Berka/Werra ist der größte Ortsteil und Verwaltungssitz der Stadt Werra-Suhl-Tal im thüringischen Wartburgkreis, die am 1. Januar 2019 aus der bis dahin selbständigen Landstadt Berka/Werra und weiteren Gemeinden gebildet wurde. Für den Ortsteil gibt es eine Ortsteilverfassung nach der Thüringer Kommunalordnung und damit einen Ortsteilrat und Ortsteilbürgermeister.

Geografie Berka ist im äußersten Westen Thüringens unmittelbar an der Landesgrenze zu Hessen gelegen. Die Ortslage erstreckt sich auf dem rechten, östlichen Ufer der Werra. Naturräumlich liegt Berka im Berka-Gerstunger Becken des Salzunger Werraberglandes, im mittleren Werratal, am südöstlichen Rande des Richelsdorfer Gebirges. Höchster Punkt der Gemarkung Berka ist der Berg Hohe Rod (), die Ortslage selbst liegt zwischen 210 und . Unterhalb der Stadt mündet das Gewässer II. Ordnung Suhl in die Werra.

Berka hat eine Fläche von 7,94 km², die Gesamtfläche mit den Stadtteilen betrug zuletzt 56,93 km².Statistisches Jahrbuch Die Gemarkung grenzt im Norden an die Gemeinde Gerstungen, im Osten an Herda und Auenheim-Rienau sowie im Süden an Dippach und Dankmarshausen. Im Westen liegt der Ortsteil Obersuhl der hessischen Gemeinde Wildeck.Thüringer Landesvermessungsamt Wartburgkreis und Kreisfreie Stadt Eisenach, Erfurt 2002, ISBN 3-86140-250-5

Geologie und Bodenschätze Berka/Werra liegt im Zentrum des Berka-Gerstunger Beckens. Dieses weite Becken ist rings von Höhenzügen umgeben: im Südwesten der Seulingswald, im Süden die Ausläufer der Vorderrhön, im Osten die Ausläufer des Thüringer Waldes und im Norden das Richelsdorfer Gebirge. Geologisch betrachtet liegt der Ort in der geologischen Formation Trias, dem Mittleren Buntsandstein. Untertage befinden sich beträchtliche Kalisalzlagerstätten des Werra-Kalireviers, die früher im Schacht Alexandershall bei Dippach und Abteroda und bis heute bei Heringen abgebaut werden. Oberirdisch wurde beispielsweise am Hohe Rod und am Eichelberg Sandstein und Kies abgebaut.

Geschichte mini|hochkant|Am östlichen Stadtrand stand das Weingassentor mini|hochkant|Blick zur Kirche mini|hochkant|Historisches Rathaus Berka

Mittelalter Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wird Berka im Güterverzeichnis Breviarium Sancti Lulli, der von Erzbischof Lullus († 786) von Mainz für das Kloster Hersfeld von Freien verliehenen Gütern erstmals urkundlich als Berchaho erwähnt. Der Name war ein Flurname und bedeutet Birkenwald oder Aue mit Birken. Das Kloster besaß hier elf Hufen und zwölf Höfe. Im Jahre 1016 kam es zur Schenkung der Jagd- und Forstrechte (Wildbann) von Kaiser Heinrich II. an die Hersfelder Abtei. Der Ort Berka lag im Bereich dieses Wildbannes. Die Abtei hatte in der Zwischenzeit im nahen Hausbreitenbach eine kleine Wasserburg – das feste Haus Breitenbach genannt – erbauen lassen und richtete darin den ersten Verwaltungssitz dieses Gebietes (Vogtei) ein, zu dem auch das Dorf Berka gehörte. Wegen der raschen wirtschaftlichen Entwicklung Berkas wurde die Vogtei und Verwaltung später nach Berka verlegt, das inzwischen durch eigene Befestigungsanlagen (noch erhalten ist das Untertor) und eine Kirchenburg geschützt wurde.

Seit 1239 sind hersfeldische Ministeriale von Berka nachweisbar. Ab 1283 wird landgräfliches Zollrecht und 1284 von landgräflicher Gerichtsstuhl in Berka belegt. Im 14. Jahrhundert hatten die Wettiner die Absicht, die Orte Berka und Dankmarshausen mit kaiserlicher Erlaubnis zur Stadt zu erheben. Die Frankensteiner verkauften 1330 ihren Besitz in Berka/Werra mit anderem Grundbesitz an die Grafen von Henneberg auf der Krayenburg. Mit dem Abt von Hersfeld schlossen die thüringischen Landgrafen 1354 einen Vertrag, dem zufolge das Haus und Amt zu Breitenbach mit dem Dorf Berka gemeinschaftlich verwaltet wurde. Der thüringische, später sächsische Amtmann hatte seinen Sitz in Hausbreitenbach, später Gerstungen, der hersfeldische wohnte in Berka/Werra.

Der markante Turm der heutigen Kirche wurde 1439 errichtet. Auf der südöstlich von Berka gelegenen Höhe, dem sogenannten Gehülfsberge, stand früher die Kapelle St. Mariä und Salvatoris, 1407 und 1515 urkundlich erwähnt.

Reformation und Frühe Neuzeit Bereits Mitte des 15. Jahrhunderts übertrug man Berka in hessischen Pfandbesitz. 1521 rastete Luther auf der Reise von Worms nach Wittenberg im Gasthaus ’’Zum Stern’’ und traf hier auf den Abt Crato von Hersfeld. Im Deutschen Bauernkrieg besetzte Landgraf Philipp I. von Hessen den Ort und zog dann weiter nach Eisenach, wo mit anderen Bauernführern ein gewisser Jakob Töpfer, Bauernführer aus Berka auf dem Marktplatz hingerichtet wurde. Für die Unterstützung der Aufrührer musste der Ort hohe Bußgelder zahlen. Philipp I. führte 1527 zwangsweise die Reformation durch, 1539 tagten in Berka hessische und kursächsische Räte in Grenzstreitigkeiten und Reformationsangelegenheiten. Im Jahr 1543 verordnet der Landgraf von Hessen eine Hausmusterung, damit soll der wirtschaftliche Zustand der neu erworbenen Landesteile untersucht werden. Während des Schmalkaldischen Krieges verweilte der gefürchtete Heerführer, Herzog von Alba 1547 kurz im Ort, bevor er seinen Heerzug nach Sachsen mit der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe fortsetzte. Im Jahr 1553 verordnet der hessische Landgraf eine militärische Musterung der männlichen Bewohner.

17. Jahrhundert Der Ort ist durch seine Lage am Hochufer der Werra und durch drei Tore gesichert. In Richtung Frauensee verläuft ein ausgedehnter Grenzverhau – die Berkaer Landwehr. Im Dreißigjährigen Krieg hatte Pappenheim auf seinem Zuge nach Hessen das Lager in unmittelbarer Nähe der Stadt aufgeschlagen, während ihm selbst das Rathaus zum Quartier diente. Später wurde fast die ganze Stadt von kaiserlichen Truppen niedergebrannt. Erst 1667 wurde das Rathaus wieder aufgebaut. Die Einwohner flüchteten in die Dornhecke und in der Kroatenhecke. Durch Hunger, Kriegseinwirkungen und die Pest war Berka am Ende des Krieges fast entvölkert.

Die letzte Hexenverbrennung fand am Gerichtsplatz an der Flurgrenze zum Nachbardorf Herda im Jahre 1660 statt, ihr fiel Anna Küchenmeister aus Herda zum Opfer.Ortschronik der Gemeinde Herda Seit 1700 nimmt der Reiseverkehr auf den Straßen um Berka enorm zu, die erste Poststation (Betreiber: Thurn und Taxis) wird eröffnet. Wirtschaftliche Grundlage des Ortes war der Handel, an der Werra befanden sich zwei Mühlen und ein Gerberviertel.

18. Jahrhundert Die Region des mittleren Werratales war bis zum 18. Jahrhundert in zahlreiche kleine Territorien unter Oberhoheit der hessischen und thüringischen Landesherren zersplittert. Nach zahlreichen Grenzbegehungen wurde im Jahr 1742 ein umfangreicher Gebietsaustausch durchgeführt, hierbei fielen Berka und einige Nachbardörfer endgültig an das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Auch im Siebenjährigen Krieg hatte Berka auf Grund seiner Lage an wichtigen Durchgangsstraßen schwer zu leiden, vor allem musste die Bevölkerung immer wieder Geldforderungen bezahlen.

19. Jahrhundert Zwischen 1806 und 1813 rastete der französische Kaiser Napoleon mehrfach in Berka, 1813 soll er während der Flucht im Gasthaus „Zur Post“ zu Mittag gegessen haben. Nach einer Landesbeschreibung wurde Berka 1816 als ein „mit allen städtischen Rechten ausgestatteter Marktflecken“ bezeichnet. Nach 1830 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung spürbar, oft genannter Grund soll die Chaussierung und Verlegung der Frankfurter Straße über Marksuhl gewesen sein. In der Folge versuchten zahlreiche Einwohner ihr Glück als Auswanderer in die USA zu gelangen. Erst 1847 erhielt Berka das lange erhoffte Stadtrecht und ein Stadtwappen, zugleich wurde eine Stadtordnung erstellt. Die Bewohner gründen 1848 eine Bürgerwehr, welche jedoch nach der Revolution bald wieder aufgelöst wurde. Der Grundstein für die erste Schule wurde 1851 gelegt.

Die Stadt ist Geburtsort des Philologen Georg Bippart (geb. 1816). 1850 wurde Bippart außerordentlicher Professor der Philologie in Jena, trat dann zur römisch-katholischen Kirche über und wurde 1858 Professor an der Universität zu Prag. 1855 wird der Männerchor in Berka gegründet. Die Notwendigkeit der Schulbildung wurde in der Bevölkerung erkannt und deshalb wurde 1863 ein zweites und drittes Schulgebäude errichtet.

Von der Gründerzeit bis zur Weimarer Republik Mit der Errichtung der Berkaer Brauerei wurde der erste Industriebetrieb geschaffen. Der Kalischacht Alexandershall bei Dippach wurde 1903 in Betrieb genommen, zugleich begann der Bau der Bahnstrecke Vacha-Gerstungen, die 1907 fertiggestellt war. Die Inflationszeit und die Nachkriegsjahre brachten auch für Berkas Bevölkerung Not, Elend und Arbeitslosigkeit. Es gab in der Stadt, die damals 1300 Einwohner zählte, zeitweise 123 Arbeitslose. Die sozialen und politischen Spannungen hatten auch in Berka Folgen. Mit der Gründung von Vereinen versuchte man das kulturelle Leben im Ort zu fördern. 1922 wurde der erste Berkaer Frauenchor gegründet, es entstanden Wander- und Sportvereine.

Zeit des Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit Nach Antritt der Naziherrschaft bildete sich in Gospenroda eine Widerstandsgruppe um den Kommunisten Jakob Gerlach, die Aufklärungsschriften über den Faschismus druckten und weitergaben. Bei der Aktion Gitter im August 1944 widersetzte sich der Vorsitzende der KPD-Ortsgruppe Willi Vock seiner drohenden Verhaftung, wurde dabei angeschossen und verstarb 1945 an den Folgen seiner Verletzungen. Eine Gedenktafel in der Nähe des Rathauses erinnert an ihn. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 77 Frauen und Männer in der Landwirtschaft von Berka und den umliegenden Orten Zwangsarbeit verrichten.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen. Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 318.

In den letzten Kriegstagen wurde die Werrabrücke gesprengt und somit die direkte Verbindung zum Bahnhof Berka/Werra und den Nachbargemeinden Obersuhl und Gerstungen unterbrochen. An die zahlreichen Toten des Krieges und die Opfer des Faschismus erinnert ein Gedenkstein auf dem Friedhof mit den Worten: Die Toten mahnen!.

Im Oktober 1945 wurde auf Befehl der sowjetischen Militäradministration die Schule wiedereröffnet. Der Unterricht wurde, behindert durch Lehrermangel, im Rahmen der Möglichkeiten wiederaufgenommen. 1946 erfolgte die Wiedereröffnung des Kindergartens sowie die Gründung der Stadtkapelle. Am 8. September 1948 wurde die erste Gemeinderatswahl der Nachkriegszeit durchgeführt.

Berkas Entwicklung in der DDR Unter den politischen Verhältnissen der DDR erlebte auch die Berkaer Bevölkerung eine radikale Veränderung ihrer Lebensbedingungen: Die gesamte Entwicklung während der DDR-Zeit war durch die Lage Berkas dicht an der innerdeutschen Grenze geprägt, ab 1952 lag der Ort in der 5-Kilometer-Sperrzone, was Einschränkungen mit sich brachte.

Die 1950er Jahre mini|hochkant|Die alte Berkaer Schule mini|Das Gasthaus Zur Post

1950 erfolgte die Gründung der Nationalen Front und die erste (staatliche) Handelseinrichtung HO wurde eröffnet.

Im Zuge der Verwaltungsreform in der DDR wurde der Landkreis Eisenach, dem Berka angehörte, am 25. Juli 1952 aufgelöst und Berka dem neugebildeten Kreis Eisenach zugeordnet. Im Gasthaus „Alter Stern“ wurde 1953 eine Zweigstelle der Musikschule Eisenach eingerichtet.

Die Gründung der Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft (AWG) erfolgte 1957, sie schuf etwa 100 Wohnungen. Es gab aber auch privaten Wohnungsbau: 1956 begann der Eigenheimbau am Heinrich-Zille-Weg. Die Lebensmittelkarten wurden 1958 abgeschafft. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung des Volkskunstensembles Berka/Werra, die Erschließung eines neuen Sportplatzgeländes und die Erweiterung des Kindergartens durch Anbau, eine Zentralbibliothek wurde eröffnet.