Ein Hedgefonds (in der Schweiz auch Hedge-Funds, , von [] für „absichern“) ist ein im Finanzwesen aktiv verwalteter Investmentfonds, dessen Geschäftszweck in alternativen Investments besteht und der deshalb höhere Finanzrisiken als klassische Investmentfonds eingeht.

Allgemeines Innerhalb der Investmentfonds bilden die Hedgefonds eine sehr heterogene Gruppe. Sie verfolgen unterschiedliche Anlagestrategien und können diese mit einer breiten Palette von Finanzinstrumenten umsetzen. Darunter befinden sich Finanzinstrumente, deren Verwendung anderen Investmentfonds gesetzlich verboten ist: Arbitragetechniken, Derivate, Leerverkäufe und Hebelungen durch Aufnahme von Fremdkapital.

Ungeachtet ihrer Bezeichnung, die eigentlich auf Risikoabsicherungsstrategien hindeutet (ein Hedgegeschäft dient der Risikoabsicherung), sind Hedgefonds für Anleger hochriskant. Manche Hedgefonds versuchen über Fremdfinanzierung eine höhere Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften (Hebelwirkung oder Leverage-Effekt). Sie gehören zur riskantesten Anlageklasse (Totalverlust möglich) und sollten lediglich von risikofreudigen Anlegern (Risikoklasse E) erworben werden. Hedgefonds sind besonders risikofreudige Investmentfonds, die einem kleinen Kreis vermögender Investoren angeboten werden.Guido Eilenberger: Lexikon der Finanzinnovationen, 1996, S. 213 Sie wollen mit ihrer Bezeichnung jedoch nicht irreführen, sondern betreiben fondsintern beim Portfoliomanagement ihres Fondsvermögens eine Art Hedging, indem sie etwa die Hälfte ihres Fondsvermögens als Long-Position (Potenzial zur Wertsteigerung) und ungefähr die andere Hälfte als Short-Position (Potenzial zur Wertminderung; Short Selling) anlegen. Dieses Hedging gab ihnen ihren Namen. Sie betreiben damit eine Art Risikokompensation, setzen jedoch einen Teil ihres Fondsvermögens einem hohen Finanzrisiko durch die nicht vorhersehbare künftige Marktentwicklung aus.

Geschichte Alfred Winslow Jones galt als der erste Fondsmanager, der im März 1949 ein „abgesichertes Portfolio“ () zusammenstellte. Die „Private Partnership A. W. Jones & Co.“ nannte sich „Hedged Fund“ – und nicht „Hedgefund“. Er kaufte Aktien mit Aussicht auf Hausse und verkaufte (als Leerverkauf) Aktien mit einer Baisse-Tendenz,Roger Lowenstein, Der große Irrtum: Die spektakuläre Geschichte vom Aufstieg und Untergang des raffiniertesten Investmentfonds aller Zeiten, 2007, S. 45 f. was theoretisch das Marktrisiko ausschaltet und gegen Schocks jeder Art wappnen müsste. Jones fügte dem klassischen Fonds-Konzept zwei weitere Elemente hinzu, nämlich die Fremdkapitalaufnahme und Leerverkäufe.

George Soros gründete im Jahre 1969 den „Double Eagle Fund“, einen Vorläufer des im selben Jahr entstandenen Quantum Funds. Dieser spekulierte im September 1992 gegen das britische Pfund auf Basis der Global-Macro-Strategie, indem der Fonds 10 Mrd. US $ per Devisenswap auf eine Abwertung des Pfunds setzte. Innerhalb einer Woche machte der Fonds hieraus einen Gewinn von 1 Mrd. US $.Ursula Radel-Leszczynski, Hedgefonds für Einsteiger, 2005, S. 144 Diese Spekulation führte letztlich zum Ausscheiden des Pfundes aus dem Europäischen Währungssystem am 16. September 1992 (Schwarzer Mittwoch).

Der Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM) des John Meriwether entstand im März 1994 und spekulierte auf eine Verringerung des Spreads zwischen Swapzins und US-Staatsanleihen, was jedoch fehlschlug. Eine Rettungsaktion von internationalen Großbanken im September 1998 konnte die Liquidation des LTCM zwischen Dezember 1999 und Januar 2000 nicht verhindern. Das hohe Finanzrisiko hat in der Folge zu einer Reihe von weiteren Insolvenzen geführt,Handelszeitung vom 30. März 2021, Archegos ist kein Einzelfall - sondern nur die neuste Hedge-Fonds-Pleite, abgerufen am 6. April 2021 so beispielsweise im Juli 2007, als der Hedgefonds Sowood Capital in weniger als einem Monat etwa die Hälfte seines Eigenkapitals von drei Milliarden Dollar verlor und damit zu einem der ersten prominenten Opfer der Finanzkrise 2007 wurde. Bernard Madoff wurde im Dezember 2008 als einer der größten Finanzbetrüger der Geschichte entlarvt, als sein Hedgefonds bis zu 65 Milliarden Dollar an Kundengeldern mit einem Schneeballsystem veruntreute. Im Mai 2009 schloss Pequot Capital seinen drei Milliarden Dollar schweren Fonds inmitten einer staatlichen Untersuchung wegen Insiderhandels. Die Galleon Group musste im Oktober 2009 ihr 3,7 Milliarden Dollar schweres Portfolio auflösen. Ihr Gründer Raj Rajaratnam wurde angeklagt, der Drahtzieher des bisher größten Insiderhandels mit Hedgefonds zu sein. Im November 2013 wurde SAC Capital mit einem Vermögen von 16 Milliarden Dollar zur Auflösung gezwungen, nachdem sich das Unternehmen in fünf Betrugsfällen im Zusammenhang mit einem weitreichenden Insiderhandelssystem schuldig bekannt hatte. Aufsichtsbehörden kritisierten den Investor Neil Woodford im Juni 2019, dass sein 3,85 Milliarden Dollar schwerer LF Woodford Equity Income Fund in nicht börsennotierte, schwer verkäufliche Aktien investierte. Der auf Großbritannien fokussierte Fonds wurde daraufhin vom Handel suspendiert und schließlich abgewickelt. Kleinanleger, die sich in Internetforen koordinierten, trieben im Januar 2021 bestimmte Aktienkurse in die Höhe und brachten Hedgefonds in Schwierigkeiten, die auf sinkende Kurse spekuliert hatten. Die Hedgefonds Citadel LLC und Point72 Asset Management mussten Melvin Capital mit 2,75 Milliarden Dollar unterstützen, um einen Zusammenbruch des Konkurrenten zu verhindern.

Erst seit Januar 2004 gab es für Hedgefonds in Deutschland eine Regelung im Investmentgesetz, ab Juli 2013 hat das KAGB die Normen der Richtlinie 2011/61/EU über die Verwalter alternativer Investmentfonds übernommen und ist nunmehr die einzige Rechtsgrundlage für Hedgefonds.

Dachhedgefonds Ein Dachhedgefonds (auch ) setzt sich aus mehreren Subfonds zusammen, die ihrerseits Strategien eines Hedgefonds verfolgen. Dachhedgefonds investieren ausschließlich in andere Single-Hedgefonds (Subfonds).Guenter Wierichs/Stefan Smets, Gabler Kompakt-Lexikon Bank und Börse, 2010, S. 116 Dachhedgefonds sind gemäß Abs. 1 KAGB Hedgefonds, die in Anteile oder Aktien von Zielfonds (Subfonds) anlegen. Zielfonds sind Hedgefonds nach Maßgabe des § 283 KAGB oder EU-AIF oder ausländische AIF, deren Anlagepolitik den Anforderungen des § 283 Abs. 1 KAGB für Hedgefonds vergleichbar ist. Leverages mit Ausnahme von Kreditaufnahmen nach Maßgabe des KAGB und Leerverkäufe dürfen bei Dachhedgefonds nicht durchgeführt werden. Sie dürfen nach Abs. 4 KAGB nicht mehr als 20 % des Wertes eines Dachhedgefonds in einem einzelnen Zielfonds anlegen. Auf Ebene des Dachhedgefonds werden keine weiteren Kapitalanlagen getätigt, das operative Geschäft läuft nur auf Ebene der Subfonds. Er gehört zu den offenen Fonds, Kauf und Verkauf sind für Anleger allerdings zeitlich nur eingeschränkt möglich – meist einmal monatlich.

Sitz und Rechtsform Viele Hedgefonds sind an Offshore-Finanzplätzen registriert; in der AIFM-Richtlinie ist jedoch geregelt, dass das Fondsdomizil für in der Europäischen Union ansässige Fondsmanager keine Rolle spielt. Einer Regulierung unterliegt der Hedgefonds in diesem Falle trotzdem. Die Gründe für die Wahl eines Offshore-Finanzplatzes sind zum einen steuerlicher Natur (Niedrigsteuerland), liegen andererseits aber auch in den geringeren Einschränkungen durch die jeweiligen Kapitalmarkt-Gesetzgebungen, was die in den Fonds erlaubten Finanzinstrumente betrifft. Die britische Finanzmarktaufsicht FCA berichtete in ihrem Hedge Fund Survey June 2015, dass 69 Prozent der Hedgefonds auf den Kaimaninseln, 10 Prozent in Irland, 8 Prozent in den USA, 5 Prozent auf den Britischen Jungferninseln und die restlichen 9 Prozent auf den Bahamas, auf Guernsey und in Luxemburg beheimatet sind.

Angelsächsische Hedgefonds entsprechen in mancher Hinsicht eher einem geschlossenen Fonds. Investoren erwerben Anteile an diesen Unternehmen. Die Rechtsform entspricht als (LP) oder (LLP) einer deutschen KG oder als einer GmbH. Es gibt in der LLP einen oder mehrere Hedgefondsmanager, die mit ihrem privaten und geschäftlichen Vermögen haften, und Investoren, die Anteile an diesen Unternehmen kaufen. Oft ist der offizielle Sitz eines solchen Hedgefonds eine Steueroase (75 Prozent auf den KaimaninselnDailyii.com: . Mai 2006.), und der Fondsmanager sitzt in einem Finanzzentrum (etwa London, New York).

Hedgefonds-Strategien

Die Anlagestrategien der Hedgefonds können im Hinblick auf das Marktrisiko wie folgt unterschieden werden.

Relative Value Event Driven Directional Convertible Arbitrage Risk Arbitrage Global Macro Fixed Income Arbitrage Distressed Securities Emerging Markets Equity Market Neutral

Bei der Strategie „Relative Value“ () ist das Marktrisiko vergleichsweise gering, es steigt bei „Event Driven“ () und ist am höchsten bei „Directional“ ().

Die erste Hedgefonds-Strategie (marktneutrale Strategie) stammt von Alfred Winslow Jones und sollte ein Instrument zum Schutz vor Widrigkeiten bei Zins- und Währungsänderungsrisiken sein. Jones’ Idee war es, nicht nur in Boomphasen auf Zins- und Währungsmärkten zu profitieren, sondern auch bei fallenden Zins- und Wechselkursen Gewinne zu erzielen. Damit begründete Jones eine der ersten Hedgefonds-Strategien, nämlich die, Fremdkapital (Leverage-Effekt, Margin Trading) und Leerverkauf für den Kauf und Verkauf von Währungen aufzunehmen. Er verkaufte geliehene Aktien und spekulierte, diese vor Ende der Leihfrist billiger zurückkaufen zu können.

Eine Gruppe von neuen Strategien (Global-Macro-Strategie) wurden von George Soros und Jim Rogers mit ihren Hedgefonds der Serie Quantum Funds entwickelt. Durch neue Finanzinstrumente spekulierten sie in neuen Bereichen wie dem Devisenmarkt, Zinsniveaus, Rohstoff- und Aktienmärkten. Seit der ersten Hedgefonds-Strategie von Jones sind Hedgefonds-Strategien ständig weiterentwickelt worden und haben markant zugenommen. Hedgefonds gehören zu den „alternativen Anlageformen“. Hedgefonds nutzen die Vielzahl an Handelsobjekten und Handelsstrategien. Fremdkapital wird aufgenommen, weil erwartet wird, eine die Kapitalkosten übersteigende Rendite zu erzielen. Das Funktionieren der Hebelung basiert auf einem niedrigeren Zinssatz des Fremdkapitals als der Gewinn der zu erwartenden Rendite. Der Leverage-Effekt kann, außer durch Hinterlegen eines Bruchteils des Exposure bei börsengehandelten Termingeschäften (Futures), bei anderen Hedgefonds-Strategien nur durch die Aufnahme von Fremdkapital aufgebaut werden. Einem geringen Fremdkapitaleinsatz steht ein hohes Volumen des gehandelten Basiswertes gegenüber. Ein hoher Einsatz von Fremdkapital mit hohem Leverage-Effekt ist bei der Strategie der marktneutralen Arbitrage und bei Global-Macro-Strategien üblich.

Hedgefonds sind heute eigenständige Anlageinstrumente mit sehr unterschiedlichen Strategien und Risikoprofilen. Allen gemeinsam ist der Anspruch, sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten Gewinne zu erzielen.