mini|Cassandra Wilson beim Bluesfest in Ottawa (2008) Cassandra Marie Fowlkes Wilson (* 4. Dezember 1955 in Jackson, Mississippi; † 2. September 2026 ebenda) war eine US-amerikanische Jazzsängerin und Songwriterin.

Wilson nutzte Jazz, Delta Blues, Gospel, Folk, Pop und Rock und wurde besonders für eigenständige Neuinterpretationen bekannter Lieder bekannt. Kennzeichnend waren ihre tiefe, rauchige Altstimme und ein Repertoire, das vom Great American Songbook über afroamerikanische Musiktraditionen bis zu zeitgenössischen Pop- und Folksongs reichte. Sie war zweifache Grammy-Preisträgerin.

Leben und Werk Wilson war das jüngste von drei Kindern der Pädagogin Mary (geb. McDaniel) Fowlkes und Herman Fowlkes Jr., der ebenfalls als Lehrer tätig war und in örtlichen Bands Bass spielte. Mit sechs Jahren begann sie Klavier und mit zwölf Jahren Gitarre zu spielen. In der Highschool spielte sie außerdem Klarinette und begann, eigene Lieder zu schreiben. Prägend waren die Delta-Blues- und Gospelklänge ihrer Kindheit, die Gitarrenharmonien ihres Vaters sowie die Begeisterung beider Eltern für Miles Davis und Motown. Nach der verspäteten Aufhebung der Rassentrennung an den Schulen Mississippis kam sie in der elften Klasse erstmals in engeren Kontakt mit weißen Mitschülern; mit zwei von ihnen gründete sie ein Folk-Trio, in dem die gemeinsame Begeisterung für Bob Dylan und Joni Mitchell zu einem musikalischen Wendepunkt wurde.

Wilson besuchte zunächst das Millsaps College und schloss 1980 an der Jackson State University ein Studium der Massenkommunikation ab. 1981 zog sie mit ihrem ersten Ehemann Anthony Wilson, einem Radiomoderator, nach New Orleans, wo sie als Assistentin in der Öffentlichkeitsarbeit eines Fernsehsenders tätig war. Dort sang sie bei der lokalen Gruppe Jasmine die Hauptstimme auf dem von Allen Toussaint produzierten Latin-Jazz-Album Tropical Breeze und trat auch mit Ellis Marsalis auf.

1982 zog Wilson nach New York, beteiligte sich an Jam-Sessions, nahm Gehörbildungsunterricht bei dem Posaunisten Grachan Moncur III und schloss sich dem Musikerkollektiv M-Base um Steve Coleman an. Ihre Beiträge zu Colemans Alben Motherland Pulse (1985) und On the Edge of Tomorrow (1986) erweiterten ihre Möglichkeiten der wortlosen Improvisation und der flexiblen Phrasierung. 1986 veröffentlichte sie mit Point of View ihr erstes Album unter eigenem Namen. Der Münchner Produzent Stefan Winter veröffentlichte ihre frühen Alben auf dem neu gegründeten Label JMT; dabei entwickelte sich ihre Musik von der strukturellen Radikalität des M-Base-Umfelds zunehmend zu liedorientierten Eigenkompositionen und Coverversionen, die stärker auf ihre musikalischen Wurzeln in Mississippi zurückgriffen. 1986 nahm sie mit AACM-Mitbegründer Henry Threadgill und seinem Trio Air New Air No. 1 auf.All About Jazz: (englisch) Das ausschließlich aus Standards bestehende Album Blue Skies (1988), eingespielt mit Mulgrew Miller, Lonnie Plaxico und Terri Lyne Carrington, erschloss ihr ein breiteres Publikum; 1989 eröffnete sie beim Chicago JVC Jazz Festival für Miles Davis.

mini|Cassandra Wilson (2007) 1993 nahm der Produzent Bruce Lundvall Wilson für Blue Note Records unter Vertrag. Blue Light ’Til Dawn (1993) und der Nachfolger New Moon Daughter enthielt eigene Kompositionen und Jazzstandards, Delta Blues sowie Lieder von Joni Mitchell, Van Morrison, Robert Johnson, Neil Young, U2 und den Monkees, meist in sparsamen, überwiegend akustischen Arrangements. Ihre verlangsamte Interpretation von Last Train to Clarksville hob die Antikriegsdimension des Liedtextes hervor. New Moon Daughter verkaufte sich mehr als 400.000-mal und brachte ihr 1997 den Grammy für die beste Jazz-Gesangsdarbietung ein.

In Wynton Marsalis’ Jazzoratorium Blood on the Fields sang Wilson die Rolle der Leona und ging 1997 mit dem Werk, der ersten mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Jazzkomposition, auf internationale Tournee. Das von Wilson produzierte Album Traveling Miles (1999) ging aus einem von Jazz at Lincoln Center beauftragten Miles-Davis-Programm hervor; sie versah dabei unter anderem Miles Runs the Voodoo Down, Seven Steps to Heaven und Blue in Green mit eigenen Texten. Belly of the Sun (2002), eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen des Blues, nahm sie in einem stillgelegten Bahnhof in Clarksdale auf. Loverly (2008) war nach längerer Pause eine Rückkehr zu Jazzstandards und entstand unter anderem mit dem Pianisten Jason Moran; 2009 erhielt Wilson dafür ihren zweiten Grammy.

2012 verließ sie Blue Note und veröffentlichte Another Country bei der unabhängigen Ojah Media Group mit Sitz in ihrer Heimatstadt Jackson, deren Veranstaltungsort Yellow Scarf sie auch konzipierte. Ihr letztes Soloalbum Coming Forth by Day erschien 2015 als Hommage an Billie Holiday anlässlich deren 100. Geburtstags. Im selben Jahr kehrte sie dauerhaft nach Jackson zurück und gründete gemeinsam mit der Sängerin Rhonda Richmond einen Jazzclub und ein Plattenlabel zur Förderung der Künste in Mississippi. Ihren letzten Liveauftritt hatte sie im Juni 2026 beim Toronto Jazz Festival.

Wilsons Ehen mit Anthony Wilson, Bruce Lincoln und dem Schauspieler Isaac de Bankolé wurden geschieden; sie hatte einen Sohn namens Jeris. Sie starb am 2. September 2026 im Alter von 70 Jahren in ihrem Haus in Jackson, umgeben von ihrer Familie, engen Freunden und ihrem Manager; eine Todesursache wurde nicht bekanntgegeben.

Preise und Auszeichnungen Wilson wurde viermal für einen Grammy nominiert und gewann zweimal; außerdem erhielt sie den französischen Django d’Or und einen Edison und wurde mit einer Gedenktafel des Mississippi Blues Trail geehrt. 2001 bezeichnete sie das Magazin Time als „Amerikas beste Sängerin“. 2020 verlieh ihr das Berklee College of Music die Ehrendoktorwürde; 2022 wurde sie vom National Endowment for the Arts als NEA Jazz Master ausgezeichnet.

Diskografie

Alben

Weitere Alben 1986: Point of View 1987: Days Aweigh 1988: Blue Skies 1990: Jumpworld 1991: She Who Weeps 1991: Live 1992: After the Beginning Again 1992: Dance to the Drums Again 1996: Songbook 1997: Rendezvous 2002: Sings Standards 2004: Love Phases Dimensions 2009: Closer to You: The Pop Side 2010: Silver Pony 2014: Moonglow

Singles (Auswahl)

Auszeichnungen für Musikverkäufe Goldene Schallplatte

2001: für das Album Traveling Miles

Weblinks

cassandrawilson.com (englisch) Profil bei Blue Note Records Ted Ownby: Cassandra Wilson. Eintrag bei Mississippi Encyclopedia, 11. Juli 2017, zuletzt aktualisiert am 11. Juni 2018. Cassandra Wilson in der Grammy-Datenbank

Einzelnachweise

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