rechts|mini|250px|Saab 9-5 Kombi Modelljahr 2002

Der Saab 9-5 ist ein vom schwedischen Fahrzeughersteller Saab gebautes Pkw-Modell der oberen Mittelklasse, das von Sommer 1997 bis Ende 2011 hergestellt wurde. Es ersetzte den seit Frühjahr 1985 angebotenen Saab 9000 und war zunächst als Stufenhecklimousine erhältlich, ab Anfang 1999 auch als „Sport-Combi“.

Die zweite Generation des 9-5 wurde im Sommer 2010 eingeführt. Das neue Fahrzeug war an sich schon länger fertig konstruiert, jedoch kam es aufgrund des Eigentümerwechsels von Saab zu Verzögerungen. Im April 2011 wurde die Produktion unterbrochen und im Dezember 2011 beendet. Ursache ist Saabs Insolvenz und die Weigerung General Motors, Saabs neuem Eigentümer Lizenzen für das Modell zu erteilen.

9-5 (YS3E, 1997–2010)

Sterne im Euro-NCAP-Crashtest (1998) 105px Sterne im Euro-NCAP-Crashtest (2003) 105px

Modellgeschichte Erstes Modell (1997–2001) Wie auch die erste Version des Saab 9-3 baut der im Herbst 1997 eingeführte 9-5 auf der bei Opel konstruierten GM2900-Plattform von General Motors auf, die u. a. auch im Opel Vectra B zum Einsatz kam. So ist das Fahrwerk mit MacPherson-Federbeinen vorne und einer Mehrlenker-Einzelradaufhängung hinten, jeweils mit Stabilisatoren, ausgerüstet.Saab-9-5-Prospekt von Saab Deutschland, Modelljahr 1999

Mit dem 9-5 führte Saab die Tradition der Marke fort, diverse Sicherheitsfunktionen in ihren Fahrzeugen anzubieten. So bietet der 9-5 als erstes Serienfahrzeug Sitze mit aktiven Kopfstützen (SAHR, Saab Active Head Restraints), die sich im Falle eines Heckunfalls an die Köpfe anlegen und so einem Schleudertrauma und einer Nackenwirbelverletzung vorbeugen, und als erster Pkw ventilierte Sitze.

Beim 9-5 wurde mit der Tradition der Fließheckkarosserie mit Heckklappe gebrochen. Dafür erschien im Frühjahr 1999 als Ersatz der SportCombi. Die Limousine hatte einen Luftwiderstandsbeiwert (cw) von 0,29, der Kombi von 0,32. Die Karosserie des 9-5 wurde von Einar Hareide gestaltet.

Erste Modellpflege (2001–2005) Im Sommer 2001 wurde die Baureihe ein erstes Mal überarbeitet. Dabei erhielt sie an der Front Klarglasscheinwerfer und am Heck hellere Blink- sowie Rückfahrleuchten. Zudem wurden die Rückfahrsensoren optisch in die Stoßstange und der Kühlergrill in die Karosserie integriert. Des Weiteren wurden zwei neue Dieselmotoren mit 2,2 Litern Hubraum und 88 kW Leistung sowie 3,0 Litern Hubraum und 130 kW Leistung eingeführt. Im Folgejahr wurde auch der 2,3T ersetzt, welcher nun 162 kW leistete.

Zweite Modellpflege (2005–2010) Das zweite Facelift im September 2005 (umgangssprachlich Chrombrille) umfasste umfangreichere Modifikationen am Fahrzeug. Die Front wurde hierbei der neuen, am Saab 9-2X entwickelten, Designlinie angepasst, die Stoßstangen in die Karosserie integriert, sowie neue Heckleuchten und in Wagenfarbe lackierte Türgriffe eingeführt. Das Fahrwerk wurde härter abgestimmt und das Armaturenbrett in weiten Teilen ebenfalls neu entworfen (Drehregler, Einzelinstrumente). Auch wurden alle bisher verwendeten Dieselmotoren (88 und 130 kW, letzterer ein V6 von Isuzu) durch einen Motor (110 kW, von GM-Fiat-Powertrain) ersetzt, der bereits auch im 9-3 verwendet wurde.

Der letzte 9-5 SportSedan wurde Ende Juni 2009 hergestellt, während der letzte SportCombi im Februar 2010 vom Band rollte. Er ist damit das letzte von insgesamt 483.593 hergestellten Exemplaren der ersten Generation des 9-5.

General Motors veräußerte Werkzeuge und Nutzungsrechte der ersten Generation des 9-5 an die Beijing Automobile Works, die den Wagen optisch stark überarbeitet als Beijing Senova D-Serie auf den Markt brachte.

Motorisierungen Den 9-5 gab es mit fünf verschiedenen Motoren. Der Vierzylinder-Ottomotor mit 1985 cm³ und 2290 cm³ stammte vom Vorgänger, dem Saab 9000. Er wurde schon seit dem ersten Saab 99 verwendet und stammte ursprünglich vom Triumph Dolomite. Der V6-Ottomotor stammte von General Motors und wurde, wenn auch ohne Turbolader, auch im Opel Omega B eingesetzt. Zunächst gab es zwei Dieselmotoren; der Vierzylinder mit 2171 cm³ kam von Opel und war auch im Opel Vectra und Omega zu finden. Der V6-Dieselmotor mit 2958 cm³ kam von Isuzu aus Japan, die Motoren bis einschließlich Baujahr 2004 waren jedoch bekannt für Probleme durch Laufbuchsenabsenkung, die sich anfangs häufig durch erhöhten Kühlwasserverbrauch bzw. Ruckeln des Motors bemerkbar machten und in der Regel einen kompletten Motorenaustausch schon nach wenigen tausend Kilometern Fahrleistung nötig machten. Mit der Überarbeitung 2005 wurden beide Motoren ersetzt. Einen Sechszylinder-Diesel gab es nun nicht mehr, der Vierzylinder mit 1910 cm³ war völlig neu und kam aus der damaligen Zusammenarbeit mit Fiat. 2005 präsentierte Saab zudem mit dem Modell 2.0t BioPower erstmals in der Firmengeschichte ein Automobil, das für den Betrieb mit Bio-Ethanol (E85) oder Super-Benzin ausgelegt ist. Alle Motoren sind serienmäßig mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe oder optional mit einer Fünfstufen-Sentronic ausgestattet. Mit der serienmäßigen Top-Motorisierung (dem 2.3Turbo, anfangs 250 PS, nach der 2. Modellpflege 260 PS) erreichte der Wagen eine maximale Geschwindigkeit von 250 bzw. 255 km/h. In der Basismotorisierung (2.0t, 150 PS) erreichte er eine Geschwindigkeit von 220 km/h.

Modell Typ Hubraum Leistung Drehmoment Bauzeit Verbrauch/100 km(für Automatik) Ottomotoren2.0tR4, 16V, Turbo1985 cm³110 kW (150 PS) bei 5500 min−1240 Nm bei 1800 min−108/1997–02/20109,5 (10,5) l Super2.0t BioPower132 kW (180 PS) bei 5500 min−1280 Nm bei 1800 min−111/2006–02/201011,2 (13,4) l E852.0t Hirsch 141 kW (192 PS) bei 5500 min−1300 Nm bei 3500 min−102/2001–07/20019,2 (10,4) l Super plus 2.3t 2290 cm³ 125 kW (170 PS) bei 5500 min−1280 Nm bei 1800 min−1 06/1997–06/2000 9,8 (10,5) l Super 125 kW (185 PS) bei 5500 min−107/2000–02/20109,3 (10,4) l Super 2.3t BioPower 154 kW (210 PS) bei 5500 min−1 11/2006–02/2010 11,6 (13,0) l E85 2.3 Turbo162 kW (220 PS) bei 5500 min−1310 Nm bei 1900 min−107/2003–08/20078,9 (10,3) l Super 169 kW (230 PS) bei 5500 min−1 350 Nm bei 1900 min−1 10/1999–08/2001 9,1 (9,9) l Super 184 kW (250 PS) bei 5300 min−1 08/2001–08/2005 8,8 (9,8) l Super plus 191 kW (260 PS) bei 5200 min−1 09/2005–02/2010 9,1 (10,3) l Super plus 2.3 Turbo Hirsch221 kW (300 PS) bei 5500 min−1400 Nm bei 2000 min−105/2006–06/20099,1 (10,1) l Super plus 3.0t V6, 24V, Turbo 2962 cm³ 147 kW (200 PS) bei 5000 min−1 310 Nm bei 2500 min−1 01/1998–06/2003 (11,1) l Super plus Dieselmotoren 1.9 TiD DPF R4, 16V, Turbo 1910 cm³ 110 kW (150 PS) bei 4000 min−1 320 Nm bei 2000 min−1 12/2005–02/2010 6,4 (7,4) l Diesel 2.2 TiD 2171 cm³ 88 kW (120 PS) bei 4000 min−1 280 Nm bei 1500 min−1 03/2002–08/2005 6,6 (7,4) l Diesel 3.0 TiD V6, 24V, Turbo 2958 cm³ 130 kW (177 PS) bei 4000 min−1 350 Nm bei 1800 min−1 08/2001–08/2005 7,3 l Diesel Sicherheit Im Euro-NCAP-Crashtest erhielt der Saab 9-5 1998 bei der Bewertung der Insassensicherheit von Erwachsenen 31 Punkte und vier von fünf möglichen Sternen. Damit war er das beste bis zu diesem Zeitpunkt getestete Fahrzeug seiner Klasse. Beim Fußgängerschutz erreichte das getestete Fahrzeug 12 Punkte und zwei von vier möglichen Sternen. Nachdem der Saab 9-5 im Juni 2003 mit Gurtwarnern für die Vordersitze ausgestattet worden war, wurde die Bewertung der Insassensicherheit von Erwachsenen auf 33 Punkte und fünf von fünf möglichen Sternen aufgewertet.

Der Saab 9-5 (Typ YS3E) lag von seiner ersten Ausweisung im Folksam-Report 2003 bis 2009 durchgängig in der höchsten Sicherheitskategorie, 2003 alleinig in einer Sonderkategorie, wodurch er als „säkraste bilen“ (schwedisch für „sicherstes Auto“) ausgezeichnet wurde. Im Report 2005 wurde er gemeinsam mit dem Saab 9-3 (Typ YS3D) als sicherstes Auto ermittelt.

Auszeichnungen 1998: Bestes importiertes Auto der oberen Mittelklasse – Auto, Motor und Sport 1999: Schwedischer Designpreis – Schwedische Gesellschaft für Fahrzeuge und Design 2001: Bestes Auto (Klasse von $ 30.000–35.000) – American Automobile Association 2003: Sicherstes Auto – Folksam (Versicherung, Schweden) 2005: Sicherstes Auto – Folksam (Versicherung, Schweden)

9-5 (YS3G, 2010–2011)

Sterne im Euro-NCAP-Crashtest (2009) 105px

Entwicklung Die Planungen für ein Nachfolgemodell des 9-5 reichen bis Anfang der 2000er-Jahre zurück, als eine GM-weit benötigte Premium genannte Plattform entwickelt wurde. Diese war unter anderem für Saab vorgesehen sowie für einen kleinen Cadillac nebst Schwestermodell bei Buick. Im Rahmen der Aufgabenteilung im Joint-Venture zwischen Fiat und GM fiel der Entwicklungsauftrag für diese Bodengruppe an Fiat und wurde bei Alfa Romeo umgesetzt. Die Planungen für die Modelle von Cadillac und Buick wurden gestoppt, eine Verwendung der neuen Bodengruppe für einen Saab wurde aus Kostengründen gestrichen. Deswegen sind die einzigen auf dieser Bodengruppe realisierten Modelle der Alfa Romeo 159 (2005–2011), der Alfa Romeo Brera (2005–2010) und der Alfa Romeo Spider (Typ 939, 2006–2010).

Durch die 2002 von GM getroffene Entscheidung, diese Plattform nicht für die zweite Generation des Saab 9-5 zu verwenden, verzögerte sich die Entwicklung erheblich. Der bekannte 9-5 der ersten Generation wurde deswegen im Sommer 2001 und im Herbst 2005 durch zwei Facelifts aktualisiert.

Erste Bilder der Limousine wurden bereits im Juli 2009 veröffentlicht. Saab präsentierte den neuen 9-5 zuerst am 27. August 2009 auf der Unternehmenswebsite, bevor er dann einen Monat später auf der IAA einem breiten Publikum gezeigt wurde.

Wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Saabs verzögerte sich der Produktionsbeginn der Limousine von Herbst 2009 auf Mitte 2010. Die Preise lagen zwischen 33.700 (1.6T Linear) und etwa 70.000 Euro (2.8T Aero mit allen verfügbaren Ausstattungen).

Im Laufe des Jahres 2011 musste die Produktion wiederholt unterbrochen werden, da verschiedene Zulieferer das Unternehmen aufgrund von Zahlungsrückständen nicht mehr hinreichend mit Neuteilen versorgten.

Der Produktionsbeginn des SportCombi war zunächst für den Spätsommer 2011 angekündigt, dann auf Anfang 2012 verschoben worden. Aufgrund der Insolvenz von Saab sowie einer Verweigerung der Lizenzen seitens General Motors wurde der SportCombi im Gegensatz zur Limousine nie in Serie produziert. Es entstanden lediglich 33 Vorserienmodelle, die Ende 2012 in Schweden von einem Auktionshaus versteigert wurden.

Im Dezember 2011 wurde die seit April unterbrochene Produktion beendet. Ursache ist die Insolvenz von Saab und die Weigerung von General Motors, dem neuen Eigentümer von Saab Lizenzen für das Modell zu erteilen. Vom zweiten 9-5 wurden insgesamt nur 11.280 Fahrzeuge produziert.

Technik Der neue Saab 9-5 basierte wie der Opel Insignia A, der Buick LaCrosse und der Cadillac XTS auf der Epsilon-II-Plattform von General Motors und war auch mit deren Ecotec-II-Vierzylindermotoren (mit 1,6 und 2 l Hubraum versehen, gebaut von Opel in Kaiserslautern) und High-Feature-V6-Motoren (2,8 l Hubraum, gebaut von Holden in Port Melbourne, Australien). Die 2.0-Dieselmotoren stammten ursprünglich von Fiat. Die Motoren waren quer eingebaut. Der bereits offiziell angekündigte 2.0-l-Dieselmotor mit zwei Turbos und 140 kW Leistung war ab Modelljahr 2011 verfügbar; ein 3.0-l-V6-Diesel mit ca. 170 kW Leistung (entwickelt von VM Motori) war von General Motors abgesagt worden.

Das neue Modell war 17 cm länger als die erste Generation und maß nun 5,01 m, wobei der Radstand gegenüber dem Insignia um knapp 11 cm länger ist. Es wurde im Saab-Stammwerk Trollhättan gebaut.