Alcatraz ist eine US-amerikanische Felsinsel in der Bucht von San Francisco, Kalifornien, auf der sich von 1934 bis 1963 eines der damals bekanntesten und berüchtigtsten Hochsicherheitsgefängnisse der USA befand.

Die 8,5 Hektar große Insel liegt etwa 1,5 km vom Festland entfernt. Sie ist etwa 500 Meter lang und bis zu hoch. Auf ihr wurde 1854 mit dem Alcatraz Island Light der erste Leuchtturm an der US-amerikanischen Westküste in Betrieb genommen. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befand sich auf Alcatraz ein Fort, das während des Sezessionskrieges von 1861 bis 1865 als Kriegsgefangenenlager für Angehörige der Armeen der Konföderierten diente. Anfang der 1930er Jahre wurde das Fort zur Gefängnisinsel. Aufgrund zu hoher Betriebskosten wurde das Gefängnis 1963 aufgegeben. Die Insel galt seither für die Behörden als unbewohnt. Öffentliches Interesse erregte sie erneut 1964 und von Ende 1969 bis Mitte 1971 durch politisch motivierte Besetzungsaktionen durch Aktivisten der Indianerbewegung.

Heute ist Alcatraz eine museale Touristenattraktion und steht als Teil der Golden Gate National Recreation Area unter der Aufsicht des US National Park Service.

Geschichte Entdeckung und Namensgebung Der spanische Forscher Juan Manuel de Ayala segelte 1775 in die Bucht von San Francisco und gab den Inseln aus Sandstein, die er dort vorfand, spanische Namen. Ursprünglich bezeichnete er („wegen der auf dieser Insel im Überfluss vorkommenden Albatrosse“) mit La isla de los alcatraces, die heute Yerba Buena Island genannte Insel. Auf das heutige Alcatraz wurde der Name erst 1826 durch den britischen Marinekapitän und Geographen Frederick William Beechey in der Form Alcatrazes Island übertragen. Ihren endgültigen Namen Alcatraz Island erhielt die Insel dann 1851 durch die amerikanische Küstenwache, nachdem Kalifornien 1850 nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg US-Bundesstaat geworden war.California Place Names: The Origin and Etymology of Current Geographical Names (Dritte Auflage), Erwin Gustav Gudde, University of California Press, Berkeley and Los Angeles, 1969, S. 6 (englisch).Gregory L. Wellman: A History of Alcatraz Island: 1853–2008, Arcadia Publishing, Charleston SC, Chicago IL, Portsmouth NH, San Francisco CA, 2008, S. 7 und 8 (englisch).

Die genaue Bedeutung von Alcatraces in de Ayalas Benennung ist etwas umstritten, jedoch wird meist die Übersetzung Pelikane gewählt.A Brief History of Alcatraz auf der Website des Federal Bureau of Prisons (englisch).Alcatraz auf www.aviewoncities.com (englisch). Alcatraces steht zwar im heutigen Spanisch für Tölpel und nicht für Pelikane, doch das mindestens seit 1386 im Spanischen bezeugte, aus dem Arabischen stammende alcatraz wurde früher auch im Sinn von eine Art Pelikan benutzt.Alcatraz(e), Informationen zur Herkunft des französischen Wortes im etymologischen Online-Lexikon des Centre National de Ressources Textuelles et Lexicales (französisch).

Ausbau zum Fort und Gefängnis mini|links|Senkrechtaufnahme, etwa 2004 1846 kaufte John Charles Fremont, der militärische Gouverneur Kaliforniens, das damals mexikanische Alcatraz vom vorigen Besitzer Francis Temple zum Preis von 5000 Dollar für die Vereinigten Staaten. Nach Beendigung des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges meldeten allerdings sowohl Temple als auch Fremont Eigentumsrecht an. Das wurde von den Vereinigten Staaten nicht anerkannt, da Julian Workman, der Schwiegervater von Francis Temple und Vorbesitzer von Alcatraz, seinen Teil des Vertrags, einen Leuchtturm auf der Insel zu errichten, nicht erfüllt hatte und Fremont ohnehin nicht in der Position gewesen sei, die Insel im Namen der Vereinigten Staaten zu kaufen. Somit waren alle Verträge nichtig. Die Insel fiel an die USA und blieb bis zum heutigen Tage im Eigentum der Bundesregierung.

Infolge des hohen Andrangs an Schiffen, ausgelöst vom Goldrausch in Kalifornien im Jahre 1848, und wegen des Verlusts vieler Schiffe aufgrund unzureichender Kenntlichkeit und der starken Nebelbildung wurde schließlich 1852 ein Leuchtturm auf Alcatraz errichtet. Dies war der erste Leuchtturm im gesamten amerikanischen Pazifikbereich. Die Linse für das Licht kam allerdings erst 1853 aus Frankreich in San Francisco an, und es verging noch ein weiteres Jahr, bis man jemanden gefunden hatte, der sie einbauen konnte. So wurde der Leuchtturm erst am 1. Juni 1854 in Betrieb genommen.

Danach begann die militärische Nutzung mit dem Bau von Fort Alcatraz von 1853 bis 1859, das für Kriegsgefangene ab 1861 zum ersten Mal als Ort für Gefangene diente. Eine Gruppe konföderierter Soldaten und die Mannschaft eines konföderierten Handelsschiffes wurden hier während des amerikanischen Sezessionskrieges interniert. Als Zellen diente dabei das Verlies eines Ziegelbaus. 1903 war der Ort jedoch so verfallen, dass es geschlossen werden musste. Die Planungen für einen Neubau begannen 1906, wurden aber von dem schweren Erdbeben im gleichen Jahr zurückgeworfen. Der Gefängnisneubau dauerte schließlich von 1906 bis 1911. Jetzt wurde ein Stahlbetongebäude als Zellentrakt genutzt, das bis heute besichtigt werden kann. 1909 wurde der Leuchtturm neu gebaut. Das Fort wurde 1933 aufgegeben.

Hochsicherheitsgefängnis mini|Wachturm Am 12. Oktober 1933 begann schließlich der Umbau in eine Strafvollzugsanstalt, und am 1. Januar 1934 wurde Alcatraz zu einem Bundesgefängnis umfunktioniert. Wegen des kalten Wassers in der Bucht und der tückischen Strömung war „The Rock“ (Der Fels) für ein Gefängnis ideal gelegen, da eine Flucht unmöglich schien. Die ersten Gefangenen, 53 Häftlinge aus dem Staatsgefängnis in Atlanta, trafen 1934 ein. Alcatraz fungierte bis 1963 als Hochsicherheitsgefängnis, in dem Gefangene untergebracht wurden, die in anderen Gefängnissen als unverbesserlich und schwierig eingestuft wurden. Unter ihnen befanden sich so bekannte Gangster wie Al Capone (1934–1939), Robert Franklin Stroud (1942–1959), Machine Gun Kelly (1934–1951), Alvin „Creepy“ Karpis (1936–1962) oder der deutsche Spion Erich Gimpel (1945–1955).

In den nächsten 29 Jahren der Nutzung inhaftierte man auf der Insel einige der berüchtigtsten Kriminellen der USA. Insgesamt 1576 Häftlinge waren auf Alcatraz inhaftiert, davon nie mehr als 302 gleichzeitig. Die Gefängniswachen lebten mit ihren Familien auf der Insel; insgesamt rund 300 Zivilisten, darunter 80 Kinder.

mini|Ehemaliger Gefängnishof für die Häftlinge Es waren durchschnittlich nicht mehr als 250 Häftlinge gleichzeitig im Gefängnis untergebracht. Die durchschnittliche Aufenthaltszeit der Häftlinge betrug zehn Jahre. Sie durften nur einmal im Monat eine Stunde lang Besuch erhalten. Bei Regelverstößen wurden die Insassen in Isolationshaft genommen. Sie mussten 18 Tage in einer Einzelzelle, entweder jede Nacht mit konstanter Beleuchtung oder jeden Tag bei Dunkelheit, verbringen.

Alcatraz hatte zwei Aufgaben: Übernahme von Unruhestiftern aus anderen Gefängnissen, um Flucht, Gewalt und Selbstmordversuche zu verhindern. Übernahme von Häftlingen, um sie gebessert wieder in ein anderes Gefängnis zu schicken. Von Resozialisierung war nie die Rede.

mini|Zellentrakt mini|Zelle mini|Zelle Die Zellen waren 1,52 × 2,74 Meter groß, mit Waschbecken, Toilette und Bett. Hier hielten sich die Häftlinge zwischen 18 und 23 Stunden am Tag auf, alles andere waren Sondervergünstigungen, die nur bei guter Führung gewährt wurden. Auch die Teilnahme am Arbeitsprogramm war eine Sondervergünstigung. Hierbei wurden Verkehrsschilder hergestellt. An der Decke des Speisesaales waren für Notfälle Tränengasbehälter angebracht, die allerdings nie benutzt werden mussten bzw. konnten, da sich viele Wärter des Gefängnisses zur Essenszeit im Speisesaal aufhielten und sie sich so selbst geschadet hätten bzw. nicht hätten eingreifen können. Auch hatte das Gefängnis als einziges im Land Warmwasserduschen. Durch ausschließlich warmes Wasser in den Duschanlagen sollte die Gewöhnung der Häftlinge an kaltes Wasser für etwaige Fluchtversuche verhindert werden.

Fluchtversuche In der Zeit als Militärgefängnis Bereits in der Zeit als Militärgefängnis gab es mindestens 29 Fluchtversuche mit insgesamt 80 Beteiligten. Während 62 davon gefasst wurden und einer mutmaßlich ertrank, ist das Schicksal der 17 anderen ungeklärt.

In der Zeit als Hochsicherheitsgefängnis In den 29 Jahren als Hochsicherheitsgefängnis gab es 14 Fluchtversuche durch insgesamt 34 Gefangene (darunter die bei jeweils zwei Versuchen beteiligten Joseph Paul Cretzer und Sam Shockley), aber keinen bekannten erfolgreichen AusbruchAlcatraz Escape Attempts. In: alcatrazhistory.com, (englisch).:

27. April 1936 – Während seiner Arbeit als Müllverbrenner auf der Insel begann der aus Österreich stammende Joe Bowers, eigentlich Josef Ebner, über den Maschendrahtzaun am Rand der Insel zu klettern. Trotz mehrfacher Aufforderung, zurückzukehren, weigerte er sich. Daraufhin wurde er von einem Wachmann aus dem Wachturm an der Weststraße angeschossen und stürzte etwa 15 bis 30 Meter in die Tiefe auf das felsige Ufer. Er erlag seinen Verletzungen.

16. Dezember 1937 – Während ihrer Arbeit in der Werkstatt hatten Theodore Cole und Ralph Roe über einen längeren Zeitraum hinweg unbemerkt die flachen Eisenstäbe eines Fensters durchgefeilt. Schließlich kletterten sie durch das Fenster, gelangten bis ans Ufer und verschwanden in der Bucht von San Francisco. Der Ausbruch fand während eines heftigen Sturms statt, und die Strömung in der Bucht war besonders stark – die meisten gehen davon aus, dass Cole und Roe ins offene Meer abgetrieben wurden. Offiziell gelten sie als vermisst und vermutlich tot.

23. Mai 1938 – In der Schreinerei des Industriegebäudes griffen Thomas Limerick, Jimmy Lucas und Rufus Franklin den unbewaffneten Aufseher Cline mit einem Hammer an – dieser erlag später seinen Verletzungen. Die drei kletterten anschließend aufs Dach, um dort den Wachmann im Turm zu entwaffnen. Dabei wurden Limerick und Franklin angeschossen, Limerick starb an den Folgen. Lucas und Franklin erhielten lebenslange Haftstrafen wegen Mordes an Cline.

13. Januar 1939 – Arthur „Doc“ Barker, Dale Stamphill, William Martin, Henry Young und Rufus McCain entkamen aus der Einzelhaftzelle, indem sie Eisenstäbe durchsägen und verstärkte Gitter an einem Fenster verbiegen konnten. Am Ufer wurden sie von Wärtern entdeckt: Martin, Young und McCain ergaben sich, Barker und Stamphill versuchten zu fliehen und wurden angeschossen – Barker starb.

21. Mai 1941 – Joe Cretzer, Sam Shockley, Arnold Kyle und Lloyd Barkdoll nahmen mehrere Aufseher im Industriegebäude als Geiseln, darunter Paul Madigan (später dritter Gefängnisdirektor). Die Geiselnehmer wurden schließlich überzeugt, dass eine Flucht unmöglich sei – sie gaben auf.

15. September 1941 – John Bayless versuchte während seiner Arbeit bei der Müllabfuhr zu fliehen, gab jedoch schnell auf, nachdem er das eiskalte Wasser der San Francisco Bay betreten hatte. Später versuchte er erneut erfolglos, aus einem Gerichtssaal zu entkommen.

14. April 1943 – James Boarman, Harold Brest, Floyd Hamilton und Fred Hunter nahmen zwei Wärter als Geiseln. Sie entkamen durch ein Fenster bis zum Ufer. Als andere Wärter gewarnt wurden, eröffneten sie das Feuer auf die flüchtenden Männer. Boarman wurde getroffen und verschwand im Wasser – seine Leiche wurde nie gefunden. Brest und Hunter wurden gefasst, Hamilton versteckte sich zwei Tage in einer Höhle, bevor er wiederentdeckt wurde.

7. August 1943 – Huron „Ted“ Walters verschwand aus der Wäscherei und wurde noch vor dem Einstieg ins Wasser am Ufer entdeckt und festgenommen.