Der Serval (Leptailurus serval) ist eine mittelgroße Art der Katzen, die meist auf ockergelbem Grund schwarz gefleckt ist; in der typischen Fleckung ähnelt er dem Geparden. Die sehr schlanke und hohe Art zeichnet sich durch sehr lange Beine und einen kleinen Kopf mit großen Ohren aus. Der Serval lebt als Jäger in Savannen und Waldrandzonen sowie in Überflutungsflächen und Sumpfgebieten in Afrika. Er ernährt sich vor allem von kleinen Nagetieren, die er durch sein sehr gutes Gehör aufspürt. Bei der Jagd bewegt sich der Serval langsam durch das Grasland und lauscht nach potenziellen Beutetieren, die er dann mit den Vorderfüßen packt. Er ist zudem in der Lage, sehr hoch zu springen und dabei auch auffliegende Vögel zu fangen. Mehr als 90 Prozent der Nahrung des Servals bestehen aus Säugetieren, die gewöhnlich weniger als 200 Gramm und damit weniger als 2 Prozent seines eigenen Körpergewichts wiegen. Er ist Einzelgänger, wobei die Muttertiere gelegentlich von Jungtieren begleitet werden. Je nach Region und Störungen sind sie meist nacht- und dämmerungsaktiv, können aber auch am Tag gesichtet werden.
Südlich der Sahara ist er weit verbreitet und in den meisten Ländern vom Senegal im Westen und Somalia im Osten Afrikas bis in den Süden der Republik Südafrika anzutreffen. Im Norden Afrikas war er ursprünglich ebenfalls weit verbreitet, ist heute allerdings in den meisten Ländern und Regionen Nordafrikas ausgestorben; ob es im Atlasgebirge im Süden Marokkos noch Exemplare gibt, ist unklar. Seit den 1980er-Jahren ist er zudem in der ehemaligen Kapprovinz Südafrikas weitgehend ausgestorben. Wie andere Wildkatzenarten wurde auch der Serval als Pelztier bejagt, wobei als Serval und Servalkatze allerdings auch Felle der Ginsterkatzen, der Asiatischen Zibetkatzen und der Fischkatze gehandelt wurden. Der Serval wurde nicht domestiziert, allerdings wurden Servale mit Hauskatzen gekreuzt, um die Savannah-Katze zu erhalten. Heute ist der Serval wie andere Katzen geschützt und der Handel mit den Tieren oder den Fellen je nach Staaten verboten oder zumindest reglementiert.
Die Bezeichnung Serval stammt vermutlich von dem portugiesischen Wort lobo-cerval (wörtlich übersetzt „Hirschwolf“ oder „wilder Wolf“) ab, einer lokalen Bezeichnung für den Iberischen Luchs, der früher auch in Portugal vorkam, dort aber mittlerweile ausgestorben ist. Der Name entstand im 18. Jahrhundert und findet sich in dieser oder ähnlicher Form in mehreren europäischen Sprachen. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung stammt von dem deutschen Naturforscher Johann Christian von Schreber, der die Tiere anhand von Darstellungen anderer Zoologen und Naturforscher beschrieb. Dabei basiert seine Darstellung vor allem auf einer Veröffentlichung von Georges-Louis Leclerc de Buffon, nach der die Art in Indien vorkommen sollte, und Schreber fasste diese Beschreibungen mit Berichten aus Südafrika zusammen. Später wurde das Verbreitungsgebiet der Art auf Afrika eingegrenzt.
Merkmale Allgemeine Merkmale Der Serval erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 59 bis 92 Zentimetern und eine Schwanzlänge von 20 bis 38 Zentimetern; die Schulterhöhe beträgt bis zu 60 Zentimeter. Das Körpergewicht liegt zwischen 6 und 13,5 Kilogramm, wobei die Männchen in der Regel etwas schwerer als die Weibchen sind und es regionale Unterschiede gibt. Damit ist er um etwa 20 Zentimeter höher gebaut als der südamerikanische Ozelot, der eine ähnliche Körperlänge hat, und gleicht dem Karakal, der ein ähnliches Gewicht aufweist. Der Körper ist sehr schlank mit einem kleinen, leicht gebauten Kopf. Der Schwanz ist vergleichsweise kurz und erreicht hängend etwa die halbe Standhöhe des Tieres. Die Beine sind sehr lang; innerhalb der Katzenfamilie hat keine andere Art im Verhältnis längere Beine. Dabei tragen vor allem verlängerte Mittelfußknochen und Zehenknochen zu dieser Länge bei. Die Vorderfüße haben fünf und die Hinterfüße vier Zehen. Die Zehen sind zudem sehr beweglich und besitzen lange, hakenähnliche Krallen.
hochkant|mini|alt=Frontalaufnahme des Servalkopfes mit leicht gesenktem Blick, wodurch auch die auffällige Färbung auf der Rückseite des linken Ohres sichtbar wird.|Der Kopf eines Servals mini|Serval in Ngorongoro, Tansania|alt=Der Serval sitzt in der grün-gelbbraunen Vegetation, die die Vorderbeine und den hinteren Rumpf mit den Hinterbeinen verdeckt. Er schaut den Betrachter an, das rechte Ohr ist zur Seite gedreht und zeigt die Rückseite der Ohrmuschel. Das Fell ist gelbbraun-sandfarben bis goldgelb mit deutlicher brauner Fleckung aus teilweise punktförmigen kleinen und größeren Flecken, die vor allem im Bereich des Nackens, auf der Schulter und an den Beinen Streifen bilden können. Das Fell und die Fleckung ähneln dabei denen des Geparden. Das Fleckenmuster weist große individuelle Unterschiede auf. So gibt es Servale mit sehr kleinen Flecken, während andere große Flecken haben, die am Nacken und Rücken in Streifen übergehen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hielten Taxonomen es für möglich, dass es sich bei den klein- und großgefleckten Servalen jeweils um eigenständige Arten handelt. Bei den gestreiften Formen ziehen sich drei bis vier lange braune Streifen vom Hinterkopf auf die Schultern, die sich dann auf dem Rücken in Punktreihen auflösen. In Hochlandgebieten Ostafrikas, beispielsweise den Aberdare-Bergen in Kenia und in Äthiopien gibt es auch vollkommen schwarze, melanistische Servale, die anfangs gleichfalls für eine eigene Art gehalten wurden. Die meisten dieser melanistischen Servale wurden in Höhenlagen zwischen 2450 und 2750 Metern gesichtet. Daneben kommen auch leuzistische Tiere mit weißer Fellfarbe vor.
Die Schnauze, das Kinn und die Kehle sind weiß; die Färbung geht in das goldgelbe Gesichtsfell mit kleinen dunklen Flecken auf den Wangen und über den Augen über. Die Nase ist ganz oder teilweise rosafarben, häufig auch schwarz. Die Augen sind schwarz umrandet mit kupferbrauner oder grünlicher Iris. Die Ohrmuscheln sind ovalrund und im Verhältnis zur Kopfgröße sehr groß; sie erreichen eine Länge von 8,5 bis 9 Zentimetern. Sie sind in der Innenseite lang behaart, und die Rückseite ist schwarz mit einem deutlichen weißen Fleck oder einer weißen Linie. Die Paukenblase am Schädel ist ebenfalls groß ausgebildet. Die Brust und der Bauch sind hell sandfarben bis weißlich mit langen Haaren. Die Weibchen haben drei Paar Zitzen, zwei im Abdominalbereich und eines in der Lendengegend.
Merkmale des Schädels
Der Schädel ist gewölbt und im Profil abgerundet. Er ist leicht gebaut und im Vergleich zu dem des ähnlich großen Karakals sehr schmal. Die Schnauze ist gerundet, und der Schädel weist keine prominenten Sagittal- und Überaugenkämme auf. Die Kopfoberseite ist glatt, und auch hier gibt es keine besonders auffälligen Muskelansatzstellen. Der Processus coronoideus des Unterkiefers ist ebenfalls nicht so gut entwickelt wie beim Karakal, und auch hier sind keine speziellen Grate vorhanden.
Das Gebiss des Servals entspricht dem typischen Katzengebiss. Es enthält pro Oberkieferhälfte drei Schneidezähne (Incisivi), einen Eckzahn (Caninus), drei Vorbackenzähne (Praemolares) sowie einen Backenzahn (Molaris) und pro Unterkieferhälfte drei Schneidezähne, einen Eckzahn, zwei Vorbackenzähne und einen Backenzahn. Insgesamt besitzen die Tiere somit 30 Zähne. Im Gegensatz zum Karakal ist auch der untere zweite Prämolar (p2) fast immer vorhanden und gut ausgebildet. Junge Servale bekommen ihr Permanentgebiss im Alter von etwa sechs Monaten und beginnen kurz danach mit der eigenständigen Jagd.
Genetische Merkmale Die Tiere besitzen einen diploiden Chromosomensatz aus 2n = 36 Chromosomen.
Verbreitungsgebiet und Lebensraum mini|alt=Eine Karte von Afrika, auf der die aktuellen Verbreitungsgebiete entsprechend der Beschreibung in dunkelgrün und diejenigen, in denen die Tiere ausgestorben sind, in hellgrün dargestellt sind. Hellgrün ist dabei der größte Teil von Südafrika.|Verbreitungsgebiet des Servals dunkelgrün: aktuelles Verbreitungsgebiethellgrün: ausgestorben Der Serval kommt ausschließlich in Afrika vor. Historisch kam er in zwei von der Sahara getrennten Beständen in Nordafrika und südlich der Sahara vor. Allerdings hat der Serval sehr spezifische Ansprüche an seinen Lebensraum, so dass er nur jeweils einzelne Regionen in diesem Verbreitungsgebiet bewohnt. Südlich der Sahara ist er weit verbreitet und gehört zur Fauna der meisten Länder vom Senegal im Westen und Somalia im Osten Afrikas bis in den Süden der Republik Südafrika.
Es ist unsicher, ob es noch Servalpopulationen in Nordafrika gibt. Die letzten bestätigten Sichtungen stammen hier aus den 1970er-Jahren. In Algerien gilt ein 1936 getötetes Individuum als letztes Exemplar seiner Art in dem Land; allerdings wurden in den 1990ern Tiere im El-Kala-Nationalpark gesichtet. Im Südwesten Marokkos wurden Servale bis in die 2000er-Jahre dokumentiert. In Südafrika war er ursprünglich entlang der gesamten südlichen Küstenlinie verbreitet; seit den 1980er-Jahren ist er in der ehemaligen Kapprovinz weitgehend ausgestorben, und nur in der Provinz Freistaat konnte er sich etablieren und vielleicht sogar wieder ausweiten. In einigen Gebieten profitiert der Serval zudem von Entwaldungen, vor allem im Bereich der Waldgebiete im Äquatorbereich in Zentralafrika.
Servale bewohnen verschiedene Typen von Grasland und Savannen. Ihr Vorkommen ist an das Vorhandensein von Wasser und einer Vegetation aus Gras und Schilf gebunden, und sie sind entsprechend auch in Sumpfgebieten und Überflutungsflächen anzutreffen. In Wüsten oder Halbwüsten kommen sie nicht vor, können aber dort überleben, wo Wasserläufe solche trockenen Regionen durchziehen. Auch Wald können sie bewohnen, sofern der Baumwuchs schütter und immer wieder von Lichtungen und Grasbeständen durchbrochen ist, so etwa in Regenwald-Savannen-Mosaikregionen in Gabun und dem Kongo oder in Küstennähe in Sierra Leone. Im Odzala-Kokoua-Nationalpark im nördlichen Kongo kommen sie auch sympatrisch mit der eigentlich in den dichteren Regenwaldgebieten lebenden Afrikanischen Goldkatze (Caracal aurata) vor. In den dichten Waldbeständen des äquatorialen Westafrika fehlen Servale vollständig.
Sofern Wasser, Nahrung und Deckung vorhanden sind, scheinen das jeweilige Mikroklima und die Höhenlage keine Restriktionen für diese Katzenart darzustellen. Man hat sie in 3000 m Höhe in den Mooren des Aberdare-Nationalparks in Kenia beobachtet. Auch im Kamberg Nature Reserve der südafrikanischen Midlands kommen sie vor, wo im afrikanischen Winter regelmäßig Frosttemperaturen herrschen und gelegentlich sogar Schnee fällt. Zudem können sie auf landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie Kaffee- oder Bananenplantagen mit einer hohen Nagetierdichte und ausreichend Deckung vorkommen.
Lebensweise mini|alt=Ein Serval läuft durch grünes Gras, das etwa schulterhoch beziehungsweise hüfthoch ist und entsprechend Teile des Körpers verdeckt. Sichtbar ist neben dem Kopf und Rücken auch die Innenseite des rechten Hinterbeins mit einer schwarzen Fleckung auf weißem Fell.|Serval im Südluangwa-Nationalpark, Sambia mini|alt=Der Kopf und Vorderkörper eines liegenden Servals mit erhobenem Kopf. Er liegt auf einem braunen Substrat aus Erde und Ästen; einzelne Grashalme ragen in das Bild hinein.|Porträt eines Servals Servale sind Einzelgänger und kommen nur zeitweise während der Paarungszeit zu Paaren zusammen. Werden mehrere Tiere gemeinsam gesichtet, handelt es sich um Muttertiere mit ihren Jungen. Junge Servale jagen ab einem Alter von etwa sechs Monaten selbstständig, werden jedoch bis zu einem Alter von etwa einem Jahr von der Mutter als Jagdbegleiter oder als eigenständige Jäger im Revier der Mutter geduldet.