Horn ist eine Bezirkshauptstadt im gleichnamigen Bezirk Horn im östlichen Waldviertel in Niederösterreich mit Einwohnern (Stand ).

Geografie Horn liegt im östlichen Randbereich des Waldviertels im klimatisch begünstigten Horner Becken. Die Stadt wird von der Taffa durchflossen, in die im Ortsgebiet der Mödringerbach von Norden her einmündet.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst fünf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Breiteneich () Doberndorf () Horn () Mödring () samt Waldschenke Mühlfeld () samt Taffatal

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Breiteneich, Doberndorf, Horn, Mödring und Mühlfeld.

Die Gemeinde ist Mitglied der Kleinregion Kamp-Taffatal.

In Horn finden zwei Postleitzahlen Verwendung. Horn, Breiteneich und Mödring haben die Postleitzahl 3580, Doberndorf die Postleitzahl 3751.

Nachbargemeinden

Klima

Geschichte

Urzeit bis Altertum Die ältesten Nachweise für menschliche Anwesenheit stammen aus der letzten Kaltzeit und gehören zeitlich und kulturell in das Aurignacien. Vor rund 30.000 Jahren lagerten Menschen am linken Taffatalabbruch im heutigen Westteil der Stadt. Überkommen sind eine Feuerstelle, Knochenbruchstücke von Jagdtieren (Mammut, Rentier, Wildpferd) sowie zahlreiche Werkzeugartefakte aus Stein. Vor rund 12.000 Jahren lebten auf einer Anhöhe (Flur Galgenberg) östlich der Stadt Menschen der ausgehenden Altsteinzeit. An kulturellen Überresten sind kleingerätige Steinartefakte nachgewiesen. Die ältesten bisher bekannt gewordenen bäuerlichen Siedlungen aus der Zeit um 5000 v. Chr. konnten in den Fluren „Spitzteich“ und „Molder Feld“ lokalisiert werden. Typisch verzierte Gefäßreste der Notenkopfkeramik und Grünsteinartefakte (Schuhleistenkeile und Lochbeile) wurden gefunden. Eine Siedlung der frühen Lengyel-Kultur bestand um 4500 vor Chr. auf dem Stephansberg, wie rot und gelb bemalte und ritzverzierte Gefäßreste, Löffelfragmente, ein Flachbeil und ein halbes Lochbeil erkennen lassen. Eine bedeutende Siedlung der späten Lengyelkultur existierte in der Flur „Auf der Haid“. Diese Siedlungsfläche war auch in der folgenden Jordansmühlkultur belegt.

Kupferzeitliche Zeugnisse sind nur in ganz wenigen Belegen aufzuzählen. Hierher gehören von der Flur „Spitzteich“ eine verzierte Scherbe der Laibach-Vucedol-Kultur und ein Bruchstück eines Glockenbechers mit typischer Stempelverzierung.

Über die Bronzezeit des Horner Bodens ab etwa 2200 vor Chr. Geburt ist bisher noch relativ wenig bekannt. Umfangreiche Siedlungsreste der mittleren Bronzezeit wurden in der Flur „Spitzteich“ aufgefunden. Die späte Bronzezeit, die Zeit ab etwa 1250 v. Chr. ist durch ein Gräberfeld und eine Siedlung vertreten. Vierzig Brandgräber mit ärmlichem Inventar und wenige Bronzeobjekte erlauben eine Datierung in die Stufe Hallstatt A. Die späte Urnenfelderkultur (Hallstatt B) ist durch eine Siedlung belegt (Keramikreste, Spinnwirtel, Webgewichte, Bronzesichel).

Aus dem Bereich der Flur „Spitzteich“ und der ehemaligen Ziegelei stammen zahlreiche Siedlungsgruben einer früheisenzeitlichen Siedlung aus der Zeit ab 750 v. Chr. Geburt. Die eher ärmlichen Funde lassen an eine kontinuierliche Weiterentwicklung aus der späten Bronzezeit denken. Eine bronzene Tierfibel und Keramikreste mit Kerbschnittverzierung süddeutscher Art lassen an weitreichende Kontakte (Salzhandel) denken. Ein späteisenzeitliches Gräberfeld (Gräbergruppe?) aus der mittleren bis späten Latènezeit wurde im „Unteren Breiteneicherfeld“ festgestellt. Ein Kriegergrab enthielt die typische Ausrüstung dieser Zeit (Schwert, Lanze, Schild). Eine kleine Siedlung ist durch Kammstrichware und Eisenverhüttungsreste für die Flur „Spitzteich“ belegt.

Aus der nachchristlichen Zeit sind eine Augenfibel vom Galgenberg (Streufund aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert) und germanische Siedlungsreste des zweiten bis dritten Jahrhunderts von den Fluren „Spitzteich“ und „Molder Feld“ anzuführen. Für diese Zeit ist in der Flur „Spitzteich“ eine Eisenverhüttungsanlage – wohl in Nachfolge der keltischen Tätigkeit – nachgewiesen. Diese markomannische Siedlungsphase ist die bisher letzte eindeutig nachgewiesene im Horner Raum vor der germanischen Landnahme.

In das fünfte nachchristliche Jahrhundert datieren Körperbestattungen mit Schmuck- und Keramikbeigaben (eine silbertauschierte Gürtelschnalle und gemeingermanische suebische Keramikformen). In die Mitte des 6. Jahrhunderts datieren einige stempelverzierte langobardische Gefäßreste (Flur Galgenberg).

In die Zeit des neunten bis zehnten Jahrhunderts gehören einige wellenbandverzierte Gefäßreste von der Flur „Spitzteich“, die eine deutschslawische Anwesenheit andeuten.

Mittelalter bis Neuzeit In die Mitte des 11. Jahrhunderts fällt die älteste überlieferte urkundliche Nennung des Ortsnamens Horn („Hornarun“). Diese Nennung bezieht sich auf die Kirchensiedlung, die im frühen 11. Jahrhundert im Nahbereich der Wehrkirche St. Stephan entstand. Keramische Funde deuten diese Siedlung an. Um 1150/1160 wurde von den Nachfolgern des Grafen Kerold auf der gegenüberliegenden Taffaseite eine Burgstadt mit Dreieckplatz angelegt. Der Ortsname geht auf den Flurnamen *ze Horn(w)arun zurück, was sich mit ‚Bei den Leuten am Horn‘ übersetzen lässt.

1282 wurde die Siedlung erstmals als Stadt bezeichnet. Vor allem im Spätmittelalter spielte Horn eine bedeutende regionale Rolle. Die Stadt war ein wichtiges Handelszentrum mit einer Maut- und Zollstätte und außerdem Sitz eines Hochgerichtes. Die historische Stadtmauer mit Wehrtürmen ist bis jetzt größtenteils erhalten geblieben.

Im späten 16. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der Reformation. Der Horner Bund – begründet im Jahre 1608 – war ein Zusammenschluss der sich absondernden protestantischen Adeligen gegen den katholischen Landesfürsten Matthias. Dem für Horn bedeutendsten Vertreter der Gegenreformation, Graf Ferdinand Sigismund Kurtz von Senftenau, verdankt die Stadt die Berufung des Piaristenordens (1656), die Gründung eines Gymnasiums Schola Hornana (1657) und einer Gewerbesiedlung von dreißig Häusern der Tuchmacher und Färber (1650). Auf Graf Kurz folgte 1659 dessen Schwiegersohn Ferdinand Maximilian Graf zu Sprinzenstein (1625–1679) und ab 1679 mit dessen Schwiegersohn Leopold Karl Graf Hoyos, verh. mit der Tochter Maria Regina Gräfin Sprinzenstein (gest. 1704), die diesen verwandten Grafen Hoyos, ab 1822 Grafen Hoyos-Sprinzenstein, unter deren Ägide sich die Industrialisierung der Stadt vollzog.

Im Jahre 1732 wurde eine große Bierbrauerei errichtet, die ab etwa 1750 das weit über die Stadtgrenzen hinaus, vor allem in Wien berühmte Horner Weißbier, später auch Grünbier erzeugte.

Seit dem Jahr 1850 ist in Horn der Sitz der Bezirkshauptmannschaft. Mit der Eröffnung der Kamptalbahn erhielt Horn 1889 einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Im 20. Jahrhundert wurde die Stadt durch zahlreiche hier angesiedelte Schulen zur Schulstadt. Dazu kommt die Bedeutung als Garnisonsort und Sitz eines Bezirksgerichtes, wodurch in Summe sich Horn zu einem Hauptort des Waldviertels entwickelte.

Als schwärzestes Kapitel der Stadtgeschichte gilt die nationalsozialistische Zeit. Die Beteiligung an Verbrechen wie der Judenvertreibung ist nachgewiesen. Die Stadtverwaltung hat ab 1938 eindeutig Stellung bezogen, beispielsweise durch Bezeichnungen wie Adolf-Hitler-Platz (heutiger Hauptplatz und vormals Dollfuß-Platz) und Hermann-Göring-Straße (heutige Florianigasse zwischen Haupt- und Rathausplatz). Im Hof des Höbarthmuseums wurde ein Adolf-Hitler-Brunnen aufgestellt, der in veränderter Form heute noch im Hof des neuen Museums existiert. Besonders stolz war man auf die älteste Hakenkreuzdarstellung des Deutschen Reiches, ein steinzeitliches Objekt aus Mold bei Horn, die in pompöser Aufmachung durch Kreisleiter Hans-Heinz Dum und Parteimitglied Josef Höbarth museal ausgestellt wurde. Die Israelitische Kultusgemeinde Horn, 1873 gegründet, wurde im September 1938 innerhalb von 24 Stunden aufgelöst und sämtliche Juden des Bezirks Horn wurden nach Wien zwangsumgesiedelt.Eva Zeindl: Die Israelitische Kultusgemeinde Horn, Diplomarbeit, Wien 2008, S. 111–112. (Online abrufbar unter: othes.univie.ac.at)

siehe auch:Riedenburg (Gemeinde Horn), Wüstung

Garnisonsstadt Horn und die Radetzky-Kaserne

Horn bemühte sich 1936 um den Bau einer Kaserne, um Garnisonsstandort zu werden. Bereits im Oktober 1937 verlegte das neuaufgestellte IV. Bataillon des „Niederösterreichischen Infanterieregiment Nr. 6 Hesser“ von Krems in die rasch erbauten Kasernengebäude. Der Beginn waren zwei Mannschaftsgebäude, ein Remisen-, ein Kommando-, ein Offizierskasino- und ein Stallgebäude. In die neue Horner Albrechtskaserne sollte ein Infanterieregiment einziehen, was aber aufgrund des „Anschlusses“ an den NS-Staat zunichtegemacht wurde. Stattdessen wurde die Garnison Horn der 44. Infanteriedivision der deutschen Wehrmacht überstellt. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges bestand die Besatzung der Kaserne überwiegend aus Verwundeten zweier Lazarette.

Mit Kriegsende übernahm die Rote Armee das Kasernenareal und verwendete es unter anderem als Kriegsgefangenenlager. 1946 wurden die grob beschädigten Bauten von der Gendarmerieschule Niederösterreichs und dem Gendarmeriekommando übernommen. Mit der Wiedererlangung der Freiheit gemäß dem Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 wurde 1956 ein Landwehrregiment des neu entstandenen Österreichischen Bundesheeres aus Spittal an der Drau nach Horn verlegt. Damit begannen umfangreiche Erneuerungs- und Ausbauarbeiten. Die Kaserne, die 1967 in Radetzky-Kaserne umbenannt worden war, wurde bis 1973 um ein Wirtschaftsgebäude und bis 1981 um ein Mannschaftsgebäude in Kreuzbauform sowie um Sportanlagen erweitert.Beschreibung der Baulichkeiten in C. Fink, R. Riva, A. Haslinger, AEE INTEC: Energieeffiziente Kasernen. Endbericht, Gleisdorf 2005 (, noest.or.at, abgerufen am 3. Okt. 2012)

2014 sollte im Zuge eines Strukturpakets für das österreichische Bundesheer zur jährlichen Einsparung von 200 Millionen Euro unter anderem die Radetzky-Kaserne geschlossen werden. Dazu kam es jedoch nicht.Ltg.-485/A-3/38-2014. Keine Schließung der Radetzky-Kaserne Horn. Website des Landtags Niederösterreich. Abgerufen am 1. Oktober 2022.

Bevölkerungsentwicklung

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Stadtbefestigung Horn Schloss Breiteneich Alte Pfarrkirche St. Stephan: Das älteste in die Gründungszeit des Ortes zurückreichende Bauwerk wurde erstmals um 1050 urkundlich erwähnt. Die ursprüngliche Pfarrkirche hat ein romanisches Seitenschiff, einen gotischen Chor (im 18. Jahrhundert barockisiert) und beachtenswerte Kreuzweggruppen von 1708 an der Außenseite des Chores. Neue Pfarrkirche St. Georg: Einschiffiger Renaissancebau mit gotischen Nachklängen, erbaut 1593–1598 als repräsentative evangelische Kirche anstelle eines seit 1367 urkundlichen bezeugten Vorgängerhauses. Der 1880 errichtete Turmhelm wurde dem Turmhelm der Prager Teynkirche nachempfunden. Pfarrkirche Mödring hl. Johannes der Täufer