Meran ([]; , ladinisch Maran) ist eine Stadt und Gemeinde im Burggrafenamt in Südtirol (Italien). Sie ist mit Einwohnern (Stand: ) nach Bozen die zweitgrößte Stadt Südtirols, ihre Bevölkerung setzt sich je etwa zur Hälfte aus deutsch- und italienischsprachigen Einwohnern zusammen.
Über Jahrhunderte war Meran die Hauptstadt der Grafschaft Tirol. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Stadt vor allem als Kurort bekannt. Bedeutung hat Meran als Hauptort der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt, als lokales Tourismus- und Wirtschaftszentrum sowie Standort mehrerer weiterführender Schulen und eines öffentlichen Krankenhauses.
Geographie Lage Meran liegt im Burggrafenamt im Etschtal. Das Gemeindegebiet nimmt einen großen Teil des breiten, in Richtung Südosten weit geöffneten Meraner Talkessels ein, in den von Westen der Vinschgau, von Norden Passeier und von Südwesten Ulten einmünden. Eingerahmt ist der Talkessel nordseitig von der zu den Ötztaler Alpen gerechneten Texelgruppe, ostseitig von den Sarntaler Alpen und im Südwesten von Ausläufern der Ortler-Alpen.
Stadtgebiet
Das Stadtgebiet erstreckt sich im Norden und Osten des Talkessels. Durchflossen wird es von der Passer, weshalb Meran auch die „Passerstadt“ genannt wird. Die Westgrenze zu Marling, Tscherms und Lana folgt der Etsch. Die nordwestlich an Meran angrenzende Gemeinde ist Algund. Nordseitig verläuft die Gemeindegrenze zu Dorf Tirol entlang des Küchelbergs und wird in Richtung Passeier begrenzt von der Passer, die durch die Engstelle der Gilf in den Talkessel fließt. Im Nordosten grenzt Meran an Schenna. Im Südosten reicht das Gemeindegebiet am Tschögglberg stellenweise weit über hinauf und grenzt an Hafling und Vöran. Im Süden im Etschtal liegen die Nachbargemeinde Burgstall.
Stadtgliederung Meran wird in mehrere Stadtviertel unterteilt. Das historische Meran mit der Altstadt liegt auf Höhe auf der orographisch rechten Seite der Passer; Obermais und Untermais, auch als Mais zusammengefasst, befinden sich gegenüber auf der linken Flussseite. Gratsch und Labers sind ländlich geprägte Ortsteile: Gratsch nimmt den äußersten Nordwesten des Stadtgebiets am Hangfuß der Texelgruppe ein, Labers erstreckt sich über die Hänge des Tschögglbergs im Osten. Sinich mit seinem Industrie- und Gewerbegebiet liegt räumlich vom Rest der Stadt deutlich getrennt im Süden.
Eine administrative Unterteilung in Fraktionen existiert, wie auch in Bozen, nicht.
Klima mini|Passerufer in Meran mini|Tappeinerpromenade oberhalb von Meran
Das Klima Merans ist mediterran geprägt. Von der Texelgruppe im Norden und Nordwesten wird der Talkessel vor Niederschlägen und kalten Winden gut geschützt. Das nach Süden geöffnete Tal sorgt für die Zufuhr ausgeglichen warmer Luft (auch im Spätherbst und im Frühjahr), wodurch das Wachstum mediterraner Pflanzen wie z. B. Palmen, Zypressen, Steineichen, Lorbeer, Myrten und Libanonzedern begünstigt wird.
Das Wetter zeichnet sich durch trockene Winter und feuchte Sommer aus.
Geschichte Um und auf dem Gebiet des heutigen Zenoberg, welches sich nordnordöstlich an Meran schließt, gibt es Funde menschlicher Besiedlung aus der Latènezeit und der römischen Kaiserzeit. Die römische Zollstation statio Maiensis befand sich gegenüberliegend auf dem Gebiet des heutigen Obermais. Dort bestand im 5./6. Jahrhundert vermutlich eine befestigte spätrömische Siedlung namens Castrum Maiense.
Meran selbst wurde erstmals 857 als Mairania erwähnt. Spätestens im 12. Jahrhundert wurde Meran Mittelpunkt der Grafschaft Tirol. Bis 1420 (formell bis 1848) Hauptstadt der Grafschaft, wurde die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Tirol begründete Marktsiedlung 1280 ummauert und rückte 1317Signatur: Stadtarchiv Meran (SAM), UUR 8. Abdruck des Wortlauts in: Meraner Jahrbuch 1937. Athesia, Bozen-Meran 1937, S. 29–33. zur Stadt mit gewähltem Rat, eigenem Siegel und gesatztem Recht auf.Franz Huter (Hrsg.), Hanns Bachmann: Handbuch der historischen Stätten. Band: Österreich. Teilband 2: Alpenländer mit Südtirol (= Kröners Taschenausgabe. Band 279). 2., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 1978, ISBN 3-520-27902-9, S. 590–591. Ende des 14. Jahrhunderts wurde Meran durch Leopold III. mit zahlreichen landesfürstlichen Privilegien zur Förderung des Handels ausgestattet.
Die ersten urkundlich fassbaren Bürger sind die aus dem Jahr 1249 bezeugten Namen Dietricus Satellarius und sein Bruder Rappotus, sowie Chonradus Chemptarius, Heinricus Pibenanzus und Seivridus (Dietrich und Rapot Sattler, Konrad Kempter, Heinrich Pibenanz und Siegfried). Seit dem 14. Jahrhundert residierte ein landesfürstlicher Land- und Stadtrichter in Meran, seit dem 15. Jahrhundert – zusammen mit dem sog. Kellner, dem habsburgischen Wirtschaftsbeamten – in der von Herzog Sigmund errichteten Landesfürstlichen Burg. Diese Richter kamen vielfach von auswärts, so amtete 1378 ein Richter Heinrich von München (Hainricus de Monaco iudex).Hannes Obermair: . Bd. 1. Bozen: Stadtgemeinde Bozen 2005, ISBN 88-901870-0-X, S. 394. Bedeutsam war im 14. und 15. Jahrhundert das Meraner Notariat; unter den zahlreichen Notaren sticht Leonhard Vent (auch: Vend) hervor, der im Zeitraum 1447–1478 amtete und 18 Notarsregister hinterließ sowie kurzfristig auch das Bürgermeisteramt innehatte.
In der Landesfürstlichen Burg starb 1445 der berühmte Minnesänger Oswald von Wolkenstein, der dort auf Besuch weilte.
mini|Stadttheater Meran Mit dem Umzug des Landesherrn Friedrich „mit der leeren Tasche“ nach Innsbruck im Jahr 1420 sowie dem Aufstieg des Brennerpasses zum wichtigsten Handelsweg über die Ostalpen in Folge der Anlage des Kunterswegs verlor Meran rasch seine Vorrangstellung und seine Bedeutung als Wirtschaftszentrum. Auch die Verlegung der landesfürstlichen Münzprägestätte durch seinen Nachfolger Herzog Sigmund nach Hall im Inntal um 1475 schwächte die Stellung Merans.
Das von Napoleon und seinen Verbündeten schwer geschlagene Österreich musste 1805 im Frieden von Pressburg seine Gefürstete Grafschaft Tirol an das mit Napoleon verbündete Bayern abtreten. In der Folge wurde im Verlauf der Verwaltungsneugliederung Bayerns das Landgericht Meran errichtet. Dieses wurde nach der Gründung des Königreichs Bayern dem Eisackkreis zugeschlagen, dessen Hauptstadt Brixen war. Die Tiroler Freiheitskämpfe von 1809 rückten Meran wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Am Küchelberg oberhalb Merans erkämpften die Tiroler einen Sieg über Franzosen und Bayern. Das Gebiet des Landgerichts Meran kam nach der Niederschlagung des Tiroler Volksaufstandes 1810 zum Königreich Italien und 1814 in den Befreiungskriegen wieder an das Kaisertum Österreich.
1844 entstand das österreichische Adelsgeschlecht der Grafen von Meran, Freiherren von Brandhofen, einer Nebenlinie der Habsburger, mit dem die morganatische Eheverbindung des Erzherzogs Johann von Österreich mit der Posthalterstochter Anna Plochl nachträglich legitimiert wurde.
Im Jahr 1848 wurde vom Wahlbezirk Meran Beda Weber, Benediktiner der Abtei Marienberg und Gymnasialprofessor in Meran, als Abgeordneter zum deutschen Parlament in Frankfurt a. M. geschickt.Cölestin Stampfer: Geschichte von Meran, der alten Hauptstadt des Landes Tirol, von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart. Innsbruck 1889, S. 201 (Google Buch).
mini|links|Umgebung von Meran (um 1888) mini|Anleihe der Stadtgemeinden Bozen und Meran vom 10. Mai 1897, mit der Unterfertigung von Bürgermeister Roman Weinberger mini|links|Lageplan von Meran um 1900 1855 wurde Meran Kurort, Adelige und das gehobene Bürgerturm kamen in immer größerer Zahl. So wurden 1914 40.100 Gäste gezählt.Gunther Langes: Burggrafenamt und Meran. 2. Auflage. Bozen: Athesia 1972, S. 103. Im Zuge der touristischen Erschließung der Meraner Bergwelt wurde 1870, ein Jahr nach der Gründung des Deutschen Alpenvereins, die Sektion Meran gegründet. Von 1891 bis 1911 leitete der Südtiroler Tourismuspionier Theodor Christomannos die Sektion des nun Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins.Thomas Greif: 150 Jahre Alpenvereins-Sektion Meran. In: Bergerleben: Das Magazin des Alpenvereins Südtirol. Nr. 01/21 S. 50–51 (PDF).
Nach dem Ersten Weltkrieg kam Südtirol und damit Meran zu Italien. Jedoch entging die Stadt, im Gegensatz zur neuen Landeshauptstadt Bozen, weitgehend der Assimilierungs- und Majorisierungspolitik des faschistischen Regimes in Rom. Dies geschah besonders unter Bürgermeister Josef Gemaßmer (* 1874), der von 1914 bis 1922 der Stadt vorstand, und seinem stellvertretenden Bürgermeister Karl Bär, der von 1919 bis 1922 als Vizebürgermeister die Geschäfte des Bürgermeisters übernahm. Auch die geschickten Verhandlungen der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Max Markart (1922–1935) trugen zu einer weitgehenden Eigenständigkeit bei.
1923 wurde das Stadtgebiet durch die Eingemeindungen von Obermais, Untermais und Gratsch erheblich erweitert. 1931 kam auch noch Hafling dazu, das aber 1957 wieder seine Eigenständigkeit zurückerlangte.Entstehung und Geschichte. Gemeinde Hafling. Abgerufen am 12. September 2015.
Die Konferenz von Meran zwischen der Führung der deutschen Kriegsmarine und der italienischen Regia Marina fand am 13. und 14. Februar 1941 statt. Im Zweiten Weltkrieg diente Meran als Lazarettstadt, was sie vor Bombardements verschonte. Hingegen war die jüdische Gemeinschaft Merans nach der nationalsozialistischen Okkupation des Landes ab dem 8. September 1943 Schikanen und Deportationen in die Vernichtungslager ausgesetzt. An die im September 1943 nach Deutschland verschleppten Juden erinnern ein Denkmal im Hof der Otto-Huber-Straße 36 sowie die ab 2012 verlegten Stolpersteine. Am 30. April 1945 töteten Einheiten von Wehrmacht und SS 8 Zivilisten und verwundeten zahlreiche Personen, als diese das nahende Kriegsende mit einem Umzug begrüßen wollten.
In Meran hielten sich 1945 bis 1947 bis zu 15.000 Holocaust-Überlebende auf.Bettina Spoerri: Als die Alpen arisch wurden. In: Jüdische Allgemeine vom 2. August 2007.
mini|Thermenbrücke mit Stahlskulptur zur Erinnerung an Franz Kafka, im Hintergrund Kurhaus und Turm von St. Nikolaus (1994) mini|Blick von der Thermenbrücke zum Kurhaus Meran hat eine Tradition als Kur- und Fremdenverkehrsort und gilt als eine der ersten Touristenhochburgen des Habsburgerreiches mit vielen namhaften Gästen aus Politik und Kultur. Wissenschaftler und Ärzte schätzten vor allem das milde, mediterrane Klima und die reine Luft der Kurstadt, die besonders die Heilung von Lungenleiden begünstigte. Teil des Heilprogramms war das tägliche Kurkonzert. Seit 1855 gab es eine Kurkapelle, später das Kurorchester, das während der Saisonen in der Regel zweimal täglich Konzerte gab. Das Orchester galt als eines der renommiertesten im Habsburgerreich und hatte noch bis 2005 Bestand.Renate Abram: Meraner Symphonie. 150 Jahre Kurmusik. Athesia 2009, S. 85 ff. Auch heute finden in Meran regelmäßig, zwischen August und September auch täglich, klassische und andere Konzerte mit oftmals international bekannten Musikern statt. mini|hochkant|Denkmal für die deportierten Juden im Hof des ehemaligen Balilla-Hauses (Otto-Huber-Str. 36) Nach einem deutlichen Bedeutungsrückgang während des Zweiten Weltkriegs gelang es unter anderem durch diese Konzerte, nach 1945 aus Meran erneut einen der wichtigsten Fremdenverkehrsorte Südtirols zu machen.
Der Endkampf und das Finale des Kandidatenturniers der Schachweltmeisterschaft 1981 wurden in Meran ausgetragen.
Ortsname Der Name entwickelte sich von Mairania (857) über Mairanum (1237) zu Meran (erstmals 1317). Benennungsmotiv war ein Meierhof – – zwischen dem Küchelberg und der Passer, aus dem wohl ein Gebietsname *maiorania abgeleitet wurde. Der Flurname auf der Meran lässt sich noch in spätmittelalterlichen Urkunden nachweisen.
Demographie Einwohnerentwicklung