mini|Aufgekrümmter Rücken und angehobener Schwanz infolge Schmerz beim Kotabsatz bei einem Schaf mit Pest der kleinen Wiederkäuer Die Pest der kleinen Wiederkäuer (Pseudorinderpest, Peste des petits ruminants) ist eine vor allem in Afrika vorkommende Viruserkrankung der kleinen Wiederkäuer (Schafe und Ziegen). Sie ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Sie gilt als „Geißel der ländlichen Haushalte“ in vielen Entwicklungsländern Afrikas, Asiens des Mittleren Ostens.Pest der kleinen Wiederkäuer soll ausgerottet werden. In: Dt. TÄBl. 65, Heft 5, 2015, S. 643.

Seit 1999 gibt es regelmäßige Ausbrüche in der Türkei, 2018 gab es einen Ausbruch in Bulgarien, 2024 in Griechenland.Schafe in Griechenland lebendig begraben?, n-tv. Abgerufen am 26. Juli 2024. 2007 wurden erste Fälle in China festgestellt. Im Sommer 2008 wurden zahlreiche Fälle der Krankheit zum ersten Mal in Marokko beobachtet. (PDF; 351 kB) Das bedeutet, dass das natürliche Hindernis in Form der Sahara nicht mehr schützt. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und die Weltorganisation für Tiergesundheit haben sich zum Ziel gesetzt, die Pest der kleinen Wiederkäuer bis zum Jahr 2030 – als zweite Viruserkrankung bei Tieren nach der Rinderpest 2011 – auszurotten.

Erreger

Der Erreger der Pest der kleinen Wiederkäuer ist das ( , PPRV; Spezies Morbillivirus caprinae) aus der Familie Paramyxoviridae (Ordnung Mononegavirales). Antigenetisch ist es eng mit dem Rinderpestvirus verwandt.

Die Übertragung erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt mit viruskontaminierten Ausscheidungen infizierter Tiere.

Klinisches Bild mini|Stomatitis Die Erkrankung ähnelt weitestgehend der Rinderpest. Die Inkubationszeit beträgt etwa fünf Tage. Die Erkrankung beginnt mit Fieber und Fressunlust. Bald darauf bilden sich eine nekrotische Entzündung der Maulschleimhaut, Nasen- und Augenausfluss und schließlich ein starker Durchfall.

Die Pest der kleinen Wiederkäuer verläuft bei Ziegen meist dramatischer als bei Schafen und führt bei etwa 90 % der Ziegenlämmer zum Tod. Die generelle Sterblichkeitsrate variiert zwischen 10 und 90 %. Bei Rindern löst das Virus eine subklinische Erkrankung aus. Auch Wild- und Hausschweine können erkranken; bei ihnen verläuft die Krankheit meist mild und ist wenig ansteckend.C. Schulz, C. Fast, K. Schlottau, B. Hoffmann, M. Beer: Neglected Hosts of Small Ruminant Morbillivirus. In: Emerging infectious diseases. Band 24, Nummer 12, 12 2018, S. 2334–2337, , PMID 30457523, .

Diagnose In Endemiegebieten kann aufgrund des klinischen Bildes bereits eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Sie muss durch Isolierung und Nachweis des Virus oder durch einen Anstieg der Antikörper im Serum bestätigt werden. Vom Virus der Rinderpest kann es durch einen Kreuzneutralisationstest unterschieden werden.

Bekämpfung In Deutschland ist die Tierseuche in der Anlage 1 der Tierseuchenmeldeverordnung (TierSeuchMeldV) vom 10. März 2026 gelistet und es besteht eine allgemeine Meldepflicht nach § 3 für Infektionen bei Schafen, Ziegen, Kamelen und Hirschen.Verordnung über die Meldung von Seuchen bei Tieren (Tierseuchenmeldeverordnung – TierSeuchMeldV) Außerhalb der Endemiegebiete werden keine Behandlungen vorgenommen, sondern infizierte Tiere werden gekeult.

Ein spezifischer Impfstoff existiert und wird erfolgreich in den Endemiegebieten eingesetzt. Auch Vakzinen gegen die Rinderpest zeigten ebenfalls eine gute Immunitätsentwicklung, diese dürfen jedoch seit deren Ausrottung 2011 nicht mehr eingesetzt werden.

Weblinks

Wieder mehr Saiga-Antilopen in der Mongolei. Auf: orf.at vom 22. November 2023. Mongolische Saiga-Antilopen stehen vor der Rückkehr. Auf: spektrum.de vom 22. November 2023.

Einzelnachweise

Kategorie:Virale Infektionskrankheit bei Wiederkäuern Kategorie:Anzeigepflichtige Tierseuche Kategorie:Tierseuche (EU)