mini|Indira Gandhi (1983) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Indira Gandhi Indira Priyadarshini Gandhi (Hindi: ; * 19. November 1917 als Indira Priyadarshini Nehru in Allahabad; † 31. Oktober 1984 in Neu-Delhi) war eine indische Politikerin, die von 1966 bis 1977 und erneut von 1980 bis 1984 als Premierministerin Indiens amtierte. Sie starb durch ein Attentat.
Den Nachnamen Gandhi erhielt sie durch ihre Heirat mit Feroze Gandhi, der nicht mit Mahatma Gandhi verwandt oder verschwägert war.
Privates Leben Kindheit und Jugend mini|Indira an der Seite des fastenden Mahatma Gandhi (1924) mini|Die Familie Nehru (ca. 1927) mini|Indira mit Mahatma Gandhi und ihrem Vater Jawaharlal Nehru (späte 1930er-Jahre) mini|Hochzeit von Feroze Gandhi und Indira Nehru am 26. März 1942 in Allahabad
Indira Gandhi war die Tochter Jawaharlal Nehrus, des ersten Premierministers des unabhängigen Indiens, und seiner Frau Kamala Nehru. Die Nehrus sind Pandit-Brahmanen aus Kaschmir, eine der höchstrangigen Jati im indischen Kastensystem. Der Aufstieg der Familie in der Politik begann mit Indiras Großvater Motilal Nehru, der zweimal Präsident der Congress Party war und zusammen mit seinem Sohn eine führende Rolle in der Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Kolonialmacht spielte.
Das starke politische Engagement ihres Vaters und ihres Großvaters beeinflusste auch Indira Gandhi. Motilal und Jawaharlal gehörten zusammen mit Mahatma Gandhi (der nicht mit der Nehru-Gandhi-Familie verwandt ist) zu den Anführern der Unabhängigkeitsbewegung. Auch Indiras Mutter Kamala war trotz fortschreitender TBC-Erkrankung politisch aktiv. Jawaharlal Nehru saß von 1921 bis 1944 wiederholt im Gefängnis der britischen Kolonialherren, ebenso Kamala im Januar 1931. Besuchern der Familienresidenz Anand Bhavan soll Indira gesagt haben: „Es tut mir leid, aber mein Großvater, Vater und Mama sind im Gefängnis.“„I’m sorry, but my grandfather, father and mommy are all in prison“, zitiert nach Jad Adams und Phillip Whitehead: The Dynasty. The Nehru-Gandhi Story. London, 1997, S. 85.
Nicht nur die häufige Abwesenheit ihres Vaters und die Krankheit der Mutter prägten Indira, sondern auch die angespannte Stimmung in der Familie Nehru. Kamala und Indira litten unter dem demütigenden Verhalten insbesondere ihrer verwitweten Tante Vijaya Nehru. Noch Jahre später sprach Indira Gandhi mit Bitternis über ihre Tante. Jawaharlal Nehru verstand die Not seiner Tochter und seiner Frau lange Zeit nicht. Erst mit den wiederholten Aufenthalten der Nehrus in Europa von 1926 an und der damit verbundenen Trennung von den anderen Familienmitgliedern verbesserte sich die Situation für Indira und Kamala. Allerdings überschatteten mehrmalige Orts- und Schulwechsel sowie die Krankheit der Mutter Indiras Aufenthalt in Europa. In dieser Zeit lebte sie abwechselnd in Allahabad, Genf, Paris, dem Schwarzwald und London. Nach dem Tod ihrer Mutter im Februar 1936 verschlechterte sich Indiras Gesundheitszustand. Wegen chronischen Untergewichts, Depressionen und Tuberkulose befand sie sich vom Frühjahr 1940 bis zum Frühjahr 1941 in einem Schweizer Sanatorium.
Zu den unsteten Verhältnissen in ihrer Kindheit und Jugend kam schon in frühen Jahren eine gewisse politische Isolation: Sowohl in einem Internat in der Schweiz als auch im Sanatorium stand Indira allein mit ihrer radikalen, freiheitlichen politischen Einstellung, sowohl unter indischen als auch unter europäischen Befürwortern der britischen Kolonialherrschaft.Kathrine Frank: Indira. The Life of Indira Nehru Gandhi. London, 2005, S. 51 und S. 153 ff Zu den Erfahrungen, die sie in Europa machte, gehörten auch die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.
Sie studierte Geschichte am Somerville College, Oxford.
Privatleben nach 1941 Im April 1941 kehrte Indira Gandhi, inzwischen 24-jährig, nach Indien zurück. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits mit dem Familienfreund der Nehrus, dem Parsen Feroze Gandhi, liiert. Die Hochzeit fand jedoch erst im März 1942 statt. Die Frage, ob eine Nehru-Tochter einen Parsi heiraten dürfe, wurde im Haushalt der Nehrus sehr kontrovers diskutiert, während die Medien einstimmig gegen die Verbindung waren. Die Hochzeitsreise nach Kaschmir wurde zu einer der glücklichsten Zeiten in Indira Gandhis Leben. Im Laufe ihres Lebens kehrte Indira Gandhi immer wieder nach Kaschmir zurück, um privaten und politischen Frieden zu suchen.
Die beiden Söhne Rajiv und Sanjay kamen 1944 und 1946 zur Welt. Schon 1947 verlangte Feroze von Jawaharlal Nehru die Scheidung von Indira. Nehru befragte daraufhin seine Tochter, die sich vehement gegen eine Scheidung aussprach, obwohl auch sie nicht mehr glücklich in der Ehe war und in der darauffolgenden Zeit wieder zu ihrem Vater nach Delhi zog. Sie wurde seine Sekretärin und Gastgeberin. Sie organisierte Empfänge u. a. für den damaligen Schah des Iran, König Abd al-Aziz ibn Saud, Ho Chi Minh, Chruschtschow, Eisenhower, Tito und Nasser. Einem ihrer Biografen sagte sie später: „Ich musste das tun, denn mein Vater machte wichtigere Arbeit als mein Mann.“ („Obviously I had to do it because my father was doing more important work than my husband.“)
Indira und Feroze lebten meist getrennt voneinander. Indiras Parteivorsitz ab Februar 1955 wurde von Feroze in den Medien als finaler Dolchstoß auf ihre Ehe bezeichnet. Indira Gandhi hingegen beklagte sich in einem Brief an ihre langjährige Freundin Dorothy Norman über die Feindseligkeiten ihres Mannes. Ferozes erster Herzinfarkt brachte die beiden wieder einander näher; allerdings starb Feroze Gandhi ein Jahr später im September 1960.
Die Schuldgefühle wegen Ferozes Tod gaben insbesondere dem jüngeren Sohn Sanjay fatale Macht über seine Mutter; er warf ihr immer wieder vor, sie habe den Vater an Einsamkeit sterben lassen. Nach dem Tod ihres Mannes wurde Indira Gandhi abermals depressiv. Allerdings vertraute sie sich lediglich ihrer Brieffreundin Dorothy Norman, die räumlich weit entfernt war, an. Im Sommer 1961 schreibt sie: „Ich habe mich immer für einen positiven Menschen gehalten. Doch jetzt fühle ich mich furchtbar negativ. Ich bin nicht krank, aber es geht mir nicht gut. Ich fühle mich einfach nicht am leben. Keiner scheint den Unterschied zu bemerken.“„I’ve always thought of myself as a positive person. Now I feel terribly negative. I’m not ill. I’m not well. I just don’t feel alive. Nobody seems aware of the difference.“ aus Dorothy Norman: Indira Gandhi. Letters To A Friend 1950 – 1984. Correspondence With Dorothy Norman. London, 1985, S. 85 Das Ende der Amtszeit ihres Vaters vor Augen plante Indira, Indien und der Politik endgültig den Rücken zu kehren.
Der Tod ihres Vaters 1964 bewirkte jedoch einen radikalen Umschwung in Indira Gandhis Einstellung zum politischen Engagement. Katherine Frank erklärte diesen Umschwung zum einen mit den Schuldgefühlen, die Indira gehabt haben könnte, weil sie heimlich plante, ihren Vater und Indien zu verlassen; zum anderen mag es sein, dass sie sich darüber bewusst wurde, dass sie die Erwartungen ihres Vaters nicht zu seinen Lebzeiten erfüllt hatte. Nehru hatte für seine Tochter eine entscheidende Rolle in der Entwicklung Indiens vorgesehen. Sich wieder stärker politisch zu engagieren konnte der Weg sein, sich von Schuldgefühlen zu erleichtern und zumindest postum dem unausgesprochenen Urteil ihres Vaters zu widersprechen.
Politisches Leben Nehrus Sekretärin und Congress President Indira Gandhis aktives politisches Leben begann mit der Bildung der Interimsregierung am 2. September 1946, die von Nehru als Premierminister geführt wurde.
Anfang 1955 wurde sie zur Präsidentin der Kongresspartei gewählt. Ihr Einfluss auf ihren Vater Jawaharlal Nehru ist unbestritten. Beispielsweise gewährte Nehru auf Anraten Indira Gandhis dem 14. Dalai Lama im März 1959 Asyl. Über 100.000 Tibeter folgten dem Dalai Lama ins Exil nach Indien. Die tibetische Flüchtlingsfrage beeinträchtigte die diplomatischen Beziehungen zu China nachhaltig. Der vorläufige Tiefpunkt war der Grenzkrieg im Oktober 1962. Chinesische Truppen überschritten die Grenze zu Indien und besetzten 50.000 km² indisches Territorium. Als die Lokalregierung floh, flog Indira Gandhi zur indisch-chinesischen Grenze, beruhigte Zivilisten, organisierte Notrationen und beorderte Beamte zurück in den Dienst. Probleme persönlich vor Ort zu klären blieb später auch Indira Gandhis Politikstil in offiziellen Ämtern.
Im Juli 1959 entließ Nehru die demokratisch gewählte kommunistische Regierung des Bundesstaates Kerala. Die Wahl der Kommunisten führte zu Unruhen in Kerala, da militante Anhänger der Kongresspartei, finanziert durch die CIA, Straßenschlachten begannen. Obwohl Nehru anfangs der Meinung war, dass nichts gegen eine ordnungsgemäß gewählte Regierung zu tun sei, wurde er dann doch auf Druck seiner Tochter hin aktiv. Indira selbst tourte durch Kerala und organisierte eine Opposition zur kommunistischen Regierung aus Anhängern der Congress Party und der Muslim League. Im Februar 1960 gewann die Koalition die Neuwahlen in Kerala mit großer Mehrheit.
Indira Gandhis Kritiker bezeichnen später ‚Operation Overthrow’ als wegweisend für ihren autoritären Führungsstil und ihre Missachtung demokratischer Normen. Katherine Frank interpretiert den Kerala-Zwischenfall in dem Licht, dass Angst vor Chaos und Kontrollverlust Indiras großer Schwachpunkt gewesen sei. Im Gegensatz zu ihrem Vater Nehru hatte sie wenig Vertrauen darauf, dass demokratische Institutionen auch instabile Zeiten überstehen können.
Ministerin für Information und Rundfunk Im Mai 1964, wenige Wochen nach dem Tod ihres Vaters, wurde Indira Gandhi Ministerin im Kabinett von Premierminister Lal Bahadur Shastri mit der Zuständigkeit für das Informations- und Rundfunkwesen. Shastri glaubte, eine Nehru im Kabinett würde für Stabilität sorgen. In dieser Position stand sie an vierter Position hinter dem Premierminister im Kabinett. Ihr eigentliches Amt verlief wenig ereignisreich. Sie förderte die Übertragung von Sendungen in Urdu. Auch kontroverse Diskussionen und Meinungen in den Medien wurden gefördert. Bemerkenswert ist jedoch ihr Umgang mit der so genannten Sprachenkrise und dem Ausbruch des zweiten Indisch-Pakistanischen Krieges.