mini|Südostansicht der Dorfkirche Die Dorfkirche Schlepzig ist die evangelische Kirche des im Unterspreewald gelegenen Dorfes Schlepzig. Die Kirche gehört der Kirchengemeinde Schlepzig im Kirchenkreis Niederlausitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz an. Das aus dem 19. Jahrhundert stammende Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz.Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM): Denkmalliste des Landes Brandenburg (Landkreis Dahme-Spreewald), Eintrag zur Dorfkirche Schlepzig (Objekt-Dokument-Nr. 09140273). Hier wird die Ausstattung der Kirche geschützt, Detailangaben der Glocken sind wohl nur im internen Gutachten hinterlegt.

Lage Das Kirchengebäude steht erhöht auf einem natürlichen Sandhügel etwas abseits der Straße und damit abseits des historischen Dorfkerns. Die Wahl fiel auf einen Hügel wegen der häufigen Hochwasser in der Region. In Teilen ist das Gotteshaus von dem (noch aktiv genutzten) Friedhof umgeben, der damit auch vom Hochwasser verschont blieb. Am Friedhofszugang ist ein Grabmal erhalten, das als Kulturdenkmal gilt. mini|hochkant=0.5|Besonderes Grabmal auf dem Kirchfriedhof Schlepzig

Geschichte Erst im 16. Jahrhundert bildeten die Schlepziger evangelischen Christen eine eigene Kirchengemeinde. Sie errichteten sich bald auch eine eigene Kirche, die jedoch am 10. Mai 1769 wegen einer Unachtsamkeit beim Umgang mit glühenden Holzscheiten abbrannte, auch große Teile des Dorfes wurden dadurch vernichtet. Ein neues Kirchengebäude wurde an gleicher Stelle als Fachwerkkirche errichtet und konnte 1782 eingeweiht werden.

Im 19. Jahrhundert und beginnenden 20. Jahrhundert gab es gelegentlich Reparaturen und kleinere Umbauten. – Nach der deutschen Wiedervereinigung konnten alle Kirchen in Ostdeutschland ihren Einfluss in der Region stärken, damit einher ging auch eine meist dringend notwendige Sanierung der Gotteshäuser. So wurde im Jahr 1991 die Außenfassade der Schlepziger Dorfkirche erneuert. In den Jahren 1993 und 1994 folgte die Restaurierung des Turms. Die letzten umfangreichen baulichen Erneuerungen fanden 2017–2019 statt.

Architektur

mini|links|Ansicht von Nordosten (2013) Allgemeines Die Kirche entstand in Fachwerkbauweise im frühbarocken Stil auf einem rechteckigen Grundriss. An der westlichen Seite der Kirche befindet sich der mit vertikalen Brettern verkleidete Kirchturm. Östlich endet das Kirchenschiff mit dem Altarraum in einem Fünfachtelschluss.

Turm und Fassaden

Es handelt sich um einen hölzernen Dachreiterturm mit quadratischem Grundriss, der halb in das hölzerne Fachwerk-Kirchenschiff eingerückt ist. Außen ist er vertikal mit dunklen Brettern verkleidet. Den oberen Abschluss bildet eine geschwungene Haube mit einer Laterne, beide sind mit Schiefer gedeckt. Der Kirchturm ist bis zur Dachspitze geschätzte 15 bis 20 m hoch, darüber erhebt sich über einer Turmkugel eine metallene Wetterfahne, die als historisches Symbol einen Fisch und die Jahreszahl 1782 zeigt.

Kirchenraum mini|Blick auf die Orgel und die Deckenbemalung (2009) Im Inneren der Kirche fällt die ungewöhnliche Bemalung der Flachdecke mit einem Wolkenhimmel auf. Eine solche Bemalung hatte der Lübbener Malermeister Lehmann im Jahr 1783 erstmals aufgebracht. Direkt über dem Altarbereich erstrahlt das gemalte Auge Gottes mit dem Dreieck als Symbol für die heilige Dreifaltigkeit. Über der Kanzel ist eine etwas kleinere Darstellung desselben Symbols ausgeführt, dem aber das hebräische JHWH für den Namen Gottes hinzugefügt wurde.

In den Jahren 1980 und 1981 bemalten Kunststudenten anhand noch erkennbarer Reste der alten Bemalung die Decke wiederum mit einem Wolkenhimmel.

Empore Eine Empore mit zwei Sitzreihen zieht sich um den gesamten Kirchenraum herum. Direkt über dem Altarbereich ist hier die Orgel installiert.

Ausstattung

Altar In der Kirche befindet sich ein 1843 gestalteter Kanzelaltar, der offenbar von der Vorgängerkirche gerettet werden konnte. Eine Darstellung in der Predella zeigt das Abendmahl Jesu. Eine frühere Farbänderung wurde in den 1980er Jahren rückgängig gemacht.

Rechts neben dem Kanzelaltar hängt ein gemaltes Kreuzigungsbild, das eine von der Berliner Kirchenmalerin Margarete Stork im Jahr 1910 gefertigte Kopie eines Gemäldes Dirk van Bouts ist.Hans-Joachim Beeskow: Führer durch die evangelischen Kirchen des Kirchenkreises Lübben. Mit detaillierter Beschreibung der Innenausstattung und Kunstwerke der Dorfkirche Schlepzig, S. 203–205.Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM), Erfassungsbogen zur kirchlichen Ausstattung, Inventar-Nr. 09140273 (Ausstattungsstück: Gemäldekopie M. Stork, bezeichnet und datiert 1910).Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR. Bezirk Cottbus. Herausgegeben vom Institut für Denkmalpflege, Berlin 1984. (Dort wird das Bild im Kapitel zur Innenausstattung der Kirche Schlepzig explizit mit Jahr und Name der Künstlerin aufgeführt).

Ambo Im Gegensatz zur sonstigen an die Historie angelehnte Ausstattung findet sich ein ganz modern gestaltetes Lesepult mit einlegbarem Taufbecken in der Kirche. Der Künstler Matthias Körner hat mit den Materialien Edelstahl und Plexiglas sowie unter Verwendung der alten in der Kirche eingesetzten Farben ein neues interessantes Ausstattungsstück geschaffen. Bei Taufen wird in die Fläche des Lesepultes eine im Barockstil geformte flache Zinnschale eingesetzt.

Gestühl und Leuchter Die historischen hölzernen Kirchenbänke aus dem 18. Jahrhundert sind weitestgehend noch erhalten, auch Patronatslogen sind vorhanden. Zusammen mit den Sitzplätzen auf der Empore haben rund 200 Kirchenbesucher Platz.

Ein aus Messing gefertigter Leuchter in Form und Größe eines Wagenrads geht auf ein Geschenk einer einheimischen Familie anlässlich des im Jahr 1932 begangenen 150. Jahrestages der Einweihung der Kirche zurück.

Orgel

Im Jahre 1812 erhielt die Kirche ihre erste Orgel. Die heute im Gebäude befindliche Orgel stammt aus dem Jahr 1910 und wurde vom Orgelbaumeister Wilhelm Sauer aus Frankfurt (Oder) gebaut. Er hatte dafür auch große Teile des Vorgängerinstruments (Orgelpfeifen, Prospekt) mit übernommen. Hinzu kamen ein zweites Manual, ein pneumatisches Werk sowie zehn (neue) Register. Die genaue Disposition des für Dorfkirchen typischen spätromantischen Werkes ist nicht frei publiziert, sondern im internen Orgelverzeichnis des Berliner Instituts für Kirchenmusik sowie im Orgelarchiv des Konsistoriums der EKBO hinterlegt.

Nach der deutschen Wiedervereinigung, 1996 hat die Orgelwerkstatt Scheffler aus Sieversdorf eine Restaurierung des Instrumentes vorgenommen.Orgelwerkstatt Scheffler aus Sieversdorf: Offizielle Werkstatt-Projektliste zu den durchgeführten Restaurierungen, Eintrag: „Schlepzig, Dorfkirche. Reparatur der Sauer-Orgel 1910, pneumat., II/P, 10 Reg.“

Glocken Im Glockenturm befindet sich ein funktionstüchtiges historisches Geläut, bestehend aus zwei bronzenen Kirchenglocken. Lange Jahre wurden die Glocken nicht geläutet, weil der hölzerne Kirchturm und der Glockenstuhl marode waren und dadurch statische Probleme vermieden wurden. Erst im Jahr 2017 wurden die Holzkonstruktionen teilweise erneuert und stabilisiert, so dass das Geläut wieder in Betrieb genommen werden konnte.

Die Glocken stammen entweder direkt aus dem Baujahr des spätbarocken Kirchengebäudes (zweite Hälfte 18. Jahrhundert) oder es handelt sich um ältere, umgegossene Glocken der Vorgängerkirche. Da das Geläut in den Kriegen nicht abgeliefert wurde, sind sie sicherlich als historisch bedeutend eingestuft worden. Ein Glockengießer ist nicht bekannt.Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.: Bau- und Sanierungsdokumentation zur Fachwerkkirche Schlepzig (Dorfstraße 34, 15910 Schlepzig).Kommentar: Im späten 18. Jahrhundert wurden Kirchenglocken für den Spreewald und die Niederlausitz fast ausschließlich von regional ansässigen Meistern gegossen. Zu den wahrscheinlichsten Gießereien für Schlepzig gehören die Glockengießerfamilie Fischer aus Guben oder Glockengießer aus Berlin bzw. Frankfurt (Oder). – Die Aufträge stammten dann aus den königlich-preußischen Domänenämtern, zu denen Schlepzig über das Amt Lübben/Neu Zauche Beziehungen hatte.

Nutzung der Kirche und die Umgebung Das Gotteshaus dient allen kirchlichen Zwecken wie Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten, Begräbnisse. Ab und an finden auch reine Orgelkonzerte sowie andere Musikveranstaltungen in der Kirche statt (siehe Weblinks). Anlässlich des 400. Geburtstages von Paul Gerhardt im Jahr 2007 wurden hier auch Musikstücke auf der Orgel für eine CD aufgenommen (Besucher können sie hören, wenn sie einen Knopf im Inneren neben dem Kircheneingang drücken.)

Gemeindeleben Der aktuelle Pfarrer ist Christoph Hebold, er wird jedoch vertreten durch Annett Weinbrenner aus Lübben (Stand Mai 2026). Hebold leitet das Evangelische Pfarramt Krausnick, zu dessen Pfarrsprengel auch die Kirchengemeinde Schlepzig gehört. Unterstützt wird er in der praktischen Arbeit vor Ort durch die Gemeindepädagogin Kathrin Lächelt.Evangelischer Kirchenkreis Niederlausitz: Offizielles Pfarrer- und Gemeindenverzeichnis, abgerufen am 22. Mai 2026.

Innerhalb des Pfarrsprengels Krausnick und in Zusammenarbeit mit anderen Kirchen der Region Lübben werden musikalische Aktivitäten und Chorbegleitungen zu Festgottesdiensten gebündelt oder durch die Kantorei und den Posaunenchor der nahegelegenen Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Lübben abgedeckt. Die musikalische Leitung auf Kirchenkreisebene liegt beim zuständigen Kreiskantorat in Lübben. Direkt in Schlepzig gibt es keinen Kirchenchor, keinen Musikinstrumentenchor und es wird auch keine Kita unterhalten.Amt Unterspreewald: Offizielles Verzeichnis der Kindertagesstätten und kommunalen Einrichtungen der Gemeinde Schlepzig, abgerufen am 22. Mai 2026.

Literatur Hans-Joachim Beeskow: Führer durch die evangelischen Kirchen des Kirchenkreises Lübben. Lübben 1998, ISBN 3-929600-14-5, S. 203–205. Regionales Kirchenarchiv, Bestandsakten zum Pfarrsprengel Krausnick/Kirchengemeinde Schlepzig; im Evangelischen Kirchenkreis Niederlausitz.

Weblinks

Die Dorfkirche von Schlepzig (Dahme-Spreewald). beim Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg Deutsche Rockmusik der Gruppe Karussell in der DK Schlepzig, November 2026 (Ankündigung).

Einzelnachweise und Kommentare Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa): Projektdokumentation und Denkmalschutz-Archiv, Bericht: Die Glocken läuten wieder! Turmsanierung der Dorfkirche abgeschlossen., abgerufen am 22. Mai 2026.

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