Die Inuit Ataqatigiit ( für „Gemeinschaft der Inuit“ bzw. „Gemeinschaft der Menschen“) ist eine politische Partei in Grönland.

Geschichte Die Inuit Ataqatigiit bildete sich 1976 als politische Gruppe. Sie nahm eine Position links des Gleichgewichts aus sozialdemokratischer Siumut und konservativer Atassut ein.Einar Lund Jensen, Helge Schultz-Lorentzen: Inuit Ataqatigiit (IA). Danmarks Nationalleksikon. Am 21. November 1978 erfolgte die offizielle Gründung als politische Partei.Kristian Poulsen: Nogle bemærkninger til bogen Inuit, kultur og samfund - en grundbog i eskimologi. Atuagagdliutit (5. Oktober 1999). S. 18. Ihr Ziel war die Unabhängigkeit von Dänemark und eine internationale Zusammenarbeit mit den Inuit in Kanada und Alaska. Im Laufe der Jahre bewegte sich die Partei immer weiter auf die Mitte zu und gewann an Zustimmung.

Bei der ersten Parlamentswahl 1979 konnte die Inuit Ataqatigiit noch keinen Parlamentssitz erzielen, da die Polarisierung von Siumut und Atassut zu groß war. In den folgenden Jahren gelang ihr jeweils der Einzug ins Parlament, wo die Partei dafür sorgte, dass weder Siumut noch Atassut die absolute Mehrheit erzielen konnte. Daher entschied die Inuit Ataqatigiit mittels Koalitionen über den Regierungschef, wobei die Entscheidung immer zugunsten der politisch näherstehenden Siumut ausfiel. Bis 2002 verbesserte die Partei ihr Wahlergebnis jedes Mal. Im selben Jahr stellte sie auch erstmals die zweitstärkste Kraft im Land dar. Nach einem leichten Stimmenrückgang 2005 gelang der Partei 2009 ein Erdrutschsieg, bei dem sie ihr Ergebnis verdoppelte. Dadurch stellte die Inuit Ataqatigiit von 2009 bis 2013 mit Kuupik Kleist zum ersten Mal einen Premierminister, der nicht der Siumut angehörte. Seither ging die Stimmenzahl bei jeder Wahl wieder zurück, auch wenn die Partei nach der Siumut weiterhin die zweitstärkste Kraft war.

2021 konnte die Partei zum zweiten Mal in der Parteigeschichte die Wahl gewinnen. Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stand der Widerstand gegen den geplanten Uranabbau in Narsaq.Reinhard Wolff: Machtwechsel wegen Streit um Uran. taz (7. April 2021). Bei der Wahl 2025 verlor die Partei die Macht wieder und wurde nur drittstärkste Kraft.

Politische Ausrichtung Nachdem sich die Partei anfangs noch sehr auf die Unabhängigkeit als alleiniges Ziel konzentriert hatte, setzt sich die Inuit Ataqatigiit mittlerweile für eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit der grönländischen Wirtschaft ein, ohne die eine Unabhängigkeit allein aus finanzieller Sicht unmöglich ist. Sie will die Fischerei stärken und außerdem Bergbau unter Berücksichtigung von Umwelt und Gesundheit als Einnahmequelle nutzen, lehnt aber den Uranabbau ab und möchte mehr auf den Tourismus setzen sowie die grönländischen Exportmöglichkeiten verbessern. Daneben setzt sie sich für eine soziale Politik und beispielsweise die Aufnahme von Flüchtlingen ein.2017 deklaration fra landsmødet. Inuit Ataqatigiit.Camilla Dam: Inuit Ataqatigiit og kandidaterne. Kalaallit Nunaata Radioa (7. November 2014).Inuit Ataqatigiit – pilersaarutaat nunattalu siunissaanut neriuutaat – planer og håb for landets fremtid. Inuit Ataqatigiit.

Internationale Verbindungen Die Partei ist seit 2009 Mitglied der Nordischen Grünen Linken (NGL).

Parteivorsitzende 1978–1980: Zentralkomitee 1980–1993: Aqqaluk Lynge 1993–1994: Johan Lund Olsen 1994–2007: Josef Motzfeldt 2007–2014: Kuupik Kleist 2014–2018: Sara Olsvig seit 2018: Múte B. Egede

Wahlergebnisse Parlamentswahlen Wahl Stimmen Stimmenanteil Sitze Platz Folge 1979 813 4,4 % 4 nicht im Parlament vertreten 1983 2.612 10,6 % 3 ohne Ministerposten in der Regierung 1984 2.732 12,1 % 3 Juniorpartner der Regierung 1987 3.823 15,3 % 3 Juniorpartner der Regierung, ab 1988 Opposition 1991 4.848 19,4 % 3 Juniorpartner der Regierung 1995 5.180 20,3 % 3 Opposition 1999 6.217 22,1 % 3 Juniorpartner der Regierung, später Opposition 2002 7.243 25,6 % 2 Opposition 2005 6.517 22,6 % 3 Juniorpartner der Regierung 2009 12.457 44,1 % 1 Seniorpartner der Regierung 2013 10.374 34,7 % 2 Opposition 2014 9.783 33,5 % 2 Opposition, ab 2016 Juniorpartner der Regierung 2018 7.478 25,8 % 2 Opposition 2021 9.912 37,4 % 1 Seniorpartner der Regierung 2025 6.119 21,6 % 3 Juniorpartner der Regierung

Folketingswahlen Wahl Stimmen Stimmenanteil Sitze Platz Abgeordneter 1981 Kandidaten im Kandidatenverbund angetreten 1984 2.939 13,7 % 3 nicht vertreten 1987 2.001 12,5 % 3 nicht vertreten 1988 3.628 17,3 % 3 nicht vertreten 1990 3.281 17,0 % 3 nicht vertreten 1994 Kandidaten im Kandidatenverbund angetreten 1998 4.988 20,7 % 3 nicht vertreten 2001 7.172 30,8 % 1 Kuupik Kleist 2005 5.785 25,0 % 2 Kuupik Kleist 2007 8.347 33,2 % 1 Juliane Henningsen 2011 9.587 42,6 % 1 Sara Olsvig 2015 7.914 39,2 % 1 Aaja Chemnitz Larsen 2019 6.881 34,4 % 1 Aaja Chemnitz Larsen 2022 4.852 25,2 % 2 Aaja Chemnitz 2026 6.133 29,2 % 1 Naaja H. Nathanielsen

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Partei (Grönland) Kategorie:Sozialistische Partei Kategorie:Parteigründung 1978