Die BLS AG ist eine 2006 gegründete Schweizer Normalspur-Bahngesellschaft. Sie betreibt als Eisenbahnverkehrsunternehmen ein umfangreiches Regionalverkehrsnetz einschliesslich des Normalspurteils der S-Bahn Bern, Teilen der S-Bahn Luzern sowie des Autoverlads am Lötschberg und Simplon. Sie fungiert als Muttergesellschaft des BLS-Konzerns und erbringt Dienstleistungen für die BLS Cargo AG, die BLS Netz AG, die BLS Fernverkehr AG und die BLS Schifffahrt AG. Der Name der Bahn geht auf die ehemalige Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) zurück.
Geschichte mini|Stammbaum der BLS AG rechts|rahmenlos|300px Die BLS AG wurde am 24. April 2006 rückwirkend auf den 1. Januar 2006 gegründet und ist nach Genehmigung durch die Aktionäre der Vorgängergesellschaften BLS Lötschbergbahn AG (BLS) und Regionalverkehr Mittelland AG (RM) seit dem 27. Juni 2006 operativ. Rechtlich wurde die Fusion der BLS und der RM zur neuen BLS AG durch einen Aktientausch vorgenommen, eine BLS-Aktie (nominal CHF 10.−) entsprach dabei acht Aktien der BLS AG (CHF 1.–), eine RM-Aktie (nominal CHF 12.50) 24 Aktien der BLS AG. Hauptaktionäre der BLS AG sind der Kanton Bern mit 55,8 Prozent Anteil und die Schweizerische Eidgenossenschaft mit 21,7 Prozent.
Das Gütergeschäft wird seit 2001 durch eine rechtlich selbständige Tochter, die BLS Cargo, wahrgenommen. Das Gütergeschäft der RM war noch vor der Fusion in die Crossrail AG ausgegliedert und an dieses Unternehmen verkauft worden.
Nach der Freigabe am 16. Juni 2007 begann der Vorlaufbetrieb im neuen Lötschberg-Basistunnel (LBT), und am 9. Dezember 2007 wurde der volle fahrplanmässige Betrieb aufgenommen. Die für diesen Zweck gegründete BLS AlpTransit AG hatte somit ihren Zweck erfüllt. Gleichzeitig verlangte aber der Bund, dass die Infrastruktur der BLS eigentumsmässig in eine separate AG ausgegliedert und dem Bund die Mehrheit daran verschafft werde. Deshalb wurden Aktiven und Passiven der BLS-Infrastruktur auf die BLS Alptransit übertragen und diese in BLS Netz AG (BLSN) umfirmiert.Handelsregistereintrag vom 26. November 2017 Die operative Tätigkeit im Infrastrukturbereich wird weiterhin von Personal der BLS AG ausgeführt.
Im März 2019 wurde bekannt, dass die BLS seit 2004 der öffentlichen Hand, namentlich dem Bund und sieben Kantonen, 45 Millionen Schweizer Franken zu viel in Rechnung gestellt hat. Gleich wie beim Subventionsskandal bei Postauto wurde seit Jahren auf diese Praxis hingewiesen, jedoch nichts unternommen. Anfang September 2020 wurde der Rücktritt von CEO Bernard Guillelmon kommuniziert, dies nachdem der Untersuchungsbericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle zur Spartenrechnung der abgeltungsberechtigten Bereiche der BLS veröffentlicht wurde. Anfang November 2020 trat Verwaltungsratspräsident Rudolf Stämpfli krankheitsbedingt per sofort zurück. Am 24. November 2020 gab das Bundesamt für Verkehr bekannt, dass es bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern eine Strafanzeige gegen die BLS AG eingereicht hat. Zudem wurde eine Geschäftsprüfungskommission eingesetzt. Wegen der Corona-Pandemie und der Korrektur überhöhter Abgeltungen resultierte 2020 ein Verlust von 50,8 Mio. Franken. Das Geschäftsjahr 2021 konnte die BLS AG mit einem Verlust von 3,6 Millionen Franken abschliessen, jedoch nur dank staatlicher Unterstützung über 32 Millionen Franken. 2024 zählte die BLS 71,5 Millionen Passagiere, ein neuer Rekord.
Bis September 2025 will die BLS drei Bürostandorte aus Bern und Köniz in Bern-Ausserholligen zusammenlegen, im Gebäude, in welchem bisher die DEZA untergebracht war. Das bisher genutzte Gebäude an der Genfergasse ist im Besitz der BLS Immobilien AG.
Streckennetz
Bestand und Lötschberg-Basisstrecke Bei der Fusion zur «BLS AG» im Jahr 2006 summierte sich das Streckennetz im Eigentum des neuen Unternehmens auf 402,39 km, wovon 242,84 km von der «BLS Lötschbergbahn AG» und 159,55 km von der «Regionalverkehr Mittelland AG» stammten – ohne Doppelzählungen (Bern–Holligen, Holligen–Fischermätteli) und mitbenutzter Fremdstrecken (Obermatt–Langnau, Thun–Scherzligen). Nicht berücksichtigt sind die zuvor abgebauten Strecken der Vorgängerunternehmen, namentlich die 1915 eröffnete Bahnstrecke Huttwil–Eriswil der Huttwil-Eriswil-Bahn (HEB) – 1978 unter der VHB stillgelegt und abgebaut –, der bereits 1884 unter der EB abgebaute Streckenabschnitt Derendingen–Biberist EB sowie der 1969 unter der BLS abgebaute Abschnitt Lütschinenbrücke–Bönigen. Mitberücksichtigt sind hingegen Streckenabschnitte ohne Personenverkehr, darunter der Abschnitt Interlaken Ost–Lütschinenbrücke (Werkstätte Bönigen), der als Zufahrt zur BLS-Hauptwerkstätte dient; ebenso die Abschnitte Sumiswald-Grünen–Wasen (seit Mitte 1994 ohne PV) und Affoltern-Weier–Huttwil (seit Ende 2004 ohne PV).
Mit Inbetriebnahme des Lötschberg-Basistunnels (LBT) und der beiden Zufahrtsstrecken im Norden ab Frutigen respektive Wengi-Ey wuchs das Streckennetz Mitte 2007 um weitere 41 km auf rund 443,4 km an. Die zuvor als LBT-Bauherrin tätige «BLS AlpTransit AG» (BLS AT) wurde 2009 in die «BLS Netz AG» (BLSN) umgewandelt, die fortan das Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen des BLS-Konzerns bildet; entsprechend wurde auch das gesamte Streckennetz formell an die BLSN übertragen.
mini|Streckennetz der BLS AG (blau = ehemalige BLS-Strecken, rot = ehemalige RM-Strecken), Stand: 2006 Abschnitt Länge Eröffnung Bau G2 G3 Scherzligen–Spiez–Därligen 27,90 km 1893-06-01 TSB BLS BLS Därligen–Interlaken West 1872-08-12 BB Interlaken West–Interlaken Ost 1874-07-01 Interlaken Ost–Werkstätte Bönigen (–Bönigen) 1,15 km 1874-07-01 Spiez–Wengi-Ey–Frutigen 13,54 km 1901-06-24 SFB Frutigen–Brig 60,28 km 1913-07-15 BLS Moutier–Lengnau 12,98 km 1915-10-01 BLS (MLB) Spiez–Spiezmoos–Erlenbach 34,90 km 1897-08-16 SEB SEZ Erlenbach–Zweisimmen 1902-10-31 EZB Bern–Holligen 2,42 km 1901-06-01 BN BN Holligen–Neuchâtel 40,39 km Holligen–Bern Weissenbühl 31,93 km 1901-11-09 GTB GBS Bern Weissenbühl–Burgistein-Wattenwil 1901-08-14 Burgistein-Wattenwil–Thun 1902-11-01 Bern Fischermätteli–Schwarzenburg 17,35 km 1907-06-01 BSB Frutigen–Frutigen Nordportal 1,27 km 2007-06-16 BLS AlpTransit Wengi-Ey–Frutigen Nordportal 4,54 km Frutigen Nordportal–St. German 35,20 km Solothurn–Biberist EB 4,69 km 1876-12-04 SCB (EB) EBT RM (Derendingen–) Biberist EB–Burgdorf 16,05 km 1875-05-26 EB Burgdorf–Hasle-Rüegsau–Obermatt 18,90 km 1881-05-12 Hasle-Rüegsau–Konolfingen–Thun 33,82 km 1899-07-21 BTB Langenthal–Huttwil 14,09 km 1889-11-01 LHB VHB Huttwil–Wolhusen 25,23 km 1895-05-09 HWB Ramsei–Sumiswald-Grünen–Huttwil 19,46 km 1908-06-01 RSHB Sumiswald-Grünen–Wasen im Emmental 5,22 km 1908-06-01 RSHB Solothurn West–Moutier 22,09 km 1908-08-03 SMB SMB
Bestandsänderungen Die Strecke Sumiswald-Grünen–Wasen wurde per Ende 2004 formell stillgelegt und fortan nur als Anschlussgleis betrieben. 2009 wurde aufgrund des schlechten Zustands die Strecke für den gesamten Verkehr gesperrt, einzig die Bedienung des Industrieanschlusses der «RUWA Drahtschweisswerk AG» in Burghof wurde sichergestellt. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2009 wurde auf dem Abschnitt Sumiswald-Grünen–Affoltern-Weier der Personenverkehr eingestellt; auch hier folgte aufgrund des schlechten Zustands 2011 die Sperrung des gesamten Streckenabschnitts Sumiswald-Grünen–Affoltern-Weier–Huttwil.
Ende 2013 konnte die neu gegründete «Emmentalbahn GmbH» (ETB) die Übertragung der Konzession für die Strecken Sumiswald-Grünen–Wasen und Sumiswald-Grünen–Affoltern-Weier–Huttwil erwirken und 2014 einen Grossteil der Infrastrukturen von der BLSN übernehmen. Dadurch schrumpfte das Streckennetz erstmals seit Gründung der BLS AG wieder auf 424,75 km; das ehemalige RM-Netz isoliert betrachtet, verkleinerte sich auf 140,90 km.
Abschnitt Länge Änderung BLS ETB Gesamtnetz ex RSHB 24,68 km 6,02 km 18,66 km Ramsei–Sumiswald-Grünen 4,63 km 2014 4,89 km 0,00 km Sumiswald-Grünen–Huttwil 14,83 km 2014 0,99 km 13,58 km Sumiswald-Grünen–Wasen im Emmental 5,22 km 2014 0,14 km 5,08 km
Liniennetz mini|«Nina»-Regionalzug der BLS in Kerzers (Regionallinie Kerzers–Papiliorama–Aarberg–Lyss–Büren an der Aare) mini|BLS «Nina» 29 fährt als S6 in Hüswil ein mini|EW-III-Garnitur auf dem Weg von Luzern nach Bern, bei Malters mini|Vierteiliger KISS als BLS RABe 515 009 «Mutz» in Thun Die BLS betreibt den Regionalverkehr im Raum Bern und Luzern (S-Bahn Bern, Teile der S-Bahn Luzern sowie RegioExpress-, Panorama Express- und InterRegio-Züge). mini|RegioExpress (Re 465 mit EW-III-Wagenzug) in Kandersteg
S-Bahn Bern S1 Fribourg/Freiburg–Bern–Münsingen–Thun S11 Thun–Bern (zwei Züge von Montag bis Freitag am Morgen, kein Zug in der Gegenrichtung) S2 Laupen–Bern–Langnau i. E. S21 Thun–Konolfingen S22 Bern–Langnau i. E. (nur Montag bis Donnerstag ein Zugpaar in Lastrichtung) S3 Biel/Bienne–Bern–Belp–Thun S31 Belp–Bern–Münchenbuchsee(–Biel/Bienne) S35 Kerzers–Lyss S36 Lyss–Büren an der Aare S4 Thun–Belp–Bern–Burgdorf–Langnau i. E. S41 Thun–Hasle-Rüegsau–Burgdorf–Solothurn S42 Thun–Konolfingen–Hasle-Rüegsau S44 Thun–Belp–Bern–Burgdorf–Sumiswald-Grünen + Solothurn S45 Ramsei–Sumiswald-Grünen S46 Solothurn–Burgdorf–Zollikofen–Ostermundigen (einzelner Zug von Montag bis Freitag am Morgen) S5 Bern–Kerzers–Neuchâtel + Avenches S52 Bern–Kerzers–Murten/Morat(–Payerne) (+ Ins) S6 Bern–Schwarzenburg
S-Bahn Luzern S6 Luzern–Wolhusen–Langnau i. E. + Langenthal S7 Luzern–Wolhusen–Willisau–Huttwil–Langenthal S77 Luzern–Willisau
RegioExpress RE1 Bern–Spiez–Kandersteg–Brig (–Domodossola) RE2 Domodossola–Brig–Visp (einzelner Zug von Montag bis Freitag am frühen Morgen) RE7 Bern–Langnau i. E.–Luzern RE8 Spiez–Zweisimmen RE9 Spiez–Interlaken Ost RE11 Biel/Bienne–Lyss–Spiez–Kandersteg–Brig (ein Zugpaar an Wochenenden im Sommer und Winter)
InterRegio (IR) IR17 Bern–Burgdorf–Olten IR65 Bern–Biel/Bienne IR66 Bern–Neuchâtel–La Chaux-de-Fonds
Regio-Züge (R) R11 Spiez–Zweisimmen R12 Spiez–Frutigen
Panorama Express (PE) GPX Montreux–Zweisimmen–Interlaken Ost (in Zusammenarbeit mit der MOB)
Rollmaterial