Die Abrafaxe sind die Helden der monatlich erscheinenden Comiczeitschrift MOSAIK. Sie bestehen aus den drei Freunden Abrax, Brabax und Califax, die im Verlauf ausgedehnter Rahmenhandlungen Abenteuer in der Weltgeschichte bestehen. Seit der Ausgabe 200 haben sie eine Ratte als Weggefährten. Die Abrafaxe sind Schöpfungen von Lothar Dräger und Lona Rietschel. Sie lösten 1976 die zuvor im Mosaik vertretenen Digedags ab. Die Abrafaxe stehen als längster Fortsetzungscomic der Welt im Guinness-Buch der Rekorde.
Eigenschaften der Abrafaxe Im Mosaikheft Januar 1976 werden die Abrafaxe und ihre besonderen Eigenschaften dem Leser vorgestellt. Äußerlich sind sie sich in ihrer kleinwüchsigen Figur recht ähnlich, am Haar kann man sie jedoch deutlich unterscheiden, und auch der Charakter ist jeweils individuell. Abrax hat blondes Haar mit sportlicher Frisur, er ist kühn und draufgängerisch. Eingeführt wurde er in das Mosaik als ehemaliger Söldner, seine übergroße Muskete ging jedoch bereits im Verlauf des zweiten Abenteuers verloren. Eine Vorliebe für Kampfhandlungen blieb ihm jedoch erhalten. Er ist etwas größer als die anderen beiden Abrafaxe. Der rothaarige Brabax mit Pilzkopf-Frisur bevorzugt es, zu lösende Herausforderungen wissenschaftlich-rational anzugehen, wobei er über einen hohen Bildungsgrad verfügt. Zuweilen erscheint er altklug und unromantisch. Trotz seiner Bedachtsamkeit treibt ihn die unergründliche Wissbegier immer wieder zu neuen Abenteuern. Califax ist etwas kleiner und dicker als die anderen beiden. Sein spärliches schwarzes Haar sitzt büschelförmig auf dem Kopf. Er ist der gemütliche, äußerst friedfertige Typ, dem Schurkereien allenfalls aus Verlangen nach Essen oder aber Tollpatschigkeit unterlaufen. Er verfügt über hervorragende Kochkünste. Zudem führt er ein außergewöhnlich wirkungsstarkes Rosmarinextrakt bei sich, das er meist zur schnellen Genesung von Kranken einsetzt. Im Gegensatz zu Abrax und Brabax ist Califax emotional stets aufgeschlossen und zugänglich, er offenbart dabei jedoch mitunter auch eine ausgeprägte Naivität. Den Abrafaxen gemein ist ein starker Gerechtigkeitssinn.
Charakteristik der Abenteuer Die Geschichten der Abrafaxe spielen in unterschiedlichen Epochen, Ländern und Kontinenten. Häufig ist das Europa des Mittelalters, der Renaissance oder des Barocks Hintergrund der Handlungen. Die Abrafaxe erleben jedoch auch Abenteuer in vielen anderen Regionen. Antarktika ist der einzige bisher noch nicht bereiste Kontinent. Am weitesten zurück verschlägt es die Abrafaxe zeitgeschichtlich in den Heften 216 und 217, hier treten sie in das Mesozoikum ein. Die späteste Handlung ist im Jahr 1929 angesiedelt (Amerika-Serie, Hefte 300 bis 322).
Die Rahmenhandlung der jeweiligen Abenteuer ist ausgedehnt und erstreckt sich oft über mehr als 20 Einzelhefte. Sogar die Übergänge zu einer neuen Geschichte erfolgen meist in fortlaufendem Erzählfluss. Zeitsprünge und der Beginn neuer Abenteuer werden häufig durch das Auffinden magischer Gegenstände ausgelöst. Im Vergleich zu anderen Comics sind die Geschichten der Abrafaxe in einen auffallend gut und detailliert recherchierten historischen Kontext eingebettet. Nicht zuletzt deshalb werden die Hefte auch von Erwachsenen gelesen, laut Verlag sind mehr als die Hälfte der Leser älter als 30 Jahre. Die Handlung innerhalb der Abenteuer ist zumeist fiktiv, wobei auch unwirkliche Dinge passieren, jedoch stets eine gewisse Realitätsnähe gewahrt bleibt. So gut wie nie nehmen die Abrafaxe die Rolle bewusst schlecht handelnder, bösartiger Protagonisten ein. Allerdings haben sie manchmal Freunde oder Begleiter, die sich moralisch auf Abwege begeben. In den ersten Abenteuern werden die Abrafaxe von Spaßmachern begleitet, die teilweise weit in den Vordergrund der Handlung rücken. Als Erzfeind der Abrafaxe gilt Don Ferrando – ein niederträchtiger, aber gebildeter Gauner, der wie die Abrafaxe zu Zeitreisen imstande ist und somit unabhängig vom Abenteuer wieder auftauchen kann. Seine umfangreichsten Auftritte hatte er bisher in der Don-Ferrando-Serie sowie in der El-Dorado-Serie. Eine Besonderheit im Mosaik ist die häufige Bildung von sprechenden Namen, so heißt ein chinesischer Koch „Su Pe“, ein mongolischer Soldat „Me Dscher“ oder ein Bäcker „Mürbet Haik“.
Zeichnerische Umsetzung Die Zeichnungen sind im Vergleich zu anderen Comics auffallend detailliert. Für die Hefte der letzten Jahre trifft dies in besonderem Maße zu. Seit Anbeginn zählen doppelseitige Panoramabilder von belebten oder eindrucksvollen Szenen zum Charakter des Abrafaxe-Mosaiks. In diesen Bildern sind vielfach witzige Szenen oder Easter Eggs versteckt, die auch an anderen Stellen im Heft auftauchen. Potenziell anstößige Inhalte wie Darstellung von Erotik oder roher Gewalt sind im Mosaik grundsätzlich nicht zu finden. Auch die sonst bei Comics verbreitete starke Überzeichnung von Effekten, Emotionen und Ähnlichem fällt im Mosaik der Abrafaxe eher zurückhaltend aus.
Entwicklung und Veränderungen Die Entstehung der Abrafaxe vollzog sich nicht ohne Vorgeschichte. Vorausgegangen war ein Zerwürfnis zwischen Hannes Hegen und dem damaligen Verlag des Mosaiks Junge Welt, das in der Aufkündigung der Zusammenarbeit durch Hegen mündete. Da Hegen die Rechte an den damaligen Protagonisten im Mosaik, den Digedags, einbehielt, bestand die Notwendigkeit, neue Hauptfiguren für das Mosaik zu entwerfen. Der Entwurf Lona Rietschels setzte sich durch, die Abrafaxe waren geboren. Die künstlerische Leitung hatte Lothar Dräger übernommen.
In der DDR war das Mosaik sehr populär. Obwohl der Zentralrat der FDJ als Herausgeber fungierte und sich die Abrafaxe häufig auf die Seite der einfachen Leute stellten, um gegen feudale Machthaber aufzubegehren, fand eine explizite ideologische Polemisierung im Mosaik nicht statt. Die Auflage betrug mehr als eine halbe Million Hefte und erhöhte sich durch die Umstellung von der Bogen-Offsetmaschine zur Rollen-Offsetdrucktechnik in den 1980er Jahren auf knapp eine Million Exemplare pro Ausgabe. Die Höhe der Auflage hing auch von der Menge des zugewiesenen Papiers ab. Trotz hoher Auflage war das Mosaik am Kiosk meist schon kurz nach Erscheinen vergriffen. Dies lag nicht zuletzt auch am sehr niedrigen Heftpreis von 60 Pfennigen. Mitunter war das Mosaik nur mit guten Beziehungen zu den Mitarbeitern im Einzelhandel zu bekommen. Ein Abonnement des Mosaiks war zwar möglich, jedoch nur schwer abschließbar. Durch den Papiermangel war die Zahl der Abonnements gedeckelt. Abos konnten lange Zeit nur durch Übernahme eines alten Abos abgeschlossen werden. Ein Heft bestand zu dieser Zeit aus 20 Seiten. Markant war das holzige Papier, das für viele Fans ein authentischer, sympathischer Bestandteil des Mosaiks ist, während insbesondere die Coloristen von der mäßigen Papierqualität alles andere als begeistert waren.
Die Wende 1989/90 entwickelte sich auch für das bisher so populäre Mosaik zu einer existenzbedrohenden Situation. Das Interesse an den Abrafaxen hatte schlagartig abgenommen. Ab Heft 5/1990 verbesserte sich die Papierqualität, in der Folgezeit erhöhte sich schrittweise der Heftpreis. Der bisherige Verlag Junge Welt wurde von der Treuhand abgewickelt. Der Fortbestand des Mosaik wurde jedoch durch die Initiative von Klaus D. Schleiter, Geschäftsführer einer Werbeagentur, ermöglicht. Er sicherte sich die Rechte an dem Ost-Comic, 1991 wurde der Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag gegründet. Schon bald stabilisierte sich die Auflage des Mosaik wieder auf etwa 100 000 Hefte. Ab 1992 wurden die Abrafaxe-Hefte fortlaufend nummeriert, Heft Januar 1992 entsprach dabei der Nummer 193.
Der Umfang der Hefte nahm schrittweise zu und liegt inzwischen bei 36 Seiten Comic. Hinzu kommt ein redaktioneller Mittelteil, in dem Leserbriefe, Hintergründe zur Geschichte, Merchandising und Werbung veröffentlicht werden. Dieser Teil umfasst inzwischen weitere 16 Seiten. Der gegenwärtige Heftpreis beträgt 3,65 € (mit Ausnahmen im Einzelverkauf) und für Abonnenten 39,90 € bei Bankeinzug bzw. 42,90 € bei Zahlung auf Rechnung für 12 Hefte jährlich (einschließlich Lieferung per Post). Der monatliche Erscheinungsrhythmus blieb unverändert. Anders als bei vielen anderen Comics und Printmedien im Allgemeinen konnte die Auflage des Abrafaxe-Mosaik auch im Zuge der Verbreitung des Internets stabil gehalten werden.
Auch konzeptionell traten Anfang der 1990er Jahre einige größere Änderungen ein: Der bisherige künstlerische Leiter Lothar Dräger wechselte in den Ruhestand. Danach wurde die Idee, die Geschichte der Spaßmacher zu erzählen, endgültig aufgegeben. Seither führt ein anonymer Erzähler durch die Geschichte, und die Abrafaxe stehen noch stärker im Vordergrund der Handlung. Man experimentierte mit kurzen Abenteuern, kam ab Mitte der 1990er Jahre jedoch wieder auf Erzählungen mit ausgedehnter Rahmenhandlung zurück. Seit Heft 200 zählt eine Ratte zu den ständigen Begleitern der Abrafaxe. Sie verbleibt oft im Hintergrund, tritt aber gelegentlich hervor und war schon mehrfach letzte Rettung, wenn die Abrafaxe in ernste Schwierigkeiten gerieten. Zeichnerisch trat mit Heft 283 eine wichtige Änderung ein: Fortan wurde jede Figur von einem ganz bestimmten Zeichner gezeichnet statt wie bisher häufig unter wechselnder Beteiligung verschiedener Zeichner.
Serien im Abrafaxe-Mosaik Hefte 1 bis 24 (1/1976 bis 12/1977): In Dalmatien und Venedig (An der Adria; 17. Jhd.) Hefte 1 bis 12: Dalmatien Im ersten Kapitel der Serie wird dem Leser vom ersten Hauptbegleiter Harlekin einführend erklärt, wer die Abrafaxe sind und dass sie fortan die Spaßmacher der Welt begleiten werden. Nach der Bekanntschaft mit gewitzten Komödianten helfen die Abrafaxe einem dalmatinischen Dorf, sich gegen ein paar in Geldnöten befindliche venezianische Besatzer aufzulehnen. In den Wirrungen gegen die Italiener kommt es zu einem spektakulären marinen Wettrennen, was den Höhepunkt der ersten Storyline darstellt. Ein von den Abrafaxen erdachtes „Mühlenschiff“ gewinnt das Rennen gegen eine türkische Galeere. Im sehr nahe gelegenen osmanischen Grenzgebiet befreien die Abenteurer später eine Gruppe Sklaven aus der Haft.
Hefte 13 bis 24: Venedig Im zweiten Teil versuchen sie vergeblich, in Venedig die Unabhängigkeit des Dorfes zu erreichen, indem sie sich in die Dogenwahl einmischen.
Harlekin, ihr erster Kompagnon, sorgt an der Seite der Abrafaxe parallel für die Weiterentwicklung der italienischen Komödie. Eine Reihe weiterer Figuren aus der Commedia dell’arte (Il Capitano, Scaramuccio, Brighella, Pantalone und andere) wird dabei geschickt in die Handlung verwoben.
Hefte 25 bis 48 (1/1978 bis 12/1979): Österreich und Ungarn (1704/1705)
An der Seite von Hans Wurst und Ludas Matyi beteiligen sich die Abrafaxe im Hauptteil der Serie am Freiheitskampf der Kuruzen in Ungarn. Dabei wird Califax für lange Zeit von Abrax und Brabax getrennt. Er wird für einen Fürstensohn gehalten und seine Hauptsorge ist es, dass das von ihm geführte Regiment keinerlei Schaden in Ungarn anrichtet. Bis zu ihrer Wiedervereinigung erleben die Abrafaxe Abenteuer in allen Ecken Ostmitteleuropas: Im Salzburgischen, am erzherzoglichen Hof, im Wiener Prater, in der Puszta und schließlich in den Festungen Spielberg (Brünn) in Mähren und Munkacz in Transkarpatien. Die Abrafaxe und Hans Wurst helfen dem Kuruzenführer Ferenc Rákóczi bei der Eroberung der letztgenannten Burg. Mit einer Nacherzählung der Geschichte vom Ludas Matyi klingt das Abenteuer aus.
Hefte 49 bis 60: (1/1980 bis 12/1980) Im Reich des Sonnenkönigs (Bayern und Frankreich; 1705) Hefte 49 bis 56: Knödelfanny