mini|hochkant|Schloss Nöthnitz (November 2010). Schloss Nöthnitz liegt in der Gemeinde Bannewitz im Freistaat Sachsen. Es befindet sich im Dorf Nöthnitz an der südlichen Stadtgrenze von Dresden unweit der BAB 17 (Anschlussstelle Dresden-Südvorstadt).
Geschichte mini|hochkant|Nöthnitz und Schloss Nöthnitz um 1850. Die heutige Schlossanlage gründet sich auf einen mittelalterlichen Kern, dessen Grundbesitz 1453 vom Bistum Meißen an die sächsischen Kurfürsten überging. Die Kurfürsten verlehnten den Besitz an adlige Familien. 1524 wird ein Rittergut Nöthnitz genannt.
1629 kauft der kursächsische Oberkammerherr und Hofmarschall Heinrich von Taube auf Reichstädt Nöthnitz für 6500 Gulden. Von Taube lässt um 1630 den Renaissancebau des Schlosses von einem heute unbekannten Baumeister errichten.
Bei dem Neubau handelt es sich um eine U-förmige Dreiflügelanlage mit einem nach Nordwesten gerichteten Hauptgebäude und zwei Seitenflügeln. In einer Ecke des Hofes befindet sich ein achteckiger Treppenturm mit Wendeltreppe und Fensterprofilen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Aus der gleichen Zeit stammt auch das Kreuzgewölbe im Erdgeschoss des Haupthauses. An den eigentlichen Schlosshof schließt sich ein weitläufiger Wirtschaftshof an.
Nöthnitz geht in 1681 in den Besitz der Familie Vitzthum von Eckstädt über. Das Schloss fiel 1739 nach der Vermählung mit Christiane von Arnim in den Besitz von Heinrich Graf von Bünau, der hier ab 1740 seine etwa 42.000 Bände umfassende, öffentlich benutzbare Privatbibliothek aus Dresden unterbrachte. Die Bünauische Bibliothek war seinerzeit weit über Nöthnitz hinaus bekannt, sie gehörte zu den umfangreichsten Büchersammlungen in Sachsen.
Der Archäologe, Antiquar und Kunstschriftsteller Johann Joachim Winckelmann aus Stendal arbeitete hier von 1748 bis 1754 als Bibliothekar mit Johann Michael Francke zusammen. Er gilt als der Begründer von wissenschaftlicher Archäologie und Kunstgeschichte und als geistiger Begründer des Klassizismus im deutschsprachigen Raum. Er unterstützte Bünau bei seinem unvollendeten epochalen Geschichtswerk über die deutsche Kaiser- und Reichsgeschichte, deren letzter Band mit dem Tod Konrads I. im Jahr 918 abschließt, jedoch als Manuskript bis zu den Ottonen ging. Heute erinnert eine Gedenkplatte mit Winckelmanns Porträt an sein Wirken.
Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) wurde das Schloss stark beschädigt. Der gleichnamige Sohn und Erbe, Heinrich Graf von Bünau, sah sich aus finanziellen Gründen gezwungen, 1769 die Privatbibliothek seines Vaters für 40.000 Taler an Kurfürst Friedrich August III. zu verkaufen. Die Bestände wurden nach Dresden ausgelagert und bildeten später den Grundstock der heutigen Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. (SLUB).
Während der Freiheitskriege diente Schloss Nöthnitz im Rahmen der Schlacht um Dresden am 25./26. August 1813 als Hauptquartier von Zar Alexander I. und Fürst Karl Philipp zu Schwarzenberg.
Bis 1945 durchlief das Schloss noch mehrere Besitzerwechsel. 1871 gelangte es in den Besitz des Kammerherren Rudolf Carl Freiherr von Finck, der das Schloss 1872/73 umbauen und modernisieren ließ. Dabei erfolgte die Aufstockung um ein Geschoss. In Fortsetzung der Bünauischen Tradition trug von Finck eine neue Bibliothek zusammen.
1945 brannte der Gebäudeflügel mit der Bibliothek nach einem Bombentreffer aus. Nach der Enteignung im Zuge der Bodenreform wurde das Anwesen zum Volkseigentum erklärt und als Landwirtschaftsschule (Ingenieurschule für Zierpflanzenwirtschaft)Kolloquium in Nöthnitz 1974 zu „Winckelmann als Bibliothekar und Exzerptor“ (Originalveröffentlichung in: Mitteilungen der Winckelmann-Gesellschaft, Stendal 1975, S. 15–17) (PDF 120 kB). samt Internat genutzt. Der Maler Erich Gerlach schuf 1959 ein Gemälde mit dem Titel Einst Rittergut, jetzt landwirtschaftliche Schule in Nöthnitz (Öl, 60 × 80 cm).Abbildung, In: Das Blatt des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands. Berlin, 1/1961, S. 11.
1990 ging das Schloss in das Eigentum des Landes Sachsen über, das es ab 1991 über die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft an Viktor Freiherr von Finck vermietete und 1997 an ihn verkaufte. Seitens des Freistaates wurde die künftige öffentliche Nutzung des Schlossparks, der Elemente einer barocken Gartenanlage und eines englischen Landschaftsparks aufweist, vertraglich festgeschrieben. Viktor Freiherr von Finck gründete unter anderem 1991 den Verein Studienstätte Schloss Nöthnitz e.V., der sich dem Gedenken an Johann Joachim Winckelmann und Heinrich von Bünau widmet.
Einige Räume des teilsanierten Schlosses wurden bis Mai 2009 als Museum (Winckelmann-Gedenkstätte) mit der Sammlung Wolfgang von Wangenheims und als Kultur- und Veranstaltungsstätte genutzt.
Der nach einem Sturz gehbehinderte 89-jährige Freiherr von Finck († 27. April 2010) verkaufte das Schloss aus Alters- und Krankheitsgründen im April 2009 an den österreichisch-tschechischen Unternehmer Jan David Horsky.Ein Österreicher erwirbt Schloss Nöthnitz, Sächsische Zeitung vom 16. April 2009, abgerufen am 18. August 2010„Der Streit zwischen dem Verein Studienstätte Schloss Nöthnitz und dem Eigentümer Jan David Horsky bleibt unentschieden.“ In: SZ-Online vom 10. Januar 2011 (kostenlose Vorschau). Abruf 9. Februar 2011.„Räumungsklage gegen Nöthnitzer Studienstätte“ - Sächsische Zeitung vom 5. Januar 2011, Abruf 6. Februar 2011. Dieser reichte Räumungsklage gegen den Verein Studienstätte Schloss Nöthnitz ein. Die Spuren der ehemaligen Winckelmann-Ausstellung führen nach Stendal zum Winckelmann-MuseumWinckelmann-Gesellschaft.com.: Ausstellungs- und Begegnungszentrum: „...Teil der Sammlung, die Wolfgang von Wangenheim in knapp zwei Jahrzehnten zusammengetragen und vor kurzem dem Winckelmann-Museum geschenkt hat...“. und nach Bannewitz zum Bürgerhaus.Winckelmann-Jubiläum in Bannewitz: „Der 300. Geburtstag von Johann Joachim Winckelmann soll auch in Bannewitz beginnend mit dem Wochenende 22./23. September 2017 als Auftaktveranstaltung für fast ein Jahr bis zu seinem 250. Todestag am 8.6.2018 würdig begangen werden...Anlässlich des Jubiläums hat die Gemeinde Bannewitz im Bürgerhaus dem sich neu gegründeten Geschichtsverein Bannewitz einen Raum zur Verfügung gestellt. „Winckelmannstube“ wird sein Name sein und Bücher zur Kunstgeschichte des Mittelmeerraumes beherbergen, die vormals in der Studienstätte Schloss Nöthnitz verwaltet wurden und zur Ansicht standen“.
Am 30. März 2019 gründeten interessierte Bürger aus Bannewitz und Umgebung den „Förderverein Freunde Schloss Nöthnitz e.V.“. Jan David Horsky jun. ließ 2022 die untere Fassade des Schlosshofs weiß streichen und Türen sowie Fenster aufarbeiten.
Der Haushaltsausschuss des Bundestags beschloss im Juli 2024 eine Förderung in Höhe von 345.000 Euro für das Schloss Nöthnitz aus dem Denkmalschutzsonderprogramm. Damit sollen eine Wand des Nordflügels und das Dach des Südflügels saniert werden. Im Zuge dessen werden auch Dachausbauten aus den 1950er Jahren entfernt und die historische Dachkonstruktion wiederhergestellt.
Eigentümer Jenike Jawszk 1502–1509 Franz Gauzt 1509–1524 Georg Alnbeck 1524–1540 Wenzel und Hieronymus Alnbeck 1540–1606 Georg Bock 1606–1610 Dr. Joachim Ziegler 1610–1629 Heinrich von Taube 1629–1681 Christoph Vitzthum von Eckstädt 1681–1712 Gottlob Vitzthum von Eckstädt 1712–1713 Henriette Helene Vitzthum von Eckstädt 1713–1719 Rudolph von Bünau durch Heirat mit Henriette Helene Vitzthum von Eckstädt 1719–1720 Hauptmann Johann Christoph von Wolfframsdorff 1720–1732 Christiane Elisabeth von Arnim 1732–1739 Heinrich von Bünau durch Heirat mit Christiane Elisabeth von Arnim 1739–1762 Christiane Elisabeth von Arnim 1762–1766 Heinrich II Graf von Bünau 1766–1782 Gottlob Benjamin von Sahr 1792–1814 Christiane Juliane von Sahr geb. von Reizmann 1814–1820 Julius Bernhard von Könneritz 1820–1871 Rudolf Carl Freiherr von Finck 1871–1920 Carl Freiherr von Finck 1920–1945 (Enteignung im Zuge der Bodenreform) Volkseigentum 1945–1990 Freistaat Sachsen 1990–1997 Viktor Freiherr von Finck 1997–2009 Jan David Horsky (österreichisch-tschechischer Unternehmer) 2009–2012 † 18. Februar 2012SZ-Trauer: Horsky. Jan David Horsky jun.
Siehe auch Liste von Burgen und Schlössern in Sachsen
Literatur Klaus-Werner Haupt: Johann Joachim Winckelmann im Kreise der Gelehrten. Bertuch Verlag, Weimar 2018, ISBN 978-3-86397-096-3. Matthias Donath: Schlösser in Dresden und Umgebung. Edition Sächsische Zeitung, Meißen 2007. Ulrike Götz: 10 Jahre Studienstätte Schloss Nöthnitz e.V. Zum Gedenken an J. J. Winckelmann und Graf Bünau. Bannewitz 2001. Ulrike Götz: Museumsführer Schloß Nöthnitz. Gedenkstätte für Johann Joachim Winckelmann und Graf Heinrich von Bünau. Chemnitz 1996. Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen. Heft 24: Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt (Land), Hrsg. K. Sächsisches Ministerium des Innern-K. Sächsischer Alterthumsverein, C. C. Meinhold & Söhne, Dresden 1904, S. 86 ff. F. Heise, G. A. Poenicke: "Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen." Nach der Natur neu aufgenommen, Teil II: Meissner Kreis. Expedition-Selbstverlag, Leipzig 1856, S. 187 f.
Weblinks
Förderverein Freunde Schloss Nöthnitz e.V.
Einzelnachweise
Kategorie:Schloss im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Kategorie:Kulturdenkmal in Bannewitz Kategorie:Bauwerk in Bannewitz Nothnitz