Medaillenspiegel Platz Land G S B Ges. 1 11 8 4 23 2 10 11 5 26 3 9 7 8 24 4 7 5 8 20 5 6 5 2 13 6 4 1 1 6 7 3 6 4 13 8 3 4 2 9 9 2 3 4 9 10 2 1 - 3 Vollständiger Medaillenspiegel
Die Olympischen Winterspiele 1994 (auch XVII. Olympische Winterspiele genannt) wurden vom 12. bis 27. Februar 1994 in Lillehammer in der norwegischen Provinz Oppland ausgetragen. Norwegen war damit nach 1952 in Oslo zum zweiten Mal Ausrichter von Olympischen Winterspielen. Aufgrund der Änderung der Olympischen Charta auf der 91. IOC-Session am 17. Oktober 1986 in Lausanne fanden bereits zwei Jahre nach den Spielen in Albertville erneut Olympische Winterspiele statt.Volker Kluge: Olympische Winterspiele, Die Chronik. Sportverlag, Berlin 1999, S. 771
67 Nationen stellten eine neue Rekordmarke bezüglich der teilnehmenden Länder auf. Die Anzahl der Sportler mit 1739 Athleten hingegen konnte den Teilnehmerrekord von Albertville nicht ganz erreichen. Erfolgreichste Sportlerin war wie schon zwei Jahre zuvor die Russin Ljubow Jegorowa. Erfolgreichste Mannschaft war mit elf Olympiasiegen und insgesamt 23 Medaillen Russland.
Die Spiele in Lillehammer gelten für Kritiker des olympischen Gigantismus als Musterbeispiel freundlicher und maßvoller Spiele. Bemerkenswert war die angenehme Atmosphäre während der Winterspiele. Das in Lillehammer gegründete Hilfswerk Olympic Aid setzte zudem ein solidarisches Zeichen mit der Olympiastadt Sarajevo, dem Schauplatz der Olympischen Winterspiele 1984. Für die durch den Bosnienkrieg schwer beschädigte Stadt wurden im Rahmen dieser Hilfsaktion 66 Millionen Kronen gespendet.
Bewerbung mini|150px|Bewerbungslogo der Olympischen Winterspiele 1994
Zahlreiche Versuche schwedischer und finnischer Städte in den siebziger und achtziger Jahren scheiterten immer wieder hauptsächlich an den geografischen Gegebenheiten Skandinaviens. Dies galt auch für die Bewerbung Faluns für die Winterspiele 1988 im September 1981, bei der die alpinen Wettbewerbe nach Åre praktisch ausgelagert worden wären. Zu dieser Zeit erkannte man in Lillehammer, dass nur in Norwegen die vom IOC geforderten kompakten Spiele realisiert werden konnten. Die Anregung des IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch anlässlich der Nordischen Skiweltmeisterschaften 1982 in Oslo eine Kandidatur der norwegischen Hauptstadt zu befürworten, stieß dort auf wenig Interesse. Ganz im Gegensatz zu Lillehammer. In der Kleinstadt im Gudbrandsdalen standen 58 Prozent der Bevölkerung hinter einer Bewerbung für die Winterspiele 1992. Eine Staatsgarantie in Höhe von 1,5 Milliarden Kronen und eine Investition von 700 Millionen Kronen für infrastrukturelle Maßnahmen ermöglichte die Kandidatur im Oktober 1986 in Lausanne, bei der die Winterspiele schließlich nach Albertville vergeben wurden. International war Lillehammer so gut wie unbekannt und man schied so in der Auswahlprozedur fast zwangsläufig nach dem vierten Wahlgang in einer Stichwahl gegen Falun mit 40 zu 41 aus.
Bereits im November 1986 wurde eine erneute Kandidatur für 1994 in Erwägung gezogen. Zunächst zögerte die Premierministerin Gro Harlem Brundtland bei ihrer Unterstützung und begrenzte den Etat der Bewerbung auf 18 Millionen Kronen. PR-Maßnahmen versuchten, den Bekanntheitsgrad Lillehammers zu fördern, wobei dadurch aber auch die Skepsis unter den Einwohnern sich stetig verstärkte und die Spiele nur mehr von 38 Prozent der Bevölkerung unterstützt wurden. Das Ergebnis der Entscheidung am 15. September 1988 in Seoul war schließlich eine größere Überraschung, als sich Lillehammer im dritten Wahlgang gegenüber Östersund mit 45 zu 39 Stimmen durchsetzte. Der schwedische Mitkonkurrent war damals in IOC-Kreisen als aussichtsreicher bewertet worden.Volker Kluge: Olympische Winterspiele, Die Chronik. Sportverlag, Berlin 1999, S. 770
Bereits für die beiden Bewerbungsprozesse wurde in leicht abgeänderter Form das Logo der Winterspiele verwendet. Es symbolisiert eine Darstellung des Polarlichtes und wurde von Sarah Rosenbaum entworfen. + Wahl des Austragungsortes auf der 94. IOC-Session in Seoul am 15. September 1988 Stadt NOC 1. Runde 2. Runde 3. Runde Lillehammer 253045 Östersund/Åre 193339 Anchorage 2322 – Sofia 17 – –
Unmittelbar nach Vergabe der Spiele begann das Organisationskomitee LOOC mit der Vorbereitung der Veranstaltung. Der Präsident Ole Sjetne wurde später durch Gerhard Heiberg abgelöst, der im Sommer 1992 eine Reorganisation von LOOC einleitete. Als Ehrenpräsident fungierte König Harald V.
Die Kosten der Vorbereitungsphase wurden hauptsächlich durch ein vom norwegischen Parlament bewilligten Budget über sieben Milliarden Kronen getragen. Für den Bau der Anlagen war eine eigene Konstruktionsgesellschaft LOA verantwortlich. Vorausblickend wurde auch ein Fonds über 130 Millionen Kronen angelegt, um die Betriebskosten der olympischen Anlagen wie der Bob- und Rodelanlage in Hunderfossen bzw. der Olympiahalle in Hamar zu decken. Zudem wurde bereits im Herbst 1989 eine Nachnutzungsorganisation LOV gegründet. Alle drei Organisationen wurden ab Herbst 1990 durch die Lillehammer OS ’94 AS unter Vorsitz von Gerhard Heiberg koordiniert.Offizieller Bericht des Organisationskomitees, Book 1. (PDF; 14,3 MB) S. 82
Während der Spiele standen 12.035 Personen für die Abwicklung im Team ’94 bereit. Davon brachten sich 9053 Volunteers im Alter von acht bis 83 Jahren in die Winterspiele mit ein.Volker Kluge: Olympische Winterspiele, Die Chronik. Sportverlag, Berlin 1999, S. 773
Medaillen, Piktogramme und Maskottchen mini|Olympische Medaillen von Lillehammer mini|Rødøymannen, 4000 Jahre alte Darstellung eines Skiläufers
Die Medaillen bestanden aus dem Granit, der bei der Errichtung der Skisprunganlage am Lysgårdsbakken herausgesprengt worden war. Nach Einfassung mit vergoldetem Silber, Silber oder Bronze wurde auf der Rückseite für die jeweilige Sportart das entsprechende Piktogramm angebracht.Volker Kluge: Olympische Winterspiele, Die Chronik. Sportverlag, Berlin 1999, S. 828
Die Gestaltung der Piktogramme basierte auf einer der ältesten bekannten Darstellungen eines Skiläufers, die 1932 in der norwegischen Kommune Rødøy gefunden wurde. Bei ihr handelt es sich um eine etwa 25 cm breiten Felsmalerei, die mit roter Pigmentfarbe neben anderen Figuren auf einem grauen Felsen vor 4000 Jahren aufgetragen wurde.
Maskottchen waren die beiden Königskinder Håkon und Kristin, die von Kari und Werner Grossman entworfen wurden.Beschreibung der Maskottchen Mit den beiden Kindern wurde zum ersten Mal menschliche Figuren dargestellt, die neben der Fröhlichkeit und der Sportbegeisterung der norwegischen Kinder auch auf die Tradition des Gastgeberlandes hinweisen sollten. Hintergrund ist die erste urkundliche Erwähnung von Lillehammer um Weihnachten 1206. Håkon, der uneheliche Sohn von König Sverre, wurde vor der klerikalen Partei der Bagler durch die Birkebeiner am kleinen Berghang (norw. Lillehammer) gerettet. Seine Halbschwester und Tante, Kristin Sveresdatter, wurde mit dem Bagler König Philipp Smonsson verheiratet und ermöglichte damit eine Beendigung der Bürgerkriegsperiode zwischen Bagler und Birkebeiner.historischer Hintergrund von Haakon und Kristin (PDF; 278 kB)
Grüne Spiele 100px| Grüne Spiele Herausragende Bedeutung bei der Planung der Großveranstaltung hatten nicht zuletzt aufgrund der negativen Erfahrungen der Spiele in Albertville die umweltschützenden Maßnahmen. Nicht immer vermeidbare, negative Auswirkungen beim Bau von olympischen Sportanlagen sollten so weit wie möglich minimiert werden. In die Organisation der Spiele wurden insgesamt 25 Umweltprojekte integriert. Eine Strafe von 50.000 Kronen war für jeden unrechtmäßig gefällten Baum beim Bau der Bob- und Rodelbahn fällig. Ebenso wurde der Mjøsa-See rekultiviert, der eine starke Phosphatbelastung aufwies. Waldflächen, die wegen der Errichtung der olympischen Anlagen abgeholzt werden mussten, wurden durch Schulkinder an anderen Stellen des Landes wieder aufgeforstet. Auch die Strecke der Damenabfahrt wurde nach der Lage von Naturschutzgebieten geplant. Nicht zuletzt hatten acht Mädchen und Jungen innerhalb des Maskottchen-Projektes im Vorfeld der Spiele die Aufgabe, den Umweltgedanken in den Mittelpunkt der Vermarktung zu stellen.Offizieller Bericht des Organisationskomitees, Book 1. (PDF; 14,3 MB) S. 132
Große Bedenken hatten Umweltschützer beim Bau der Rodelanlage, deren Kühlsystem wie auch bei den Anlagen in La Plagne und in Calgary auf Ammoniak basiert. Die Anlage wurde deshalb mit einem eigenen Notfallsystem ausgestattet, das mit Sensoren im Fall eines Lecks sofort die notwendigen Maßnahmen einleitet. Alle Zuleitungen wurden darüber hinaus durch spezielle Drucktests und Untersuchungen mit Röntgenstrahlen geprüft, um Schwachstellen im System frühzeitig ausschließen zu können.Offizieller Bericht des Organisationskomitees, Book 3. (PDF; 47,5 MB) S. 37
Olympische Anlagen mini|hochkant|Olympiaschanzen Lysgårdsbakkene
Im Gegensatz zu Albertville 1992 wurde versucht, alle olympischen Anlagen auf einen möglichst engen Raum zu realisieren. Hauptorte der Wettbewerbe waren neben Lillehammer nur Hamar und Gjøvik. Die alpinen Wettbewerbe wurden in Kvitfjell bzw. Hafjell ausgetragen, die kombinierte Bob- und Rodelanlage in Hunderfossen errichtet.
Nur einen Kilometer vom Stadtzentrum Lillehammers entfernt entstand die Skisprunganlage Lysgårdsbakken, die aus einer K 120 und K 90 Schanze besteht. Der Bau begann im Frühjahr 1990 und wurde im Dezember 1992 fertiggestellt. Im Skisprungstadion mit einer Zuschauerkapazität von 35.000 Zuschauern wurden anschließend für die Eröffnungs- und Schlussfeier mehrere temporäre Einrichtungen bis Dezember 1993 angebaut. Durch die nahezu symmetrische Ausrichtung der Schanzen am Hang wurden beste Voraussetzungen bezüglich von Aufwinden bzw. der Vermeidung von Seitenwinden geschaffen. Durch den Einbau zusätzlicher Anlagen wie etwa eine Vorrichtung für die Schneeproduktion entlang des Anlaufes entstand eine moderne Skisprunganlage, deren Starthaus auf der Nordseite über einen Sessellift erreichbar ist. Die Kosten für den Bau der Anlage wurden mit 97,10 Millionen Kronen angegeben. Zusätzlich wurde für die Arena der Eröffnungs- bzw. Schlussfeier Ausgaben in Höhe von 37,95 Millionen Kronen fällig.Offizieller Bericht des Organisationskomitees, Book 3. (PDF; 47,5 MB) S. 21
Nur ungefähr drei Kilometer nordwestlich der Olympiastadt entstand für 81,4 Millionen Kronen 485 Meter über dem Mjøsa-See das Birkebeineren Skistadion. Durch die Konzeption von zwei getrennten Stadionbereichen wurde es ermöglicht, sowohl die Langlaufwettbewerbe als auch die Konkurrenzen im Biathlon dort auszutragen. Die Stadionanlage wurde in einem trockengelegten Sumpfgebiet errichtet und durch eine Drainagevorrichtung gegen eindringendes Grundwasser geschützt. Für Langlaufentscheidungen fanden im 200 Meter langen Langlaufstadion 31.000 Zuschauer Platz. Die Kapazität des mit 150 Metern Länge etwas kleineren Biathlonstadions betrug 13.500.Offizieller Bericht des Organisationskomitees, Book 3. (PDF; 47,5 MB) S. 33
mini|links|Håkons Halle in Lillehammer mini|links|Felsenhalle in Gjøvik