mini|hochkant|Der Webb Ellis Cup
Die Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2003 () fand vom 10. Oktober bis zum 22. November 2003 in Australien statt. Ursprünglich war eine gemeinsame Austragung mit Neuseeland vorgesehen gewesen, doch alle Spiele wurden nach rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen dem neuseeländischen Verband und dem Weltverband nach Australien vergeben. Es war die fünfte Weltmeisterschaft im vierjährlichen Turnierzyklus, der vom Weltverband International Rugby Board (IRB; jetzt World Rugby) organisiert wird, und die dritte in der südlichen Hemisphäre. Australien war mit Neuseeland gemeinsam Gastgeber der ersten Weltmeisterschaft 1987.
An der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2003 nahmen 20 Rugby-Union-Nationalmannschaften teil: die acht direkt qualifizierten Mannschaften der Weltmeisterschaft 1999 (Argentinien, Australien, England, Frankreich, Neuseeland, Schottland, Südafrika und Wales), zusammen mit den zwölf besten Mannschaften der Qualifikation (Fidschi, Georgien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Namibia, Rumänien, Samoa, Tonga, Uruguay und die Vereinigten Staaten). Georgien nahm erstmals an einer Weltmeisterschaft teil.
Während der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2003 wurden 48 Spiele absolviert, darunter 40 in der Vorrunde und acht in der Finalrunde, einschließlich des Finales. Die Mannschaften wurden in vier Gruppen zu je fünf Teams eingeteilt, wobei jedes einmal gegen die anderen der Gruppe antrat. Die beiden besten Mannschaften jeder Gruppe erreichten hiernach das Viertelfinale. Die Viertelfinalisten qualifizierten sich direkt für die darauf folgende Weltmeisterschaft 2007 in Frankreich.
Vor Beginn der Weltmeisterschaft galten England, Neuseeland, Frankreich, Australien und Südafrika als Favoriten auf den Titelgewinn. Weltmeister wurde erstmals England, das im Finale im Telstra Stadium in Sydney den Titelverteidiger und Gastgeber nach Verlängerung mit 20:17 bezwang. Es war das erste Mal überhaupt, dass eine Mannschaft der nördlichen Hemisphäre den Weltmeistertitel gewinnen konnte. Außerdem war dies nach Fußball 1966 der zweite Weltmeistertitel in einer der beliebtesten Sportarten Englands, den die jeweilige Nationalmannschaften gewinnen konnte; 2019 folgte noch der Weltmeistertitel im Cricket. Neuseeland wurde Dritter und Frankreich Vierter; interessanterweise schlossen die vier Gruppensieger das Turnier als die vier besten Mannschaften ab. Südafrika unterlag im Viertelfinale Neuseeland mit 9:29. Namibias Rudie van Vuuren, der acht Monate zuvor mit der namibischen Cricket-Nationalmannschaft am Cricket World Cup 2003 in Südafrika teilgenommen hatte, wurde der erste Sportler, der im selben Jahr in zwei verschiedenen Sportarten bei Weltmeisterschaften auflief.
Die Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2003 schrieb in mehreren Aspekten Geschichte: nachdem das komplexe Format der Weltmeisterschaft 1999 mit fünf Gruppen zu je vier Mannschaften und der anschließenden Hoffnungsrunde kritisiert wurde, wurde während der WM 2003 ein einfacheres System verwendet, bei dem die 20 Teams in vier Gruppen zu je fünf Mannschaften eingeteilt wurden. Dadurch war es die erste WM, während der 48 Spiele absolviert wurden. Außerdem wurde erstmals das Bonuspunktsystem herangezogen, wonach eine Mannschaft für das Legen von mindestens vier Versuch oder einer Niederlage mit weniger als acht Punkten Unterschied (ein erhöhter Versuch) einen Bonuspunkt zugesprochen bekam. Nach wirtschaftlichem Einfluss war das Turnier das zweitgrößte Sportereignis in der australischen Geschichte nach den Olympischen Sommerspielen 2000, noch vor dem Melbourne Spring Racing Carnival 2002, dem Großen Preis von Australien und den Australian Open. Die Organisatoren erwarteten für das Turnier 65.000 Gäste aus Übersee.
Vergabe mini|links|Die Sydney Harbour Bridge während der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2003 mini|400px|Bewerbungen für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2003 Die Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2003 wurde ursprünglich an Australien und Neuseeland vergeben. Nach Rechtsstreitigkeiten über die Bodenbeschilderung zwischen dem neuseeländischen Verband und dem Weltverband wurde Australien zum alleinigen Gastgeber der Weltmeisterschaft 2003 ernannt. Neuseeland sollte ursprünglich 23 der 48 Spiele anbieten, Neuseelands Forderungen nach einer Änderung der Bestimmungen zur Stadionwerbung waren jedoch nicht akzeptabel für den IRB. Damit war es nach der Weltmeisterschaft 1991 in Südafrika das zweite Turnier, das von einem Gastgeber ausgetragen wurde.
Qualifikation
Zwanzig Mannschaften hatten sich für die Weltmeisterschaft 2003 qualifiziert. Die acht Viertelfinalisten der Weltmeisterschaft 1999 – Argentinien, Australien, England, Frankreich, Neuseeland, Schottland, Südafrika und Wales – qualifizierten sich automatisch für das Turnier, während die restlichen Mannschaften den Weg über die weltweite Qualifikation gehen musste. Zehn der 20 Startplätze des Turnieres wurden während kontinentalen Qualifikationen ausgespielt, während um die übrigen zwei Plätze in der Barrage-Runde gespielt wurde. Die Qualifikation bestand aus fünf kontinentalen Gruppen: Afrika, Nordamerika zusammen mit Südamerika, Asien, Europa und Ozeanien. Vier Plätze waren für europäische Mannschaften reserviert, jeweils zwei Plätze für Amerika und Ozeanien und je einer für Afrika und Asien. Die zwei übrigen Plätze wurden in der interkontinentalen Qualifikationsrunde ausgespielt. Zusammen mit den automatischen Qualifikanten nahmen 88 Nationalmannschaften an der Qualifikation zur Endrunde in Australien teil.
Im Juli 2002 qualifizieren sich Fidschi und Samoa in der ozeanischen Qualifikation als Ozeanien 1 und 2. Im selben Monat sicherte sich Japan den einzigen asiatischen Startplatz nach einem 120:3-Sieg in Tainan gegen Taiwan. Im August desselben Jahres qualifizierte sich Kanada als Amerika 1, nachdem es Chile mit 27:6 in Calgary bezwang. Der Startplatz Amerika 2 wurde im September von Uruguay eingenommen, als es Chile mit 34:23 in Montevideo bezwang. Im selben Monat qualifizierte sich Italien in der Gruppe A der europäischen Qualifikation als Europa 2, nachdem es Rumänien in Parma mit 25:17 schlug; Rumänien bezwang Spanje mit 67:6 in Iași und qualifizierte sich damit als Europa 3 für die Weltmeisterschaft 2003. In Gruppe B besiegte Irland Georgien mit 63:14 in Dublin und qualifizierte sich als Gruppenerster als Europa 1; Georgien schlug Russland mit 17:13 in Tiflis und qualifizierte sich als Europa 4. Namibia sicherte sich seine zweite Endrundenteilnahme hintereinander, nachdem die Mannschaft im November zweimal gegen Tunesien erfolgreich gewesen war.
Ursprünglich hatte Russland das europäische Play-off gegen Spanien mit einem Gesamtergebnis von 58:41 gewonnen, da die Russen jedoch drei nichtberechtigte südafrikanische Spieler eingesetzt hatten, wurden sie aus der Qualifikation ausgeschlossen und stattdessen erreichte Spanien die nächste Runde. Die Vereinigten Staaten qualifizierten sich in der Barrage-Runde nach zwei Siegen gegen Spanien. Der letzte Startplatz in der Gruppe C ging an Tonga, nachdem dieses Südkorea in zwei Spielen mit insgesamt 194:0 besiegte. Georgien, das Spanien ersetzte, war die einzige Veränderung in der Liste der 20 teilnehmenden Mannschaften der WM 1999. Es war dies auch Georgiens erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft.
mini|400px|An der Qualifikation beteiligte Länder nach Kontinentalverbänden; insgesamt 88 Teams nahmen teil. mini|400px|Teilnehmende Länder der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2003: Land Qualifikationsgrundlage WM-Teilnahme Letztmalige WM-Teilnahme Bestes Ergebnis GruppeGastgeberFünfte1999Weltmeister (1991, 1999)AAutomatischFünfte1999Viertelfinale (1999)AFünfte1999Finalist (1991)CFünfte1999Finalist (1987, 1999)BFünfte1999Weltmeister (1987)DFünfte1999Vierter (1991)BDritte1999Weltmeister (1995)CFünfte1999Dritter (1987)DOzeanien 1Vierte1999Viertelfinale (1987)BEuropa 4Erste –DebütCEuropa 1Fünfte1999Viertelfinale (1987, 1991, 1995)AEuropa 2Fünfte1999Vorrunde (1987, 1991, 1995, 1999)DAsien 1Fünfte1999Vorrunde (1987, 1991, 1995, 1999)BAmerika 1Fünfte1999Viertelfinale (1991)DAfrika 1Zweite1999Vorrunde (1999)AEuropa 3Fünfte1999Vorrunde (1987, 1991, 1995, 1999)AOzeanien 2Vierte1999Viertelfinale (1991, 1995)CBarrage 2Vierte1999Vorrunde (1987, 1995, 1999)DAmerika 2Zweite1999Vorrunde (1999)CBarrage 1Vierte1999Vorrunde (1987, 1991, 1999)B
Austragungsorte Die 48 Spiele fanden in elf verschiedenen Stadien statt, die über das ganze Land verteilt waren, jedoch mit Schwerpunkt auf die Regionen an der Ostküste. Insgesamt betrug die Sitzplatzkapazität 421.311, weniger als während der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 1999 in Wales (wobei Spiele auch in England, Frankreich, Irland und Schottland ausgetragen wurden) bei der die Kapazität 654.677 in 18 Stadien betrug.
Das Adelaide Oval, eigentlich ein Cricket-Stadion, wurde im Hinblick auf die Rugby-WM 2003 ausgebaut und um zwei Tribünen an den Victor Richardson-Toren erweitert. Die Kosten von 20 Millionen AUD übernahm die South Australian Cricket Association. Das Suncorp Stadium in Brisbane ist ein speziell auf die Bedürfnisse von Rugby und Fußball zugeschnittener Neubau. Die Baukosten betrugen 280 Millionen AUD und das Stadion wurde wenige Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft eröffnet. Die Kapazität des neuen Stadions von 52.000 sind 12.000 mehr als im alten Lang Park. Ebenfalls relativ neu ist das Central Coast Stadium in Gosford, das ebenfalls auf Rugby und Fußball spezialisiert ist, es kostete 30 Millionen AUD und wurde im Februar 2000 eröffnet.
Sydney war mit zwei Austragungsorten vertreten. Das Aussie Stadium diente als Hauptstadion für das Fußballturnier der Olympischen Sommerspiele 2000. Das Telstra Stadium im Sydney Olympic Park war das Herzstück der Olympischen Spiele. Es kostete über 600 Millionen AUD und ist das zweitgrößte Stadion in Australien, nach dem Melbourne Cricket Ground. Mit einer Kapazität von 83.500 war es das größte Stadion während der Weltmeisterschaft 2003 (ursprünglich hatte dieses Stadion eine Kapazität von 110.000 und unterlief nach den Olympischen Spielen von 2001 bis 2003 eine Renovierung). Das einzige Stadion mit Schiebedach war der Telstra Dome in Melbourne. Obschon das Telstra Stadium über verschiebbare Sitzplätze verfügt, bei dem vier Abschnitte der untersten Ebene mit 18 Metern vorgeschoben werden können und dem Spielfeld eine rechteckigere Fläche geben, wurde dies während der WM 2003 nicht verwendet, da es die Kapazität um etwa 3.500 vermindert. Sydney Townsville Brisbane Telstra Stadium Aussie Stadium Dairy Farmers Stadium Suncorp Stadium Kapazität: 83.500 Kapazität: 41.159 Kapazität: 24.843 Kapazität: 52.500 180px 180px 180px 180px Gosford[ { "type": "FeatureCollection", "features": [
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