Die Marineschutzkräfte (MSK) waren ein infanteristischer Verband der Deutschen Marine in Bataillonsstärke, der am 1. April 2005 aufgestellt und zum 1. April 2014 aufgelöst wurde. Die Marineschutzkräfte waren in Eckernförde an der Ostsee stationiert. Das Bataillon unterstand der Einsatzflottille 1. Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr wurden die MSK in ein Seebataillon umgegliedert. Der Standort Alt Duvenstedt wird geschlossen. Die dortige 2. Kompanie (2./MSK) wird nach Eckernförde verlegt.BMVg - Die Stationierung der Bundeswehr (Oktober 2011) (PDF; 3,26 MB)

Auftrag

mini|Deutsche Soldaten im NATO-Manöver Northern Light, 1999 Die Marineschutzkräfte übernahmen für Marinekräfte die infanteristische Sicherung an Bord auf See und an Land in Seehäfen. Ihre Hauptaufgaben waren:

Land- und seeseitiger Schutz der Einheiten der Deutschen Marine und deren Einrichtungen an Land, in Häfen, auf Reeden und in küstennahen Gewässern im In- und Ausland Beratung der Führungsebenen vor Ort Informationsgewinnung durch Feldnachrichtenkräfte der Marine zur Unterstützung des Operativen Schutzes sowie zur Vorbereitung und Unterstützung des Einsatzes von See- und Seeluftstreitkräften Unterstützung bei Aufbau und Betrieb sowie Schutz eines Abstützpunktes Marine (APM) Schutz von Straßentransporten im In- und Ausland im Rahmen der Einsatzunterstützung

Nebenaufgaben waren:

Unterstützung von Speziellen Operationen Durchführen der Kampfmittelerkundung (EOR) Durchführen von ABC-Abwehrmaßnahmen an Land Unterstützung bei der Beweissicherung Unterstützung fremder Streitkräfte in Deutschland im Rahmen des Host Nation Support (HNS) Unterstützung im Rahmen der Humanitären Hilfe (Disaster Relief)

Organisation

Das Bataillon Marineschutzkräfte umfasste etwa 500 Soldaten.

Gliederung Bataillon

Das Bataillon bestand aus einem Stab, drei Einsatzkompanien und dem Feldnachrichtenzug.

Bataillon Marineschutzkräfte (MSK) Stab 1. Kompanie 2. Kompanie 3. Kompanie Feldnachrichtenzug

Gliederung Kompanie

Jede Kompanie setzte sich aus ungefähr 140 Soldaten zusammen, darunter vier Offiziere. Der Kompaniechef und die Zugführer des I. und des IV. Zuges waren jeweils Offiziere des Truppendienstes. Der Dienstposten des Kompanieeinsatzoffiziers war durch einen Offizier des militärfachlichen Dienstes besetzt. Zugführer des II. und des III. Zuges waren Bootsleute.

Kompanieführungsgruppe I. Zug (schwere Waffen) Der I. Zug war mit schweren Waffensystemen zur Feuerunterstützung ausgestattet. Dazu gehörten Panzerabwehrwaffen (MILAN), das leichte Maschinengewehr (LMG), die Granatmaschinenwaffe (GraMaWa) und Scharfschützen. II. Zug (infanteristischer Objektschutz) Zugtrupp 1. Gruppe 2. Gruppe 3. Gruppe III. Zug (infanteristischer Objektschutz) Zugtrupp 4. Gruppe 5. Gruppe 6. Gruppe IV. Zug (Spezial) Der IV. Zug verfügte über spezialisierte Fähigkeiten. Dazu gehörten Schlauchboote, Sonarortungssysteme und Fliegerfäuste.

Während im II. und III. Zug Mannschaftsdienstgrade ohne Spezialisierung eingesetzt wurden, dienten im IV. Zug überwiegend längerdienende Mannschaftsdienstgrade mit einer Verpflichtungszeit von vier bis acht Jahren.

Feldnachrichtenzug

Eine Besonderheit innerhalb der Marine stellten die Feldnachrichtenkräfte der Marine dar. Sie umfassten einen Zug aus fünf Trupps. Die Soldaten hatten den Auftrag, mittels zielorientierter Gesprächsführung die Stimmung innerhalb der Bevölkerung im Einsatzland auszuwerten, um das Lagebild vor Ort zu vervollständigen.

Einsatzgliederung

Mobile Protection Element

Zum Schutz von Schiffen und Booten in See wurden sogenannte Mobile Protection Elements (MPE) eingesetzt. Die Anzahl der Soldaten eines MPE variierte je nach Schiffstyp. So bestand ein MPE auf Schnellbooten aus vier Soldaten (ein Unteroffizier und drei Mannschaften) und an Bord von Fregatten aus bis zu zehn Soldaten. Schwere Waffen oder Scharfschützen konnten je nach Auftrag ergänzt werden. Die MPE konnten mit Angehörigen der Bordbesatzung verstärkt werden.

Vessel Protection Detachment

Vessel Protection Detachments (VPD) – so die internationale Bezeichnung – waren ähnlich den MPE aufgebaut und wurden als Schutzteams auf Handelsschiffen eingesetzt. Sie berieten die Schiffsführung und schützten das Schiff vor (Piraten-)Angriffen. VPD konnten per Bordhubschrauber oder Beiboot auf ein anderes Schiff übergesetzt werden. VPD wurden immer von einem Offizier geführt und von einem Rettungsassistenten begleitet.

Harbour Protection Element

Harbour Protection Elements (HPE) wurden zum Schutz von Schiffen und Booten in Häfen eingesetzt. HPE hatten die Größe eines Zuges, d. h. etwa 30 bis 40 Soldaten. HPE bestanden aus mindestens zwei Gruppen, um einen ständigen Schutz des Schiffes gewährleisten zu können. Außerdem betrieben HPE Kontrollstellen (Checkpoints) für Personen und Fahrzeuge.

Der infanteristische Kern der HPE wurde ergänzt durch Spezialisten, z. B. Kraftbootfahrer oder Sonaristen, die das Hafenbecken z. B. nach Tauchern aufklären.

Kommandeure

Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Bemerkungen 5. Fregattenkapitän Arne Krüger 31. Januar 2014 31. März 2014 Aufstellung Seebataillon 4. Fregattenkapitän Edgar Behrends 20. Januar 2011 31. Januar 2014 3. Fregattenkapitän Thomas Schorn 21. September 2007 20. Januar 2011zunächst im Dienstgrad Korvettenkapitän 2. Fregattenkapitän Andreas Müggedeutsches-marinearchiv.de 1. Oktober 2005 21. September 2007 1. Fregattenkapitän Bernd Rehr 1. April 2005 1. Oktober 2005 zuvor letzter Kommandeur MSichBtl 1

Ausbildung

Mannschaften

Die dreimonatige Grundausbildung (GA) wurde bei der 6., 9. und der 10. Inspektion der Marineunteroffizierschule in Plön durchgeführt. Grundwehrdienstleistende wurden dort zusammen mit Soldaten auf Zeit ausgebildet. Im letzten Drittel der AGA fand die sogenannte Einsatzvorbereitende Ausbildung im Rahmen von Konfliktverhütung und Krisenbewältigung statt, kurz: EAKK.

Im Anschluss an die AGA folgte die sechsmonatige Vollausbildung bei den Marineschutzkräften in Eckernförde und an verschiedenen Schulen des Heeres. Die Soldaten gehörten entweder dem II. oder III. Zug einer der drei Einsatzkompanien an.

Bestandteile der Vollausbildung waren: Waffen- und Schießausbildung Checkpointausbildung verschiedene Märsche, darunter Bergungs- und Leistungsmärsche (30 km) Sportausbildung (BFT, Deutsches Sportabzeichen, Deutsches Schwimmabzeichen, Rettungsschwimmabzeichen) ABC-Abwehr und Selbstschutz, Brandbekämpfung Funkausbildung Einsatz als MPE an Bord von Schiffen und Booten Fast-Roping (Abseilen von Hubschraubern) Gebirgs- und Winterkampf Orts- und Häuserkampf Truppenübungsplatzaufenthalte, Übungen auf Teileinheits-, Einheits- und Verbandsebene Sanitätsausbildung Kampfmittelaufklärung EOR

Bei bestandenen Ausbildungsabschnitten erhielt jeder Marinesicherungssoldat nach insgesamt neun Monaten den Status Combat Ready.

Nach der Vollausbildung konnten weitere Fachlehrgänge folgen, z. B. zum Scharfschützen oder Kraftbootfahrer.

Unteroffiziere

Portepeeunteroffiziere wurden bei den Marineschutzkräften hauptsächlich als Gruppen- oder Zugführer eingesetzt.

Bootsmannanwärter durchliefen gemeinsam mit den freiwilligen Wehrdienstleistenden und längerdienenden Mannschaftsdienstgraden die sechsmonatige Vollausbildung. Im Anschluss folgte der viermonatige Unteroffizierlehrgang 2 an der Marineunteroffizierschule als Laufbahnlehrgang.

Weitere Ausbildungsinhalte für Unteroffiziere mit Portepee waren: Gruppenführerlehrgang an der Marineunteroffizierschule in Plön Gruppenführerpraktikum ABC-Abwehr und Selbstschutz an der ABC- und Selbstschutzschule in Sonthofen Einzelkämpferlehrgang 1 an der Infanterieschule in Hammelburg Erwerb Führerschein Klasse B, C/E Schießlehrerlehrgang an der Infanterieschule

Die Beförderung zum Bootsmann konnte frühestens drei Jahre nach dem Diensteintritt erfolgen.

Offiziere

Offiziere wurden bei den Marineschutzkräften als Zugführer, Einheits- (Kompaniechef) und Verbandsführer (Bataillonskommandeur) oder im Stab eingesetzt.

Offiziere des Truppendienstes (OffzTrD) absolvierten nach abgeschlossenem Studium an einer der beiden Universitäten der Bundeswehr den sechsmonatigen Gruppenführerlehrgang an der Marineunteroffizierschule in Plön. Nach einem Truppenpraktikum nahmen sie am wiederum sechs Monate dauernden Zugführerlehrgang teil. Im Anschluss erfolgte der Einsatz bei den Marineschutzkräften in Eckernförde. Es folgten weiterführende Lehrgänge (u. a. ABC/Se, Einzelkämpferlehrgang).

Offiziere des Militärfachlichen Dienstes (OffzMilFD) waren ehemalige Portepeeunteroffiziere, die in die Laufbahn der Offiziere gewechselt sind.

Geschichte

Marinepionierbataillon

Die Geschichte der Marineschutzkräfte geht zurück auf die Gründung des Marinepionierbataillons im Jahre 1958 in Sengwarden (Friesland) bei Wilhelmshaven. Es unterstand bis zur Aufstellung des Kommandos der Amphibischen Streitkräfte, der späteren Amphibischen Gruppe dem Kommando der Zerstörer.

Das Marinepionierbataillon gliederte sich 1958 in folgende Einheiten:

Stabs- und Versorgungskompanie Bootskompanie Hafenbau- und Betriebskompanie

Seebataillon

Bereits nach einem Jahr erhielt der Verband den traditionsreichen Namen Seebataillon (1959–1965 und 1988–1990 als Truppenversuch). Mit dieser Namensgebung wurde an das 1852 in Stettin gegründete erste Seebataillon Deutschlands der Königlich Preußische Marine erinnert. Das Seebataillon hatte den Auftrag, Strand- und Küstenabschnitte für anlandende Truppen von der Größe einer Brigade vorzubereiten. Es gliederte sich 1960 in die folgenden Einheiten:

Stabs- und Versorgungskompanie Bootskompanie Hafenbau- und Betriebskompanie Strandmeisterkompanie

Bereits nach zwei Jahren ergaben sich neue strukturelle Veränderungen: Aus der Hafenbau- und Betriebskompanie wurde die Strand-Pionierkompanie, die Stabs- und Versorgungskompanie war fortan nur noch eine Stabskompanie. Das Seebataillon wurde bereits 1964 in Borkum wieder aufgelöst.

Im Rahmen eines Truppenversuches wurde das Seebataillon von 1988 bis 1991 aufgestellt und der Amphibischen Gruppe unterstellt. Es umfasste die Strandmeister- und die Kampfschwimmerkompanie, die bis dahin direkt der Amphibischen Gruppe unterstanden haben.

Marinestützpunktsicherungsgruppen

Ab den 1960er Jahren begann die damalige Bundesmarine, Sicherungskräfte zum Schutz ihrer Einrichtungen an Land aufzustellen. Im Verteidigungsfall wären diese nichtaktiven Truppenteile aktiviert worden. Sie waren an strategisch wichtigen Standorten, z. B. bei Depots oder entlang der westdeutschen Ostseeküste, stationiert.

Dem Marineunterstützungskommando mit Sitz Wilhelmshaven waren bis zur Auflösung alle logistischen Einrichtungen der Marine unterstellt. Dazu gehörten u. a. Depots und Stützpunkte. Dem Kommando sowie seinen Dienststellen waren insgesamt 36 nichtaktive Sicherungszüge und drei nichtaktive Sicherungskompanie unterstellt. Diese Truppenteile waren Geräteeinheiten (GerEinh), d. h., es existierte nur eingelagertes Material. Im Verteidigungsfalle wären die Truppenteile durch Reservisten aufgefüllt worden. Die Soldaten hätten das Material übernommen, um die ihnen zugewiesenen Standorte zu sichern und zu verteidigen.

Zum Schutz des Flottenkommandos in Glücksburg und der landgebundenen Marinefernmeldeeinrichtungen existierten 25 nichtaktive Sicherungszüge als Geräteeinheiten.

Zwischen 1973 und 1991 existierten drei Marinestützpunktsicherungsgruppen. Sie waren teilaktiv und bestanden in Friedenszeiten nur aus einer aktiven Einheit, der ersten Kompanie. Diese kann als leichte Infanteriekompanie angesehen werden. Die Gruppen waren einem jeweiligen Marinestützpunktkommando unterstellt.

Marinestützpunktsicherungsgruppe 1, Flensburg 1. Kompanie 2. bis 4. Kompanie (GerEinh) zwei Sicherungszüge (GerEinh) Marinestützpunktsicherungsgruppe 3, Olpenitz (Kappeln an der Schlei) 1. Kompanie 2. und 3. Kompanie (GerEinh)