Grenchen (im lokalen Dialekt Gränche; ) ist eine Stadt, politische Gemeinde und der Hauptort des Bezirks Lebern im Kanton Solothurn in der Schweiz. Einwohnermässig ist Grenchen die zweitgrösste Stadt des Kantons Solothurn (nach Olten und vor Solothurn). Grenchen ist insbesondere als eines der Zentren der Schweizer Uhrenindustrie bekannt, die seit über 150 Jahren in der Stadt ansässig ist.
Geographie Die Stadt liegt am Jurasüdfuss zwischen den Städten Solothurn (ca. 10 km nordöstlich) und Biel/Bienne (ca. 10 km südwestlich).
Grenchen hat im Norden Anteil an der Jurakette – der höchste Punkt des Stadtgebiets liegt auf rund 1405 m ü. M. im Bereich des Grenchenbergs. Das Stadtgebiet reicht von den Jurahöhen über die Südflanke der ersten Jurakette (Jurasüdfuss) über die ausgedehnte Aareebene (siehe auch Grenchner Witi) bis an die Aare. Das Stadtzentrum liegt auf rund 450 m ü. M. unterhalb des Jurasüdfusses.
Grenchen grenzt im Norden, Westen und Süden an den Kanton Bern. Aufgrund dieser Lage grenzt die Stadt an sechs bernische, aber bloss zwei solothurnische Gemeinden. Die Nachbargemeinden von Norden beginnend im Uhrzeigersinn sind Court BE, Selzach, Bettlach, Arch BE, Rüti bei Büren BE, Büren an der Aare BE, Lengnau BE und Romont BE.
Zur Stadt Grenchen gehört auch die Ortschaft Staad an der Aare.
Mit 26,03 km² ist Grenchen die flächenmässig zweitgrösste Gemeinde des Kantons (nach Mümliswil-Ramiswil mit 35,48 km²). Unter den solothurnischen Städten weist Grenchen die mit Abstand grösste Fläche auf (Olten: 11,49 km²; Solothurn: 6,28 km²).
Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung BevölkerungsentwicklungJahr1796185019001930195019601970198020002020Einwohner7541581520210'39712'65018'00020'05116'80015'93817'915
Religionen – Kirchen Die Bevölkerung war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts überwiegend römisch-katholisch. Durch die starke Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie durch die Grenzlage zum protestantisch geprägten Kanton Bern nahm der Anteil evangelisch-reformierter Einwohner in dieser Zeit deutlich zu. In den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren kamen zudem erstmals Muslime, Buddhisten und Hinduisten in die Stadt.
Ende 2022 waren 26 % der Gesamtbevölkerung Grenchens römisch-katholisch, 24 % reformiert und 50 % gehörten keiner Landeskirche an (andere christliche Konfession, andere Religion oder konfessionslos).
Heute sind in der Stadt Grenchen eine römisch-katholische, eine evangelisch-reformierte, eine christkatholische und eine neuapostolische Kirchgemeinde sowie drei evangelische Freikirchen (evangelisch-methodistische Kirche, BewegungPlus und Gemeinde für Christus) vertreten. Zudem gibt es eine Moschee und einen Hindu-Tempel.
Geschichte Erstmals wird der Ort 1131 als Granechun erwähnt. Der Name geht auf das galloromanische graneca bzw. das lateinische granicum oder auch grangium zurück und bedeutet Getreidespeicher.
Die Gegend war schon seit der Antike besiedelt, wie z. B. die Überreste eines römischen Gutshofs im Breitholz bezeugen. In der Nähe fand man einen vorgeschichtlichen Schalenstein. Bei den Ausgrabungsarbeiten 1940/1941 kamen eine Tonscherbe und ein Bronzering zu Tage.Walter Drack: Die Funde der römischen Villa rustica von Grenchen-Breitholz und ihre Datierung. In: Jahrbuch für Solothurnische Geschichte 40, 1967, S. 445–466. – Hermann Hugi: Bericht über die Römervilla in Grenchen. In: Jahrbuch für Solothurnische Geschichte 15, 1942, S. 185–188. An der Jurastrasse wurden bei baubegleitenden Untersuchungen von 2006/07 und Ausgrabungen von 2011 römische Münzen der späten Republik und des frühen Kaiserreichs gefunden.Christian Weiss: Römische Fundmünzen aus der Villa von Grenchen. In: Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn 17, 2012, S. 33–34.
Die westliche und die östliche Gemeindegrenze verlaufen in der Grenchner Witi und im Stadtgebiet mehrheitlich parallel und haben einen Abstand von genau 10'000 römischen Fuss, das sind 2,96 km.
Aus dem 10. Jahrhundert stammt die Burg Grenchen («Bettleschloss»), die sich heute auf dem Gemeindegebiet von Bettlach befindet. Handelte es sich anfänglich um eine Holzburg, wurde sie Mitte des 12. Jahrhunderts von den Freiherren von Grenchen durch einen Steinbau mit Wehrcharakter ersetzt. Die Burg brannte um das Jahr 1200 aus, wurde aber wieder hergerichtet. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbten die Grafen von Strassberg, die ihren Stammsitz bei Büren an der Aare hatten, die Burg, welche fortan nur noch von Dienstleuten bewohnt wurde. Anfang des 14. Jahrhunderts gab man die Burg endgültig auf und überliess sie dem Zerfall. Sie erscheint bis um 1400 in den Handänderungsurkunden. Die Ruine wurde Ende des 16. Jahrhunderts als Steinbruch für den 1583 beschlossenen Bau des Gefängnisturms in Grenchen gebraucht und um 1920 wissenschaftlich untersucht.Präsentation Burg Grenchen, Bettleschloss von Alfred Fasnacht auf der
Der Gefängnisturm in der ehemaligen Burg wurde 1806 abgebrochen; und seine Steine wurden beim Bau der neuen römisch-katholischen Kirche gebraucht. Somit besteht die heutige St.-Eusebius-Kirche zum Teil aus Steinen der Burg Grenchen; auch die Grabplatten der Herren von Grenchen, welche in der alten Kirche beigesetzt waren, wurden für das Fundament der neuen Kirche verwendet. Allerdings besass der Turm noch nicht das heutige Spitzdach, sondern ein Helmdach.
Ein frühes Gemälde zeigt die Ortschaft Grenchen als kleines Dorf in einer offenen, grünen Landschaft. Der Flurname «Kastels» (um 1875 noch «Kastelsfeld») für das nordöstliche Wohnquartier und das Schulhaus der Stadt bezieht sich eventuell auf die im Waldhang oberhalb (auf rund 800 m ü. M.) gelegene Burgruine oder auf die im Kastels vorhandene römische Villa, deren Reste 2015 untersucht wurden.Simone Mayer: Ein römisches Wasserbecken in Grenchen. In: Archäologie und Denkmalpflege in Solothurn, 2016, S. 61–66.
In der Phase der Regeneration (1830–1848) war Grenchen ein Zentrum der liberalen Erneuerung und der radikal-demokratischen Gesinnung. So war Grenchen am Balsthaler Volkstag (1830), auf dem die demokratische Neuordnung des Kantons festgelegt wurde, stark beteiligt. 1835–1837 fanden verschiedene, im Ausland verfolgte Radikaldemokraten, unter anderen auch Karl Mathy (Baden) und Giuseppe Mazzini (Italien), in Grenchen Zuflucht.
Ab 1851 begann in Grenchen unter den Pionieren Josef Girard und Urs Schild die industrielle Uhrenherstellung, die das Wirtschaftsleben der Stadt bis heute dominiert. Im Jahr 1857 erhielt Grenchen mit der Linie Biel–Solothurn der Schweizerischen Centralbahn (SCB) den ersten Eisenbahn-Anschluss (Bahnhof Grenchen Süd), der das Uhrengeschäft merklich belebte. 1927 wurde die Linie elektrifiziert, 1932 auf Doppelspur ausgebaut.
1913 streikten die Bauarbeiter des Grenchen-Moutier-Tunnels. 1915 wurde Grenchen mit der Eröffnung des Grenchenbergtunnels zusätzlich an die Jurabahn und damit an die internationale Nord-Süd-Transversale Frankreich–Basel–Bern–Lötschberg–Simplon–Italien angeschlossen (Bahnhof Grenchen Nord).
Auf Initiative von Gemeindeammann Euseb Vogt wurde 1873 ein Spitalfonds gegründet. Vogt wollte nicht länger zusehen, dass die wachsende Grenchner Bevölkerung – wenn auch ab 1915 mit einer improvisierten Notfall-Station ausgestattet – gegenüber jener des Raumes Solothurn benachteiligt war. Dies verstiess auch gegen die in den liberalen Verfassungen des 19. und 20. Jahrhunderts garantierte Rechtsgleichheit. Dennoch konnte ein eigenes Spital letztlich erst 1953 finanziert und realisiert werden. In den letzten Jahren wurde dieses allerdings im Gefolge von Kostensenkungs-Anstrengungen redimensioniert, im Mittelpunkt standen zuletzt Leistungen der Inneren Medizin. Die Schliessung erfolgte im Jahr 2011.
Im Sommer 1916 demonstrierten Frauen auf dem Marktplatz gegen die hohen Lebensmittelpreise. 1918 wurden beim landesweiten Generalstreik in Grenchen drei junge Arbeiter von Truppen der Schweizer Armee erschossen. Im Zweiten Weltkrieg arbeiteten viele Grenchner Industriebetriebe für Hitler-Deutschland, einer davon belegte auf einer «schwarzen Liste» der Alliierten gesamtschweizerisch vom Umsatz her den 5. Rang.Stefan Frech: Vom deutschen Reich abhängiges Grenchen, Abschnitt aus einer Sonderbeilage der Solothurner Zeitung vom 16. Dezember 1997. Vgl. zudem auch die Forschungen dazu des Grenchner Lehrers German Vogt.
1931 wurde ein Regionalflugplatz mit Konstruktionswerkstätte eröffnet. Der Flughafen Grenchen entwickelte sich in der Folge zu einem der wichtigsten Regionalflughäfen der Schweiz.
In den 1970er-Jahren führte die nach den 1930er-Jahren zweite grosse Uhrenkrise zu einem starken Bevölkerungsschwund in der Stadt. Ab 1983 erlebte die Stadt mit der Produktion der Swatch einen erneuten Aufschwung, der bis heute anhält. mini|Luftbild (1947)2013 wurde in Grenchen mit dem Velodrome Suisse (seit 2017 Tissot Velodrome) die modernste Hallenradrennbahn der Schweiz (und Nationalstadion des Schweizer Radsports) eingeweiht.
Politik Legislative Die gesetzgebende Behörde und oberstes Organ der Stadt Grenchen ist die basisdemokratische Gemeindeversammlung, also die Versammlung aller stimmberechtigten Einwohner. Den Vorsitz hat der Stadtpräsident. Die Gemeindeversammlung tritt in der Regel zweimal jährlich im Juni (Rechnung) und Dezember (Budget) zusammen. Je nach Geschäftslage können ausserordentliche Gemeindeversammlungen einberufen werden.
Exekutive
Der Gemeinderat ist das vollziehende und verwaltende Organ der Stadt Grenchen. Der Gemeinderat, dem auch der Stadtpräsident und der Vize-Stadtpräsident angehören, zählt 15 Mitglieder. Den Vorsitz hat der Stadtpräsident. Der Gemeinderat tagt in der Regel einmal pro Monat (jeweils an einem Dienstag) in seinem Sitzungssaal im Parktheater. Die Sitzungen sind öffentlich. Die rechts stehende Grafik zeigt die Sitzverteilung im Gemeinderat nach der Wahl vom 18. Mai 2025.
Da die Wahl von Susanne Sahli (FDP) zur Stadtpräsidentin wegen schwerer Verfahrensfehler bei der Wahl vom Bundesgericht 2026 aufgehoben wurde, übernahm Vize-Stadtpräsident Patrick Crausaz (GLP) die Geschäfte bis zur Wiederholung der Wahl am 27. September 2026.Knall in Grenchen: Stadtpräsidentin verliert per sofort ihr Amt. In: 20 Minuten, 18. Juni 2026. Schliesslich wurde Sahli erneut gewählt.
Siehe auch: Liste der Stadtpräsidenten von Grenchen
Judikative Das Richteramt Solothurn-Lebern ist das für die Stadt Grenchen zuständige erstinstanzliche Gericht für Verfahren in Zivil- und Strafsachen.
Nationale Wahlen Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2019 betrugen die Wähleranteile in Grenchen: SVP 29,4 %, SP 21,0 %, FDP 16,7 %, CVP 12,0 %, glp 7,7 %, Grüne 6,7 %, BDP 3,4 %, EVP 1,1 %, Hanf-Partei 1,1 %.
Wappen Das Wappen zeigt in den Farben Rot und Weiss eine aufrecht stehende Pflugschar, von oben gesehen, mit drei Nietlöchern. Es existiert so seit mindestens dem 17. Jahrhundert.
Städtepartnerschaften und Patenschaften Es existieren Partnerschaften mit folgenden Städten und Gemeinden: Neckarsulm (Deutschland), seit 1988 Sélestat (Frankreich), seit 1988 Patendorf Unterschächen (Schweiz, Kanton Uri), seit 1968
Labels Seit 2004 trägt die Stadt Grenchen das Label Energiestadt,Energie, auf grenchen.chRedaktion: Re-Audit überstanden: Grenchen erhält erneut das Label Energiestadt. In: Tagblatt, 30. September 2020. und 2018 wurde Grenchen von der UNICEF mit dem Label «Kinderfreundliche Gemeinde»Kinderfreundliche Gemeinde, auf unicef.ch ausgezeichnet und 2022 rezertifiziert.
Bildung Die Stadt Grenchen bietet vom Kindergarten über die Primarschule bis zur Oberstufe alle Schultypen der obligatorischen Volksschule. Zudem sind in Grenchen weitere berufsbildende Schulen ansässig.
Schulhäuser miniatur|Berufsschulzentrum Grenchen
Schulhaus Eichholz Schulhaus Kastels Schulhaus Halden Schulhaus I Zentrum Schulhaus II Zentrum (erbaut 1883) Schulhaus III Zentrum (erbaut 1912) Schulhaus IV Zentrum