Die Redningsselskapet (allgemein mit RS abgekürzt) ist die Seenotrettungsorganisation von Norwegen und zuständig für den Such- und Rettungsdienst (SAR) bei Seenotfällen entlang der norwegischen Atlantik-Küste sowie an den Seen Femunden und Mjøsa. Sie kommt bei 80 % aller Seenotfälle in Norwegen zum Einsatz. Ähnlich wie die deutsche DGzRS ist die Gesellschaft eine freiwillige humanitäre Vereinigung. Als Wohltätigkeitsorganisation erhält sie eine staatliche Unterstützung, die ca. 15 % ihrer Einnahmen ausmachen, für historisch übernommene Aufgaben des Staates. Seit ihrer Gründung konnte sie bisher (Stand 2018) über 6.400 Personen vor dem 'nassen' Tod bewahren.

Aufgaben und Organisation mini|links|Generalsekretärin Rikke Lind mini|Ambulanzschiff «Eyr Ytterholmen» mini|Maskottchen Das kleine Rettungsboot «Elias» Die RS hat ihren Sitz in Lysaker in der Nähe von Oslo und unterhält 5 Regionalbüros in Tromsø, Ålesund, Bergen, Horten und Lysaker. Diese sind für die Organisation der Seenotrettung ihrer Region zuständig und initiieren Veranstaltungen und Spendensammlungen. Das Ziel der RS ist es landesweit Leben zu retten, Vermögenswerte zu bewahren, die Umweltbedingungen der norwegischen Gewässer zu verbessern, um die Sicherheit der Seefahrt zu gewähren. Die Geschäftsführung erfolgt durch die Generalsekretären Rikke Lind . Schirmherr der Gesellschaft ist der norwegische König Harald V.

An der 2.650 Kilometer langen Küste (ohne Fjorde und Buchten) stehen der RS für die SAR-Dienste 58 Rettungsboote an 49 Stationen zur Verfügung (Stand 2024) , die durch das JRCC Stavanger für Süd-Norwegen (südlich 65° N) und das JRCC Bodø für Nord-Norwegen koordiniert werden. 26 Boote werden mit einer professionellen Besatzung gefahren und stehen rund um die Uhr (24/7) sofort zum Einsatz bereit. Die weiteren 25 Boote werden durch das „Freiwillige Seerettungs-Corps“ (Frivillige sjøredningskorps) betrieben und durch 1.300 Freiwillige besetzt, die innerhalb von 30 Minuten einsatzbereit sind. Mit diesen Einheiten wurden 8.371 Einsätze im Jahr 2018 gefahren, wobei 27 Personen gerettet werden konnten. Die meisten Einsätze galten der Unterstützung von jährlich über 22.000 Mitgliedern. Die Mitgliedschaft bei der RS ist an ein Boot gebunden und jedes Mitglied erhält dafür drei Stunden kostenlose Unterstützung.

Neben den Rettungsbooten betreibt die RS vier Ambulanzschiffe im Auftrag der Krankenhäuser im Nordland. Die 20 Meter langen Schiffe sind in Sandnessjøen registriert und liegen in den Häfen der Inseln Insel Vega, Dønna und Rødøya. Sie erreichen eine Geschwindigkeit von 40 Knoten und können 12 Personen transportieren und versorgen, davon zwei liegend. Das vierte Boot von 15 Meter Länge operiert von Ørnes aus und erreicht 29 Knoten.

Am Oslofjord in Horten hat die RS ein Tochterunternehmen angesiedelt, das zum führende Bildungszentrum in Europa für Sicherheit und Rettung auf See werden soll. Die RS Sjøredningsskolen AS ist eine Akademie zur Aus- und Weiterbildung ihrer ständigen Besatzungen und Freiwilligen. Die Sicherheitstrainings werden auch den Offshore- und anderen Branchen angeboten. Daneben ist die Akademie zuständig für Innovation und Forschung auf dem Gebiet der Vorbeugung vor dem Ertrinkungstod.

Für Kinder und Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren besteht seit 2009 mit der RS Ung eine Jugendorganisation der RS. Mit Veranstaltungen entlang der gesamten Küste (Sommerschulen, Jugendcamps und Segelkursen) werden ihnen die Gefahren am und auf dem Wasser vermittelt und sie im sicheren Umgang mit Eis, Feuer und Erster Hilfe geschult.

Die RS hat auch ein offizielles Maskottchen: Das kleine Rettungsboot «Elias». Als freundliche Titelfigur von norwegischen Kinderbüchern, Animationsfilmen und Fernsehserien vermittelt es Kindern den sicheren Umgang mit Booten und der Seenotrettung.

Finanzierung Die RS ist eine gemeinnützige Hilfsorganisation, die ihren Mitgliedern gehört. Sie finanziert ihren Kernauftrag – die Suche und Rettung von Menschen und die Hilfeleistung an deren Boote – durch die Beiträge ihrer Mitglieder, freiwillige Zuwendungen, Spenden und operativen Einnahmen. Hinzu kommen Zuwendungen aus der Staatslotterie (Norsk Tipping AS) und die Förderung durch öffentliche Zuschüsse. Insgesamt hat die RS im Jahr 2018 682 Mio. NOK eingenommen. Davon kamen 14 % von den Mitgliedern und 18 % (121 Mio. NOK) von der öffentlichen Hand. Die Staatslotterie erbrachte 23 % und Spenden machten 13 % aus. Der Rest kam aus den weiteren Aktivitäten der Gesellschaft.

Von diesen Einnahmen gingen rd. 60 % (404 Mio. NOK) in den Betrieb der Rettungsboote und 8 % flossen in Informations- und Präventionsmaßnahmen. Die Verwaltung benötigt ca. 4 % der Mittel und der Rest ist der Aufwand zur Beschaffung von Geldern. Der Betrieb der Ambulanzschiffe kostete 33 Mio. NOK, der durch entsprechende Einnahmen aus der Krankenhausversorgung gedeckt ist.

Zur Erneuerung der Flotte sowie Nachrüstung der vorhandenen Boote verwaltet die RS einen Seenotrettungs-Fonds (Sjøredningsfondet). Ende 2018 wies die Bilanz einen Mittelbestand von 716 Mio. NOK aus.

Geschichte mini|Logo der Norsk Selskab til Skibbrudnes Redning Nach dem Vorbild der schon bestehenden Rettungsstationen in Europa hatte Norwegen ab 1851 ebenfalls Stationen im Süden des Landes errichtet. Die Stationen waren mit Freiwilligen besetzt und ihre Anzahl wuchs bis 1890 auf fünf an. Für weitere Stationen befand man aber die Bedingungen der norwegische Küste mit den vielen Schären und den großen, langen Fjorde als zu schwierig, um ein Rettungssystem flächendeckend einzurichten.

Im Jahr 1861 veröffentlichte der Sozialwissenschaftler Eilert Sundt eine Auswertung, nach der in Norwegen zwischen 1846 und 1860 jährlich rund 750 Fischer auf dem Meer ums Leben kamen. Er regte an, dass anstelle der staatlichen Stationen eine private Firma die Seenotrettung an der Küste aufbauen sollte. Doch seine Empfehlungen fanden kein Gehör.

Es benötigte noch das Erlebnis des Marinearztes Dr. Oscar Tybring (1846–95), der 1882 einen dramatischen Schiffbruch miterlebte, bei dem viele Seeleute ertranken. Er wurde zum Protagonisten für eine organisierte Seenotrettung entlang der gesamten Küste von Norwegen wie sie die bestehenden Seenotrettungsorganisationen der meisten europäischen Küstenstaaten schon hatten. Er stieß aber auf großen Widerstand und eine negativ eingestellte Bevölkerung. Schon allein die Länge der Küstenlinie, die einschließlich aller Fjorde und Inseln zwei Mal um die Erde reichen würde, machte dies unvorstellbar. Daneben wurden auch die Kosten als zu hoch erachtet, wenn man Rettungsstationen zwischen Nordsee und Barentssee einrichten wollteH.G. Prager: Retter ohne Ruhm, Ullstein-Verlag (1999) ISBN 3-548-24618-4 (S. 258 ff).

mini|Ältere Segelrettungsboote 1904 mini|Tauchereinsatz bei einem Boot der Emmy Dyvi-Klasse In der Kaufmannschaft (Kjøbmannsforening) von Christiania (heute die Hauptstadt Oslo) und besonders durch die Fischerei-Industrie fand er Unterstützung. Diese wollten die Gründung einer Seenotrettungsgesellschaft in Norwegen voranbringen und richteten dazu einen Arbeitsausschuss ein, zu dem ihr Vorsitzender Heinrich Scheller, Oscar Tybring und der bekannte Bootsbauer Colin Archer gehörten. Tybring hielt Vorträge um das Interesse zu steigern und Scheller bat öffentlich um finanzielle Unterstützung. Mit dem gesammelten Anfangskapital von 144.000 Goldkronen gelang am 9. Juli 1891 die Gründung der „Norwegischen Gesellschaft gegen Schiffbruch“ ( NSSR).

Für die Fischerei weit vor den Küsten war es wichtig bei ihren langen Fangreisen Begleitung durch Boote der Gesellschaft zu haben, die im Notfall sofort zur Stelle sein könnten, weil die Anfahrtswege von Landstationen zu weit und damit zu langwierig sein würden. Für derartige Patrouillenboote sah die NSSR Segelboote als durchaus geeignet an, da sie preiswerter waren als Dampfboote. Dieses System war die norwegische Anpassung des europäischen Rettungsgedanken.

Mit den ersten Rettungsbooten RS 1 bis RS 4 startete 1893 der Rettungsdienst. Die Akzeptanz bei der Küstenbevölkerung wuchs durch die Beförderung von Ärzten, Priestern und Hebammen an entlegene Orte der Küste. Am 20. Mai 1894 wurde die NSSR erstmals in der breiten Öffentlichkeit bekannt, als die Besatzung der RS 1 «Colin Archer» in einer spektakulären Rettungsfahrt in der Finnmark vor Hamningberg insgesamt 36 Schiffbrüchige in einem gewaltigen Sturm retten konnte. Weitere Zustimmung und Förderung errang die Gesellschaft im April 1938 durch die direkte Radioübertragung einer Rettungsaktion vor der Küste bei Møre og Romsdal, die im ganzen Land verfolgt werden konnte. Bei der dramatischen und lang anhaltenden Rettung von sechs der zwölf Mann der Besatzung kamen auch zwei Retter ums Leben.

Bis zur Jahrhundertwende zeigte die Bilanz, dass fast 900 Personen gerettet und 250 Schiffe sicher geborgen werden konnten. Zum 100. Jahrestag der Gesellschaft 1991 war der Stand der Rettungsaktivitäten: 5.301 Personen und 1.780 Schiffe gerettet.

1932 wurden die staatlichen Rettungsstationen an die NSSR übergeben. Zum Ausgleich der Kosten akzeptierte die Gesellschaft eine geringe staatliche Beteiligung. Für die Bezahlung der Gehälter in der Verwaltung und der Schiffsbesatzungen erfolgte 1950 eine Aufstockung dieser Mittel, um die kontinuierlichen Dienste für Behörden abzugelten.

Seit 1969 bildet die NSSR Taucher aus und führt auf ihren Booten mit Festangestellten entsprechende Ausrüstungen mit, um Ertrinkenden zu helfen und Netze und Seile von Schiffspropellern zu entfernen. Im ersten Jahr hatten die 'Froschmänner' schon 84 Einsätze. Ab 1974 wird der Betrieb der Rettungsflotte ganzjährig durchgeführt und die festangestellten Besatzungen werden in Vollzeit beschäftigt. Im Jahr 1979 startete die Rettungsstation am See Mjøsa.

1996 gründete die Rettungsgesellschaft das erste „Freiwillige Seerettungs-Corps“. Insgesamt 1.300 Männer und Frauen versehen heute in den 25 Corps ihren Dienst als freiwillige Besatzungen der kleineren Seenotrettungsboote an der gesamten norwegischen Küste.

Ab 2010 wechselte die NSSR das Erscheinungsbild ihrer Flotte. Die bisherigen drei Streifen am Rumpf in den Nationalfarben rot – blau – rot wurden ersetzt durch das neu Logo mit dem «Hansekreuz». Dafür verschwand das Logo der NSSR an der Seite des Aufbaus. Das rote Dach ziert nun in großen Lettern die Bootsnummer.

Entwicklung der Flotte mini|RS 1 «Colin Archer» mini|RS 38 «Biskop Hvoslef» Motor-Segelboot von 1932 mini|Rettungskreuzer von 1958 (Ex RS 61) mini|Hydraulische Klappe im Heck bei RS 163 Auf der Gründungsversammlung der NSSR in der Börse von Oslo hatte man noch nicht entschieden, wie die Rettungsflotte beschaffen sein sollte: kleinere Boote oder große Rettungsdampfer. Jedenfalls sollten Rettungsboote in der Lage sein, die norwegische Fischereiflotte auf ihren langen Fangreisen über das Nordmeer zu begleiten, um sofort vor Ort Hilfe leisten zu können. Colin Archer als Konstrukteur der Polarforschungsschiffe (z. B. Fram) wurde um den Entwurf für ein Segelrettungsboot gebeten, das diesen Vorstellungen entsprach. Die ersten Rettungsboote der Gesellschaft wurden 1893 als RS 1 «Colin Archer», RS 2 «Langesund», RS 3 «Tordenskjold» und RS 4 «Feie» in Dienst gestellt. Alle Schiffe der Redningsselskapet tragen seit Gründung das Präfix „RS“ für Redningsskøyte (dt. Rettungskutter oder Rettungsboot) und eine Nummer.

Die RS 1 «Colin Archer» brachte ihm große Anerkennung und einen legendären Ruf durch die Rettungsaktion vor Hamningberg 1894. Bei einem gewaltigen Orkan in der Finnmark mit steilen Kreuzseen bewies das Boot seine extrem robuste Bauweise. In einer spektakulären Rettungsaktion konnte der Skipper von RS 1 insgesamt 36 Menschen das Leben retten. Damit wurde das Rettungswerk der NSSR über die Presse erstmals in der breiten Öffentlichkeit bekannt und fand mehr Unterstützung. RS 1 war bis 1934 in Dienst und konnte 132 Personen das Leben retten und 41 Schiffe vor dem Untergang bewahren.