Windhaag bei Perg ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Perg im Mühlviertel mit Einwohnern (Stand ).
Geografie Die Gemeinde Windhaag liegt auf einer Höhe von ungefähr 6 Kilometer nördlich der Bezirkshauptstadt Perg. Die Ausdehnung des hügeligen Gemeindegebietes beträgt von Nord nach Süd 6,1 Kilometer, von West nach Ost 6,5 Kilometer. Die Gesamtfläche umfasst Quadratkilometer. Die höchste Erhebung liegt am nördlichen Rand des Gemeindegebietes beim Bauernhof Putz auf
Geologie Die Gemeinde liegt im Untermühlviertler Schollenland,Hermann Kohl: Die leblose Natur. In: Land Oberösterreich (Hrsg.): Das Mühlviertel, Natur-Kultur-Leben, Beiträge zur Landesausstellung 1988 im Schloss Weinberg bei Kefermarkt. Linz 1988, S. 41–50 (). einem Ausläufer des Granit- und Gneisplateaus.
Aus geologischer und geomorphologischer Sicht sowie unter Aspekten der Raumnutzung gehört das Gemeindegebiet von Windhaag überwiegend zur oberösterreichischen Raumeinheit Aist-Naarn-Kuppenland. Lediglich im Südwesten reicht die Raumeinheit Südliche Mühlviertler Randlagen auch nach Windhaag.
Gewässer und Landschaftsschutz Die Westgrenze zu Allerheiligen bildet auf einer Länge von etwa zehn Kilometern der Fluss Naarn. Der Tobrabach entspringt nordöstlich des Bauernhofes Kloiber unmittelbar an der Grenze zu Rechberg, heißt auf dem Gemeindegebiet von Windhaag im Oberlauf Modlerbach und in weiterer Folge Kropfmühlbach, bevor er als Grenzfluss zwischen Perg und Münzbach weiter nach Süden fließt.Klaus Berg, Clemens Gumpinger, Simonetta Siligato: Wehrkataster der Naarn und ihrer Zuflüsse. Gewässerschutz-Bericht 42. Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Direktion Umwelt und Wasserwirtschaft, Abteilung Oberflächengewässerwirtschaft, Linz 2009, S. 64 (PDF; 2,8 MB auf land-oberoesterreich.gv.at). Weitere kleinere Fließgewässer sind der Hausbergbach und der Stieglerbach.
Der zum Gemeindegebiet zählende Teil des Naarntals ist mit seinen bewaldeten Hängen ein als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenes Natura 2000-Gebiet, das sich auf dem Gebiet der am anderen Naarnufer liegenden Nachbargemeinden fortsetzt und im Bereich dieser Gemeinden zum Naturpark Mühlviertel gehört.
Gemeindegliederung
Die Gemeinde Windhaag besteht seit der Eingemeindung der Gemeinde Altenburg am 1. November 1938 aus den beiden Katastralgemeinden Windhaag und Altenburg: Katastralgemeinde Altenburg (mit den Ortsteilen Altenburg, Forndorf, Freindorf, Hochtor, Karlingberg, Kuchlmühle und Pragtal). Katastralgemeinde Windhaag (mit den Ortsteilen Asching, Holzmann, Kemet und Windhaag). Am 1. Jänner 2008 wurden für die bis dahin meist nur mit der Ortsteilbezeichnung gekennzeichneten Siedlungsgebiete insgesamt 33 neue Straßenbezeichnungen vergeben.
Das Gemeindegebiet umfasst folgende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Perg.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Kupferstich in der Topographia Austriae superioris modernae 1674 Der sprachliche Einfluss der slawischen und baierischen Siedlungstätigkeit im 7. und 8. Jahrhundert ist verschiedentlich in den Bauernhof- und Ortschaftsbezeichnungen erhalten geblieben. Die Gegend um Windhaag war ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern gelegen und gehörte ab dem 9. Jahrhundert zur Awarenmark.
Zur Zeit der Babenberger lagen die späteren Katastralgemeinden Windhaag und Altenburg in der Markgrafschaft beziehungsweise später im Herzogtum Österreich im Grenzbereich zwischen Riedmark und Machland sowie im Grenzbereich zwischen den Gebieten der Herren von Perg und der Herren von Machland.
Die ältesten urkundlichen Erwähnungen aus dem Gemeindegebiet erfolgten um 1250 mit einem gewissen honorabilis vir Conrad de Altenburch sowie um 1287 mit der Burg Winthag im Ahland. Der Ortsname Windhaag bedeutet dabei eine vor dem Wind geschützte Örtlichkeit bzw. Burg. Den Windschutz gewährt der Höhenrücken, der sich nordöstlich der Burgruine dahinzieht und diese überragt.
Windhaag gehörte ursprünglich zur Pfarre Altenburg. 1782 wurden die Pfarrrechte nach Windhaag verlegt, die ehemalige Klosterkirche als Pfarrkirche von Windhaag eingerichtet und die Pfarrkirche Altenburg als Filialkirche bestimmt. Gleichzeitig wurden die Katastralgemeinden Altenburg und Windhaag geschaffen. 1938 wurden die beiden seit 1848 selbständigen Gemeinden zusammengelegt.
Windhaag ist durch die Topographia Windhagiana, die Bibliotheca Windhagiana sowie die Windhag Stipendienstiftung für Niederösterreich bekannt. Die Geschichte des Ortes wird geprägt von der Familie des Ladislaus Prager sowie von Joachim Enzmilner, Graf von Windhaag, und seiner Tochter Eva Magdalena, der ersten Priorin des Dominikanerinnenklosters Windhaag.
Von Schloss Windhaag und Schloss Pragtal ist heute nichts mehr zu finden. Die Burgruine Windhaag gehört der Gemeinde Windhaag und wird für touristische Zwecke nutzbar gemacht. Die Gemeinde ist als eine von 18 Gemeinden des Bezirks Perg Mitglied in der LEADER Region Strudengau und bewirbt insbesondere das Museum Altenburg und den Enzmilner Kulturwanderweg. Während der Römerzeit lag die Gegend um Windhaag nur wenige Kilometer nördlich der Grenze der Provinz Noricum, die in diesem Bereich vom Limes beziehungsweise von der Donau gebildet wurde, bereits außerhalb der 7,5 Kilometer breiten Pufferzone zwischen Römern und Barbaren. Das römische Kastell Adiuvense (Wallsee) und das römische Militärlager Lauriacum (Enns/Lorch) lagen in Sichtweite. Siedlungsspuren aus dieser Zeit sind auf dem Gebiet der Gemeinde Windhaag nicht nachweisbar.
Die Burg Windhaag wurde Ende des 15. Jahrhunderts von Ladislaus Prager und seiner Familie zu einem Schloss mit Grundherrschaft ausgebaut und Sitz eines Landesgerichts. Die Mitglieder der Familie Prager sind in einer Gruft mit prächtigen Fresken in der ehemaligen Pfarrkirche Altenburg bestattet.
Seit 1490 gehört der Ort zum Fürstentum Österreich ob der Enns. Joachim Enzmilner ließ von 1642 bis 1673 neben dem alten Schloss das neue, prunkvolle Schloss Windhaag errichten, das jedoch kurz nach seinem Tod von seiner Tochter Eva Magdalena wieder abgerissen wurde, die mit dem Baumaterial von 1681 bis 1693 das Dominikanerinnenkloster Windhaag samt Klosterkirche erbauen ließ.
Das alte Schloss ist im Gegensatz zum neuen Schloss als Burgruine erhalten geblieben und wird seit 1990 für touristische Zwecke nutzbar gemacht. Das Kloster wurde 1782 aufgehoben. Im gleichen Jahr wurden die Pfarrrechte von Altenburg nach Windhaag verlegt und die ehemalige Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche.
1848 entstanden auf den Gebieten der gleichnamigen Katastralgemeinden die Gemeinden Altenburg und Windhaag.
Seit 1918 ist Windhaag eine Gemeinde im Bundesland Oberösterreich. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. 1938 wurde die Gemeinde Altenburg in die Gemeinde Windhaag eingemeindet. 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs und Windhaag gehörte bis 1955 zur sowjetischen Besatzungszone. In der Ortschaft Freindorf war ein Artillerieverband der Roten Armee stationiert.
Die Bevölkerungsentwicklung war von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang der 1960er-Jahre rückläufig, erst dann setzte eine rege Siedlungstätigkeit ein und die Einwohnerzahl steigt seither deutlich. Seit den 1990er-Jahren ist Windhaag Austragungsort für mehrere Mountainbike-Events auf durch das Gemeindegebiet führenden der ältesten ausgeschilderten Mountainbike (MTB)-Strecke Österreichs. (PDF)
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung
Die Einwohnerzahl stieg zunächst von 1869 bis 1880 geringfügig von 1.010 auf 1.045 an und war dann viele Jahrzehnte mit Ausnahme des Jahres 1939 rückläufig, wobei der tiefste Stand 1961 mit 928 Einwohnern erreicht wurde. Seit 1961 war auf Grund der regen Siedlungstätigkeit ein deutlicher Anstieg auf nunmehr 1.540 Einwohner zu verzeichnen. (Stand 2025)
Bevölkerungsstruktur Die Gemeinde Windhaag hatte am 1. Jänner 2009 1406 Einwohner, davon 726 Männer und 680 Frauen.Statistik Austria: Ein Blick auf die Gemeinde Windhaag bei Perg Bevölkerungsstand und- struktur PDF
Die grobe Altersstruktur der Windhaager Bevölkerung zum 1. Jänner 2009 zeigt, dass 68,3 % der Windhaager über 15 und unter 65 Jahre alt sind. Mit 18,1 % ist etwas weniger als ein Fünftel der Bevölkerung jünger und mit 13,6 % etwas weniger als ein Siebentel der Bevölkerung älter. Der Frauenanteil liegt bei der Hauptgruppe und bei den jüngeren Personen annähernd beim Gesamtwert, während er bei den älteren Personen mit 52,4 % deutlich höher liegt.
Von den 1037 Windhaagern, die 2001 über 15 Jahre alt waren, sind 514 beziehungsweise 49,6 % Frauen. 38 Windhaager, das sind 3,6 % der über Fünfzehnjährigen, haben den Abschluss einer Universität, Fachhochschule oder Akademie, der Frauenanteil liegt hier mit 55,3 % deutlich über dem der Bevölkerungsgruppe insgesamt. Weitere 89 Windhaager, das sind 8,6 % der relevanten Bevölkerungsgruppe, haben die Matura, dabei liegt der Frauenanteil mit 48,3 % nur geringfügig unter dem an der betreffenden Bevölkerungsgruppe. 471 Windhaager, das sind mit 45,4 % fast die Hälfte der über Fünfzehnjährigen, haben eine Lehre oder berufsbildende mittlere Schule abgeschlossen, wobei der Frauenanteil 38,4 % beträgt. 439 oder 42,3 % der Windhaager haben nur einen Pflichtschulabschluss. Darunter sind mehr als drei Fünftel Frauen.Statistik Austria: Ein Blick auf die Gemeinde Windhaag bei Perg Bildung PDF
Herkunft und Sprache 94,4 % der Windhaager Einwohner sind zum 1. Jänner 2009 österreichische Staatsbürger und 93,9 % wurden in Österreich geboren. 1,8 % der Windhaager kommen aus anderen EU-Staaten, 3,6 % aus Nicht-EU-Staaten.Statistik Austria Tabelle: Ein Blick auf die Gemeinde Windhaag bei Perg Demographische Daten PDF
Der mittel- oder donaubairische Dialekt ist eine bairische Dialektform, die in ganz Oberösterreich verbreitet ist. Der ostösterreichische Zweig des Mittelbairischen geht auf die Mundart des durch die bairische Ostsiedlung entstandenen babenbergischen Herrschaftsgebietes Ostarrichi zurück.
Bei der Volkszählung 2001 haben 1262 Personen (96,4 %) Deutsch als Umgangssprache angegeben, 20 (1,5 %)Türkisch, 7 (0,5 %) Kroatisch, 2 (0,2 %) Bosnisch, 2 (0,2 %)Tschechisch, 16 (1,2 %) eine sonstige Sprache.
Religion Bei der Volkszählung 2001 haben 1237 Personen (94,5 %) römisch-katholisch als Religionsbekenntnis angegeben, 29 (2,2 %) islamisch, 8 (0,6 %) evangelisch, 7 (0,5 %) orthodox und 5 (0,4 %) sonstige Glaubensrichtungen. 23 (1,8 %) der Windhaager haben sich zu keiner Religion bekannt. mini|Ruine Windhaag mini|Filialkirche Altenburg mini|Pfarrkirche Windhaag
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Burgruine Windhaag: im 13. Jahrhundert errichtet, und von Ladislaus Prager zum Schloss ausgebaut. 1636 wurde neben dem alten Schloss das neue prunkvolle Schloss Windhaag errichtet, das aber 1681 wieder abgerissen wurde. Seit 1990 gehört die Burgruine des alten Schlosses der Gemeinde und wird seither touristisch nutzbar gemacht. Pfarrkirche Windhaag: 1685 bis 1693 als Klosterkirche errichtet, und dient seit der Aufhebung des Dominikanerinnenklosters Windhaag und der Verlegung der Pfarrrechte von Altenburg nach Windhaag im Jahr 1782 als Pfarrkirche. Filialkirche Altenburg: bis 1782 Pfarrkirche der ehemaligen Pfarre Altenburg. In einer 1907 wiederentdeckten Gruft, die der Familie Prager im 16. Jahrhundert als Begräbnisstätte diente, sind zahlreiche Fresken gut erhalten geblieben.
Wirtschaft und Infrastruktur