Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der deutschen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Deutschland war vor der EM 2024 zusammen mit Spanien mit je drei Titeln Rekordeuropameister, liegt nach der EM, bei der die Spanier den Titel gewannen, auf Platz 2. Hinzu kommen drei zweite Plätze und drei weitere Halbfinalteilnahmen.

Die Nationalmannschaft bei Europameisterschaften Übersicht Die bundesdeutsche Fußballnationalmannschaft konnte sich seit 1972 für alle Europameisterschaftsendrunden qualifizieren. Bei den ersten Turnieren war man an einer Teilnahme nicht interessiert (1960 und 1964), da Bundestrainer Sepp Herberger sich durch die EM beim Aufbau für die WM gestört fühlte. Als Deutschland 1968 erstmals teilnahm, konnte man sich zum bisher einzigen Mal nicht für eine Endrunde qualifizieren.

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis... Gegner Ergebnis Trainer/Teamchef Bemerkungen und Besonderheiten 1960 Frankreich keine Teilnahme offizielle Bezeichnung: Europa-Nationenpokal 1964 Spanien keine Teilnahme offizielle Bezeichnung: Europa-Nationenpokal 1968 Italien nicht qualifiziert Jugoslawien und Albanien (in der Qualifikation) einziges Turnier, zu dem sich Deutschland nicht qualifizieren konnte („Schmach von Tirana“ (0:0)) 1972 Belgien Finale Sowjetunion 1. PlatzHelmut Schön 1976 Jugoslawien Finale Tschechoslowakei 2. Platz Helmut Schön „Nacht von Belgrad“ 1980 Italien Finale Belgien 1. Platz Jupp Derwall 1984 Frankreich Vorrunde Portugal, Rumänien, Spanien 5. Platz* Jupp DerwallEnde der Amtszeit von Derwall 1988 BR Deutschland Halbfinale Niederlande 3. Platz* Franz Beckenbaueres gab kein Spiel um den dritten Platz 1992 Schweden Finale Dänemark 2. Platz Berti Vogts 1996 England Finale Tschechien 1. Platz Berti Vogtserstes Golden Goal der EM-Geschichte durch Oliver Bierhoff 2000 Belgien/Niederlande Vorrunde Rumänien, England, Portugal 15. Platz* Erich RibbeckEnde der Amtszeit von Ribbeck 2004 Portugal Vorrunde Niederlande, Lettland, Tschechien 12. Platz* Rudi VöllerEnde der Amtszeit von Völler 2008 Österreich/Schweiz Finale Spanien 2. Platz Joachim Löw 2012 Polen/Ukraine Halbfinale Italien 3. Platz* Joachim Löw 2016 Frankreich Halbfinale Frankreich 4. Platz*Joachim Löw Nach Siegen gegen Nordirland und die Ukraine sowie einem Remis gegen Polen wurde Deutschland ohne Gegentor Gruppensieger. Im Viertelfinale erstmals Italien bei einem Turnier ausgeschaltet. 2021 EuropaAchtelfinale England 15. Platz* Joachim Löw Deutschland stellte mit der Allianz Arena eine Spielstätte für drei Gruppenspiele und ein Viertelfinalspiel, musste sich aber selber gegen Estland, die Niederlande, Nordirland und Belarus qualifizieren. Dies gelang am vorletzten Spieltag. Deutschland konnte alle Gruppenspiele in München austragen und traf dort auf Weltmeister Frankreich, Titelverteidiger Portugal und Ungarn. 2024 Deutschland ViertelfinaleSpanien 5. Platz* Julian Nagelsmann Als Gastgeber automatisch qualifiziert. Gegner in der Gruppenphase waren Schottland (5:1), Ungarn (2:0) und die Schweiz (1:1) sowie Dänemark (2:0) im Achtelfinale.

Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1968 Erstmals wollte sich Deutschland für die Fußball-Europameisterschaft 1968 qualifizieren. Nach einem 6:0 gegen Albanien, einem 0:1 in Jugoslawien und einem 3:1 im Rückspiel musste am 17. Dezember 1967 in Tirana ein Sieg gegen die eher drittklassigen albanischen Spieler her. Obwohl Bundestrainer Schön mit Peter Meyer den damals besten Stürmer der Bundesliga aufbot, reichte es bei dem als Schmach von Tirana bekannt gewordenen Spiel nur zu einem 0:0, wodurch zum ersten und bisher einzigen Mal eine Qualifikation für ein großes Turnier verpasst wurde. Auch aufgrund eines Wadenbeinbruchs im Januar 1968 blieb es Peter Meyers einziges Länderspiel.

EM 1972 mini|Startaufstellungen im Finale

Vier Jahre später wurde die bis heute beste deutsche Elf dann erstmals Europameister. Nachdem man sich in der Qualifikation gegen Polen, die Türkei und (wieder) Albanien durchgesetzt hatte, stand im Viertelfinale die Revanche von León gegen England an. Am 29. April 1972 kam es zu einem denkwürdigen Spiel im Londoner Wembley-Stadion. Durch Tore von Uli Hoeneß, Günter Netzer und Gerd Müller konnte man mit 3:1 erstmals in England gewinnen. Selbst die englische Boulevardpresse, die ansonsten eher deutschlandkritisch eingestellt ist, war von dem Spiel der deutschen Mannschaft begeistert. Im Rückspiel in Berlin reichte dann ein 0:0 zum Einzug in die Endrunde.

Zur Endrunde reisten sie dann als Favorit, da sie am 26. Mai 1972 zur Einweihung des Olympiastadions in München die Sowjetunion schon mit 4:1 besiegt hatten.

Bei der Endrunde in Belgien gelangen dann Siege gegen Belgien (2:1) und die Sowjetunion (3:0), wobei insbesondere im Finale Traumfußball zelebriert wurde. Unrühmlich hervorzuheben ist leider das Verhalten deutscher Hooligans – auch wenn diese Bezeichnung damals noch nicht üblich war – die randalierend durch Brüssel zogen. Gerd Müller wurde mit vier Toren Torschützenkönig des Turniers und mit insgesamt 11 Toren Torschützenkönig des gesamten Wettbewerbs.

Zwei Jahre später wurde die bundesdeutsche Mannschaft dann auch Weltmeister (siehe Deutsche Fußballnationalmannschaft/Weltmeisterschaften), womit sie die erste Mannschaft war, der es gelang, nach einem Europameisterschaftstitel auch die darauffolgende Weltmeisterschaft zu gewinnen. Inzwischen ist dies auch Spanien bei der EM 2008 und der WM 2010 gelungen (Frankreich schaffte es in umgekehrter Reihenfolge bei der WM 1998 und EM 2000, Spanien bei der WM 2010 und EM 2012).

EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen, und wieder hatte sich die deutsche Mannschaft qualifiziert. Nach dem WM-Sieg 1974 war unter anderen der WM-Rekordtorschütze Gerd Müller zurückgetreten, und trotzdem „müllerte“ es auch in Jugoslawien. In Belgrad kam es zunächst zum Halbfinale gegen Jugoslawien, in dem man nach 32 Minuten mit 0:2 zurücklag. Durch die Einwechslungen von Heinz Flohe (46. Minute), der in der 65. Minute den Anschlusstreffer erzielte, und Dieter Müller (79. Minute), der in der 80. Minute mit seinem ersten Ballkontakt in seinem ersten Länderspiel zum 2:2 traf, wurde die Verlängerung erreicht. In dieser gelangen Dieter Müller zwei weitere Tore zum 4:2-Sieg, durch den die deutsche Mannschaft wie vier Jahre zuvor im Finale stand. Aber es erging ihr wie der UdSSR, die 1964 ebenfalls nach dem Gewinn des Titels 1960 wieder im Finale stand: Der Titel konnte nicht verteidigt werden. Dies gelang erst 2012 Spanien als amtierendem Europameister.

Gegen die Tschechoslowakei lag man wie im Halbfinale schnell mit 0:2 zurück, allerdings gelang Dieter Müller mit seinem vierten EM-Tor schnell der Anschluss. Es dauerte aber bis zur 90. Minute, ehe Bernd Hölzenbein der 2:2-Ausgleich gelang, womit es erneut zur Verlängerung kam. Nachdem diese torlos verlaufen war, musste erstmals in der Geschichte großer Turniere ein Elfmeterschießen die Entscheidung bringen (acht Jahre zuvor hatte es noch ein Wiederholungsspiel gegeben). Nachdem die ersten vier tschechoslowakischen und die ersten drei deutschen Spieler ihre Elfmeter verwandelt hatten, trat Uli Hoeneß an, der schon zwei Jahre zuvor im Spiel gegen Polen einen Elfmeter verschossen hatte, geriet aber in Rückenlage und jagte den Ball in den Belgrader Nachthimmel. Anschließend machte Antonín Panenka mit einem schlitzohrig verwandelten Elfmeter („Panenka-Heber“) alles klar, so dass der fünfte deutsche Schütze nicht mehr antreten musste. Wie vier Jahre zuvor Gerd Müller wurde auch Dieter Müller mit vier Toren Torschützenkönig.

Endrunden mit Acht Teilnehmern EM 1980 mini|Startaufstellungen im Finale

Nach der WM 1978 trat Jupp Derwall die Nachfolge Helmut Schöns an. Unter seiner Leitung hatte die deutsche Mannschaft bis zur EM 1980 kein Spiel verloren, auch wenn nicht alle Resultate, zum Beispiel ein 0:0 in Malta, schmeichelhaft waren. Sie ging daher als einer der Favoriten in das Turnier. Bei der erstmals mit acht Mannschaften und einer Gruppenphase ausgetragenen EM 1980 in Italien kam es im ersten Spiel zur Revanche von Belgrad. In einem wenig spektakulären Spiel konnte sich die deutsche Mannschaft gegen die ČSSR mit 1:0 revanchieren, im zweiten Spiel gegen die Niederländer führte die deutsche Mannschaft nach 66 Minuten durch drei Tore von Klaus Allofs mit 3:0, ehe es Rep (80./Elfmeter) und Willi van de Kerkhof (86.) wieder einmal spannend machten. Die deutsche Mannschaft konnte das 3:2 aber über die Zeit bringen. Im abschließenden Gruppenspiel reichte ein 0:0 gegen Griechenland zum Gruppensieg, der direkt ins Finale führte. Gegen Belgien, das sich überraschend gegen England, Spanien und den Gastgeber Italien durchgesetzt hatte, gelang Horst Hrubesch bereits nach zehn Minuten das 1:0. Aber nachdem Vandereycken in der 72. Minute der Ausgleich gelungen war, wurde es wieder einmal spannend. Erst in der 89. Minute war es erneut Hrubesch, der mit einem Kopfball den Siegtreffer erzielte und so Deutschland den zweiten EM-Titel bescherte. Und wieder kam der Torschützenkönig aus Deutschland – diesmal reichten Klaus Allofs die drei Tore aus dem Spiel gegen die Niederlande.

EM 1984 Die Europameisterschaft in Frankreich bescherte der Deutschen Mannschaft erstmals das Aus in der Gruppenphase bei einem großen Turnier. Nach einem torlosen Remis gegen Portugal und einem 2:1-Sieg gegen Rumänien hätte der deutschen Mannschaft ein erneutes Remis gegen Spanien zum Einzug ins Halbfinale gereicht, und bis zur 90. Minute sah es auch danach aus, dann machte aber Maceda diesen Traum zunichte und sorgte so für den vorzeitigen Abschied von Bundestrainer Jupp Derwall.

EM 1988 Die Europameisterschaft im eigenen Land sollte dem seit 1984 amtierenden Teamchef Beckenbauer nach der Vize-Weltmeisterschaft zwei Jahre zuvor den ersten Titel bescheren, aber nach einem glücklichen 1:1 gegen Italien in der Vorrunde und zwei 2:0-Siegen gegen Dänemark und Spanien, war im Halbfinale gegen die Niederländer Endstation. Deutschland war zwar durch einen von Matthäus in der 55. Minute verwandelten Elfmeter in Führung gegangen, den Niederländern gelang aber ebenfalls durch einen Elfmeter in der 74. Minute der Ausgleich. Als sich beide Teams schon auf eine Verlängerung eingestellt hatten, nutzte Marco van Basten die einzige Unaufmerksamkeit von Jürgen Kohler zum 2:1-Siegtreffer. Im Finale in München zelebrierten die Niederländer dann Traumfußball und wurden verdient Europameister.

EM 1992 Bei der Fußball-Europameisterschaft 1992 trat erstmals eine gesamtdeutsche Mannschaft an. Die deutsche Mannschaft musste ohne Lothar Matthäus antreten, der am Knie verletzt war und auch Ersatzkapitän Rudi Völler kam nach einem Armbruch im ersten Spiel nur zu einem Einsatz. Nach eher dürftigen Leistungen in der Vorrunde, unter anderem einem 1:1 gegen die GUS durch ein Tor von Thomas Häßler in der letzten Minute und einem 1:3 gegen die Niederlande, erreichte die deutsche Mannschaft nach ihrem besten Spiel gegen Gastgeber Schweden als erste Mannschaft zum vierten Mal das Finale. Sie gingen somit als Favorit in dieses Endspiel, denn die Dänen, die nur durch den Ausschluss Jugoslawiens nachgerückt waren, schienen schon im Halbfinale, das sie durch Elfmeterschießen gegen die Niederlande gewannen, am Ende ihrer Kräfte zu sein. Die deutsche Mannschaft fand aber in keiner Phase zu ihrem Spiel und verlor verdient mit 0:2. Immerhin konnte sich Karl-Heinz Riedle mit drei anderen Spielern die Torjägerkrone teilen, alle vier hatten je drei Tore geschossen.

Endrunden mit 16 Teilnehmern EM 1996 links|mini|Aserbaidschanische Briefmarke zum Gruppenspiel gegen Tschechien mini|Startaufstellungen im Finale