mini|F. Scott Fitzgerald, Fotografie von Carl Van Vechten, 1937 rahmenlos|zentriert|170px|klasse=skin-invert-image mini|F. Scott Fitzgerald, 1921 Francis Scott Key Fitzgerald (* 24. September 1896 in St. Paul, Minnesota; † 21. Dezember 1940 in West Hollywood, Los Angeles County) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Sein erster Roman This Side of Paradise (Diesseits vom Paradies), den er als 23-Jähriger 1920 veröffentlichte, machte ihn in kurzer Zeit berühmt. Gemeinsam mit seiner Frau Zelda Sayre führte er in den 1920er Jahren ein exzessives Leben. Das Ehepaar wurde in der US-amerikanischen Öffentlichkeit als typische Vertreter ihrer Generation wahrgenommen.
Bereits in den 1930er Jahren war F. Scott Fitzgerald jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten. Dazu trugen auch sein Alkoholismus und die psychische Erkrankung seiner Frau bei. F. Scott Fitzgerald starb 1940 im Alter von nur 44 Jahren in der Überzeugung, sein Lebensziel verfehlt zu haben, sich als bedeutender Autor seiner Zeit zu beweisen.
Fitzgerald wurde als Autor ab den 1940er Jahren wiederentdeckt und wird heute zu den wesentlichen US-amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts gezählt. Als seine zwei wichtigsten Romane gelten The Great Gatsby (Der große Gatsby, 1925) und Tender is the Night (Zärtlich ist die Nacht, 1934). Der große Gatsby wird dabei als eines der bedeutendsten Werke der amerikanischen Moderne eingeordnet. T. S. Eliot bezeichnete diesen Roman als den „ersten Entwicklungsschritt, den der Amerikanische Roman seit Henry James gemacht habe“.Peter Conn: Literature in America - An Illustrated History. Cambridge University Press, London 1989, ISBN 0-521-30373-7, S. 389. Im Original lautet das Zitat: … the first step the American Novel has taken since Henry James. Fitzgerald setzt sich darin mit Themen wie Dekadenz, Ausschweifungen, Idealismus, Widerstand gegen Veränderungen und sozialen Umbrüchen auseinander. Er schuf dabei ein treffendes Porträt der sogenannten „Roaring Twenties“, den von wirtschaftlichem Wachstum, Prohibition, Kriminalität, Jazz und Flappers geprägten 1920er Jahren in den Vereinigten Staaten.
Leben Jugend Francis Scott Fitzgerald wurde als Sohn von Edward Fitzgerald (1853–1931) und dessen Ehefrau Molly geb. McQuillan (1859–1936) in St. Paul im US-amerikanischen Bundesstaat Minnesota geboren.F. Scott Fitzgerald 1896–1940, bei LeMO, Lebendiges Museum Online Er war das dritte Kind des Ehepaars, seine beiden älteren Schwestern waren drei Monate vor seiner Geburt noch im Kleinkindalter gestorben. Eine weitere Schwester, die 1900 geboren wurde, lebte nur eine Stunde. Seine einzig überlebende Schwester, Annabel, kam 1901 zur Welt.Tredell: Fitzgerald's The Great Gatsby. 2007, S. 1. mini|Das Haus des Eisenbahnindustriellen James J. Hill in der Nachbarschaft von Fitzgeralds Elternhaus Seinen Vornamen Francis erhielt Fitzgerald zu Ehren seines Urgroßonkels Francis Scott Key, des Dichters der US-amerikanischen Nationalhymne. Beide Elternteile waren gläubige Katholiken. Zum Zeitpunkt von F. Scott Fitzgeralds Geburt besaß sein Vater eine Möbelfabrik, die „American Rattan and Willow Works“. Zwei Jahre später, im April 1898, war der Vater gezwungen, die Firma zu verkaufen. Er übernahm daraufhin eine Stelle als Großhandelskaufmann für Procter & Gamble in Buffalo, New York. Von 1901 bis 1903 lebte die Familie vorübergehend in Syracuse, danach wieder in Buffalo. Seine Grundschulzeit verbrachte Fitzgerald entsprechend an zwei katholischen Schulen im Osten der USA.
Im Juli 1908 verlor der mittlerweile 55-jährige Edward Fitzgerald seine Anstellung. F. Scott Fitzgerald schrieb später über den Tag, an dem man seinem Vater die Entlassung mitteilte:
Die Familie kehrte nach der Entlassung des Vaters nach St. Paul, Minnesota im Mittleren Westen zurück. Sie lebten von da an von dem Einkommen, das das Vermögen der Mutter abwarf. Dieses Einkommen war hinreichend hoch, um ihnen den komfortablen Lebensstil von Angehörigen der oberen Mittelschicht zu ermöglichen. Sie lebten in St. Paul in einem Stadtteil, der von sehr wohlhabenden Familien bewohnt wurde. Der berühmteste unter ihnen war James J. Hill, ein Eisenbahnindustrieller, der unter anderem in Fitzgeralds späterem Roman The Great Gatsby erwähnt wird. Fitzgerald besuchte in St. Paul ab 1908 die St. Paul Academy, wo er bereits als Verfasser von Theaterstücken, Liedern und Gedichten auffiel. Seine erste Kurzgeschichte, die Detektivgeschichte The Mystery of the Raymond Mortgage, erschien im Schulmagazin 1909. Fitzgerald war zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt. Die schulischen Leistungen ließen insgesamt jedoch zu wünschen übrig, so dass seine Eltern entschieden, ihn auf das renommierte katholische Internat Newman School in Hackensack, New Jersey zu senden. Auch hier reüssierte Fitzgerald weniger durch seine schulischen Leistungen als durch die Geschichten, die er im Schulmagazin publizierte. Er fand wenig sozialen Anschluss an dieser Schule, freundete sich jedoch mit Father Cyril Sigourney Webster Fay an, der ihm später als Vorbild des Monsignor Darcy in seinem ersten Roman This Side of Paradise dienen sollte.Tredell: Fitzgerald's The Great Gatsby. 2007, S. 3.
Studium und Militärdienst mini|Zelda Fitzgerald Im September 1913 begann Fitzgerald an der Princeton University zu studieren, einer renommierten, zur sogenannten Ivy League zählenden Universität in New Jersey. Princeton war allerdings nicht seine erste Wahl; er wäre lieber nach Yale gegangen. Fitzgerald, der nur knapp das Aufnahme-Examen in Princeton bestanden hatte, war auch hier akademisch nicht erfolgreich. Sein Studium an der Princeton University schloss er letztlich nie ab. Er traf an der Princeton University allerdings Edmund Wilson und John Peale Bishop, die wesentlich für seine literarische Entwicklung waren. John Peale Bishop machte ihn mit der Dichtkunst vertraut. Wilson, der zu einem der führenden US-amerikanischen Literaturkritiker wurde und mit dem Fitzgerald eine lang anhaltende Freundschaft verbinden sollte, entwickelte sich nach Fitzgeralds eigenen Angaben zu seinem „intellektuellen Gewissen“.F. Scott Fitzgerald, The Crack-Upt. S. 79. In Princeton wurde Fitzgerald jedoch auch damit konfrontiert, dass die US-amerikanische Gesellschaft keineswegs klassenlos war, sondern gesellschaftliche Schichten nach Religionszugehörigkeit, wirtschaftlichem Erfolg sowie sozialer und regionaler Herkunft unterschied.Ronald Bergman: The Great Gatsby and the Twenties. in Ruth Prigozy (Hrsg.): The Cambridge Compagnien to F. Scott Fitzgerald. New York, Cambridge University Press 2002, S. 79–94.
Ab Dezember 1914 begann Fitzgerald eine Beziehung zu Ginevra King, einer jungen, wohlhabenden Frau aus St. Pauls oberer Gesellschaftsschicht. Die Beziehung endete im Januar 1917. Das Ende der Beziehung war für Fitzgerald auch Beleg für sein Gefühl, dass soziale und finanzielle Barrieren arme Jungen daran hinderten, reiche Mädchen zu heiraten.
mini|Fitzgerald in Uniform, 1917 Am 6. April 1917 traten die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg ein. Im Mai 1917 meldete Fitzgerald sich bei der United States Army und wurde als second lieutenant in der Infanterie eingestuft. Zu seinem lebenslangen BedauernGlenday: F. Scott Fitzgerald. 2012, S. 2. wurde er jedoch nie auf die Kriegsschauplätze in Europa entsendet, sondern tat an verschiedenen Militärstandorten in den USA Dienst. Im November 1917, während er in Fort Leavenworth in Kansas stationiert war, begann er am ersten Entwurf seines semi-autobiografischen Romans The Romantic Egotist zu arbeiten.
Für seinen weiteren Lebensweg war die Versetzung an eine Militärbasis in Montgomery, Alabama entscheidend. Hier lernte er im Juli 1918 die vier Jahre jüngere Zelda Sayre (1900–1948) kennen, in die er sich sofort verliebte. Strittig ist unter den Biografen Fitzgeralds, ob Zelda Sayre für ihren späteren Mann von Beginn an ähnlich intensive Gefühle empfand.Bloom: F. Scott Fitzgerald's The Great Gatsby. 2006, S. 10. Bereits im November 1918 wollte er Zelda heiraten. Da es zu dem Zeitpunkt jedoch zweifelhaft war, ob Fitzgerald genug Geld für eine angemessene Lebensführung verdienen würde, lehnte Zelda Sayre eine Ehe mit ihm zunächst ab. Fitzgerald begann daraufhin bei der New Yorker Werbeagentur Barron Collier zu arbeiten und schrieb abends an Kurzgeschichten, Drehbüchern, Sketchen und Gedichten, von denen er hoffte, dass ihr Verkauf ihm Anerkennung und Geld einbringen würde. Es gelang ihm lediglich, für ein Honorar von 30 USD die Kurzgeschichte Babes in the Wood beim Magazin The Smart Set zu platzieren. 122 ablehnende Briefe hatte er dagegen wie einen Fries in seinem Zimmer aufgehängt.Tredell: Fitzgerald's The Great Gatsby. 2007, S. 4. Im Juni 1919 beendete Zelda Sayre die Verlobung mit Fitzgerald; im Juli gab er seine Stelle bei Barron Collier auf und kehrte nach St. Paul zurück, um im Haus seiner Eltern seinen Romanentwurf zu überarbeiten.
Früher literarischer Erfolg mini|Maxwell Perkins, der Lektor, der beim Verlag Scribners Fitzgerald betreute (1943) Der Verlag Scribner’s hatte Interesse an Fitzgeralds frühem Romanmanuskript The Romantic Egotist bekundet, aber sowohl den ersten Entwurf im August 1918 als auch die überarbeitete Fassung im Oktober 1918 abgelehnt. Die dritte Fassung, deren Titel Fitzgerald in This Side of Paradise (Diesseits vom Paradies) änderte, wurde im September 1919 vom Lektor Maxwell Perkins letztlich für Scribner's angenommen. Gleichzeitig gelang es Fitzgerald mehrere Kurzgeschichten zu veröffentlichen.Prigozy: The Cambridge Companion to F. Scott Fitzgerald. 2002, S. XVIII Im Februar 1920 verkaufte er erstmals eine Kurzgeschichte an ein Magazin mit hoher Auflage. The Saturday Evening Post zahlte ihm ein Honorar von 500 USD für seine Kurzgeschichte Head and Shoulders. Bereits mit dem ersten finanziellen Erfolg begann er erneut, um Zelda Sayre zu werben. Im Januar 1920 verlobten sie sich erneut und im April 1920, nur eine Woche nach der Veröffentlichung von Diesseits vom Paradies, heirateten Zelda und Scott Fitzgerald in New York City.Bloom: F. Scott Fitzgerald's The Great Gatsby. 2006, S. 11.
Diesseits vom Paradies wurde von der Literaturkritik sehr gut besprochen, den Verkaufserfolg bezeichnet Fitzgeralds Biograf Scott Donaldson als nach jedem Maßstab bemerkenswert. Das Porträt der jungen Generation nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und insbesondere der Flappers und ihrer emanzipierten Lebensweise machten den erst 23-jährigen Fitzgerald über Nacht berühmt.Scott Donaldson: Fitzgerald's nonfiction in Pregozy (Hrsg.): The Cambridge Companion to F. Scott Fitzgerald. 2002, S. 165. Im Original lautet das Zitat: By any standard, the sales of 'This Side of Paradise' was remarkable. Its portrayal of the younger generation, and particularly of the flapper and her liberated ways, made the twenty-three-year-old famous overnight. Fitzgeralds erste Sammlung an Kurzgeschichten Flappers and Philosophers, die im September 1920 erschien, war gleichfalls erfolgreich. Eine wesentliche Einkommensquelle wurde für Fitzgerald der Verkauf von Kurzgeschichten, Essays und Artikeln. Als Honorar erhielt Fitzgerald für seine Kurzgeschichten jeweils zwischen 1000 und 4000 USD, was außergewöhnlich hoch war (1000 USD von 1925 entsprechen einem Gegenwert von 12.423,91 USD von 2015). Fitzgerald maß seinen Kurzgeschichten allerdings keinen großen Wert bei. Sie waren für ihn im Wesentlichen Broterwerb, der seine Arbeit am nächsten Roman finanzierte. Ihm lag an einer Anerkennung als einflussreicher und bedeutender Schriftsteller, die aus seiner Sicht nur über die Veröffentlichung weiterer Romane gelingen konnte.