mini|Blick über die Döbelner Altstadt zum Obermarkt und Rathaus
Döbeln ist eine Große Kreisstadt im sächsischen Landkreis Mittelsachsen. Sie ist auch als Stiefelstadt bekannt. Döbeln ist mit rund 24.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Mittelsachsens.
Geographie Geographische Lage Döbeln liegt im Mittelsächsischen Hügelland in einem weiten Talkessel der Freiberger Mulde, ungefähr in der Mitte des Dreiecks zwischen den sächsischen Metropolen Chemnitz, Dresden und Leipzig. Die Umgebung ist geprägt durch das Muldental, das untere Zschopautal und die umliegende hügelige Landschaft. Die Zschopau mündet in der Nähe des Ortsteils Schweta in die Mulde.
Die Landeshauptstadt Dresden ist etwa 50 km entfernt, Chemnitz etwa 40 km, Leipzig 70 km und Berlin etwa 200 Kilometer. Döbeln hat zwei Autobahnabfahrten an der Autobahn A 14, Döbeln Nord und Döbeln Ost.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Großweitzschen (Landkreis Mittelsachsen), Jahnatal (Landkreis Mittelsachsen), Lommatzsch (Landkreis Meißen), Nossen (Landkreis Meißen), die Städte Hartha, Roßwein und Waldheim (alle Landkreis Mittelsachsen).
Stadtgliederung Döbeln besitzt eine traditionelle Innenstadt, deren zentraler Teil auf der Muldeninsel liegt und von zwei Flussarmen der Freiberger Mulde umschlossen ist.
Stadtteile: Döbeln-Ost, Döbeln-Nord, Gärtitz, Großbauchlitz, Keuern, Kleinbauchlitz, Masten, Pommlitz, Sörmitz, Zschackwitz
Ortsteile: Döbeln mit Bormitz, Hermsdorf, Oberranschütz und Zschäschütz Ortschaft Ebersbach mit Mannsdorf, Neudorf und Neugreußnig Ortschaft Technitz mit Miera, Möckwitz und Nöthschütz Ortschaft Ziegra mit Forchheim, Kleinlimmritz, Limmritz, Pischwitz, Schweta, Stockhausen, Töpeln und Wöllsdorf Ortschaft Mochau mit Beicha, Choren, Dreißig, Geleitshäuser, Gertitzsch, Gödelitz, Großsteinbach (mit Obersteinbach), Juchhöh, Kleinmockritz, Leschen, Lüttewitz, Maltitz, Markritz, Meila, Nelkanitz, Petersberg, Präbschütz, Prüfern, Schallhausen, Simselwitz, Schweimnitz und Theeschütz
Geschichte 8. bis 21. Jahrhundert Die Region um Döbeln ist seit dem 8. Jahrhundert slawisch, durch Sorben, besiedelt.Karlheinz Blaschke: Geschichte Sachsens im Mittelalter. Berlin 1991, ISBN 3-372-00076-5, S. 43 ff. Der Name kommt vom altsorbischen Wort Doblin, das sich vom Namen einer Person, Dobl, herleitet.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 53.
Die Anfänge einer deutschen Herrschaft im 10. Jahrhundert und einer sich später anschließenden Besiedlung werden mit den Liudolfingern (auch Ottonen genannt) in Zusammenhang gebracht, insbesondere mit Heinrich I.
Nach 929 wurde eine ehemalige slawische Wallanlage auf dem Burgberg in eine deutsche Befestigung Burg Döbeln umgebaut, als Mittelpunkt eines Burgwards, der zur Mark Meißen gehörte. Am Fuße des Burgberges gab es eine Siedlung, aus der später die Stadt Döbeln entstand (1350 civitas). Einer Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahr 981 ist zu entnehmen, dass er die Burg Doblin und das umliegende Land dem Kloster Memleben schenkte; es geht hier um die große Region zwischen der Zschopau und der Großen Striegis.MGH DD Otto II. 195. Digitalisat. Das ist die erste urkundliche Erwähnung von Döbeln (981).In der Übersetzung heißt es: „Wir (übergeben) einige Burgen und Ortschaften unsers Besitzes im slawischen Gebiet, nämlich Doblin und Hwoznie, im Gau Daleminze (…) dem von Uns gestifteten und erbauten Kloster Memleben.“ Das Kloster bestand nur bis zum Jahr 1015, der Besitz wurde an das Kloster Hersfeld an der Fulda überwiesen. In der Fachliteratur spricht man vom Hersfelder Eigen oder vom Hersfelder LehenMax Kästner, Johannes Schiller: Zwischen Chemnitz und Freiberg, Ein Heimatbuch für Schule und Haus, Der Heimatboden und seine Besiedlung. Frankenberg 1928, S. 34.
Schon in slawischer Zeit existierte hier ein zentralörtliches Herrschaftszentrum im Gau Daleminze. Mit der deutschen Besiedlung wurden deutsche „Verwaltungsstrukturen“ (Lehnsherrschaft und das Christentum mit seinen Institutionen Pfarrsystem und Amtskirche) übernommen. Die deutsche Besiedlung des Ortes entwickelte sich vermutlich um 1200 zur kommunal verfassten Stadt (mit bestimmten eigenen Rechten).
So wird im Jahr 1350 ein selbständiger districtus Döbeln genannt, 1378 werden Burg und Stadt erwähnt. 1567 wird von einem wüsten Amtsschloßberg berichtet. Die Gründe sind nicht bekannt, im Jahr 1588 wurde das bis dahin existierende Amt Döbeln in das Amt Leisnig integriert.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Verlag Klaus Gumnior, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 58. Das offensichtlich seit längerer Zeit verfallende Schloss wurde nicht mehr gebraucht und zur Gewinnung von Baumaterial genutzt. Ab 1730 wurde auch der Bergfried abgebrochen und zwischen 1867 und 1869 mussten die letzten Reste der Burg Döbeln der Schloßbergschule weichen.
mini|hochkant=1.5|Döbeln um 1650 Zu Füßen des Berges steht noch immer die Nicolaikirche, deren Vorgängerbau wahrscheinlich um 1230 entstand. Nach einem Brand im Jahr 1333 wurde eine dreischiffige Basilika errichtet, die 1479 in eine dreischiffige Hallenkirche umgebaut wurde.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 190 ff.
mini|hochkant|Meilenstein an der Dresdner Straße Nach neuen Erkenntnissen wurde Döbeln im Jahr 1429 nicht von den Hussiten heimgesucht, 1450 jedoch durch die Böhmen des Georg von Podiebrad zerstört. Große Pestepidemien erlebte Döbeln in den Jahren 1439, 1463, 1474, 1507, 1515, 1584–1586, 1611–1626, 1637 und 1643. Immer wieder kam es zudem zu schweren Stadtbränden (1333, 1419, 1429, 1456, 1488, 1523, 1611 und 1730), so dass kaum Bauten aus alter Zeit erhalten blieben. Das Handwerk der Stadt entwickelte sich bis zum 17. Jahrhundert stetig: Tuchmacher, Leineweber und Hutmacher waren hier ansässig.
Im 3. Schlesischen Krieg (Siebenjähriger Krieg) kam es mit dem Gefecht bei Döbeln zur einzig bekannten militärischen Auseinandersetzung in der direkten Umgebung der Stadt Döbeln. Nachdem sich preußische und österreichische Truppen schon seit dem Herbst 1761 an der Freiberger Mulde zwischen Technitz und Niederstriegis eingegraben hatten, brachen am frühen Morgen des 12. Mai 1762 die Preußen unter Prinz Heinrich von Preußen auf der ganzen Linie durch die österreichischen Stellungen. Der Tag endete mit einem vollständigen Sieg Prinz Heinrichs, es wurde eine große Anzahl an österreichischen Gefangenen gemacht, darunter der Oberbefehlshaber General von Zedtwitz.
mini|Viadukt der Chemnitz-Riesaer Eisenbahn bei Großbauchlitz mini|Freiberger Mulde in Döbeln (1908) Im 19. Jahrhundert ging aus der alten Tuchmacherei die Tuchfabrikation hervor. Die letzte Tuchfabrik Döbelns beendete vor Weihnachten 1902 mit Produktionseinstellung ihre Existenz. 1846 entstand außerdem die Zigarrenfabrikation. 1847 erreichte die Chemnitz-Riesaer Eisenbahn von Riesa aus die Stadt, die Fortsetzung der Verbindung nach Chemnitz konnte jedoch erst 1852 eröffnet werden. Im Jahr 1868 folgte die Linie Dresden–Döbeln–Leipzig. Seitdem ist der Döbelner (Haupt-)Bahnhof ein Keilbahnhof. Des Weiteren brachte die Industrialisierung die Schmalspurbahn Oschatz–Mügeln–Döbeln (ab 1884), die Döbelner Straßenbahn (ab 1892, heute historischer Pferdebahn-Betrieb), die Mühlenbahn Großbauchlitz (1905) und die Schmalspurbahn Wilsdruff-Döbeln (um 1911) hervor.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges am 6. Mai 1945 wurde die fast unversehrte Stadt von der Roten Armee besetzt.
Beim Hochwasser im August 2002 wurde die historische Innenstadt, die auf einer Insel zwischen den beiden Flussarme der Freiberger Mulde liegt, völlig überflutet und viele Häuser zerstört. Die Muldeninsel und die anderen überfluteten Gebiete sind mittlerweile restauriert. Im Juni 2013 war die Stadt erneut von einem Hochwasser ähnlichen Ausmaßes betroffen.
Am 1. August 2008 verlor Döbeln im Zuge der Kreisgebietsreform seine Funktion als Kreisstadt und erhielt in diesem Zusammenhang den Status Große Kreisstadt. Der ehemalige Landkreis Döbeln gehörte zum Regierungsbezirk Leipzig, der aktuelle Landkreis Mittelsachsen jedoch bis zur Bildung der Landesdirektion Sachsen zum 1. März 2012 zu Chemnitz. 1. März 2017 kam die 85-jährige Ruth K. in einem Plattenbauviertel am Rande von Döbeln durch einen Brand ums Leben, den Rechtsextremisten gelegt hatten.Die Stille nach dem Brand zeit.de
Um 2022 gründete sich in Döbeln eine als Bürgergenossenschaft Mittelsachsen auftretende Gemeinschaft zur Erprobung des gesellschaftlicher Organisation unter privatrechtlichen Strukturen. Das mit Titus Gebel verbundene Konzept libertärer Privatstädte findet aufgrund seiner antistaatlichen und nicht auf Wahlen basierenden Struktur zum Teil scharfe Kritik.
Urkundlich belegte Namensformen 981: castella Doblin 1197: Isenhardus, Walterus de Dobelin 1200: Laudo de Dobelin 1204: Hageno de Dobelin 1288: Dobelyn 1332: Do((e))belin 1449: Dobelein 1554: Dobeln 1590: Döbeln
Der Name Döbeln geht auf einen Personennamen dobl(a) oder dobel(a) zurück. Vergleichbare Wortstämme in slawischen Sprachen bedeuten stark, fähig, auch gut.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band I, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 188 f.
Gedenkstätten Gedenkstein vor dem Krematorium des Friedhofs für 21 sowjetische und polnische Frauen und Männer, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden mehrere Gedenkstätten auf dem Niederfriedhof, unter anderem für die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie verstorbene Umsiedlerkinder Je ein Denkmal auf dem Wettinplatz für Rotarmisten von dem Bildhauer Otto Rost sowie für alle Opfer des Faschismus Je ein Ehrenmal vor dem Lessing-Gymnasium zum Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkriegs sowie der Opfer von „Krieg, Unrecht und Willkür“
Eingemeindungen Die Dörfer Keuern, Kleinbauchlitz und Sörmitz wurden 1922 nach Döbeln eingemeindet,Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 Großbauchlitz und Zschackwitz folgten 1932. Im Jahr 1950 wurden Gärtitz (mit Pommlitz), Masten und Zschäschütz (mit Bormitz) eingegliedert, 1967 Nöthschütz und 1974 Oberranschütz.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches BundesamtVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen Technitz kam 1994 hinzu.Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen Im Jahr 2011 folgte Ebersbach, 2013 Teile der Gemeinde Ziegra-Knobelsdorf. Zum 1. Januar 2016 wurde die Nachbargemeinde Mochau nach Döbeln eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember)Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen: Vor 1900 1694: 1.300 1834: 5.677 1859: 10.078 1875: 10.969 1880: 11.802 1890: 13.892 1900 bis 1979 1910: 19.627 1925: 22.508 1933: 24.714 1939: 25.339 1946: 28.841Volkszählungsergebnis vom 29. Oktober 1946 1950: 31.037Volkszählungsergebnis vom 31. August 1950 1955: 30.271 1960: 28.904 1964: 28.641 Seit 1980 1981: 26.812 1986: 27.706 1990: 27.112 1995: 25.046 Seit 2000 2000: 23.128 2005: 21.236 2010: 20.242 2015: 24.034 2016: 23.823 2017: 23.728 2018: 23.829
Politik
mini|Rathaus Döbeln
Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 26 Sitze des Stadtrats wie nebenstehend auf die einzelnen Gruppierungen. Ergebnisse früherer Wahlen sind tabellarisch aufgelistet.