mini|320px mini|320px|Altstadt von Stargard

Stargard (, 1950–2015 []) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde und des Powiat Stargardzki sowie Teil der Agglomeration Stettin.

Geographie Lage Stargard liegt in Hinterpommern, am linken Ufer des Flusses Ihna (Ina), in etwa Höhe. Zehn Kilometer westlich liegt der 36 Quadratkilometer große Madüsee (Jezioro Miedwie), Zentrum der Stettiner Seenplatte, 32 Kilometer östlich von Stettin.

Durch Stargard verläuft der 15. Längengrad (Meridian), so dass hier die wahre Ortszeit der Mitteleuropäischen Zeit entspricht.

Stadtgliederung Die Stadt ist in folgende Stadtteile unterteilt: Stare Miasto (Altstadt) Burzykowo (Buslar) Giżynek (Giesenfelde) Kluczewo (Klützow) Mokrzyca (Neu York) Mroczeń (Neu Mexico) Osetno (Stuthof) Przedmieście Barnimowskie (Louisen Bez.) Przedmieście Poznańskie (Friedrich Wilhelm Bez.) Przedmieście Szczecińskie (Stettiner Vorstadt) Pszczelnik (Lindenhof) Słotnica (Schlötenitz) Zarzecze Żródelnia mini|Marienkirche mini|Johanniskirche mini|Heilig-Geist-Kirche

Im äußersten Südwesten des Stadtgebietes liegt die Wüstung Hufenitz.

Geschichte 1140 bis 1800 120px|links|Wappen von Stargard im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig mini|Orthodoxe Kirche mini|Kirche der Verklärung mini|hochkant|Heilig-Kreuz-Kirche mini|Stargarder Rathaus mit Alter Wache mini|hochkant|Stadtbibliothek im Rohlederhaus mini|hochkant|Protzenhaus mini|Zeughaus mini|hochkant|Eisturm, (auch Weberturm oder Tuchmacherturm) Stargard ist eine der ältesten pommerschen Städte, schon 1140 wird ein „castrum Stargord“ erwähnt (slawisch stari gord, das heißt alte Burg oder Altstadt).Johannes Hinz: Pommern. Lexikon: Geographie, Geschichte, Kultur. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-185-6, S. 291. Die Lage der slawischen Burg steht nicht fest. Im 8. Jahrhundert hatte sich einige Kilometer südlich des heutigen Stadtzentrums die slawische Siedlung Osetno entwickelt. In ihrer Nachbarschaft entstand durch Zuwanderung von deutschen Siedlern eine neue Ortschaft, die sich ab 1229 mit einer Wehranlage versehen mit drei Türmen und vier Toren umgab. Der pommersche Herzog Barnim I. verlieh ihr 1243 oder 1253 das Magdeburger Stadtrecht.Zur Frage der Datierung der Stadtrechtsurkunde siehe Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1. 2. Auflage. Böhlau Verlag, Köln / Wien 1970, S. 684–687. Sein Nachfolger Bogislaw IV. gewährte der Stadt 1294 als Ausgleich für das von den Polen zerstörte Schloss freie Schifffahrt über die Ihna bis zur Ostsee. Als 1295 das Herzogtum Pommern geteilt wurde und Stargard zu Pommern-Wolgast kam, wurde der Stadt das dort vorherrschende lübische Stadtrecht übertragen. Am 8. Juni 1372 wurde in Stargard der Teilungsvertrag von Pommern-Wolgast durch die Herzöge Wartislaw VI. und Bogislaw VI. geschlossen. Stargard selbst war inzwischen unter die Regentschaft von Pommern-Stettin gekommen.Christian Friedrich Wutstrack (Hrsg.): Nachtrag zu der Kurzen historisch-geographisch-statistischen Beschreibung des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Stettin 1795, S. 167–173; .Ludwig Wilhelm Brüggemann (Hrsg.): Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 1. Band. Stettin 1784, S. 170–207; .

Die Stadt, die sich zu einem bedeutenden Handelsplatz entwickelt hatte, war bereits 1363 der Hanse beigetreten. Gehandelt wurde hauptsächlich mit Getreide. Darüber kam es mit Stettin zu Streitigkeiten, die 1428 so weit eskalierten, dass Stargard von Stettiner Freischärlern überfallen und geplündert wurde. Die Pommernherzöge Bogislaw VIII. und sein Sohn Bogislaw IX. machten in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts Stargard zu ihrer Residenz. 1524 leitete Johannes Knipstro in Stargard die Reformation ein. 1633 wurde die protestantische Lehranstalt Collegium Groeningianum eröffnet. Im Dreißigjährigen Krieg verminderte sich der Wohlstand der Stadt durch wechselnde Besetzungen und Kämpfe der Kaiserlichen mit den Schweden.

1635 wurden durch einen Großbrand weite Stadtteile zerstört. Auch das Gröningsche Collegium brannte ab. Nach dem Aussterben des pommerschen Herzoghauses kam Stargard 1648 durch den Westfälischen Frieden mit Hinterpommern an Brandenburg. 33 Jahre nach seiner Zerstörung wurde das Gröningsche Collegium unter Kurfürst Friedrich Wilhelm neu aufgebaut und 1668 wieder eröffnet. Stargard wurde die Hauptstadt von Hinterpommern, hatte aber schwere Nachteile im Handel wegen der Zölle, die Schweden an der Mündung der Ihna in die Oder erhob. 1657 geriet Stargard zwischen die Fronten des Polnisch-Schwedischen Krieges, Soldaten beider Seiten zogen durch die Stadt.

Um 1670 gab es eine Zuwanderung von Hugenotten aus Frankreich. Infolge des Bevölkerungszuwachses wuchs die Stadt über ihren mittelalterlichen Kern hinaus, und es entstanden die Friedrich-Wilhelm-, Luise- und Jobstvorstadt. Die Nachteile des Übergangs der Hauptstadtfunktion an Stettin nach der Annexion Altvorpommerns durch Preußen 1720 konnte durch den nunmehr freien Zugang zur Oder nicht ausgeglichen werden. Im Jahr 1791 lebten in Stargard 5912 Personen, darunter 243 Juden. Damit lag der jüdische Bevölkerungsanteil in Stargard bei rund vier Prozent und war somit durchschnittlich drei Mal höher als in anderen Städten Hinterpommerns.Übersichtstabelle bei Wutstrack (1793), loc. cit. auf S. 736.

1800 bis in die Gegenwart Vorübergehend wurde der Sitz der pommerschen Regierung während der französischen Besetzung Stettins von 1806 bis 1814 unter Blücher als Militärgouverneur wieder nach Stargard zurückverlegt.

Die preußische Regierung erhob 1818 anlässlich der Reorganisation der Territorialverwaltung Stargard zur Kreisstadt des Kreises Saatzig in der Provinz Pommern. 1846 wurde die Stadt an die 1848 fertiggestellte Bahnstrecke Stettin–Posen angeschlossen, 1859 erfolgte die Inbetriebnahme des Eisenbahnausbesserungswerks. Im Sommer 1866, als Stargard ca. 16.500 Einwohner zählte, starben hier etwa 500 Personen an der Cholera-Epidemie, die in Süd- und Westeuropa ausgebrochen war.Adolf Ludwig Friedrich Goeden: Bericht über die Cholera-Epidemie in Stettin im Jahr 1866. Stettin 1867, S. 41–42 (47 Seiten); . Um Platz für die expandierende Wirtschaft zu schaffen, wurde 1869 die Stadtmauer zu großen Teilen abgerissen. Am Ende des Jahrhunderts hatte sich eine leistungsstarke Industrie angesiedelt, zu der Maschinen-, Lack- und Dachpappenwerke gehörten. Außerdem hatte sich die Provinzialobstbaumschule niedergelassen. Monatlich fanden Vieh- und Pferdemärkte und einmal jährlich ein Leinwandmarkt statt.

Das Stadttheater Stargard war ein Veranstaltungssaal im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts war Stargard Sitz des Landgerichts Stargard sowie eines Landratsamts und hatte ein Gymnasium, eine Realschule und eine landwirtschaftliche Winterschule. Nachdem die Einwohnerzahl auf über 25.000 angestiegen war, erhielt die Stadt zum 1. April 1901 kreisfreien Status, behielt aber das Landratsamt für den Kreis Saatzig. In Stargard wurde die Regionalzeitung Stargarder Zeitung herausgebracht.

Um das Jahr 1930 hatte die Stadt eine Flächengröße von 42,1 km²; im Stadtgebiet gab es sieben Wohnorte:Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Stargard i. Pom. im ehemaligen Stadt Stargard in Pommern. 2011.

In allen Wohnorten zusammen standen 1965 Wohngebäude.

Als nach dem Ersten Weltkrieg viele Bewohner der an Polen verlorenen preußischen Provinzen Westpreußen und Posen zuzogen, wurde Stargard in der Amtszeit von Oberbürgermeister Albert Kolbe durch neue Siedlungen an der Peripherie bedeutend erweitert.

Um 1935 gab es in Stargard unter anderem über zwei Dutzend Gasthöfe, zwei Cafés, zwei Weinstuben, drei Kaufhäuser, acht Bankgeschäfte, zwei Molkereien, drei Mühlen, eine Mineralwasserfabrik, zwei Bierbrauereien, eine Essigfabrik, eine Dachpappenfabrik, eine Drahtzaunfabrik, ein Holzsägewerk, ein Kalksandsteinwerk, eine Karosseriefabrik, sieben Maschinenfabriken (darunter drei Landmaschinenfabriken), zwei Möbelfabriken, drei Metallgießereien, zwei Waagenfabriken, zwei Seifenfabriken, eine Ziegelei, über ein Dutzend Viehhandlungen und zahlreiche Handwerksbetriebe und Dienstleister.Klockhausʼ Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1116–1120 (Google Books).

Bis 1945 gehörte die Stadt Stargard zum Regierungsbezirk Stettin in der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.

Am 6. Oktober 1944 wurde Stargard (Hauptziel Flugplatz) von 199 Bombern des Typs Boeing B-17 „Flying Fortress“ der United States Army Air Forces mit 493 Tonnen Bombenlast angegriffen.Roger A. Freeman: Mighty Eighth War Diary. Jane’s, London / New York / Sydney 1981, ISBN 0-7106-0038-0, S. 360.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt Stargard zwischen dem 1. und 3. März 1945 durch sowjetische Bombenangriffe zu 70 Prozent zerstört. Am 4. März 1945 wurde sie von der Roten Armee besetzt. Im Sommer 1945 überließ die Sowjetunion Stargard zusammen mit ganz Hinterpommern der Volksrepublik Polen zur Verwaltung. Es wurde nun der Ortsname Stargard Szczeciński eingeführt. In der darauf folgenden Zeit begann die allmähliche Zuwanderung polnischer Migranten, die zum Teil im Zuge der Zwangsumsiedlung von Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten 1944–1946 vertrieben worden waren. Die einheimische Bevölkerung Stargards wurde von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde über die Oder nach Westen vertrieben.

In der Nachkriegszeit wurde die Stadt wieder aufgebaut, und die wichtigsten Baudenkmäler, wie das Rathaus, wurden restauriert. Mit Wirkung vom 1. Januar 2016 wurde der Name der Stadt wieder auf Stargard festgesetzt.premier.gov.pl Mit dem Zwei-plus-vier-Vertrag und dem deutsch-polnischen Grenzvertrag von 1990 wurde die völkerrechtliche Unverletzbarkeit der bestehenden deutsch-polnischen Grenze bestätigt.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1791 5912 davon 243 JudenChristian Friedrich Wutstrack (Hrsg.): Kurze historisch-geographisch-statistisce Beschreibung von dem königlich-preußischen Herzogtum Vor- und Hinterpommern. Stettin 1793, Übersichtstabelle auf S. 737.1816 8156 Ortschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirks Stettin nach der neuen Kreis-Eintheilung vom Jahr 1817 nebst einem alphabetischen Register. Stettin 1817, IX. Saatziger Kreis, Nr. 4; . 1818 8156 Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 4: P–S, Halle 1823, S. 365, Ziffer 6275; . 1867 16.867 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Königl. Preußisches Statistisches Bureau, Berlin 1874, S. 44–45, Nr. 4. 1871 17.280 darunter 16.356 Evangelische, 339 Katholiken, 183 sonstige Christen und 402 Juden1875 20.173 1880 21.816 1885 22.112 1890 23.785 davon 1222 Katholiken und 583 Juden 1905 26.907 mit der Garnison (ein Grenadierregiment Nr. 9), davon 1387 Katholiken und 410 Juden 1910 27.551 am 1. Dezember, davon 25.623 Evangelische, 1136 Katholiken und 346 Juden; 1758 MilitärpersonenStargard in Pommern, an der Ihna. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Stargard in Pommern (meyersgaz.org). 1925 32.545 davon 30.149 Evangelische, 960 Katholiken und 297 JudenStatistisches Landesamt (Hrsg.): Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen. Provinz Pommern. Nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und anderen amtlichen Quellen unter Zugrundelegung des Gebietsstandes vom 1. Oktober 1932. Berlin 1932, S. XXVIII. 1933 35.804 davon 34.089 Evangelische, 1041 Katholiken, neun sonstige Christen und 251 Juden 1939 37.762 davon 35.121 Evangelische, 1211 Katholiken, 365 sonstige Christen und 79 Juden