Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der deutschen Fußballnationalmannschaft bei Weltmeisterschaften. Deutschland wurde je viermal Weltmeister, Zweiter und Dritter und ist damit am häufigsten unter den ersten Drei platziert, bestritt die zweitmeisten Spiele (116), stellte von 2014 bis 2026 mit Miroslav Klose erneutVon 1974 bis 2006 war bereits Gerd Müller WM-Rekordtorschütze. den besten Torschützen (16 Tore), stellte zunächst seit 1970 mit Uwe Seeler (21 Spiele) und von 1998 bis 2022 mit Lothar Matthäus (22 bis 25 Spiele) die Spieler mit den meisten Spielen sowie seit 1958 mit Sepp Herberger (10 bis 18 Spiele) und von 1974 bis 2026 mit Helmut Schön (19 bis 25 Spiele) die Trainer mit den meisten Spielen und bis 2026 mit den meisten Siegen (Schön/16). Zudem hält Deutschland eine Vielzahl von weiteren WM-Rekorden. Nur Brasilien nahm häufiger an der WM-Endrunde teil. Während das Deutsche Reich an der ersten Austragung 1930 freiwillig nicht teilnahm, war die Bundesrepublik Deutschland für die Austragung 1950 nicht zugelassen. Für alle anderen Austragungen konnte sich Deutschland sportlich qualifizieren (davon dreimal durch den Gewinn der vorherigen Weltmeisterschaft) oder war als Gastgeber (1974 und 2006) automatisch qualifiziert. Damit sind Deutschland und Brasilien, die einzigen Mannschaften, die nie in der Qualifikation scheiterten. 2018 schied Deutschland erstmals in der Vorrunde aus.
Der DFB ist der erste Verband, dessen Frauen- und Männer-Nationalmannschaft Weltmeister wurden. 2023 kam mit Spanien ein zweiter Verband hinzu.
Die Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften Übersicht Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 (in Klammern angegeben) wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF; 195 kB; engl.). Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 Uruguay keine Teilnahme – – Zu hoher Aufwand für Reise nach Südamerika (Weltwirtschaftskrise) 1934 Italien Spiel um Platz 3 Österreich 3. Platz Otto NerzIm Halbfinale gegen die Tschechoslowakei ausgeschieden 1938 Frankreich Achtelfinale Schweiz (10.) Sepp Herberger„Großdeutsche Mannschaft“ nach „Anschluss Österreichs“, K.-o.-System (nur ein Gegner) 1950 Brasilien keine Teilnahme – – Neu gegründeter DFB ist noch kein FIFA-Mitglied 1954 Schweiz Finale Ungarn 1. Platz Sepp Herberger„Wunder von Bern“, „Geist von Spiez“ 1958 Schweden Spiel um Platz 3 Frankreich 4. Platz Sepp Herberger„Schlacht von Göteborg“ im Halbfinale gegen Schweden 1962 Chile Viertelfinale Jugoslawien (7.) Sepp HerbergerHerbergers letzte WM als Trainer 1966 England Finale England 2. Platz Helmut Schön„Wembley-Tor“ 1970 Mexiko Spiel um Platz 3 Uruguay 3. Platz Helmut Schön „Jahrhundertspiel“ im Halbfinale gegen Italien 1974 BR Deutschland Finale Niederlande 1. Platz Helmut SchönNiederlage gegen DDR durch „Sparwasser-Tor“; „Nacht von Malente“; „Wasserschlacht von Frankfurt“ 1978 Argentinien Zwischenrunde u. a. Österreich (6.) Helmut Schön„Schmach von Córdoba“ 1982 Spanien Finale Italien 2. Platz Jupp Derwall „Nichtangriffspakt von Gijón“; „Nacht von Sevilla“ 1986 Mexiko Finale Argentinien 2. Platz Franz Beckenbauer„Suppenkasper-Affäre“ 1990 Italien Finale Argentinien 1. Platz Franz BeckenbauerTriumph des „Kaisers“ 1994 USA Viertelfinale Bulgarien (5.) Berti Vogts „Stinkefinger-Affäre“ (Stefan Effenberg) 1998 Frankreich Viertelfinale Kroatien (7.) Berti VogtsErste Niederlage gegen Kroatien 2002 Südkorea/Japan Finale Brasilien 2. Platz Rudi VöllerErstes WM-Spiel gegen Brasilien 2006 Deutschland Spiel um Platz 3 Portugal 3. Platz Jürgen KlinsmannIm Halbfinale gegen Italien ausgeschieden (0:2 n. V.) 2010 Südafrika Spiel um Platz 3 Uruguay 3. Platz Joachim LöwErneute 0:1-Niederlage gegen Spanien nach 2008 2014 Brasilien Finale Argentinien 1. Platz Joachim Löw1:0 n. V., Erster Titel in Südamerika, Mineiraço (7:1-Sieg über Brasilien) 2018 RusslandVorrundeMexiko,Schweden,Südkorea (22.) Joachim Löw Erstmals mit 10 Siegen qualifiziert. Nach zwei Niederlagen und einem Sieg als Gruppenletzter ausgeschieden. 2022 Katar VorrundeJapan,Spanien,Costa Rica (17.) Hansi Flick Als erste Mannschaft nach dem Gastgeber qualifiziert. Nach einer Niederlage, einem Remis und einem Sieg als Gruppendritter ausgeschieden. 2026 Kanada/Mexiko/USA Sechzehntelfinale Paraguay (18.) Julian NagelsmannGegner in der Gruppenphase waren Curaçao, die Elfenbeinküste und Ecuador. Erste Niederlage im Elfmeterschießen bei einer Weltmeisterschaft.
Statistik mini|Platzierung der deutschen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet)
Teilnahmeverzicht: einmal (4,3 %; 1930) Keine FIFA-Mitgliedschaft: einmal (4,3 %; 1950) Sportliche Qualifikation (inkl. 3× als Titelverteidiger): 19× (100 % der Versuche) Teilnahme ohne Qualifikation als Gastgeber: zweimal (8,7 %; 1974 und 2006) Ausscheiden in der Vorrunde: zweimal (8,7 %; 2018 und 2022) Ausscheiden in der Ersten Runde (Achtelfinale oder Sechzehntelfinale): zweimal (8,7 %; 1938 und 2026) Ausscheiden im Viertelfinale bzw. in der Zwischenrunde (Platz 5–8): viermal (17,4 %; 1962, 1978, 1994 und 1998) Ausscheiden im Halbfinale: fünfmal (21,7 %; 1934, 1958, 1970, 2006 und 2010) 3. Platz: viermal (17,4 %; 1934, 1970, 2006 und 2010) Vizeweltmeister: viermal (16,4 %; 1966, 1982, 1986 und 2002) Weltmeister: viermal (17,4 %; 1954, 1974, 1990 und 2014)
Häufigster letzter Gegner ist Argentinien (dreimal, immer im Finale), Deutschland ist für Argentinien ebenfalls der häufigste letzte Gegner (fünfmal: dreimal im Finale, zweimal im Viertelfinale)
Die deutsche Mannschaft ist die erste Mannschaft, die sowohl gegen eine südamerikanische Mannschaft (Argentinien, 2×) als auch gegen europäische Mannschaften (Ungarn und die Niederlande) Weltmeister werden konnte. Dem DFB gelang die sportliche Qualifikation zu allen (21 einschließlich 2026) WM-Turnieren. 1950 konnten sie sich nicht qualifizieren, da Deutschland kriegsbedingt noch nicht wieder in die FIFA aufgenommen wurde und somit für die Qualifikation nicht teilnahmeberechtigt war. Die deutsche Nationalmannschaft war als Titelverteidiger oder Gastgeber fünfmal direkt qualifiziert und hat in 16 (einschließlich 2026) WM-Qualifikationsturnieren nur ein Auswärtsspiel verloren, die erste der drei Heimniederlagen erfolgte im Oktober 1985 gegen Portugal, die zweite 2001 gegen England, die dritte 2021 gegen Nordmazedonien. Im September 2025 gab es die erste Auswärtsniederlage gegen die Slowakei.
Turniere mit maximal 16 Teilnehmern WM 1930 in Uruguay Die erste Fußball-Weltmeisterschaft fand auf dem südamerikanischen Kontinent in Uruguay statt. Es war die einzige Weltmeisterschaft, für die keine Qualifikationsspiele ausgetragen wurden. Wie einige andere europäische Nationen sagte der DFB die Teilnahme der deutschen Mannschaft wegen des hohen Aufwandes – allein die Anreise der vier teilnehmenden europäischen Mannschaften auf dem Seeweg dauerte über zwei Wochen – und die damit verbundenen Kosten ab. Hinzu kam, dass die deutschen Spieler zu dieser Zeit noch Amateure waren und eine so lange Freistellung vom Arbeitgeber nur schwer zu erreichen war. In Rumänien sorgte beispielsweise König Karl II. per Dekret dafür, dass die Spieler drei Monate Urlaub bekamen und anschließend wieder eingestellt wurden.
Die deutsche Nationalmannschaft konnte sich danach für alle Weltmeisterschaften, zu denen sie zugelassen war, qualifizieren. Die erste Niederlage in einem Qualifikationsspiel gab es am 16. Oktober 1985 gegen Portugal. Die Qualifikation für die WM 1986 war zu diesem Zeitpunkt aber schon gesichert, so dass die Niederlage keine Auswirkung mehr auf die Qualifikation hatte.
WM 1934 in Italien mini|Die Bronzemedaille – hier das Exemplar Otto Sifflings – der WM 1934 ging an die deutsche Mannschaft
Bei ihrem ersten Auftritt bei einer Weltmeisterschaft, die komplett im K.-o.-System durchgeführt wurde, erreichte die deutsche Mannschaft das Halbfinale. Reichstrainer Otto Nerz hatte einen sehr jungen Kader zusammengestellt, das Durchschnittsalter betrug 23,4 Jahre und jeder Spieler hatte im Schnitt erst 5,8 Länderspiele bestritten. Fünf Spieler hatten vor der WM noch kein Länderspiel absolviert, drei Spieler erst eins, sogar zwei Zweitligaspieler standen im Kader. Der erfahrenste Spieler war Kapitän Fritz Szepan von Schalke 04. Beim 5:2 gegen Belgien erzielte Stanislaus Kobierski das erste WM-Tor für Deutschland zur 1:0-Führung. Sie gerieten dann zur Halbzeitpause zwar mit 1:2 in Rückstand, konnten das Spiel aber in der zweiten Halbzeit drehen, wobei zunächst Otto Siffling in seinem ersten Länderspiel für den Ausgleich sorgte und Edmund Conen als bis heute jüngstem Spieler der erste echte Hattrick der WM-Geschichte gelang.dfb.de: Conens Rekord im allerersten WM-Spiel Im Viertelfinale gewannen die Deutschen durch zwei Tore von Karl Hohmann mit 2:1 gegen Schweden, das zuvor Vizeweltmeister Argentinien ausgeschaltet hatte und daher als Favorit galt.dfb.de: „WM-Serie: Deutschland – Schweden 1934“ Damit standen sie im Halbfinale gegen die Tschechoslowakei, gegen die sie noch nie gespielt hatten. Begünstigt durch mehrere Fehler des deutschen Torwarts Willibald Kreß verloren sie mit 1:3. Kreß wollte eigentlich nicht mehr spielen, aber Fachamtsleiter Linnemann war dagegen.dfb.de: „WM-Serie: Deutschland – Tschechoslowakei im Halbfinale 1934“ Es war dann aber das letzte Länderspiel für Kreß. Der dreifache Torschütze Oldřich Nejedlý wurde mit insgesamt fünf Toren Torschützenkönig des Turniers. Durch ein 3:2 gegen Österreich wurde Deutschland letztlich WM-Dritter. Dabei gelang Ernst Lehner bereits nach 25 Sekunden das schnellste Tor der deutschen WM-Geschichte.dfb.de: „1934: Das schnellste deutsche Tor der WM-Geschichte“ Diese Marke wurde erst 1962 vom Tschechoslowaken Václav Mašek im Spiel gegen Mexiko unterboten, der bereits nach 15 Sekunden das erste Tor bei der 1:3-Niederlage gegen Mexiko erzielte. In die ewige Rangliste stieg die Mannschaft auf Platz 4 ein.
WM 1938 in Frankreich
Die von Sepp Herberger neu aufgebaute Mannschaft zählte spätestens ab dem mit 8:0 gegen Dänemark gewonnenen Freundschaftsspiel im Mai 1937 (nach dem Austragungsort wurde diese Mannschaft dann „Breslau-Elf“ genannt) zu den Favoriten für die Fußball-Weltmeisterschaft 1938. Sie hatte sich mit drei Siegen in drei Spielen gegen Estland, Finnland und Schweden qualifiziert und dabei 11:1 Tore geschossen. Das letzte Tor beim 5:0 hatte der damals 22-jährige spätere Bundestrainer Helmut Schön in seinem ersten Länderspiel erzielt. Allerdings hatte es in den darauf folgenden Spielen nur drei Remis (jeweils 1:1 gegen die Schweiz, Ungarn und Portugal) sowie ein 2:1 gegen Luxemburg gegeben, wobei Herberger beim Spiel gegen Luxemburg fünf Neulinge einsetzte.Germany – Luxemburg 2-1 Kurz vor der WM gab es dann noch ein 3:6 in Bestbesetzung gegen England, bei dem mit dem später in Frankreich vom Platz gestellten Johann Pesser erstmals ein Wiener mitwirkte. Die Österreicher hatten sich durch ein 2:1 gegen Lettland ebenfalls für die WM qualifiziert, die beiden folgenden Spiele gegen Ungarn und die Tschechoslowakei aber mit jeweils 1:2 verloren.
Bereits im Achtelfinale kam dann das Aus gegen die Nachbarn aus der Schweiz. Reichte es im ersten Spiel noch zu einem 1:1 nach Verlängerung – der ersten Verlängerung für beide Mannschaften und mit dem ersten Platzverweis bei einer WM für Deutschland –, musste sich die deutsche Mannschaft fünf Tage später im Wiederholungsspiel – Elfmeterschießen waren damals noch nicht erdacht – mit 2:4 geschlagen geben, was das schlechteste Abschneiden bei einer WM bedeutete.dfb.de: „1938: Erster Platzverweis der deutschen WM-Geschichte“dfb.de: „1938: WM-Aus im Wiederholungsspiel“