850er Jahre nur den Verbindungsweg von dem Songhee-Dorf in der Cadboro Bay zum Fort in Downtown bildete, auf der Hillside Farm. Fernwood Manor, das der Neighbourhood den Namen gab, entstand 1860. Oak Bay (‚Eichenbucht‘) mit ähnlichen Eigenheiten geht ebenfalls auf die Songhees zurück. Der Name leitet sich von den dortigen Garry-Eichen ab. Hier residieren zahlreiche vermögende Ruheständler. Bereits im 19. Jahrhundert wehrten sich seine Bewohner gegen jede Industrialisierung. Ursprünglich hatte die Hudson’s Bay Company hier eine Viehfarm errichtet, die der Versorgung des Forts diente, die Cadboro Bay Farm.