mini|hochkant|Stammwappen derer von Schwerin. Schwerin ist der Name eines mecklenburgischen und pommerschen Uradelsgeschlechts. Zweige der Familie, die nicht stammesverwandt sind mit dem mittelalterlichen Geschlecht der Grafen von Schwerin, bestehen bis heute.

Geschichtlicher Abriss Das Geschlecht erscheint im Jahr 1178 erstmals urkundlich mit Bernardus dictus advocatus in Zverin, Vogt der Veste am Schweriner See (in der Grafschaft Schwerin), mit dem auch die direkte Stammreihe beginnt.Mecklenburgisches Urkundenbuch 1, Verein für Mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde, In Commission der Stiller’schen Hofbuchhandlung, Schwerin 1863, S. 121 f., Nr. 125. Digitalisat Im Jahre 1251 landete Gerhard Schwerin auf der Insel Usedom und gründet die Linie Stolpe. Später erwarb es in Pommern ausgedehnten Grundbesitz und gehörte dort seit 1250 mit den Burgen Altwigshagen, Landskron (seit 1576) und Spantekow (alle heute Landkreis Vorpommern-Greifswald) zu den schlossgesessenen Geschlechtern. Die Familie war seit 1357 Erbküchenmeister in Altvorpommern, was seit 1853 mit dem Besitz von Schwerinsburg (heute Ortsteil von Ducherow, Landkreis Vorpommern-Greifswald) verbunden war. Neben dem Erbküchenmeisteramt von Altvorpommern hatte die Linie Alt-Landsberg seit dem 3. Oktober 1654 auch die Würde eines Erbkämmerers der Kurmark Brandenburg inne.Christoph Franke: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band XIII, Band 125 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 2002, S. 223–229. ISBN 3-7980-0825-6.

Im Einschreibebuch des Klosters Dobbertin befinden sich sechs Eintragungen von Töchtern der gräflichen Familie von Schwerin von 1854 bis 1913 aus Mildenitz, Göhren und Wolfshagen zur Aufnahme in das adelige Damenstift im Kloster Dobbertin.

Bereits im 18. Jahrhundert ist eine gutsherrliche Ausbreitung in Schweden nachweisbar.Melville Henry Massue Marquis de Ruvigny et Raineval: The Titled Nobility of Europe. An International Peerage, Or Who’s Who of the Sovereigns, Princes and Nobles of Europe. 1914, in: Who is Who, Band Schwerin, Harrison & Sons, London 1914, S. 1337–1340. Digitalisat.

Erst im 19. Jahrhundert siedelte sich eine Familie im nördlichen Vorpommern an, in Ziethen und Lentschow bis 1945. Dort wurden sie ständische Mitglieder des Kreistages des Landkreises Greifswald. Im dortigen Kreishaus hing ein Wappenfries mit den Wappen der 24 Gutsherrschaften und der 3 Städte, darunter auch das der Grafen von Schwerin aus Ziethen/Lentschow.

Präsentationsrecht zum Preußischen Herrenhaus König Friedrich Wilhelm IV. verlieh dem Geschlecht 1855 das Präsentationsrecht zum Preußischen Herrenhaus. Die Familie gehörte damit zu den zehn Familien, die in der Anfangsphase des Herrenhauses 1854/1855 dieses Recht erhielten.

Auf Präsentation des Verbandes der von Schwerinschen Familie saßen im Herrenhaus: 1856–1903: Victor Graf von Schwerin (1814–1903), Rittergutsbesitzer 1904–1906: Bernhard Graf von Schwerin (1831–1906), Fideikommissbesitzer 1906–1918: Hermann Graf von Schwerin (1851–1918), Fideikommiss- und Rittergutsbesitzer

Standeserhebungen und Namensformen Die Familie erhielt im Laufe der Zeit mehrere Erhebungen in den Grafenstand, erstmals wurde sie mit Otto von Schwerin (1645–1705) aus der Linie Altlandsberg, Erbkämmerer der Kurmark und brandenburg-preußischer Staatsminister, am 11. September 1700 in den Reichsgrafenstand erhoben. Am 31. Juli 1740 erfolgte die Erteilung der preußischen Grafenwürde an die Linie Schwerinsburg. Jakob Philipp von Schwerin erhielt für sich und seine Nachkommen am 8. November 1766 die Erhebung in den schwedischen Grafenstand. Der preußische Grafenstand als „Graf von Zieten-Schwerin“ wurde am 14. September 1859 Albert von Schwerin, nunmehr Albert Graf von Zieten-Schwerin, verliehen, und zwar nach dem Recht der Erstgeburt (Primogenitur) aus je adliger Ehe für den jeweiligen Besitzer des 1852 gestifteten Fideikommiss Wustrau. Die übrigen Nachkommen dieses Zweiges führten weiterhin den Namen „von Schwerin“.

Als weitere Namensformen gibt es noch: „Graf von Schwerin von Schwanenfeld“ 1930 für Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld (adelsrechtliche Nichtbeanstandung vom 23. März 1952) und 1925 „Graf Schwerin von Krosigk“ durch Adoption für Johann Ludwig von Krosigk, nunmehr Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk (adelsrechtliche Nichtbeanstandung vom 3. Juni 1951).

Besitzungen 1862 sind für die Familie allein in ihrem Stammgebiet, dem vorpommerschen Landkreis Anklam, folgende Besitzungen aufgeführt: Erbengemeinschaft der Grafen und Herren v. S.: Spantekow, Spantekow-Forst, Drewelow, Rebelow – gesamt 8.782 Morgen Graf Maximilian von Schwerin-Putzar: Putzar, Boldekow und Bornmühl, Glien, Kavelpaß, Rubenow und Borntin, Schmuggerow und Wilhelmshof, Zinzow – gesamt 18.878 Morgen Graf Viktor von Schwerin: Schwerinsburg und Werder, Löwitz, Sarnow und Wendfeld, Sophienhof und Wusseken, Dennin und Stern – gesamt 15.714 Morgen Graf Carl’s von Schwerin – Erben: Busow, Ducherow und Molwitz, Medow – gesamt 8.298 Morgen Graf Bernhard von Schwerin: Dargibel – gesamt 2.190 Morgen Graf Helmuth von Schwerin: Louisenhof – gesamt 790 Morgen Wilhelm von Schwerin: Janow und Landskron, Rehberg – gesamt 5.360 Morgen Rudolf von Schwerin: Kurtshagen, Neuendorf A – gesamt 4.369 Morgen

Das sind zusammen 64.365 Morgen, das sind 1/4 des Kreises Anklam. Nach heutigen Maßen sind das 42.159 Hektar. Man nannte das Gebiet deshalb den „Grafenwinkel“. 1876 hatte die Gesamtfamilie mit allen Zweigen 55.500 ha Grundbesitz.

Durch die 1876 geschlossene Ehe des Grafen Karl aus dem Hause Schwerinsburg mit Luise Freiin von Nordeck zur Rabenau kamen deren Erbgüter in Hessen bis heute an seine Linie, Schloss Friedelhausen mit dem Hofgut Appenborn sowie Burg Nordeck und die Oberburg Rabenau.

Wappen Das Stammwappen zeigt in Silber eine rote Raute bzw. Wecke; seit 1392 führen die Stolper Schwerine die rote Raute auf dreieckigem Schilde. Seit 1529 auf dem gekrönten offenen Helm drei (rot, silber, rot) Straußenfedern, je belegt mit einer Raute verwechselter Farbe.

Das reichsgräfliche Wappen zeigt ein dreifeldriges Schild mit Mittelschild. Im roten Mittelschilde ein goldener, nach rechts gestellter Schlüssel (bezieht sich auf das Erb-Kämmereramt der Mark Brandenburg), oben rechts eine rote Raute (des Stammwappens) im silbernen Feld; oben links ein grüner Orangenzweig mit drei goldenen Früchten (aufgrund Gestattung durch die Frau des Großen Kurfürsten, Louise Henriette von Oranien, als Gunstbezeugung und Huldigung); im unteren silbernen Feld ein schwarzes Ross, das nach rechts galoppiert (bezieht sich auf die vermeintliche Herkunft der Schwerine aus Niedersachsen). Im Kleinod drei gekrönte Helme: der rechte trägt den schwarzen doppelköpfigen Adler des Heiligen Römischen Reiches mit Kaiserkrone; der linke den roten brandenburgischen Adler mit einem Orangenzweig im Schnabel; der mittlere die drei Straussfedern mit Rauten des Stammwappens. Die Helmdecken sind rechts rot und silbern, links blau und golden; als Schildhalter zwei vorwärtsschreitende goldene Löwen.

Wappenvarianten Nach Bagmihl 1847

Ortswappen Die Spindel/Raute des Wappens wurde in das Gemeindewappen der Gemeinde Ducherow aufgenommen.

Stammliste

Namensträger (chronologisch) mini|hochkant|Otto Freiherr von Schwerin (1616–1679), ab 1658 Erster Minister des Kurfürstentums Brandenburg mini|hochkant|Kurt Christoph Graf von Schwerin (1684–1757), seit 1740 preußischer Generalfeldmarschall mini|hochkant|Sophie Elisabeth von Schwerin af Grellenberg (1733–1796), verheiratet mit Joachim Ulrich Giese, Erbin und „Königin von Hiddensee“, Ölporträt von Georg David Matthieu mini|hochkant|Ulrich Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld (1902–1944), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, vor dem Volksgerichtshof, 1944

Ulrich von Schwerin (1500–1575), Großhofmeister in Pommern-Wolgast Anton Dettlof von Schwerin (1600–1658) verheiratet mit Erdmuth Sophie geb. von Wedell Dettlof von Schwerin (1650–1707), Generalleutnant und Ritter des Ordens de la Générosité Otto Freiherr von Schwerin (1616–1679), kurbrandenburgischer Minister und Oberpräsident Otto Graf von Schwerin (1645–1705), kurbrandenburgisch-preußischer Diplomat Bogislaw von Schwerin (1622–1678), kurbrandenburgischer Generalmajor, 1655/68 Chef des Infanterieregiments Nr. 2 Ulrich von Schwerin (1648–1697) verheiratet mit Anna Lucretia geb. von Ramin (1653–1745) Hans Bogislav Graf von Schwerin (1683–1747), preußischer Diplomat, Verwaltungsbeamter und Landjägermeister. Kurt Christoph Graf von Schwerin (1684–1757), preußischer Generalfeldmarschall Johann Bogislaw von Schwerin (1660–1698), verheiratet mit Frau Elisabeth Dorothea geb. von Borcke (1668–1729) Reimar Julius von Schwerin (1695–1754), preußischer Generalleutnant Friedrich Bogislav von Schwerin (1674–1747), preußischer Staats- und Kriegsminister Friedrich Julius von Schwerin (1699–1747), 1743–1747 Chef des Infanterieregiments Nr. 32 Philipp Bogislav von Schwerin (1700–1751), 1744–1746 Chef des Infanterieregiments Nr. 31; 1746/50 Chef des Infanterieregiments Nr. 13 Otto Magnus von Schwerin (1701–1777), preußischer Generalleutnant Friedrich Leopold von Schwerin (1699–1750), preußischer Generalmajor Erdmann Friedrich von Schwerin (1704–1753), preußischer Landrat Carl Magnus von Schwerin (1715–1775), 1767/73 Chef des Infanterieregiments Nr. 21; 1773/75 Chef des Infanterieregiments Nr. 43 Friedrich Albert Graf von Schwerin (1717–1789), preußischer Generalmajor, Oberstallmeister und Geheimer Etatsminister Jakob Philipp von Schwerin (1719–1779), schwedischer Reichsrat, Präsident des Wismarer Tribunals Philipp Adolph von Schwerin (1738–1815), 1789/95 Chef des Infanterieregiments Nr. 26 Wilhelm von Schwerin (1739–1802), preußischer Generalleutnant, Regimentschef und Gouverneur von Thorn Friedrich August Leopold Karl von Schwerin (1750–1836), preußischer Generalmajor Friedrich Carl Heinrich von Schwerin (1768–1805), preußischer Beamter, Präsident der Kriegs- und Domänenkammern in Aurich (1798–1803 und 1804/05) sowie Magdeburg 1803/04 Wilhelm Werner Otto von Schwerin (1773–1815), preußischer Oberst, gefallen in der Schlacht von Waterloo Hermann Johann von Schwerin (1776–1858), preußischer Generalmajor Heinrich von Schwerin (1776–1839), preußischer Landrat, pommerscher Landschaftsdirektor Maximilian von Schwerin-Putzar (1804–1872), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, preußischer Staatsminister Victor Graf von Schwerin (1814–1903), Mitglied des Preußischen Herrenhauses Friedrich Wilhelm Adolf von Schwerin (1791–1856), preußischer Landrat im Kreis Wehlau (1824–1842) Carl Johan Gustaf Julius Freiherr von Schwerin (1810–1880), Mitglied der Ersten Kammer des Schwedischen Reichstages Kurt von Schwerin (1817–1884), preußischer General der Infanterie Bernhard von Schwerin (1831–1906), Mitglied des Preußischen Herrenhauses Friedrich Graf von Schwerin-Stolpe (1869–1924), Hofmarschall, Gutsbesitzer Albert Julius Graf von Schwerin-Zieten (1835–1922), Gutsbesitzer und Mitglied des preußischen Staatsrats Heinrich von Schwerin (1836–1888), preußischer Politiker (MdPrA), Generallandschaftsdirektor von Pommern Karl von Schwerin (1844–1901), deutscher Verwaltungsbeamter und Landwirt Gudrun Gräfin von Schwerin (1878–1969), Ehefrau von Jakob Johann von Uexküll, übersetzte 1930 Axel Munthes Das Buch von San Michele ins Deutsche Hans von Schwerin-Löwitz (1847–1918), Geheimrat, deutscher Offizier, Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses Hermann Otto Louis Karl von Schwerin (1851–1918), Mitglied des Preußischen Herrenhauses, Kommendator des Johanniterordens Otto Ludwig Konstantin von Schwerin (1851–1939), preußischer Generalleutnant Bogislav von Schwerin (1851–1926), preußischer General der Infanterie Hugold Freiherr von Schwerin (1853–1912), ordentlicher Professor für Geographie an der Universität Lund