Der Zoo Krefeld befindet sich im Krefelder Stadtteil Bockum. Der Zoologische Garten beherbergt auf einer Fläche von 14 Hektar ca. 820 Tiere aus rund 120 verschiedenen Arten. Der überwiegend in kommunalem Eigentum befindliche Zoo legt seinen Schwerpunkt auf die Haltung von Menschenaffen, Großkatzen, afrikanischen Savannenbewohnern und tropischen Vögeln. 2017 besuchten ihn rund 350.000 Menschen.

Geschichte Gründungszeit Der Krefelder Zoo wurde am 22. Mai 1938 als Lehrstätte für die Jugend auf dem Gelände des Grotenburgparks eröffnet. Erster Zoodirektor wurde der damalige Erziehungsdirektor und Leiter des ehemaligen Naturkundlichen Museums, Heinrich Janßen. Damals umfasste das Tierparkgelände die Hälfte des Parks und es lebten um die 100 überwiegend einheimische Tierarten in 40 Gehegen.

Entwicklung im 20. Jahrhundert Während des Zweiten Weltkriegs kam es von 1940 bis 1945 zu Luftangriffen auf Krefeld,Bombennacht: Vor 65 Jahren brannte Krefeld. In: wz-newsline.de, 20. Juni 2008. bei denen auch Teile des Zoos getroffen wurden. Hierbei kamen zwei Dachse und eine Hirschkuh um, die restlichen Tiere konnten durch die beschädigten Zäune flüchten. Die Wölfe mussten aufgrund dessen getötet werden. In den 1950er Jahren wurde das Grotenburgschlösschen im Park zu einem Café und Restaurant für die Tierparkbesucher umgebaut. 1959 übernahm Walter Encke die Leitung des Tierparks. Anliegen Enckes war es, sich besonders um solche Tiere zu kümmern, von denen wenig bekannt war, sowie durch Nachzuchten besonders das Aussterben südamerikanischer Tierarten zu verhindern. Ab 1963 entstanden Freigehege für Paviane, Pinguine und Seehunde sowie ein Haus für Löwen. 1971 wurde der „Tierpark“ in „Zoo“ umbenannt. In dieser Zeit wurden dort die ersten Elefanten, Nashörner und Orang-Utans gehalten.

Seit der Umwandlung in eine gGmbH Am 1. Juli 2005 wurde der Zoo Krefeld in eine gemeinnützige GmbH gewandelt. Die Stadt Krefeld hält 74,9 % Gesellschaftsanteile, der Förderverein Zoofreunde Krefeld e. V. die restlichen 25,1 %. Zoo Krefeld, abgerufen am 2. Januar 2019. Anfang 2018 hat der Zoo 65 Mitarbeiter. Hinzu kommen 21 Ehrenamtliche, die sich im Freiwilligenteam engagieren.

Im Jahr 2012 wurden eine neue Anlage für Gorillas, 2014 eine für Pinguine und 2017 eine für Erdmännchen eröffnet; seit 2014 verfügt der Zoo über eine eigene Tierarztpraxis.

Am 1. Januar 2020 kam es im Affenhaus zu einem Großbrand, bei dem viele Tiere starben.

Direktoren 1938–1951: Heinrich Janßen 1951–1959: Günter Voss 1959–1996: Walter Encke 1996–2003: Paul Vogt 2003–2023: Wolfgang Dreßen seit 2023: Stefanie Markowski

Schwerpunkte Der Schwerpunkt des Krefelder Zoos liegt in der Haltung von Menschenaffen, Großkatzen, afrikanischen Savannenbewohnern und tropischen Vogelarten. Für subtropische und tropische Arten stehen dem Zoo drei Warmhäuser zur Verfügung, das Affentropenhaus (seit 1975, abgebrannt 2020) mit Flachlandgorillas, Schimpansen und Orang-Utans, die Vogeltropenhalle (seit 1989) und das 1100 m² große Regenwaldhaus (seit 1998). Dementsprechend liegt ein weiterer Schwerpunkt des Zoos bei der südamerikanischen Tierwelt, aber auch der dortigen Pflanzenwelt. Im Regenwaldhaus findet sich ein südamerikanischer Regenwald mit über 400 verschiedenen Pflanzenarten. Dort leben Zweifinger-Faultiere, Weißgesicht-Sakis, Blumenfledermäuse, Basilisken, Leguane und zahlreiche tropische Schmetterlingsarten, von denen inzwischen viele in einem eigenen Schmetterlingshaus gehalten werden.

Tiere im Zoo (Galerie)

Lebensräume

Affentropenhaus 1975–2019 mini|Das Gehege der Schimpansen im Krefelder Affentropenhaus (2010) Das Affentropenhaus wurde im Jahr 1975 als weltweit erstes dieser Art eröffnet.Er spielte mit Tieren: Affenhaus-Feuer trifft Nürnbergs Zoo-Chef persönlich. In: nordbayern.de, 2. Januar 2020. Die Grundfläche des Baus im Gewächshausstil lag bei 2000 Quadratmetern. Finanziert wurde er durch die Walter-Gehlen-Stiftung und die Zoofreunde Krefeld. Im Affentropenhaus waren Orang-Utans, Schimpansen, Gorillas, Krallenaffen, Epaulettenflughunde und Vögel zuhause. Durch eine Temperatur von 20 bis 26 °C wurde ein tropisches, feucht-warmes Klima gewährleistet. Jeweils hinter einem Trockengraben lebten die verschiedenen Affengruppen.

Brand in der Silvesternacht 2019/20 In der Nacht auf Neujahr 2020 brannte das Affentropenhaus vollständig nieder. Mehr als 50 Tiere starben, darunter fünf Borneo-Orang-Utans, ein Schimpanse, zwei Flachlandgorillas (Boma und Massa),Trauer um „Massa“, „Lea“ und „Charly“. In: rp-online, 2. Januar 2020. drei Goldene Löwenäffchen, zwei Silberäffchen und sechs Zwergseidenäffchen sowie einige Vögel (Schildturako, Madagaskarweber, Pagodenstar und Rotohrbülbül) und die letzten Gambia-Epaulettenflughunde Europas; nur zwei Schimpansen (Bally und Limbo) überlebten.Unglück im Krefelder Zoo Brand im Affenhaus vermutlich durch Himmelslaternen ausgelöst. In: spiegel.de, 1. Januar 2020. Zwei Wochen nach dem Brand wurde in einem Bericht des Innenministeriums bekanntgegeben, dass drei dieser Tiere erst am Morgen, gegen acht Uhr, nach dem Brand getötet wurden. Zwei Orang-Utans wurden eingeschläfert. Das Gorilla-Männchen Massa, bei dem das von der Tierärztin verabreichte Narkotikum aufgrund der Schwere der Brandverletzungen mit großflächigen Hautschäden nicht seine volle Wirkung entfaltete, wurde von einem Polizisten erschossen.Polizist erlöste Gorilla Massa nach Krefelder Zoobrand mit Maschinenpistole, wdr.de, 15. Januar 2020Zoo Krefeld: Polizei zu Schuss auf Gorilla verpflichtet, Berliner Morgenpost, 15. Januar 2019 Der entstandene Sachschaden liegt „im zweistelligen Millionenbereich“.Tierschutzbund fordert nach Brand im Affenhaus Feuerwerksverbot rund um Zoos In: deutschlandfunk.de, 1. Januar 2020.

Das Feuer wurde kurz nach Mitternacht gemeldet und konnte nach Stunden von der Feuerwehr gelöscht werden. Die Zooleitung gab am Neujahrstag auf einer Pressekonferenz bekannt, dass das Feuer vermutlich durch Himmelslaternen ausgelöst wurde. Das Aufsteigenlassen von Himmelslaternen ist in Nordrhein-Westfalen seit 2009 verboten. Nach Polizeiangaben wurden drei solcher Himmelslaternen am Brandort sichergestellt.Tote Affen im Zoo Krefeld In: morgenpost.de, 1. Januar 2020, abgerufen am gleichen Tag.Ordnungsbehördliche Verordnung zur Verhütung von Gefahren durch unbemannte Fluglaternen (Fluglaternenverordnung) vom 13. Juli 2009 Die wahrscheinlichen Verursacher des Brandes, eine Mutter und ihre beiden erwachsenen Töchter, meldeten sich bei der Polizei. Sie hatten fünf Himmelslaternen aufsteigen lassen.Polizei ermittelt gegen Mutter und zwei erwachsene Töchter. In: rp-online.de, 2. Januar 2020. Das Amtsgericht Krefeld verhängte gegen die drei Frauen wegen fahrlässiger Brandstiftung Strafbefehle mit je 180 Tagessätzen Geldstrafe, gegen die diese zunächst Einspruch einlegten, später jedoch akzeptierten.

Im Anschluss an das Unglück gab es zahlreiche Hilfs- und Spendenaktionen aus der Bevölkerung, darunter ein Benefiz-Event, das von Johannes Floehr und Jean-Philippe Kindler in der Kulturfabrik organisiert wurde und bei dem unter anderem Torsten Sträter auftrat. Auch ein Fußball-Spendenturnier, bei dem sich der KFC Uerdingen 05, die Krefeld Pinguine, die HSG Krefeld sowie der Crefelder HTC beteiligten, wurde ausgerichtet.

Gorillagarten

Im 2012 eröffneten Gorillagarten kann man die Menschenaffen in einem Freigehege in Aktion beobachten. Das Gehege hat eine rund 1.200 m² umfassende Außenanlage mit einem angrenzenden 360 m² großen Gorillahaus. Bisher kamen folgende männliche Jungtiere dort zur Welt: Tambo (* 2. Juni 2013, Kidogo x Muna, umgezogen 2020 nach Thoiry), Pepe (* 6. Mai 2015, Kidogo x Miliki), Bobóto (* 31. Dezember 2018, Kidogo x Miliki) und Santu (* 14. Juli 2021, Kidogo x Muna).

Der damals neue Silberrücken Kidogo brachte den Zoo 2012 weltweit in die Schlagzeilen, als er auf einem im Gorillagarten gespannten Seil zwischen zwei Bäumen entlang balancierte. Der Gorilla wiederholte diesen „Seiltanz“ anschließend noch einige Male.Krefelder Gorilla wird zum Weltstar. In: rp-online.de, 5. Januar 2013.

Im Rahmen des Projektes „Artenschutzzentrum Affenpark“ wird das bestehende Außengehege vergrößert und durch zwei Häuser und eine weitere Außenanlage ergänzt.

„ArtenschutzZentrum AffenPark“

Planung Bereits kurz nach dem Brand kündigte der Zoo an, auch weiterhin Menschenaffen halten zu wollen. Am 12. Juni 2020 wurden erste konkrete Pläne für das Großprojekt „Affenpark“ vorgelegt.

Der Zoo soll um mehr als 4000 Quadratmeter erweitert werden. Von der Gesamtfläche sollen dann zwei Hektar den Affenpark bilden, wofür einige andere Tierarten abgegeben werden müssen. Die bereits existierende Gorillaanlage soll einbezogen werden, wird jedoch erweitert und um eine zweite Anlage sowie ein zweites Haus ergänzt werden. Die Schimpansen sollen zwei große Außenanlagen und ein Innengehege bekommen, die Borneo-Orang-Utans sollen hingegen vier, dafür kleinere, Außenanlagen bekommen. Insgesamt sollen zwischen 30 und 40 Menschenaffen im Affenpark leben. Auch sollen ein Haus und eine Außenanlage für Lemuren entstehen sowie ein Haus für weitere kleine Affen, ein Tropenhaus mit Vögeln und eine Anlage für Aldabra-Riesenschildkröten, bestehend aus einem Außen- und Innenbereich. Im vorderen Bereich sollen ein Informationscenter mit Shop und eine Picknickmöglichkeit mit Spielplatz entstehen.

Das Projekt soll in mehreren Etappen umgesetzt werden, wobei die Erweiterung der Gorillaanlage den Anfang machen wird. Die gesamte Umsetzung wird sich mehrere Jahre hinziehen. Die Gesamtkosten für das Projekt sind noch unklar. Mit Blick auf Neubauprojekte der letzten Jahre z. B. im Zoo Rostock oder in der Wilhelma in Stuttgart wird von mindestens 20 Millionen Euro ausgegangen. Durch Spenden von Privatleuten und eine Benefizveranstaltung kamen bereits über 2,5 Millionen Euro an Spenden zusammen, auch mit öffentlichen Geldern ist zu rechnen, da das Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt geplant wurde und sich der Stadtrat mit großer Mehrheit für die Umsetzung aussprach. Kritik an dem Projekt kam von der Linksfraktion. Ihrer Ansicht nach sind der Brand und die Frage nach einer Verantwortung des Zoos noch nicht gut genug geklärt. Die Diskussion über einen Neubau komme daher zu früh.

„MenschenaffenWald“ Als erstes von drei geplanten Häusern eröffnet am 3. Oktober 2025 der „MenschenaffenWald“, in dem die beiden Schimpansen Bally und Limbo eingezogen sind. Sie sind die einzigen Menschenaffen, die den Brand in der Silvesternacht 2019/20 überlebt haben. Eine Außenanlage mit bis zu 14 Meter hohen Bäumen soll durch vielfältige Bepflanzung ausreichend Versteckmöglichkeiten bieten. Neben den Schimpansen können künftig auch junge Gorillamännchen in dem neuen Areal leben. Dafür entstand ein eigener „Bachelor“-Bereich. Die Innenanlagen sind größtenteils mit Naturboden ausgestattet. Für den ersten Bauabschnitt wurde mit Kosten in Höhe von 11,5 Millionen Euro gerechnet.

Pelikanlagune mini|Pelikanlagune im Krefelder Zoo (2020) Im Juli 2020 wurde nach zweijähriger Bauzeit die Pelikanlagune eröffnet. In dem Gehege, das insgesamt eine Größe von 3000 Quadratmetern hat, wovon die Teichanlage 450 Quadratmeter, das Stallgebäude 70 Quadratmeter und die Pflanzenkläranlage 150 Quadratmeter in Anspruch nehmen, leben zurzeit 12 Rosapelikane. Das Gebäude ist so konstruiert, dass die Pelikane es nur schwimmend über den Teich erreichen können. Dadurch wird insbesondere die Futterkonkurrenz durch die im Zoo lebenden Graureiher unterbunden, die den Pelikanen zunehmend ihr Fischfutter streitig machten.Pelikanlagune Webseite des Zoos Krefeld, zuletzt abgerufen am 1. Juli 2020

Regenwaldhaus mini|Das begehbare Regenwaldhaus (2010)