Roermond ([], ; , , Friedrich Schiller: Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande, von der spanischen Regierung. Bureau der deutschen Classiker, Karlsruhe 1817, S. 153.) ist eine Stadt und Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in der niederländischen Provinz Limburg. Sie liegt an der Grenze zu Deutschland und nahe Belgien.
Geographie Lage mini|Roermond an der Maas und der Rur mini|Roermond mitsamt Maasplassen im niederländischen und belgischen Limburg mini|Maashaven (ehemaliger Frachthafen nieuwe Maashaven), Roermond, August 2020 Die Stadt liegt an der Mündung der Rur (niederländisch Roer) in die Maas am rechten Maasufer. Die Innenstadt liegt unmittelbar an der Rur. Das Gemeindegebiet besteht im Wesentlichen aus dem rund fünf Kilometer breiten Streifen zwischen Maas und der Grenze zu Deutschland.
Durch Kiesabtragungen sind im Gemeindegebiet zahlreiche miteinander verbundene Seen entstanden, die Maasplassen (). Das rund 3000 Hektar große Gebiet ist das größte Binnen-Wassersportgebiet der Niederlande.
Geologie Roermond liegt im Erdbebengebiet Kölner Bucht. Vier Kilometer südwestlich der Stadt lag am 13. April 1992 das Epizentrum des Erdbebens von Roermond, eines Erdbebens der Magnitude 5,9 auf der Richterskala. Es war das stärkste Erdbeben in Mitteleuropa seit dem Jahre 1756.
Stadtteile Roermond gliedert sich in insgesamt 36 Stadtteile. Zum Jahresbeginn 2007 wurde die nördliche Nachbargemeinde Swalmen mit 8790 Einwohnern eingemeindet. Die Gemeindefläche vergrößerte sich durch die Eingemeindung erheblich von 46,87 auf 71,19 km².
Die zehn Stadtbezirke haben folgende Einwohnerzahlen:
Bezirk Jahr 2006 2012 2018 Centrum 9.010 9.360 10.160 Roermond-Oost 5.670 6.130 6.395 Roermond-Zuid 5.860 5.675 5.865 Maasniel 7.530 7.660 7.555 Donderberg 4.960 4.765 7.095 Hoogvonderen 6.120 5.825 3.360 Asenray 890 870 930 Herten 5.420 7.055 7.595 Swalmen – 8.670 8.660 Maasplassen – 150 125 Gesamt 45.460 56.160 57.740
Nachbargemeinden Beesel Leudal Maasgouw Roerdalen Brüggen (Deutschland) Niederkrüchten (Deutschland)
Name Der Stadtname Roermond legt zwar nahe, dass die Mündung (niederländisch monding) der Rur (Roer) in die Maas gemeint ist (wie Rijnmond), hat aber einen anderen Ursprung, allein da die Mündung der Rur in die Maas vor 1338 etliche Kilometer weiter westlich fern der Stadt lag. Die zweite Silbe mond stammt wahrscheinlich von der Bezeichnung „monte“ für eine Erhebung. Gemeint ist ein Burgberg, eine alte Befestigungsanlage, genannt Motte – Roermond bedeutet demnach „Rurburg“. Nach anderer Lesart ist „mond“ von lateinisch mundium – Stadt hergeleitet, also „Stadt an der Rur“ oder „Rurbrücke“ mit keltisch-germanisch „monde“ für „Brücke“.
mini|Stadtbefestigung um 1650 mini|Marktplatz 1793 mit französischer Truppenparade
Geschichte mini|Roermond im Mittelalter Die städtischen Ursprünge reichen bis zu den Römern zurück. Ein der Göttin Rura geweihter Altarstein, der im Stadtgebiet gefunden wurde, stammt aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Cäsar soll den römischen Ort „Villa Optima“, also „bester Wohnplatz“, genannt haben.
Die älteste bis heute erhaltene Urkunde, in der Roermond erwähnt wird, datiert von 1130; damals gehörte es zum Herzogtum Geldern. Im Jahr 1213 wurde Roermond vom deutschen Kaiser Otto IV. zerstört. Beim anschließenden Wiederaufbau begann man 1224 auch mit dem Bau der Münsterabtei, von der noch heute die Liebfrauen-Münsterkirche erhalten geblieben ist.
Im Jahr 1232 erhielt Roermond ein eigenes Siegel sowie das Recht, Steuern zu erheben und zur Rechtsprechung und wurde 1441 Hansestadt. Die Stadt erhielt 1472 das Recht zur Münzprägung. Von 1338 bis 1342 wurde der Lauf der Maas künstlich um etwa sieben Kilometer an die Stadtgrenze verlegt und damit auch die Rurmündung.
Nimwegen und das Oberquartier Gelderns kamen 1543 durch den Vertrag von Venlo unter spanische Herrschaft. Im Jahre 1554 ereignete sich der erste große Stadtbrand. 1559 wurde erstmals das Bistum Roermond gebildet; 1801 (zur „Franzosenzeit“) wurde es vorübergehend – bis 1853 – aufgelöst. 1665 kam es zum zweiten großen Stadtbrand.
Von 1702 bis 1716 war Roermond ein selbstständiger Staat. Anschließend gehörte es zu den Österreichischen Niederlanden, wobei die Stadt im Dezember 1792 unter Francisco de Miranda von der Ersten Französischen Republik eingenommen wurde. Im März 1793 eroberten die Österreicher Roermond zunächst zurück, bevor ihnen im April 1794 erneut die französischen Revolutionäre folgten, die die Kommune in Rurmonde umbenannten. Die Beherrschung Roermonds durch Napoleon I. (Département Meuse-Inférieure) währte bis 1814, als es von kaiserlich-russischen Truppen besetzt wurde. Von 1815 bis 1830 gehörte die Rurstadt dem neuen Königreich der Vereinigten Niederlande an, anschließend bis 1839 zu Belgien. Es folgte bis 1866 eine Doppelzugehörigkeit Ostlimburgs zu den Niederlanden und zum Deutschen Bund. Seit 1866 ist die Stadt wieder ausschließlich niederländisch.
Beim Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Niederlande (10. Mai 1940) war Roermond eine der wenigen Städte, in denen für einige Tage militärischer Widerstand geleistet wurde (Slag om Roermond).siehe auch niederländische Wikipedia Die Niederlande kapitulierten am 15. Mai 1940. Am 29. Dezember 1944 wurden etwa 3000 Männer zwischen 16 und 60 Jahren aus Roermond deportiert. Sie verbrachten die Nacht auf den 30. in Dülken im Freien, wurden am 30. mit dem Zug nach Wuppertal transportiert und von dort zur Zwangsarbeit in verschiedene Städte gebracht. Hieran erinnert seit 1953 ein Denkmal in der Nassaustraat in Roermond. Wenige Tage zuvor, am 26. Dezember, waren 14 Roermonder Männer im Alter zwischen 16 und 48 Jahren von der Wehrmacht in den Elmpter Wald getrieben worden, wo sie gezwungen worden waren, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln, und ohne Urteil erschossen wurden. Im Elmpter Wald erinnert an dieses Kriegsverbrechen das Mahnmal Lüsekamp.Bericht in der Westdeutschen Zeitung vom 2. Januar 2009, abgerufen am 21. September 2013 mini|Der Marktplatz von Roermond, rechts das Rathaus, im Hintergrund die Kathedrale Die Westalliierten eroberten das Geländedreieck zwischen Roermond, Sittard und Heinsberg im Rahmen der Operation Blackcock (14. bis 26. Januar 1945).Report on Operation 'Blaclcock' (PDF; 5,2 MB)
Die Wehrmacht befürchtete seit dem Geländeverlust durch die Operation Blackcock, dass ihr Frontabschnitt zwischen Heinsberg und Venlo, die seit Herbst 1944 provisorisch befestigte Maas-Rur-Stellung, beidseitig umfasst werden würde. Deshalb zogen sie sich aus diesem Frontabschnitt kampflos zurück. Sie sprengten vor ihrer Flucht am 28. Februar 1945 den Turm der Christoffelkathedraal, der Bischofskirche des Bistums Roermond.www.kathedraal-roermond.nl (auf 'Historie' klicken) Am 1. März erreichte die Recce Troop (Aufklärungseinheit) der 35. US-Infanteriedivision („Santa Fe Division“) das von der Wehrmacht bereits verlassene Roermond.
Im Jahre 2001 eröffnete in Roermond ein Outletcenter. 2013 wurde es von etwa 4,6 Millionen Menschen besucht. Berichterstattung auf Outlet-Center-Info.de, abgerufen am 21. April 2014 mini|Münsterkirche
Wappen Blasonierung: „Geteilt von Blau und Silber, oben ein doppelschwänziger, aufrechter, rotbezungter und -bewehrter, goldbekronter, goldener Löwe, unten eine rote heraldische Lilie. Der Schild ist mit einer goldenen Dreiblattkrone, geschmückt mit zwei Perlen, drei roten Rautensteinen und zwei blauen Ovalsteinen, bedeckt“.
Erklärung: Der Löwe repräsentiert den „Geldrischen Löwen“, das Wappentier Gelderns, an dem das Roermondsche Land, Obergeldern oder Oberquartier genannt, seit dem 13. Jahrhundert einen großen Anteil hatte. Die Lilie ist dem Wappen der Familie „van Wachtendonck“ (In Silber eine rote Lilie; siehe auch Wachtendonk mit Lilie im Wappen) entnommen, die etliche Vögte zu Roermond stellten. Ein Siegelstempel aus dem 13. Jahrhundert ist überliefert und zeigt die Lilie. Das älteste überlieferte Stadtsiegel Roermonds datiert von 1250 und stellt das Wappen der Herzöge von Geldern dar.
Der Wahlspruch Aequitas judicia tua domine, dt. „Gerechtigkeit sind deine Urteile, Herr“ nimmt auf Psalm 119:75 Bezug: Cognovi, Domine, quia aequitas judicia tua, et in veritate tua humiliasti me. = Herr, ich weiß, dass deine Urteile gerecht sind; in deiner Treue hast du mich gedemütigt. (Übersetzung nach Lutherbibel 2017)
Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten mini|Das Doppelgrab Graf met de Handjes auf dem Oude Kerkhof Liebfrauen-Münsterkirche (13. Jahrhundert). Im Inneren das Prunkgrab der Stifter Graf Gerhard IV. von Geldern und Gattin Margaretha von Brabant Kathedrale St. Christophorus (15. Jahrhundert). Im Inneren: Dalheimer Kreuz aus dem 13. Jh. Minderbroederskerk (15. Jahrhundert) Rathaus aus dem Jahre 1700 mit einem Glockenspielturm Yachthäfen Marienwallfahrtsort Kapelle in ’t Zand (Kapelle im Sand) mit dem Begraafplaats Nabij de Kapel in ’t Zand (Friedhof bei der Kapelle) mit dem ungewöhnlichen Doppelgrab Graf met de handjes (Grab mit den Händchen) spätgotische Begardenkapelle Resort Marina Oolderhuuske, schwimmende Häuser auf dem Maassee Hatenboer (Zuidplas) mit eigener Marina (Hafen), Campingplatz und Restaurant
Politik Seit ihrer Gründung konnte die Liberale Volkspartij Roermond jede Wahl für sich entscheiden. Bei der Kommunalwahl am 18. März 2026 konnte sie ihr bestes Ergebnis mit rund 36 Prozent aller Wählerstimmen erzielen. Sie formt in der Legislaturperiode 2026–2030 eine Koalition mit Demokraten Swalmen, VVD und CDA.
Sitzverteilung im Gemeinderat
Der Gemeinderat wird seit 1982 folgendermaßen gebildet: Partei Sitze 1982 1986 1990 1994 1998 2002 2006 2010 2014 2018 2022 2026 Liberale VolkspartijRoermond – – – – – – – – 10 9 11 13 PRO – – – – – – – – – – – 7 Demokraten Swalmen – – – – – – 3 2 3 3 3 4 VVD 5 4 4 5 7 10 9 11 3 2 2 3 CDA 9 8 9 7 5 7 5 5 5 5 3 2 D66 0 – 1 1 1 1 0 1 2 2 2 2 Stadspartij Roermond – – – – – – 1 1 1 1 2 1 PvdD – – – – – – – – – – – 1 SP – – – – – – 3 2 – 1 1 0 GroenLinks – – 3 4 4 3 2 2 4 7 5 – PvdA 3 7 4 4 4 4 5 4 3 0 2 – DENK – – – – – – – – – 1 – – BurgerbelangenRoermond – – – – – 3 3 2 0 – – – Partij Voor De Eenheid – – – – – – – 1 0 – – – Liberalen ’97 – – – – 0 1 – – – – – – Demokraten Maasniel,Asenray, Leeuwen 3 3 3 3 3 – – – – – – – Demokraten Roermond – – 3 2 2 – – – – – – – Algemeen OuderenVerbond – – – – 1 – – – – – – – Unie 55+ – – – – – – – – – – – Centrum Democraten – – – 1 – – – – – – – – Demokraten RoermondVeld, Kapel, Kemp,Kitskensberg 1 1 – – – – – – – – – – Roermond Links 1 1 – – – – – – – – – – Raad ’70 2 1 – – – – – – – – – – Donderberg/Hoogvonderen 1 – – – – – – – – – – – Gesamt 25 25 27 27 27 29 31 31 31 31 31 33
Anmerkungen
Kollegium von Bürgermeister und Beigeordneten Die Koalitionsparteien CDA, D66, Demokraten Swalmen und GroenLinks stellen dem Kollegium im Zeitraum von 2018 bis 2022 die Beigeordneten bereit. Abgesehen von GroenLinks steuern alle Parteien jeweils einen Beigeordneten bei, jene hingegen sind mit zwei Beigeordneten im Kollegium zugegen. Folgende Personen gehören zum Kollegium und sind in folgenden Bereichen zuständigCollege van B & W Gemeente Roermond, abgerufen am 24. August 2018 (niederländisch):