Bad Hindelang (bis 2002 Hindelang) ist eine Marktgemeinde in den Allgäuer Alpen im schwäbischen Landkreis Oberallgäu im Freistaat Bayern, nahe der Grenze zu Österreich. Die Gemeinde besteht aus mehreren Ortsteilen und liegt im südlichen Alpenraum.
Bad Hindelang ist seit 1965 staatlich anerkannter heilklimatischer Kurort und wurde 2001 als Kneippheilbad anerkannt. Die örtliche Wirtschaftsstruktur ist unter anderem durch Tourismus, Landwirtschaft, Handwerk und Dienstleistungen geprägt. Die hochgelegenen Alpbereiche werden traditionell landwirtschaftlich genutzt. Teile der lokalen Alpwirtschaft wurden 2016 als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Geografie mini|ohne|Bad Hindelang mit Kath. Kirche St. Johannes Baptist
Lage Der Ort liegt im Ostrachtal am nördlichen Rand der Kalkalpen an der historischen Salzstraße, welche heute als Bundesstraße 308 über Oberjoch nach Österreich führt. Der Oberjochpass gilt mit 107 Kurven als die kurvenreichste Straße Deutschlands.
Mehr als 80 % des Gemeindegebiets sind Landschafts- oder Naturschutzgebiet.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat 12 Gemeindeteile: Der Hauptort Bad Hindelang (825 m) mit dem Dorf Gailenberg (989 m) Das Dorf Vorderhindelang (832 m) mit dem Kirchdorf Liebenstein, dem Dorf Reckenberg und den Weilern Groß und Riedle Das Dorf Bad Oberdorf (822 m). Dieses hat wegen seines Schwefel-Moorbades bereits lange vor dem Hauptort Bad Hindelang im Jahr 1900 durch Prinzregent Luitpold von Bayern den Titel des Bades zugesprochen bekommen. Das Pfarrdorf Hinterstein (866 m) mit dem Dorf Bruck Das Pfarrdorf Oberjoch (1136 m) Das Pfarrdorf Unterjoch (1013 m)
Das Gemeindegebiet erstreckt sich in einer Höhenlage von 780 m (Ostrachbrücke bei Reckenberg) bis auf 2592 m (Hochvogel).
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Sicher ist, dass 1540 die Grafen Montfort den Saumpfad über das Joch als Straße ausbauen ließen. Jahrhundertelang wurde auf dieser Route Salz aus Tirol in Richtung Bodensee transportiert. 1150 wird ein Oggoz von Hundilanc genannt. Das Rittergeschlecht von Hundilanc wird in den folgenden Jahren bis 1402 in verschiedenen Urkunden erwähnt. 1377 wurde Hindelang der Pfarrei Sonthofen zugewiesen, 1435 zur eigenen Pfarrei erhoben. 1429 verlieh der Augsburger Bischof dem Ort das Marktrecht. 1529 gründeten die Fugger einen Stutenhof im Tal. Nach den Rittern von Heimenhofen und den Grafen von Montfort waren die Fürstbischöfe von Augsburg Besitzer des Gebietes.
mini|hochkant|Hindelang um 1900 Im hinteren Ostrachtal wurde im 16. Jahrhundert Eisenerz gefördert und es entstanden Hammerschmieden, in denen Tausende von Hellebarden und Spießen unter anderem für die Heere Kaiser Maximilians hergestellt wurden. Während des Dreißigjährigen Krieges fielen fast 1000 Personen, das war die Hälfte der damaligen Bewohner, der Pest zum Opfer. 1796 verwehrten kaiserliche Truppen am Jochpass erfolgreich den napoleonischen Truppen den Übergang nach Tirol.
mini|hochkant|Offizielles Logo Bei der Säkularisation im Jahre 1803 fiel Hindelang an das Königreich Bayern. 1823 kam der Salztransport über das Joch zum Erliegen. In den Jahren 1895 bis 1898 wurde die neue Jochpass-Straße gebaut. 1900 verlieh Prinzregent Luitpold dem Ortsteil Oberdorf den Titel „Bad“.
20. und 21. Jahrhundert Im Jahr 1905 wurde die Kraftpost-Linie eröffnet, die Hindelang mit dem Bahnhof Sonthofen verband. 1924 verwüstete ein Hochwasser des Wildbachs den Gemeindeteil Bad Oberdorf. In den 1930er Jahren wurde die neue Jochpassstraße saniert (zu erkennen an dem an einer Steinwand neben der Straße eingemeißelten Ritterkreuz im oberen Drittel der Strecke, Richtung Oberjoch). Sie diente im Zweiten Weltkrieg Wehrmachtsverbänden als Marschroute zur Front in Italien und Österreich.
1965 wurde Hindelang das Prädikat „Heilklimatischer und Kneippkurort“ verliehen. 2002 wurde Hindelang zu „Bad Hindelang“. 2011 erhielt Bad Hindelang das Qualitätssiegel für Allergikerfreundlichkeit von der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF).
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. April 1972 die Gemeinde Unterjoch, die am 4. Januar 1867 aus Teilen der Gemeinde Hindelang gebildet worden war, wieder eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl von Bad Hindelang entwickelte sich über einen langen Zeitraum relativ stabil, mit moderaten Schwankungen im 20. und frühen 21. Jahrhundert. Nach historischen Bevölkerungsangaben des 19. Jahrhunderts basieren die neueren Zahlen auf Volkszählungen sowie der amtlichen Fortschreibung des Bayerischen Landesamtes für Statistik.
Bei der Volkszählung vom 25. Mai 1987 wurden 4.648 Einwohner gezählt. In den folgenden Jahrzehnten nahm die Bevölkerungszahl insgesamt leicht zu und überschritt zwischenzeitlich die Marke von 5.000 Einwohnern. Zum Ende des Jahres 2024 lebten offiziell 5.058 Personen in der Gemeinde.
Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987. Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1995 2000 2005 2010 201520202025 Einwohner 2329 2641 4153 5606 4956 4806 4648 4979 4840 4892 4815 503351925404
Politik Gemeinderat Die Wahl am 8. März 2026 hatte folgendes Ergebnis: Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Freie Wählerschaft Hindelang 21,0 % 4 Freie Wählergemeinschaft Bad Oberdorf 17,1 % 4 Freier Wahlblock Vorderhindelang 16,0 % 3 Christlich-Soziale Union (CSU) 15,5 % 3 Parteilose Wählerschaft Hinterstein/Bruck 13,4 % 3 Wählerschaftgemeinschaft Oberjoch 9,9 % 2 Bürgerliche Parteilose Wählerschaft Unterjoch 7,1 % 1 Zusätzliches Mitglied des Gemeinderates ist der Erste Bürgermeister.
mini|Rathaus in Bad Hindelang Die Wahl am 15. März 2020 hatte folgendes Ergebnis: Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Freie Wählerschaft Hindelang 19,50 % 4 Freie Wählergemeinschaft Bad Oberdorf 21,61 % 4 Freier Wahlblock Vorderhindelang 15,66 % 3 Christlich-Soziale Union (CSU) 13,36 % 3 Parteilose Wählerschaft Hinterstein/Bruck 12,71 % 2 Bürgerliche Parteilose Wählerschaft Unterjoch 8,15 % 2 Wählergemeinschaft Oberjoch 9,00 % 2
Zusätzliches Mitglied des Gemeinderates war die Erste Bürgermeisterin.
Bürgermeister +WahlergebnisseJahrName1869 – 1881 Joh. Michael Müller1881 – 1892 Johann Fügenschuh1892 – 1897 Leopold Eberhard1897 – 1919 Josef Anton Blanz1919 – 1933 Michael Haas1933 – 1939 Anton Schmid1939 – 1944 Karl Blanz1945 – 1947 Max Zillibiller1947 – 1948 Xaver Blenk1948 – 1960 Alois Haug1960 – 1984 Georg Scholl1984 – 2008 Roman Haug2008 – 2018 Adalbert Martin2018 – 2026 Sabine Rödelseit 2026 Tobias Keuschnig Bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 wurde Tobias Keuschnig zum Ersten Bürgermeister von Bad Hindelang gewählt. Er setzte sich im ersten Wahlgang mit 59,8 Prozent der Stimmen gegen die Amtsinhaberin Sabine Rödel durch, die das Amt von 2018 bis 2026 innehatte.
Wappen
Im Juni des Jahres 1872 ersuchte der Gemeindeausschuss von Hindelang um die Verleihung eines eigenen Gemeindewappens. Die obere Schildhälfte sollte – in Erinnerung an die frühere Zugehörigkeit zum Hochstift Augsburg – in schwarzer Farbe gehalten sein. Die untere Schildhälfte war in hellblau vorgesehen, als Anspielung auf die bayerischen Landesfarben. Als zentrales Bildmotiv wählte man eine Tanne, welche den traditionsreichen Holzhandel im Ostrachtal symbolisieren sollte. Am 31. August 1872 genehmigte König Ludwig II. auf Schloss Berg den vorgelegten Wappenentwurf sowie ein besonderes Banner in den Farben schwarz, weiß und blau. Das heutige Gemeindewappen zeigt dementsprechend eine silberne Tanne in einem waagrecht geteilten Schild in Schwarz und Blau.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche St. Johannes Baptist Kirche Unserer lieben Frau im Ostrachtal und St. Jodokus Evangelische Kirche Heimatmuseum in der Oberen Mühle im Ortsteil Bad Oberdorf Friedenshistorisches Museum im Ortsteil Bad Oberdorf Kutschenmuseum Hinterstein Schloss Hindelang (jetzt Rathaus): Der Augsburger Fürstbischof und Österreichische Erzherzog Sigismund Franz von Habsburg ließ das Gebäude 1660 als Jagdschloss erbauen. Fortan bis ins Jahr 1805 diente es als Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Augsburg. Nach der Säkularisation ging das Schloss in Staatsbesitz über, diente dann einige Jahre in privatem Besitz als Gasthaus („Zum Hasen“) und als Schulhaus, bis es schließlich zum Rathaus des Marktes ausgebaut wurde. Sehenswert ist die ehemalige Hauskapelle der Fürstbischöfe mit frühbarocken Gewölbestukkaturen und einem grünglasierten Rokoko-Kachelofen. Der ehemalige Stutenhof der Fugger ging später in den Besitz des Salzfaktors über. Dreikugelhaus, ehemaliger Amts- und Wohnsitz des Salzfaktors. Hammerschmieden im Ostrachtal – Nachdem die Grafen von Montfort Anfang des 16. Jahrhunderts die Bergwerksregalien verliehen bekommen hatten, eröffneten sie mehrere Erzgruben im Hintersteiner Tal im heutigen Gemeindegebiet von Bad Hindelang. In der Schmelzhütte zwischen Hinterstein und Oberdorf wurde das gewonnene Erz verhüttet. Es entstand eine beachtliche „Rüstungsindustrie“: Aus Aufzeichnungen in Innsbruck geht hervor, dass z. B. in den Jahren 1520 bis 1524 nahezu 20.000 Landsknecht-Spieße aus den Hindelanger Waffenschmieden für die Heere Kaiser Maximilians geliefert wurden. Drei dieser alten Hammerschmieden existieren heute noch. Heute werden hier u. a. schmiedeeiserne Bratpfannen hergestellt. Das seit 1999 jährlich veranstaltete Internationale Jochpassrennen-Memorial ist ein historisches Bergrennen für Oldtimer- und Youngtimerfahrzeuge. Der Hindelanger Erlebnis-Weihnachtsmarkt lockt jährlich etwa 60.000 Besucher an.
Bilder
Religion Die Bevölkerung von 5.414 Einwohnern verteilte sich 2024 auf mehrere religiöse Zugehörigkeiten:
56,35 % römisch-katholisch 7,86 % evangelisch-lutherisch 1,75 % sonstige Religionen 34,04 % konfessionslos
Katholische Kirche Der überwiegende Teil der religiösen Infrastruktur Bad Hindelangs ist katholisch geprägt. Die örtlichen Gemeinden gehören zum Dekanat Sonthofen innerhalb der Diözese Augsburg.
Am 1. September 2008 wurde Bad Hindelang zur Seelsorgeeinheit durch das Bischöfliche Ordinariat. Somit bilden die folgenden Pfarreien die Pfarreiengemeinschaft Bad Hindelang:
St. Johannes Baptist (Bad Hindelang) St. Jodokus (Bad Oberdorf) St. Antonius (Hinterstein) Heilig Geist (Oberjoch) Heiligste Dreifaltigkeit (Unterjoch)
Kirchen und Kapellen mini|Katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Bad Hindelang Zum Gebiet der Pfarreiengemeinschaft gehören zahlreiche Kirchen und Kapellen, darunter:
Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Bad Hindelang Filialkirche St. Leonhard, Liebenstein Filialkirche St. Jodokus, Bad Oberdorf Kapelle St. Thomas, Vorderhindelang Kapelle St. Silvester, Gailenberg Kapelle Heilig Kreuz, Reckenberg Pfarrkirche Heilig Geist, Oberjoch Kapelle St. Jakob, Oberjoch Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit, Unterjoch Kapelle Mariä Himmelfahrt, Untergschwend Dreifaltigkeitskapelle Krumenbach, Unterjoch Marienkapelle, Hotzenbauer Pfarrkirche St. Antonius, Hinterstein Kapelle St. Antonius von Padua (Hintere Kapelle), Hinterstein Marienkapelle (Vordere Kapelle), Hinterstein Kapelle in Bruck bei Hinterstein Kapelle St. Hubertus, Hinterstein
Religiöse Bräuche und Feste In Bad Hindelang werden verschiedene katholische Feste gepflegt, darunter:
Sternsingen Palmsonntag-Prozession mit Palmesel von Bad Oberdorf nach Bad Hindelang Fronleichnamsprozessionen in Bad Hindelang, Hinterstein und Unterjoch Mariä Himmelfahrt mit Kräuterboschen binden Bergmessen während der Sommermonate Gottesdienste an Ostern und Weihnachten
Evangelische Kirche mini|Evangelische Dreifaltigkeitskirche Die evangelisch-lutherischen Christen in Bad Hindelang gehören zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und sind der Kirchengemeinde Sonthofen zugeordnet. Zentraler Ort des Gemeindelebens ist die Dreifaltigkeitskirche. Sie wurde 1640 als Pestkapelle errichtet, 1748 zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht und wird seit 1940 als evangelische Kirche genutzt.