mini|hochkant=1|Dorfkirche Neschholz Das Straßendorf Neschholz ist ein Ortsteil der Kreisstadt Bad Belzig im Brandenburger Landkreis Potsdam-Mittelmark. Seine Fläche beträgt sieben Quadratkilometer, auf der 118 Menschen leben (Stand 13. November 2023).
Das Tal des Streckerbachs zwischen den größeren Tälern des Baitzer Bachs und der Plane bestimmt die naturräumliche Einbindung des Ortes, der zum Naturpark Hoher Fläming gehört. Das landwirtschaftlich geprägte Dorf verfügt über eine mittelalterliche Feldsteinkirche aus der seltenen Gruppe der Apsissäle, die eine prunkvolle Innenausmalung aufweist.
Lage und Naturraum mini|Neschholz Lage und Verkehrsanbindung Neschholz liegt rund sechs Kilometer östlich von Bad Belzig an der Bundesstraße 246 und bildet den östlichsten Bad Belziger Ortsteil. Auf ungefähr halber Strecke zu Bad Belzig folgt an der gleichen Bundesstraße das Nachbardorf Lüsse, dessen Segelflugplatz – Schauplatz der Weltmeisterschaften 2008 in dieser Sportart – bis nach Neschholz reicht. Nach Osten schiebt sich Neschholz mit der Wühlmühle bis an die Plane heran und grenzt im Nordosten an die Gemarkungen des Dorfs Gömnigk aus der Stadt Brück und im Südosten an das Dorf Ziezow, Teil von Locktow aus der Gemeinde Planetal.
Das nordwestliche Nachbardorf Baitz folgt nach knapp drei Kilometern und gehört wiederum zu Brück. An der Verbindungsstraße zwischen beiden Dörfern befindet sich der Bahnhof Baitz, der in einer Entfernung von nur rund 1.500 Metern für Neschholz den Anschluss an die Wetzlarer Bahn herstellt. Auf der Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Dessau verkehrt stündlich der Regional-Express (RE 7) nach Berlin und Bad Belzig und zweistündlich nach Dessau (von Bad Belzig).
Neschholzer Heide Das Nachbardorf Baitz bildet zudem ein Tor zu der ausgedehnten Niederung Belziger Landschaftswiesen im Baruther Urstromtal. Mit der nördlichen Ausbuchtung Neschholzer Heide zwischen Baitz und Trebitz/Gömnigk grenzt auch die Neschholzer Gemarkung selbst an das ausgedehnte Naturschutzgebiet der Landschaftswiesen, das sich insbesondere dem Schutz der Großtrappe (Otis Tarda) verschrieben hat. Die Neschholzer Heide (Heide = Wald in Brandenburg/Berlin) besteht überwiegend aus Kiefern. Sie ruht auf einem kleinen Plateau, das im Fuchsberg (64 Meter) und Räuberberg (69 Meter) ausläuft und im Norden um ein paar Meter zu den Landschaftswiesen abfällt. Unmittelbar am Hang verläuft der autofreie Europaradweg R1, der Baitz und Trebitz verbindet. Vom Weg bietet sich ein guter Überblick über die weite und siedlungsfreie Niederungslandschaft.
Streckerbach mini|Bett des Streckerbachs, im Hintergrund die Neschholzer Heide Die östliche Plateaugrenze bildet das Tal des Fläminghauptstroms Plane, während westlich der Streckerbach die Hügelkette durchschneidet, die die das Baruther Urstromtal von acht Kilometer in den Landschaftswiesen auf rund drei Kilometer bei Brück verengt. Der naturnahe Streckerbach entspringt gut zwei Kilometer südlich des Neschholzer Dorfkerns auf der Gemarkung von Mörz/Locktow, fließt durch Neschholz und mündet nach rund fünf Kilometern nördlich von Baitz in den Baitzer Bach. In den Sommermonaten fällt der Bach seit einigen Jahren im Oberlauf streckenweise trocken. Wie der Baitzer Bach, der parallel rund einen Kilometer westlich verläuft, bildete auch der Streckerbach bis zum Mittelalter ein morastiges Tal, woran der Ortsname Neschholz = Siedlung am Eschenwald indirekt erinnert. Denn der Baum des Jahres 2001, die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior L.), bevorzugt feuchte nährstoffreiche Böden, wie sie in Auwäldern, Schluchtwäldern, Niederungen und Eichen-Hainbuchenwäldern vorkommen.
Geschichte und Wirtschaft Etymologie: Siedlung am Eschenwald Die älteste überlieferte schriftliche Erwähnung des Dorfes stammt aus dem Jahr 1385: czu Eczholte. 1416 hieß es czu dem Escholte, 1466 zcu Nescholtz, 1548 zu Escholtz und 1590 Neschholtz. Die Bezeichnung geht auf die Zeit der feuchten Talung zurück und bedeutet Siedlung am Eschengehölz. Nach der etymologischen Ableitung von Reinhard E. Fischer entstand die heutige Namensform durch falsche Anknüpfung des Artikels [...]: to den Eschholt → Neschholt. (Ähnlich die Bildung des sächsischen Ortsnamens Mohorn: 1452 bey dem Ahorn → 1470 Mahorn.)Reinhard E. Fischer, Jürgen Neuendorf, Joachim Reso: Rund um Belzig. Orts- und Flurnamen, Findlinge und Bäume, Bäche und Teiche. Herausgeber: Förderkreis Museum Burg Eisenhardt Belzig e. V., Buch 4 zur Stadtgeschichte. Das Vorwort ist von 1997. S. 28.
Besitzgeschichte Vor 1426 bis etwa 1550 beziehungsweise 1552 gehörte der Ort zur Vogtei, Pflege und später zum Amt Belzig; ab etwa 1550/1552 bis 1872 war er dem Amt Belzig Rabenstein zugeordnet. Bereits 1506 wird dabei zwischen Ober- und Untergerichtsbarkeit unterschieden. Neben der landesherrlichen Verwaltung bestanden mehrere adlige und institutionelle Besitz- und Hebungsrechte. So besaß die Familie von Thümen vor 1388 bis nach 1822 Rechte über Hebungen. Diese umfassten in den Jahren 1419/1420 dreieinhalb Stück Lehen, 1506 einen Hof und zwei Stück Lehen sowie 1822 schließlich sechs Hufen, die zum Rittergut Benken gehörten. Die Familie von Lindow zu Treuenbrietzen verfügte vor 1388 bis nach 1419/1420 über Hebungen und ein Gut, das sie zu Lehen gegeben hatte. Die Familie von Oppen hielt spätestens seit 1419/1420 bis nach 1591 Hebungsrechte über einen Hof und ein Stück Lehen; 1550 werden drei Lehnhufen genannt. Auch die Familie von Seelen war vor 1466 bis nach 1591 begütert. Sie verfügte 1506 über Hebungen aus drei Höfen und einem Stück Lehen; 1591 werden nur noch die Hebungen erwähnt. Darüber hinaus besaß bereits 1419/1420 der Landreiter zu Belzig Hebungsrechte über einen Kossätenhof.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 280)
14. und 15. Jahrhundert Im Jahr 1388 entrichtete der Richter Abgaben in Höhe von vier Schock. In den Jahren 1419/1420 verfügte der Richter über das Gericht mit fünf Hufen. Für das Jahr 1496 sind 13 türkensteuerpflichtige Personen überliefert, darunter der Schulze; zusätzlich wurde eine Person zum Gesinde gezählt.
16. Jahrhundert Im Jahr 1506 wurden insgesamt zwölf Einwohner gezählt. Der Richter besaß die Gerichtsbarkeit mit fünf freien Hufen und entrichtete Abgaben von Wiesen. Eine weitere Person zins¬te vom Schenken. Zwei Einwohner hielten jeweils ein Stück Land von der Familie von Thümen zu Lehen und zahlten ebenfalls Wiesenabgaben. Ein Bewohner besaß ein Stück Lehen von der Familie von Seelen und entrichtete Zinsen von Wiesen. Ein weiterer zinste von einer Hufe und hatte ein Stück Lehen, vermutlich ebenfalls von der Familie von Thümen. Eine Person verfügte über einen Hof und zins¬te von Wiesen, eine weitere hielt ein Stück Lehen von der Familie von Oppen und entrichtete Wiesenabgaben. Eine Person zahlte ausschließlich Wiesenabgaben, eine weitere besaß einen Hof. Eine Person wohnte auf dem Pfarrgut, diente dem Pfarrer in Lüsse und verfügte über eine Wiese. Schließlich zinste eine Person von einer wüsten Hufe. Zusätzlich besaß der Kossät zwei Morgen Wiese. Für das Jahr 1530 sind acht Hufner und drei Gärtner überliefert. Im Jahr 1542 verfügte der Lehnschulze über ein Haus, einen Hof, einen Garten und fünf Hufen. Ein weiterer Einwohner besaß Haus, Hof, Garten und vier Dorfhufen. Zwei Personen verfügten jeweils über Haus, Hof und drei Dorfhufen, eine weitere über Haus, Hof und drei Hufen. Zwei Einwohner besaßen Haus, Hof und jeweils zwei Dorfhufen, eine Person Haus, Hof und zwei Hufen. Eine weitere Person hatte Haus, Hof und eine wüste Hufe. Darüber hinaus bestanden vier Kossätenhöfe mit Haus, Hof und Garten sowie ein weiterer Kossätenhof. Der Hirte besaß kein Land und hatte vier kleine Kinder. Außerdem sind acht Knechte und vier Mägde überliefert. Insgesamt wurden 25 Morgen Wiesen gezählt. Die Bestandsaufnahmen der kirchlichen Visitationen im Zuge der Reformation verzeichnen für das Jahr 1542 vierundzwanzig bebaute Hufen und eine unbebaute Hufe. Die Kirche besaß 1506 zwei und 1591 drei Morgen Wiese. Im Jahr 1550 wurden 14 besessene Männer gezählt, darunter fünf Gärtner. Der Richter verfügte über ein Haus, einen Hof und fünf freie Lehn¬hufen. Ein weiterer Einwohner besaß Haus, Hof und drei Lehnhufen, die er von der Familie von Oppen zu Lehen trug. Drei Personen hatten jeweils Haus, Hof und drei Erbhufen. Ein Einwohner verfügte über Haus, Hof und zwei Lehnhufen, zwei weitere jeweils über Haus, Hof und zwei Erbhufen. Eine Person besaß Haus, Hof und eine Erbhufe, eine weitere ein Haus mit Garten. Zudem wurden drei Häusler genannt, die jeweils über einen Garten verfügten. Eine weitere Person besaß ebenfalls einen Garten; die Erben des Pfarrers entrichteten Abgaben von zwei Morgen Wiese. Insgesamt wurden 24 Hufen gezählt. Für das Jahr 1555 sind acht Hufner und drei Gärtner überliefert. Im Jahr 1565 bestanden ein Lehnschulze, elf Häuser und vier Höfe sowie zwei Kossätenhöfe. Der Hirte hielt drei Kühe, 22 Schafe und fünf Überläufer. Die Feldflur umfasste elf Dorfhufen, acht weitere Hufen sowie eine Wiese bei Wiesenau. Insgesamt wurden 82½ Morgen Wiesen verzeichnet. Aufzeichnungen gibt es aus dem Jahr 1575 zur Versorgung des Pfarrers und Küsters. Danach „bezog der Pfarrer ein Dreißig Roggen, ein Dreißig Gerste, 15 Mandeln Hafer und 6 Mandeln Weizen als Zehnten. Der Küster hatte 24 Scheffel Korn und 59 Brote“.Theo Engeser, Konstanze Stehr: Ev. Dorfkirche Neschholz. userpage.fu-berlin.de Der Abschnitt „Feldsteinkirche Neschholz“ beruht komplett auf den Informationen von Engeser/Stehr; auch die Angaben von Viola Pfeifer (1997) sind hier entnommen. Im Jahr 1591 wurden 14 besessene Männer gezählt, darunter fünf Gärtner. Der Richter verfügte über fünf freie Lehnhufen. Vier Einwohner waren Dreierbhufner, ein Einwohner besaß zwei Lehnhufen, zwei weitere jeweils zwei Erbhufen. Eine Person verfügte über eine Erbhufe, eine weitere über Haus, Hof und Garten. Darüber hinaus wurden vier Häusler genannt, die jeweils über einen Garten verfügten. Insgesamt bestanden 24 Hufen.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 281)
17. Jahrhundert Im Jahr 1640 waren die Verhältnisse durch den Dreißigjährigen Krieg stark durch Wüstungen geprägt. Es bestanden fünf Hufnerstellen, von denen vier wüst lagen. Von drei Halbhufnerstellen (darunter die des Krügers) waren zwei wüst. Zudem wurden vier Kossätenstellen genannt, von denen drei wüst lagen. Die vier Häuslerstellen, darunter die des Schmieds, waren sämtlich wüst. Auch die Stelle des Hirten war unbesetzt. Für das Jahr 1661 sind fünf Hufner überliefert, von denen eine Stelle wüst war. Daneben bestanden drei Halbhufnerstellen einschließlich des Krügers sowie vier Kossätenstellen. Vier Häuslerstellen wurden genannt, darunter die des Schmieds, von denen drei wüst lagen. Außerdem war ein Hirte vorhanden. Die Wiesenfläche umfasste insgesamt 65½ Morgen, von denen 40 Morgen neu zugemessen worden waren. Im Jahr 1676 wurden fünf Anspänner beziehungsweise Hufner, acht Halb¬hufner beziehungsweise Kossäten sowie ein Gärtner oder Häusler gezählt. Insgesamt bestanden 24 Erbhufen. Für das Jahr 1682 sind differenzierte Besitzverhältnisse überliefert. Der Schulze verfügte über drei Lehnhufen. Daneben bestanden ein Dreierbhufner, drei Dreidorfhufner, ein Zweilehnhufner, zwei Zweidorfhufner sowie ein Eindorfhufner. Zudem wurden drei Kossäten genannt, die jeweils über einen Garten verfügten. Von vier Häuslerstellen, darunter die des Schmieds, lagen zwei wüst. Außerdem bestand eine Hirtenstelle. Die Wiesenfläche betrug 95½ Morgen.
18. Jahrhundert