Die Essex-Klasse ist eine Klasse von Flugzeugträgern, die von 1943 bis 1991 von der United States Navy eingesetzt wurden. Zusammen mit den Schiffen der Ticonderoga-Unterklasse, deren Schiffsrümpfe um einige Meter länger sind, wurden 17 Flugzeugträger bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs fertiggestellt, sieben weitere folgten bis 1950, zwei Träger wurden halbfertig verschrottet. Die Flugzeugträger der Essex-Klasse spielten ab 1943 eine wichtige Rolle auf dem pazifischen Kriegsschauplatz, im Koreakrieg und im Vietnamkrieg. Die meisten Schiffe der Klasse wurden in den 1960er und 1970er Jahren ausgemustert, das letzte Schiff, die Lexington, die als Schulträger der Marine gedient hatte, wurde im November 1991 – nach 48 Einsatzjahren – außer Dienst gestellt. Vier Träger sind heute als Museumsschiffe erhalten.
Geschichte
Entwicklung Mit dem Wegfall der Tonnagebegrenzungen des Washingtoner Flottenabkommens von 1922 im Jahr 1938 begann die US-Marine mit Planungen, ihre Flugzeugträgerflotte zu vergrößern. Im Naval Expansion Act von 1938, auch als zweiter Vinson-Trammell-Act bezeichnet,Michael C. Smith: Essex Class Carriers in action. (Warships 10) S. 4. wurde am 17. Mai der Bau von neuen Trägern mit 40.000 Tonnen Tonnage beschlossen und genehmigt. Der erste der neuen Flugzeugträger, die Hornet, wurde im März 1939 bestellt und im September des Jahres auf Kiel gelegt. Da die Marine dringend neue Flugzeugträger benötigte, eine Neukonstruktion aber zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte, wurde die Hornet weitestgehend nach den vorhandenen Plänen der Yorktown-Klasse von 1934 gebaut. mini|links|Vorläufige Entwurfszeichnung vom September 1941
Zeitgleich mit dem Bau der Hornet wurde Anfang 1939 mit der Ausarbeitung der Konstruktionspläne für die neuen Träger begonnen. Der Entwurf des neuen Flugzeugträgers war vor allem für den Einsatz im Pazifik ausgelegt. Mit ihm sollten die kurzen, aber lehrreichen Erfahrungen aus dem Betrieb der älteren Trägerklassen umgesetzt werden. Zudem sollte die Air Group gegenüber den älteren Trägern um eine Staffel Jagdflugzeuge vergrößert werden, was ein größeres Flug- und Hangardeck erforderte. Außerdem sollten die Träger in der Lage sein, Ersatzteile und Reserven für ein Viertel der Air Group mitzuführen, da in den Weiten des Pazifiks eine Ersatzteilversorgung schwierig sein würde.Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. S. 65.
Zwischen Juli 1939 und Januar 1940 wurden die sechs eingereichten Entwurfsstudien geprüft und ausgewertet. Die Marine entschloss sich schließlich zur Umsetzung des letzten Entwurfs, CV-9F. Der Entwurf entsprach im Wesentlichen der vorangegangenen Yorktown-Klasse, verbesserte diese aber so gut wie möglich. So wuchs die Gesamtlänge der Schiffe um knapp 20 Meter und die Verdrängung stieg um 8000 Tonnen. Die Zahl der Flugzeuge an Bord blieb aber nahezu gleich.
Als Anfang 1940 deutlich wurde, dass die Marine mehr Flugzeugträger benötigte, wurden im Mai 1940 drei Schiffe des neuen Typs (CV-9 bis CV-11) genehmigt, nach dem Fall Frankreichs im Sommer 1940 im „Two-Ocean Navy Act“ weitere acht Träger (CV-12 bis CV-19). Am 13. Dezember 1941, sechs Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor, wurden die Träger CV-20 und CV-21 autorisiert, CV-31 bis CV-40 im August 1942 und CV-45 bis CV-47 im Juni 1943, als die ersten Schiffe der Klasse gerade zum Einsatz kamen. 1945 wurde der Bau weiterer sechs Schiffe (CV-50 bis CV-55) vorgeschlagen, dieser Vorschlag wurde jedoch von Präsident Franklin D. Roosevelt abgelehnt.Smith: Essex Class Carriers in action. S. 5.
Bau mini|Stapellauf der Bon Homme Richard, April 1944 Die Bauaufträge für die 26 genehmigten Flugzeugträger dieser Klasse ergingen an fünf Werften, allesamt an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Zehn Träger wurden bei Newport News Shipbuilding in Newport News, Virginia gebaut, fünf Schiffe wurden durch Bethlehem Steel im Fore River Shipyard in Quincy, Massachusetts auf Kiel gelegt. Ebenfalls wurden fünf Träger im New York Navy Yard in Brooklyn, jeweils drei im Norfolk Navy Yard in Portsmouth und im Philadelphia Navy Yard gebaut.
Die Essex, das Typschiff der Klasse, wurde am 28. April 1941 bei Newport News auf Kiel gelegt, die Fertigstellung erfolgte am 31. Dezember 1942, 15 Monate vor dem ursprünglich geplanten Termin. Während des Krieges betrug die Bauzeit eines Trägers der Essex-Klasse zwischen 13 und 20 Monaten, dies wurde unter anderem durch Dreischichtarbeit auf den Werften erreicht.Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. S. 66. 17 Flugzeugträger wurden noch vor der Kapitulation Japans fertiggestellt, 14 Schiffe kamen im Pazifik zum Einsatz. Sieben weitere Träger wurden nach dem Kriegsende noch zu Ende gebaut, als letztes Schiff wurde die Oriskany 1950 bei der US-Marine in Dienst gestellt. Die Arbeiten an zwei weiteren Trägern – der Reprisal und der Iwo Jima – deren Bau bereits begonnen worden war, wurden 1945 noch vor dem Kriegsende eingestellt und die teilweise vollendeten Rümpfe in der Folgezeit abgewrackt.
Die US-Regierung hat die genauen Baukosten für die Träger der Klasse nie veröffentlicht, inoffiziell wird von einem Stückpreis zwischen 68 und 76 Millionen US-Dollar ausgegangen. Mit etwa 1,7 bis 2 Milliarden US-Dollar Gesamtkosten war die Essex-Klasse damit ungefähr genauso teuer wie das Manhattan-Projekt. brookings.edu; Stand: 28. September 2007.
Konstruktionsänderungen Schon während des Krieges wurden aufgrund erster Einsatzerfahrungen Änderungen am ursprünglichen Entwurf vorgenommen. Die markanteste Änderung war die Neugestaltung der Bugpartie, um auf dem Bugsteven mehr Platz für Flugabwehrkanonen zu erhalten. Die 13 Schiffe, die den neuen Bug erhielten und damit auch einige Meter länger wurden, wurden nach dem ersten modifizierten Schiff Ticonderoga als Ticonderoga-Klasse benannt. mini|Die Boxer als Hubschrauberträger
Umbauten mini|links|Die Antietam mit Schräglandedeck Die Antietam erhielt 1952 ohne weitere Umbauten zu Erprobungszwecken ein Schräglandedeck und wurde bis 1963 als Schulträger eingesetzt. Sie war der erste amerikanische Flugzeugträger mit abgewinkeltem Landedeck.
Die Boxer, die Princeton und die Valley Forge wurden gegen 1960 zu Hubschrauberträgern umgebaut und nun als LPH-4, -5 und -8 klassifiziert. Die Hälfte der Antriebsanlage wurde stillgelegt und Platz für 330 Soldaten des Marine Corps geschaffen.
SCB-27 Der SCB-27A-Umbau, der zwischen 1948 und 1953 stattfand, beinhaltete den Einbau stärkerer hydraulischer Katapulte vom Typ H-8, den umfassenden Umbau der Insel, die Installation von Bereitschaftsräumen für die Flugzeugbesatzungen unter dem Flugdeck und den Bau einer Fahrtreppe von diesen Räumen zum Flugdeck sowie die generelle Umrüstung zum Einsatz von Strahlflugzeugen. Die vier 127-mm-Doppeltürme wurden entfernt und an ihrer Stelle vier 127-mm-Einzelgeschütze an Steuerbord unterhalb des Flugdecks angebracht, entsprechend der Anordnung an Backbord. Die 40-mm-Flak wurde durch 14 76-mm-Zwillingsgeschütze ersetzt. Hierbei wurde bei den „short hull“-Schiffen der Bug verlängert, um dort zwei 76-mm-Doppellafetten unterbringen zu können. Die im Zweiten Weltkrieg in großer Anzahl angebrachten 20-mm-Flak wurden nicht mehr installiert, da sie gegen moderne Flugzeugtypen keine ausreichende Wirkung zeigten.Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. S. 152.
mini|USS Lake Champlain umgebaut nach SCB-27A Nach SCB-27A umgebaute Schiffe waren Essex, Yorktown, Hornet, Randolph, Wasp, Bennington, Kearsarge und die Lake Champlain. Die Oriskany wurde 1950 nach dem SCB-27A-Standard fertiggestellt.
Da sich die hydraulischen Katapulte als zu schwach herausgestellt hatten, wurden während des SCB-27C-Programms zwischen 1951 und 1954 neben allen SCB-27A-Maßnahmen Dampfkatapulte des Typs C-11 eingebaut. Ferner wurde der hintere Mittelaufzug durch einen Deckskantenaufzug an Steuerbord ersetzt. So umgebaut wurden die Intrepid, die Ticonderoga und die Hancock. Bei diesen drei Trägern befand sich der Steuerbord-Aufzug weiter achtern als bei den später nach SCB-125 umgebauten Trägern.Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. S. 153.
SCB-125 mini|USS Bon Homme Richard nach SCB-125 Das SCB-125-Programm, das zwischen 1954 und 1957 ablief, beinhaltete im Wesentlichen die Installation eines Schräglandedecks und eines geschlossenen Bugs sowie nochmals verbesserter Anlagen für die moderneren (und vor allem schwereren) Flugzeuge. Bis auf die Lake Champlain wurden alle SCB-27A-Schiffe umgebaut und erhielten auch den zweiten Deckskantenaufzug, jedoch keine Dampfkatapulte. Bei den SCB-27C-Schiffen wurde ferner der vordere Aufzug vergrößert. Die Lexington, Bon Homme Richard und Shangri-La erhielten SCB-27C und SCB-125 in einem Umbau. Bei allen Trägern wurde die Bewaffnung bis in die 1960er Jahre auf zwei bis vier 127-mm-Geschütze reduziert. Damit einher ging auch der Ausbau des achteren Feuerleitradars auf der Insel.
Die Oriskany erhielt beim SCB-125A-Umbau bis 1959 Dampfkatapulte des Typs C-11 und alle SCB-125-Umbauten.
SCB-144 (FRAM II) 1962 bis 1965 erhielten die zur U-Boot-Jagd eingesetzten Träger (CVS) Essex, Yorktown, Intrepid, Hornet, Randolph, Wasp, Bennington und Kearsarge im Rahmen des „Fleet Rehabilitation and Modernization Program“ (FRAM) das Bugsonar, eine Stevenklüse mit Buganker und eine modifizierte Operationszentrale.Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. S. 154.
Einheiten Zahlreiche Schiffe wurden während des Baus umbenannt – zumeist, um den Namen versenkter Flugzeugträger weiterzuführen (Yorktown, Hornet, Lexington, Wasp, Princeton) oder um die Namen von Orten bedeutender Schlachten des Pazifikkrieges zu führen (Leyte, Iwo Jima, Philippine Sea). 400px|mini|Entwicklung der Essex-Klasse 1944–1960 Kennnummer Name In Dienst Außer Dienst Verbleib/Schicksal CV-9 Essex 31. Dezember 1942 30. Juni 1969 1975 verschrottet CV-10 Yorktown (urspr. Bon Homme Richard) 15. April 1943 30. Juni 1970 1975 Museumsschiff CV-11 Intrepid 16. August 1943 15. März 1974 1982 Museumsschiff CV-12 Hornet (urspr. Kearsarge) 29. November 1943 26. Januar 1970 1998 Museumsschiff CV-13 Franklin 31. Januar 1944 17. Februar 1947 1966 verschrottet CV-14 Ticonderoga* (urspr. Hancock) 8. Mai 1944 16. November 1973 1974 verschrottet CV-15 Randolph* 9. Oktober 1944 13. Februar 1969 1975 verschrottet CV-16 Lexington (urspr. Cabot) 17. Februar 1943 8. November 1991 1992 Museumsschiff CV-17 Bunker Hill 25. Mai 1943 9. Juli 1947 1973 verschrottet CV-18 Wasp (urspr. Oriskany) 24. November 1943 1. Juli 1972 1973 verschrottet CV-19 Hancock* (urspr. Ticonderoga) 15. April 1944 30. Januar 1976 1976 verschrottet CV-20 Bennington 6. August 1944 15. Januar 1970 1993 verschrottet CV-21 Boxer* 16. April 1945 1. Dezember 1969 1971 verschrottet CV-31 Bon Homme Richard 26. November 1944 2. Juli 1971 1992 verschrottet CV-32 Leyte* (urspr. Crown Point) 11. April 1946 15. Mai 1959 1970 verschrottet CV-33 Kearsarge* 2. März 1946 13. Februar 1970 1974 verschrottet CV-34 Oriskany 25. September 1950 15. Mai 1976 2006 als Riff versenkt CV-35 Reprisal* 1945 Bau eingestellt 1949 verschrottet CV-36 Antietam* 28. Januar 1945 8. Mai 1963 1974 verschrottet CV-37 Princeton* (urspr. Valley Forge) 18. November 1945 30. Januar 1970 1971 verschrottet CV-38 Shangri-La* 15. September 1944 30. Juli 1971 1988 verschrottet CV-39 Lake Champlain* 3. Juni 1945 2. Mai 1966 1970 verschrottet CV-40 Tarawa* 8. Dezember 1945 13. Mai 1960 1968 verschrottet CV-45 Valley Forge* 3. November 1946 15. Januar 1970 1971 verschrottet CV-46 Iwo Jima* (urspr. Crown Point) 1945 Bau eingestellt 1945 verschrottet CV-47 Philippine Sea* (urspr. Wright) 11. Mai 1946 28. Dezember 1958 1971 verschrottet CV-50 bis 55 1945 Bau verworfen Die mit * gekennzeichneten Schiffe gehören zur Ticonderoga-Unterklasse.
Einsatzprofil mini|Die 3. US-Flotte im Ulithi-Atoll, zu sehen sind sechs Träger der Essex-Klasse mit ihren Begleitschiffen