mini|Charles S. Sperry mit Tarnschema 32/9d (Juni 1944)
Die Tarnschemata der United States Navy sollten es dem Gegner schwerer machen, ein Schiff von See her oder aus der Luft zu erkennen, seinen Kurs oder Geschwindigkeit zu ermitteln, und die Identifikation der Schiffsklasse erschweren oder gar unmöglich machen.
Schiffstarnungen im Ersten Weltkrieg Durch die erfolgreichen Versenkungen durch deutsche Unterseeboote mit ihren Torpedos alarmiert, suchte die britische Marine nach Lösungen die Versenkungsrate zu senken. So schlug der Künstler Norman Wilkinson der britischen Admiralität eine besondere Form des Tarnanstrichs vor. Wilkinson hatte seine Idee auf Grund seiner Erfahrungen auf einer Patrouille im Ärmelkanal gesammelt.
Seine speziellen Tarnanstriche bestanden aus komplexen Mustern aus geometrischen Formen in kontrastreichen Farben, die einander unterbrachen und durchschnitten. Auf den ersten Blick schien es keine Form der Tarnung zu sein, sondern eher ein auffälliges Muster. Seine Tarnmuster hatten aber einen ganz bestimmten Zweck, sie sollten es dem Gegner schwer machen, das Schiff, seine Geschwindigkeit und den Kurs für die optischen Zielsysteme der damaligen Zeit zu identifizieren und anzuvisieren.
In der englischen Sprache werden diese Tarnanstriche auch als Dazzle Painting oder Dazzle camouflage bezeichnet; (engl. dazzle ‚Blendung‘, camouflage ‚Tarnung‘).
Die Alsatian war das erste Marineschiff, das im August 1917 einen Tarnanstrich nach Wilkinsons Vorschlägen erhielt. Im Jahr darauf verwendete auch die U.S. Navy erstmals derartig auffällige Tarnmuster an ihren Schiffen.
Schiffstarnungen im Zweiten Weltkrieg Über die Effektivität dieser Tarnanstriche gibt es unterschiedliche Meinungen. Die Admiralität der Royal Navy berief sich auf Statistiken, demnach die Tarnmuster keine Auswirkung auf die Versenkungshäufigkeit gehabt hätten. Trotzdem wurde der Anstrich beibehalten, da sie – durch die subjektive Wahrnehmung der Besatzungen ihre Schiffe seien vor Entdeckung geschützt – die Moral am Bord gestärkt hätten.
Die Briten gaben in den 1940er Jahren diese Form der optischen Tarnung auf, da deutsche U-Boote ihre Ziele nun durch Sonar bzw. Horchpeilung und nicht mehr optisch anvisierten. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges existierten dann die ersten Torpedos, die den Schraubengeräuschen eines Schiffes aktiv folgen konnten; siehe Zaunkönig (Torpedo).
Mit der Einführung und Verbesserung der Radar-Technologie wurden optische Tarnmuster grundsätzlich wirkungslos, da sich die Gegner nun bereits weit über die Sichtweite hinaus orten konnten. So konnte bereits 1941 das deutsche Schlachtschiff Bismarck der radargestützten britischen Verfolgergruppe nicht mehr entkommen.
Die US-amerikanische Marineführung war dagegen überzeugt, dass Tarnmuster sehr effektiv waren und gegen Entdeckung Schutz boten. Insbesondere kämpften die US-Amerikaner im Pazifik aber gegen die – im Vergleich zur deutschen U-Boot-Flotte – technisch weniger gut ausgestatteten Japaner und insbesondere bei den Landeoperationen spielte es durchaus eine Rolle, dass sich die Schiffe weniger deutlich gegen den Horizont abzeichneten.
Hierzu wurde aber dann in der Regel auf weniger auffällige Schiffszeichnungen zurückgegriffen, als Wilkinson es den Briten im Ersten Weltkrieg vorgeschlagen hatte, da es auf die späte Entdeckung und nicht auf die Verwirrung potentieller gegnerischer Richtschützen ankam.
Farb- und Tarnanstriche der US-Marine im Zweiten Weltkrieg Auch im Zweiten Weltkrieg hatten sich die Ziele, was die Tarnanstriche bewirken sollten, nicht grundlegend geändert, so dass die vorher oftmals zitierte Verwirrung des Gegners immer noch das Ziel war. Der Farbanstrich bzw. die Tarnung der USN-Schiffe hatte den Zweck, die Identifizierung der Schiffe durch den Gegner zu erschweren, so sie vom Wasser und/oder aus der Luft so spät wie möglich zu erkennen und zu identifizieren waren. Je nach Aufgabenstellung, Einsatzgebiet, Umgebung und nach dem gewünschten Tarnungseffekt wurden die Schiffe durch Ein- oder Mehrfarbanstriche getarnt.
Schemata In der U.S. Navy wurden die Richtlinien für die Anwendung verschiedener Tarnanstriche, genannt Schemata (measures) im Laufe des Zweiten Weltkriegs mehrfach modifiziert. Dabei gab das Schema selbst nur die zu verwendenden Farben und Farbtöne an. Die Anordnung der Farbflächen wurde anhand von Farbplänen vorgenommen, sogenannten Mustern (designs). Measure 32/6A z. B. stand für Schema 32, kombiniert mit der Anordnung der Farbflächen nach Muster 6. Der Buchstabe A deutet darauf hin, dass dieses Muster für Flugzeugträger entworfen wurde. Es kam aber auch vor, dass ein Flugzeugträger ein für Zerstörer bestimmtes Muster (Buchstabe D) erhielt.Beispielsweise die Essex. Die Muster für Kreuzer hatten den Buchstaben C.
Tarnschemata von Flugzeugträgern Schema 1 Dark Gray – Alle vertikalen Flächen wurden Dark Gray (Dunkelgrau) gepönt. Wurde ab Mitte September 1941 nicht mehr aufgetragen. In Pearl Harbor hatten zu Beginn des Krieges zahlreiche Schiffe diesen Anstrich.
Schema 3 Light Gray – einheitliches Light Gray (Hellgrau), das bis etwa 1941 alle Schiffe führten. Während des Krieges wurde dieser Anstrich nicht mehr aufgetragen.
Schema 5 Bow Wave – sollte in Verbindung mit Schema 1 oder 3 eine hohe Bugwelle vortäuschen. Der Zweck war, dem Gegner das Schiff schneller fahrend erscheinen zu lassen, als es tatsächlich fuhr.
Schema 11 Sea Blue System – Seeblauer Einheitsanstrich aller vertikalen Flächen. Etwa 1943 eingeführt. Matter Anstrich mit einem Blau, das etwas heller war als das Blau, mit dem Bordflugzeuge gestrichen wurden. Ist vom Schema 21 schwer zu unterscheiden.
Schema 12 Graded System – nach Kriegsbeginn eingeführte zweitönige Tarnung. Vom Wasserpass bis zur Höhe des Hauptdecks (bei Flugzeugträgern bis zum Hangardeck) parallel zur Wasserlinie Sea Blue (Seeblau). Alles darüber Ocean Gray (Ozeangrau). Mastspitzen und über die Aufbauten hinausragende Teile Haze Gray (Dunstgrau). Vom Schema 22 sehr schwer zu unterscheiden. Erkennungshilfe: Kontrast zwischen unterem und oberem Anstrich ist geringer als bei Schema 22.
Schema 14 Ocean Gray – einheitlicher ozeangrauer Anstrich aller vertikaler Flächen. Von 1943 bis 1945 benutzt und auf Fotos sehr schwer von Schema 1, 11 und 21 zu unterscheiden.
Schema 21 Navy Blue – Alle vertikalen Flächen wurden Navy Blue (Marineblau) gestrichen, wobei es etwas dunkler als Schema 11 war. Mitte bis Ende 1943 verwendet.
Schema 22 Graded System – Rumpf vom tiefsten Punkt des Hangardecks in paralleler Linie zum Wasserpaß Navy Blue (Marineblau), alles darüber samt Aufbauten Haze Gray (Dunstgrau). Erster Nachweis für dieses Schema ungefähr 1941. Letzter Nachweis ca. 1947.
Schema 32 Medium Pattern System – ab Ende 1943 in Gebrauch. In 3–6 Tönen abgestuft, große Tarnflächen in dunkelgrauen Farben und mit diversen Mustern, wie es bei diversen Flugzeugträgern der Essex-Klasse zu beobachten war. Die benutzten Farben sind: Dull Black (Schwarz), Pale Gray (Fahlgrau), Haze Gray (Dunstgrau), Ocean Gray (Ozeangrau), Ocean Green (Ozeangrün) und Haze Green (Dunstgrün).
Schema 33 Light Pattern System – insgesamt heller als Schema 32. Ebenso wie Schema 32 diverse dunkelblaue, graue und grüne Tönungen.
Tarnschemata von Zerstörern und Kreuzern Da die Tarnschemata von Zerstörern und Kreuzern fast identisch sind, sind sie hier zusammengefasst. Sollte es Abweichungen geben, wird mit einem hochgestellten Z darauf hingewiesen. Die Schemata 31, 31A, 32 und 33 wurden oft mit den Verwirrmustern (dazzle pattern) gekoppelt. Nähere Informationen unter der Sektion Muster.
Schema 1 Dark Gray System – Alle vertikalen Flächen und Decks wurden Dark Gray (Dunkelgrau) gestrichen. Aufbauten und Masten oberhalb der Schornsteinkappe wurden Light Gray (Hellgrau) gestrichen. Holzdecks wurden naturbelassen.
Schema 2 Z Graded System – Alle vertikalen Flächen, unterhalb der tiefsten Stelle des abgesetzten Decks, wurden Dark Gray (Dunkelgrau) gestrichen. Der Rest wurde Light Gray (Hellgrau) gepönt. Decks wurden in Dark Gray (Dunkelgrau) gehalten.
Schema 3 Light Gray System – Das Schema entsprach Schema 13, Friedensgrau, nur die Farbe war Light Gray (Hellgrau). Die Decks wurden wie in Schema 1 gehalten.
Schema 4 Z Black System – Ein einfarbiges Schema, bei dem alle vertikalen Flächen schwarz gestrichen wurden.
Schema 5 Painted Bow Wave – Diese Schema wurde in Kombination mit Schema 1 verwendet. Hierbei wurde in White (Weiß) eine Bugwelle aufgetragen.
Schema 11 Sea Blue System – Alle vertikalen Flächen wurden Sea Blue (Seeblau) angestrichen. Die Decks (auch Holz) wurden Deck Blue (Schwarzblau) gepönt.
Schema 12 Graded System – Alle vertikalen Flächen des Schiffsrumpfs, ab Wasserpass Sea Blue (Seeblau). Die Aufbauten Ocean Gray (Ozeangrau) und die Masten sowie hochgelegene Aufbauten in Haze Gray (Dunstgrau). Die Bemalung der Decks entsprach dem Schema 11.
Schema 12 splotch Eine Variante von Schema 12, bei der anstatt klarer Trennlinien Fleckenmuster aufgetragen wurden. Der seeblaue Schiffskörper wurde mit ozeangrauem Muster versehen und die Aufbauten ozeangrau mit dunstgrauem Muster.
Schema 12 mottled Noch eine Variante von Schema 12, die dem splotch-Schema entsprach nur die Flecken und Muster waren gesprenkelt.
Schema 12 mod Modified Graded System – Vom Wasserpass bis zur Hauptdeckslinie entweder Navy Blue (Marineblau) oder Navy Gray (Marinegrau). Alles über der Hauptdeckslinie wurde Ocean Gray (Ozeangrau) gestrichen und Decks in Deck Blue (Schwarzblau).
Schema 13 Haze Gray System – Alle vertikalen Flächen Haze Gray (Dunstgrau). Decksflächen wurden in Deck Blue (Schwarzblau) gestrichen.
Schema 14 Ocean Gray System – Vertikale Flächen wurden Ocean Gray (Ozeangrau) gestrichen. Alle hohen Bauteile und Mastspitzen über der Schornsteinkappe wurden Haze Gray (Dunstgrau) gepönt. Decks, auch Holzbeplankungen, wurden Deck Blue (Schwarzblau) gestrichen.
Schema 16 Thayer System – Diese Schema wurde vor allem in nördlichen Gewässern mit langem Tageslicht geführt. Die vertikalen Flächen waren White (weiß) und Thayer Blue (Hellblau) mit geometrischen Mustern, die auf beiden Schiffseiten aber unterschiedlich waren. Decks in Deck Blue (Schwarzblau).
Schema 17 Bei diesem Experimentalschema waren die vertikalen Flächen Navy Blue (Marineblau), Ocean Gray (Ozeangrau) und Haze Gray (Dunstgrau). Die Farben wurden in geometrischen Mustern aufgetragen und waren auf beiden Seiten gleich. Dieses war nur bei diesem Muster der Fall. Diese Muster soll der Prototyp der Verwirrmuster (dazzle pattern) gewesen sein.
Schema 21 Navy Blue System – Bei diesem Schema waren alle Vertikalflächen Navy Blue (Marineblau) und alle Decks Deck Blue. Es wurde sehr häufig verwendet.
Schema 22 Graded System – Aller vertikalen Flächen wurden vom Wasserpass an bis zum tiefsten Punkt des Hauptdecks, in einer parallel Linie zum Wasserpass, Navy Blue (Marineblau) bemalt. Der komplette Rest des Schiffskörpers sowie der Aufbauten Ocean Gray. Decks wurden in Deck Blue (Schwarzblau) gehalten.
Schema 31 Dark Pattern System – ein Schema, das vorwiegend dunkle Farben führte. Die verwendeten Farben waren Haze Gray (Dunstgrau), Ocean Gray (Ozeangrau) und Dull Black (Schwarz). Die Decks wie üblich in Deck Blue (Schwarzblau). Diese Schema wurde sehr häufig bei Zerstörern verwendet.
Schema 31A Medium Pattern System, Low Contrast – Bei diesem Schema wurden Farbtöne mit geringem Kontrast verwendet. Die Vertikalflächen wurden bei zweifarbigen Mustern mit Navy Blue (Marineblau) und Haze Gray (Dunstgrau) und bei dreifarbigen Mustern zusätzlich noch mit Ocean Gray (Ozeangrau) gepönt. Decks wurden in Decks Blue (Decksblau) gehalten.
Schema 32