mini|Prinzregent Luitpold von Bayern (1888) Luitpold Karl Joseph Wilhelm von Bayern (* 12. März 1821 in Würzburg; † 12. Dezember 1912 in München) war von 1886 bis zu seinem Tod Prinzregent des Königreiches Bayern; zunächst für drei Tage für seinen Neffen König Ludwig II., dann für dessen als geisteskrank diagnostizierten Bruder Otto I. Während seine Regentschaft für München eine große kulturelle Blüte hervorbrachte, bedeutete sie für Bayern die allmähliche Rückstellung bayerischer Interessen hinter die des Deutschen Reichs.

Leben Herkunft mini|Die Würzburger Residenz, Geburtsort Luitpolds Luitpold von Bayern wurde in der Würzburger ResidenzSybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1226. als fünftes Kind und dritter Sohn des Königs Ludwig I. von Bayern und der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen geboren. Seine Geschwister waren Maximilian (1811–1864, später König von Bayern), Mathilde (1813–1862), Otto (1815–1867, später König von Griechenland), Theodolinde (1816–1817), Adelgunde (1823–1914), Hildegard (1825–1864), Alexandra (1826–1875), spätere Äbtissin von St. Anna in München, und Adalbert (1828–1875). Luitpold war der Lieblingssohn seines Vaters.

Prinz von Bayern mini|hochkant|Der Prinz Luitpold in mittlerem Alter, Foto von Franz Hanfstaengl

Frühe Jahre Luitpolds Militärlaufbahn begann auf Anweisung seines Vaters schon mit 14 Jahren. Dies entsprach allerdings auch der Neigung Luitpolds, der seinem Wunsch entsprechend in der Artillerie seinen Dienst antrat, eine für einen Prinzen damals ungewöhnliche Wahl. Sein Vater machte ihn 1835 zum Hauptmann der Artillerie. Im Jahr 1841 wurde er Oberst. Er brachte es seiner königlichen Stellung entsprechend in den folgenden Jahren zum Generalmajor und Feldzeugmeister, allerdings widmete Luitpold anders als andere Prinzen der Militärkarriere immer sehr viel seiner Energie und Zeit.

Im Jahr 1841 wurde er Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Luitpold unternahm ausgedehnte Auslandsreisen und lernte so seine spätere Frau, Erzherzogin Auguste Ferdinande von Österreich-Toskana, die Tochter des Großherzogs der Toskana, kennen. Das Paar heiratete am 15. April 1844 in Florenz.

Orientreise 1846–47 Im September 1846 begab sich Luitpold auf eine große Orientreise, die insgesamt vier Monate dauern sollte. Über die Donau (via Galatz) und das Schwarze Meer erreichte er am 7. Oktober Konstantinopel, wo er sich drei Wochen bis zum 27. Oktober aufhielt. Dort wohnte er in der österreichischen Botschaft (Internuntiatur). Der in Konstantinopel tätige österreichische Dolmetscher Theodor Ritter von Schwarzhuber verfasste einen 40-seitigen Bericht über den Aufenthalt Luitpolds in der osmanischen Hauptstadt.

Begleitet wurde Luitpold auf seiner Reise von dem späteren Hofmarschall und Baron Edmund von Speidel, seinem Leibarzt Zinth, dem Maler Paul Gottlieb Daniel Weber (1823–1916) und den beiden Söhnen von Fabio Pallavicini (1795–1872), des sardinischen Gesandten in München. Nach einer Abschiedsaudienz bei Sultan Abdülmecid I. am 25. Oktober brach die Reisegesellschaft zwei Tage später auf einem Dampfschiff des Österreichischen Lloyds in Richtung Ägypten auf und erreichte nach weiteren zwei Tagen zunächst Smyrna, dann im weiteren Verlauf Syra. Am 8. November traf man im ägyptischen Alexandria ein, wo man an Land ging. Luitpold begab sich von dort nach Kairo, wo er am 15. November mit dem Herrscher Ägyptens, Mehmed Ali (1770–1849), zusammentraf. Es folgte eine längere Fahrt auf dem Nil, bis sich Luitpold am 9. Dezember in Richtung Griechenland einschiffte. Zu einem geplanten Besuch Jerusalems scheint es nicht gekommen zu sein.

Am 12. Dezember traf Luitpold mit seinem Gefolge in Athen ein, wo er im Hafen von Piräus eine mehrtägige Quarantäne einhalten musste, bevor er in den königlichen Palast seines Bruders, Ottos I. von Griechenland, einziehen durfte. Der dann folgende, etwa zweiwöchige Aufenthalt in Athen endete am 8. Januar 1847 mit der Abfahrt nach Palermo, wozu man sich des griechischen Dampfers Otto bediente. Am 18. Januar erreichte Luitpold Neapel und begab sich dann weiter nach Florenz im Großherzogtum Toskana, dem er wegen der Herkunft seiner Frau eng verbunden war.

Abdankung des Vaters und Herrschaft der Brüder In den entscheidenden Momenten der Lola-Montez-Affäre Anfang 1848 vermittelte Luitpold einer Delegation des unzufriedenen Volks eine Audienz bei seinem Vater, König Ludwig I. Diese brachte zwar keine unmittelbaren Ergebnisse, aber sie führte dem König die Unzufriedenheit seiner Untertanen vor Augen. Nur wenig später trennte sich Ludwig I. von Lola und verzichtete im selben Jahr zugunsten seines ältesten Sohnes Maximilian auf den Thron.

Unter der Regierung seines ältesten Bruders Maximilian II. (1848–1864) spielte Luitpold im Königreich Bayern keine bedeutende politische Rolle, vertrat allerdings häufig den König. Zu Maximilian hatte Luitpold ein vertrauensvolles Verhältnis, wobei Maximilian eher als Freund Preußens und Luitpold als Verbündeter Österreichs galt. Nach dem Tode von Auguste von Leuchtenberg kaufte Prinz Luitpold im Jahre 1852 das Palais Leuchtenberg, das dann nach ihm umbenannt und zu seiner Residenz wurde.

Sein anderer älterer Bruder Otto war in dieser Zeit König von Griechenland; Luitpold und seine Nachkommen waren – sollte sein Bruder ohne Erben sterben – als Thronfolger für Griechenland vorgesehen. Die neue griechische Verfassung von 1844 legte fest, dass der Thronfolger orthodoxen Glaubens sein musste. Da Luitpold es als gläubiger Katholik ablehnte, über eine Konversion nachzudenken, wurde das griechische Thronfolgerecht auf seine Söhne und seinen jüngeren Bruder Prinz Adalbert und dessen Nachkommen ausgeweitet. Bevor es dazu kam, verlor Otto jedoch seine Herrschaft infolge der Revolution von 1862.

Militärkommandeur und Repräsentant Bayerns König Maximilian II. starb 1864, worauf ihm sein Sohn Ludwig II. als König von Bayern nachfolgte. Unter der Regierung seines Neffen musste Luitpold zunehmend repräsentative Aufgaben in der Hauptstadt wahrnehmen, da Ludwig sich insbesondere in späteren Zeiten jahrelang von seiner Residenz fernhielt. Das Verhältnis von König Ludwig II. zur Familie des Prinzen Luitpold war jedoch nicht besonders gut.

Im Deutschen Krieg von 1866 war Luitpold Kommandeur der 3. Division. Nach der Niederlage gegen Preußen 1866 begann Luitpold das bayerische Heer nach preußischem Muster neu zu organisieren.Hans-Peter Baum (2007), S. 173. Dazu zählte neben organisatorischen Reformen des Militärs auch die Einführung neuer Gewehre und Maschinenwaffen, die zunächst aus dem Ausland, insbesondere Amerika, bezogen wurden, ehe auch bayerische Hersteller wie Cramer-Klett in Nürnberg oder die Maschinenfabrik Augsburg Rüstungsaufträge erhielten. 1869 wurde Luitpold Generalinspekteur der Armee, während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 fungierte er als Bayerns Vertreter im preußischen Generalstab. Als solcher überreichte er am 3. Dezember 1870 dem preußischen König Wilhelm I. den sogenannten Kaiserbrief. Als Vertreter Bayerns nahm er mit seinem Neffen Otto an der Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871 teil.Theodor Toeche-Mittler: Die Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871 mit einem Verzeichniß der Festtheilnehmer. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1896.Heinrich Schnaebeli: Fotoaufnahmen der Kaiserproklamation in Versailles, Berlin 1871. 1876 ernannte ihn Ludwig II. zum Generalfeldzeugmeister mit dem Rang eines Generalfeldmarschalls.

mini|Vier Generationen der Wittelsbacher: Luitpold mit seinem Sohn Ludwig, Enkel Rupprecht und Urenkel Luitpold um 1905 Nachdem König Ludwig II. am 9. Juni 1886 entmündigt worden war, zeigte Luitpold, den der König der Verschwörung verdächtigte, am 10. Juni seine Bereitschaft zur Herrschaft im Königreich Bayern. Als Ludwig II. drei Tage später im Starnberger See ertrank, folgte ihm sein jüngerer Bruder Otto I. offiziell auf den bayerischen Thron. Da Otto aber seit seiner Jugend geisteskrank, seit 1878 entmündigt und damit regierungsunfähig war, übte Prinzregent Luitpold auch für ihn die Regentschaft aus und führte ab dem 14. Juni die Staatsgeschäfte als Prinzregent. Am 28. Juli leistete er den Regierungseid als „des Königreichs Bayern Verweser“.

Prinzregentschaft mini|hochkant|Prinzregent Luitpold an seinem 90. Geburtstag 1911 Verfassungsrechtliche Stellung Laut Verfassung besaß Luitpold als Regent nicht das Recht, neue Ämter einzuführen. Außerdem sollten alle Ämter, ausgenommen jene in der Justiz, nur provisorisch besetzt werden. Ebenso sollte ein Verweser keine Krongüter verkaufen und Titel sowie andere Privilegien nicht neu vergeben können. Diese Bestimmungen ließ Luitpold jedoch schon ein Jahr nach Herrschaftsantritt zu seinen Gunsten uminterpretieren. In finanzieller Hinsicht hatte der Prinzregent nur begrenzte Mittel. Frei zur Verfügung standen ihm jährlich 800.000 Mark – weit weniger als einem König von Bayern.Haus der Bayerischen Geschichte: Der Prinzregent als „des Königreichs Bayern Verweser“ für König Ludwig II. und König Otto Dennoch zahlte das Haus Wittelsbach bis 1902 alle durch König Ludwigs Bautätigkeit angefallenen Schulden vollständig an die Gläubigerbanken zurück. Bei Thronreden stand der Prinzregent stets neben dem Thron.

Innenpolitisch errang nicht nur die Bürokratie in Bayern mehr Einfluss, als ihr nach der Verfassung zustand, es waren auch zunehmend einflussreiche politische Parteien entstanden, die die Verfassung ebenfalls nicht berücksichtigte. Auch blieben soziale Fragen, die mit der zunehmenden Industrialisierung aufgekommen waren ebenso ungelöst, wie der Umgang mit dem Verlangen der Arbeiter nach mehr Einfluss in der Gesellschaft und der neu aufstrebenden Frauenbewegung.

Politisches Wirken Luitpold pflegte anders als die Könige vor ihm einen präsidial-repräsentativen Regierungsstil und hielt sich meist bei politischen Entscheidungen sehr zurück, so dass Regierung und Parlament an Macht gewannen.Prinzregent Luitpold Luitpold überließ die Regierungsführung weitgehend seinen liberalen und reichsfreundlichen Ministerien unter den Vorsitzenden im Ministerrat Johann von Lutz (bis 1890), Friedrich Krafft von Crailsheim (bis 1903) und Clemens von Podewils-Dürniz (bis 1912). So stützte Luitpold, obwohl selbst katholisch, auch die antikatholische Haltung Lutz’ und die harte Position der bayerischen Regierung gegen die Kirche und den politischen Katholizismus.Haus der Bayerischen Geschichte: Die Innenpolitik unter Prinzregent Luitpold 1890 verhinderte Luitpold einen geplanten Münchener Katholikentag,Hans-Peter Baum (2007), S. 174. setzte sich aber dennoch für eine Bereinigung des Kulturkampfes ein.

Die Stimmanteile der Liberalen schrumpften jedoch bei den Landtagswahlen dieser Zeit zunehmend, sie stellten nur noch die zweitstärkste Fraktion hinter dem Zentrum, das von den liberalen Stimmverlusten profitierte. Daneben entstanden neue Parteien wie der Bayerische Bauernbund und die Sozialdemokraten. 1893 erfolgte dann der erste Einzug der SPD in den bayerischen Landtag. Dies alles verschärfte den Druck des Parlaments auf die Regierung weiter und führte zu zunehmenden Spannungen, die einen Höhepunkt gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreichten, als das Zentrum die antikatholische Haltung der Liberalen nicht mehr mittragen wollte.