Die Poolworks (Germany) Ltd. (bis August 2009 studiVZ Ltd., bis Mai 2011 VZnet Netzwerke Ltd., bis Juni 2012 VZ Netzwerke Ltd.)Companies House, Company No. 05607971 ist ein Unternehmen für webbasierte soziale Netzwerke, das von 2007 bis 2012 zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehörte. Sie gründete am 11. November 2005 das Online-Projekt studiVZ für die Zielgruppe der Studenten. Im Februar 2007 startete zudem der Ableger für Schüler als schülerVZ und ein Jahr später der dritte ohne spezielle Zielgruppe als meinVZ. Im August 2009 benannte sich das Unternehmen in VZnet Netzwerke Ltd. um und verzeichnete im Juli 2010 rund 17 Mio. Mitglieder. Im September 2011 hatten die VZ-Netzwerke noch 8 Mio. Mitglieder; im August 2012 verzeichneten die VZ-Netzwerke noch ca. 2,8 Mio. Mitglieder. Seit Anfang 2013 werden die Nutzerzahlen nicht mehr von der IVW erfasst.VZ-Netzwerke verlassen die IVW, Statista, 11. Februar 2012 2015 hatten die VZ-Seiten insgesamt 1 Mio. aktive Benutzer.Soziale Netzwerke: Was wurde eigentlich aus StudiVZ?, Spiegel Online, 13. Juli 2015. Im April 2013 wurde schülerVZ geschlossen, im März 2022 studiVZ und meinVZ.Meedia: Social-Network-Charts: Google+ vor Twitter
Die Gesellschaft wurde bis zur Übernahme durch Momentous Entertainment Group (MMEG) im Jahr 2017 letztlich von der US-amerikanischen Kapitalbeteiligungsgesellschaft VERT Capital Inc. beherrscht. Im Jahr 2013 hat Poolworks einen Verlust von 3 Mio. Euro erwirtschaftet und ist (aufgrund eines Überschusses der Schulden über das Vermögen) abhängig von der fortgesetzten finanziellen Unterstützung durch die Muttergesellschaft, um im Rechnungswesen das Fortführungsprinzip (Going Concern) aufrechtzuerhalten. Im Jahr 2014 hat Poolworks einen Verlust von 2 Mio. Euro erwirtschaftet.
Die poolworks (Germany) Ltd. hat am 7. September 2017 Insolvenz beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg angemeldet.
Geschichte mini|Diverse Artikel mini|Logo
Die damalige studiVZ Ltd. wurde als Private Limited Company by Shares (Ltd.) nach britischem Recht mit formellem Hauptsitz in Birmingham und sogenannter Zweigniederlassung (faktischem Sitz) in Berlin gegründet. Ehssan Dariani (CEO) und Dennis Bemmann (CTO) hatten studiVZ Ende Oktober 2005 gegründet. Dariani schied im März 2007 als Geschäftsführer aus und sollte nach einer Umwandlung von studiVZ in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) in den Aufsichtsrat wechseln. Zu der GmbH-Umwandlung kam es jedoch nie.
Die Gründer des Merchandising-Dienstes Spreadshirt Lukasz Gadowski und Matthias Spiess stellten jeweils die ersten 5000 Euro Startkapital bereit. Verschiedene Gesellschafter haben später nach eigenen Angaben von studiVZ insgesamt 2,5 Millionen Euro in den Aufbau von studiVZ eingebracht.
Größter Investor war im August 2006 die Holtzbrinck Ventures GmbH mit zwei Millionen Euro. Weitere Gesellschafter waren die folgenden Personen oder Unternehmen, die zusammen etwa 500.000 Euro eingebracht haben: Aaron Voloj Dessauer, Christian Vollmann, Christophe Maire, Dario Suter, European Founders Fund GmbH (Marc, Oliver und Alexander Samwer), Kolja Hebenstreit, Oliver Jung, Peter Schüpbach.
Das Unternehmen wurde am 2. Januar 2007 vollständig von Holtzbrinck Digital Strategy (früher: Holtzbrinck Networks) übernommen, welche zum Holtzbrinck-Konzern gehört. Über den genauen Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Laut Focus habe der Axel-Springer-Verlag in letzter Minute selbst noch 120 Millionen Euro geboten.
Von März 2009 bis Februar 2010 war Markus Berger-de León Chef des Unternehmens. Er leitete zuvor unter anderem das Online-Auktionshaus my-hammer.de und war fünf Jahre beim Klingeltonanbieter Jamba tätig. Dem Führungswechsel ging ein Umbruch voraus, bei dem auch die beiden Gründer Dennis Bemmann und Michael Brehm Ende 2008 ihre Aufgaben im Vorstand niederlegten. Bemmann ist Mitgründer des Unternehmens, Brehm stieß wenige Monate nach dem Start im Juni 2006 dazu. Während im August 2007 rund 140 Mitarbeiter für die VZ-Netzwerke arbeiteten, kümmerten sich im Frühjahr 2010 rund 300 Mitarbeiter um die Plattformen.
Im Oktober 2009 benannte sich die studiVZ Ltd. in VZnet Netzwerke Ltd. um. Von Februar 2010 bis 2011 war Clemens Riedl CEO der VZnet Netzwerke.
Im September 2011 kündigte das Unternehmen eine Neuausrichtung an, die zu einer Stabilisierung der Nutzerzahlen führen sollte. Dabei wollen die VZ-Netzwerke besser auf die Bedürfnisse der Mitglieder eingehen. Geplant ist auch eine Umbenennung von meinVZ in freundeVZ.
studiVZ Ltd. hat sich die Begriffe gruscheln und studiVerzeichnis beim Deutschen Patent- und Markenamt als Wortmarke schützen lassen.Quelle: Deutsches Patent und Markenamt Im Juli 2010 verzeichneten die drei sozialen Netzwerke studiVZ, meinVZ und schülerVZ insgesamt rund 17 Millionen Mitglieder. Allerdings verloren alle drei Netzwerke seit 2010 massiv an Besuchern, während die Verbreitung des Konkurrenten Facebook in Deutschland seitdem stark zunahm. Zwischen Juni 2010 und Juni 2011 sank die Zahl der Seitenaufrufe von 11,4 Milliarden auf 3,2 Milliarden. Im Juni 2012 konnten die VZ-Netzwerke nur noch 656 Millionen Seitenaufrufe bei 40 Millionen Besuchen registrieren.
Mitte 2012 verkaufte der Holtzbrinck-Verlag seine Anteile des Unternehmens an die Investmentgesellschaft Vert Capital, inzwischen firmierte sich die VZ-Netzwerke zu poolworks (Germany) Ltd. um.
Im Juni 2012 wurde angekündigt, dass schülerVZ Ende des Jahres unter der Adresse Idpool.de neugestartet werde. Dies wurde jedoch nicht umgesetzt und schülerVZ am 30. April 2013 geschlossen. Poolworks hat 2013 einen Verlust von 3 Mio. Euro gemacht und Verbindlichkeiten von 40 Mio. Euro, jedoch nur Vermögenswerte von 20 Mio. Euro gehabt.
Im März 2014 hat Poolworks in einem Blog-Beitrag Gerüchten über die Schließung weiterer Plattformen widersprochen und eine komplette Überarbeitung ab April angekündigt.
Im Mai 2016 wurde bekannt, dass Holtzbrinck die ehemalige Tochter Poolworks wegen einer Forderung von 3 Mio. EUR vor dem Berliner Landgericht verklagt hat. Poolworks verlor den Prozess.
Ende November 2016 wurde bekannt, dass das Unternehmen für 10 Mio. US-Dollar an das amerikanische Medienunternehmen Momentous Entertainment Group (MMEG) verkauft werden soll. Der Verkauf wurde jedoch noch nicht wie geplant zum Jahreswechsel 2016/2017 vollzogen. Nach Informationen von MMEG sei eine Einigung mit dem Hauptgläubiger von Poolworks über den Verkauf erzielt worden.
Am 7. September 2017 meldete Poolworks Insolvenz an.Exklusiv: StudiVZ hat Insolvenz angemeldet. Gründerszene, 8. September 2017
Projekte mini|Das Logo von studiVZ mini|Das Logo von schülerVZ mini|Das Logo von meinVZ
Nutzung Die drei VZnet Netzwerke zählten im Juli 2010 mehr als 17 Millionen registrierte Mitglieder. Im ersten Quartal 2008 hatte studiVZ rund 5,5 Millionen Unique User und gehörte damit zu den erfolgreichsten Onlinemedien in Deutschland.Arbeitsgemeinschaft Online Forschung e. V.: Ranking der größten Online-Medien Seit Mai 2007 lässt studiVZ seine Seitenaufrufe und die Reichweite von der IVW messen. Im Berichtsmonat Januar 2009 erreichten studiVZ, schülerVZ und meinVZ zusammen über 11,2 Milliarden Einzelseitenaufrufe und 385,3 Millionen Einzelbesuche,ivwonline.de: im April 2011 verzeichneten die VZ-Netzwerke 4,6 Milliarden Page Impressions und 226,9 Millionen Visits.
schülerVZ war in seiner Nutzung auf Schüler ab zehn (früher zwölf) Jahren beschränkt,AGB des schülerVZ das Anlegen eines Kontos nur durch Einladung eines Mitglieds möglich. Erwachsene waren von der Nutzung ausdrücklich ausgeschlossen. Die Website hatte Mitte Januar 2010 5,6 Millionen Nutzer, das waren knapp 84 Prozent der insgesamt etwa 7 Millionen deutschsprachigen Schüler der Altersstufe. Nach einer Statistik vom Januar 2008 erreichte die Seite bei 2,7 Millionen Benutzern 111 Millionen Aufrufe, woraus man schließen konnte, dass im Durchschnitt jedes Mitglied seine Seite täglich aufgerufen hatte.Lit.
Geschäftsmodell Die Nutzung der VZ-Netzwerke war kostenlos. Auf den Websites wurde Werbung eingeblendet, was anfangs nicht der Fall war. Die Vermarktung von Werbeplätzen auf den Netzwerken übernimmt die iq digital media marketing GmbH, eine Tochter der Handelsblatt-Verlagsgruppe. Des Weiteren sollte durch Community-Werbung in Form von Telegrammen und Werbung in gesonderten Gruppen Umsatz generiert werden. Über den Bereich Einstieg sollten potenzielle Arbeitgeber den Studierenden vorgestellt werden.Dario Suter: Klartext: Wir machen Werbung! (27. Juni 2007) Laut Profit-and-Loss-Account zum Geschäftsjahr 2008 lag der Verlust auf gleicher Höhe wie der Umsatz, die Einnahmen deckten also nur die Hälfte der Kosten.
Technik Die VZ-Netzwerke liefen auf Linux-Servern unter Verwendung von PHP, MySQL-Datenbanken, Memcache-Server und Apache-Webservern. In Spitzenzeiten verarbeitete das gesamte Informationssystem 150 000 Anfragen pro Sekunde, wobei eine Datenübertragungsrate von 5400 MBit/s erreicht wird. Das Hosting erfolgte in einem Rechenzentrum der Telefónica Deutschland.
Soziales Engagement Die VZnet Netzwerke unterstützten diverse namhafte karitative Projekte. Gemeinnützigen und wohltätigen Organisationen wurden beispielsweise kostenfrei Edelprofile zur Verfügung gestellt. Zudem wurde ihnen die Möglichkeit gewährt, auf der Webseite um Unterstützung und Spenden zu bitten.
Gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei motivierten die VZnet Netzwerke bis zum 21. Oktober 2009 beispielsweise mehrere Tausend ihrer Mitglieder, sich als potentielle Knochenmarkspender für Leukämiepatienten typisieren zu lassen.Blog der VZnet Netzwerke Ltd.: „studiVZ/meinVZ und DKMS suchen Knochenmarkspender für Leukämie-Patienten: Schon jetzt über 16.000 Gruppenmitglieder und zahlreiche Spender“
Der Aktion Deutschland Hilft, einem Zusammenschluss deutscher Hilfsorganisationen, ermöglichten die VZnet Netzwerke die Kommunikation mit ihren Mitgliedern über ein eigens eingerichtetes Edelprofil. Per SMS konnten die VZ-Mitglieder für die Opfer der verheerenden Erdbeben in Indonesien und der Taifune in Vietnam und auf den Philippinen spenden.
Gemeinsam mit der Aktion Deutschland Hilft und dem gemeinnützigen Dienstleister spendino sammelten die VZ-Netzwerke im Januar 2010 zudem Spenden für die Opfer des schweren Erdbebens in Haiti.
Zum sozialen Engagement der VZnet Netzwerke zählte nicht zuletzt die Unterstützung für das Start-Up 2aid.org. Gemeinsam mit der Non-Profit-Organisation rief das Berliner Internetunternehmen seine Mitglieder im November 2009 dazu auf, für den Bau von sieben Brunnen in der Region Nakaseke in Uganda zu spenden, um die dort drohende humanitäre Katastrophe abzuwenden. Eine Gruppe mit Spezialfunktionen diente als Kommunikationsplattform.
Rezeption Gerade für Jugendliche sind viel ältere Plattformen als SchülerVZ vorhanden (wie tivi-Trefftivi-Treff (ZDF-Kinderfernsehen), der Chat des öffentlich-rechtlichen Jugendradios Ö3 oder LizzyNet speziell für Mädchen). SchülerVZ war (etwa im Vergleich zu MySpace) mit wenigen Features ausgestattet. Als Grund wird der Ansatz gesehen, dass die Zuordnung der Mitglieder über die besuchte Schule erfolgte, so dass ein Schüler auch andere Schüler seiner Schule kennenlernen konnte, ohne den für Jugendliche problematischen Weg der direkten Ansprache gehen zu müssen. Gerade die Sicherheit, dass keine Erwachsenen „Zutritt“ zu der Community haben, war nach Aussagen des Medienpädagogen Markus Gerstmann vom Bremer ServiceBureau Jugendinformation ein Faktor des Erfolgs, und auch als pädagogisch durchaus wertvoll zu sehen – die nötige Sorgfalt im Umgang mit Informationen, aber auch mit Menschen an sich vorausgesetzt.
In der Vergangenheit wurde insbesondere in Blogs und Onlinemagazinen von verschiedenen größeren Zeitungen Kritik am Verhalten der Betreiber geübt. Dies ging so weit, dass Ende 2006 sogar Studentenvertreter vor der Benutzung von studiVZ warnten.