Hartmann von Habsburg (* vielleicht um 1263 in Rheinfelden; † 21. Dezember 1281 im Oberrhein zwischen Breisach und Oppenheim) war ein Sohn des römisch-deutschen Königs Rudolf I. von Habsburg (1218–1291); er führte die Titel Graf von Habsburg und Kyburg sowie Landgraf des Elsass.

Leben mini|Rheinfelder „Inseli“, wo im Mittelalter die Burg „Stein“ stand, langjähriger Sitz Gertruds von Hohenberg und möglicher Geburtsort ihres Sohnes Hartmann Hartmann war der zweitälteste Sohn von Rudolf und Königin Anna (von Hohenberg), dessen erster Ehefrau († 1281), die bis zur Krönung 1273 Gertrud hieß und als Stammmutter der habsburgischen Herrscher gilt.Martin Gerbert: Feyerliche Uebersetzung der kaiserlich-königlich- auch herzoglich-oesterreichischen höchsten Leichen aus ihren Grabstädten Basel, und Königsfelden in der Schweiz nach dem fürstlichen Stift St. Blasien auf dem Schwarzwald den 14ten Wintermonats 1770. St. Blasien 1770. p. 10. Trotz Primogenitur war beabsichtigt, das römisch-deutsche (oder aber arelatische) Königtum auf ihn und nicht auf seinen älteren Bruder Albrecht (1255–1308) zu übertragen. In dieser Perspektive wurde Hartmann 1278 mit Johanna, einer Tochter des englischen Königs Eduard I., verlobt. Somit war er designierter Thronfolger, vermutlich seines Vaters Lieblingssohn und schon in jungen Jahren mit politischen und militärischen Aufgaben betraut (siehe unten). Angeblich nur 18-jährig ertrank der Bräutigam jedoch kurz vor Weihnachten 1281 nördlich von Breisach bei einem Bootsunglück im Rhein,Fritz Kern (ed.): Acta imperii Angliae et Franciae: ab A. 1267 ad A. 1313. Tübingen 1911. p. 15.Martin Gerbert: De Translatis Habsburgo-Austriacorum Principum, Eorumque Coniugum Cadaveribus Ex Ecclesia Cathedrali Basileensi Et Monasterio Koenigsveldensi In Helvetia Ad Conditorium Novum Monasterii S. Blasii In Silva Nigra. St. Blasien 1772. pp. 16, 115. womit die Heiratsallianz der Häuser Habsburg und Plantagenet nicht zustande kam.

Bestattung und Umbettungen Hartmanns (ausgenommener?) Leichnam wurde bei seiner Mutter und seinem jüngsten Bruder Karl (ebenfalls † 1281) im Basler Münster bestattet, während die Eingeweide (oder üblicherweise das Herz in einer Herzkapsel) angeblich separat in der romanischen Klosterkirche Rheinau beigesetzt wurden (siehe unten). Bis zu ihrem Abbruch Anfang des 17. Jh. befand sich in der Klosterkirche ein Grab Hartmanns, während im barocken Neubau bis heute nur ein Epitaph prangt, das nachstehend im Detail behandelt wird.

Im November 1770 wurden Hartmanns, Annas und Karls sterbliche Überreste anlässlich der „[f]eyerliche[n] Uebersetzung der kaiserlich-königlich- auch herzoglich-oesterreichischen höchsten Leichen aus ihren Grabstädten Basel, und Königsfelden in der Schweiz[…]“Cf. Martin Gerbert: Feyerliche Uebersetzung der kaiserlich-königlich- auch herzoglich-oesterreichischen höchsten Leichen aus ihren Grabstädten Basel, und Königsfelden in der Schweiz nach dem fürstlichen Stift St. Blasien auf dem Schwarzwald den 14ten Wintermonats 1770. St. Blasien 1770; idem: De Translatis Habsburgo-Austriacorum Principum, Eorumque Coniugum Cadaveribus Ex Ecclesia Cathedrali Basileensi Et Monasterio Koenigsveldensi In Helvetia Ad Conditorium Novum Monasterii S. Blasii In Silva Nigra. St. Blasien 1772. in den Dom der Benediktinerabtei St. Blasien im Südschwarzwald überführt. Im Zuge der Säkularisation wurden sie Anfang des 19. Jh. nach Kärnten in die Basilika des Benediktinerstifts St. Paul im Lavanttal verbracht, wohin auch die st. blasianische Mönchsgemeinschaft übersiedelt war.Helge Reindl: „Morgenstunde des Habsburgerreiches“ in: Wiener Zeitung. 14. November 2021.

Das Hartmann-Epitaph in der ehemaligen Klosterkirche Rheinau in der Schweiz mini|Barocke Kirche des ehemaligen Klosters Rheinau mit Inselbrücke In der von 1705 bis 1710 errichteten Barockkirche Mariä Himmelfahrt der ehemaligen Benediktinerabtei Rheinau nahe Schaffhausen, die auf einer Insel in einer Schlinge des Hochrheins liegt, findet sich das einzige erhaltene Grabmal für Hartmann von Habsburg. Jenes im Basler Münster soll beim Erdbeben von 1356 zerstört worden sein, worauf man seine Gebeine mit denen seiner Mutter und seines Bruders Karl in der noch heute erhaltenen Kastentumba zusammengelegt habe.Daniel Grütter: „Das Grabmal der Königin Anna von Habsburg im Basler Münster“ in: Kunst + Architektur in der Schweiz. Band 53, Heft 1 (2002). p. 61.Martin Gerbert: Feyerliche Uebersetzung der kaiserlich-königlich- auch herzoglich-oesterreichischen höchsten Leichen aus ihren Grabstädten Basel, und Königsfelden in der Schweiz nach dem fürstlichen Stift St. Blasien auf dem Schwarzwald den 14ten Wintermonats 1770. St. Blasien 1770. pp. 11, 13. Die ovale Gedenktafel im vierten Joch der Rheinauer Kirche neben dem Marienaltar wird von einer stuckierten Ädikula umrahmt und weist auf schwarzem Grund eine goldige Inschrift auf. Das Ensemble wurde 1716–1717 vom Stuckateur Franz Schmuzer geschaffen, einem Exponenten der Wessobrunner Schule.Marion Wohlleben (ed.): Die Klosterkirche Rheinau – der Bau und seine Restaurierung. Zürich und Egg 1997. p. 88.Hermann Fietz: Der Bau der Klosterkirche von Rheinau. Zürich 1932. pp. 32, 42, 106. Im heutigen Zustand zeigt die Tafel zwei unvollständige neulateinische Texte von 1710 bzw. 1770, die in den unteren zwei Dritteln ähnlich einem Palimpsest übereinander liegen und hier unten in zwei synoptischen Tabellen transkribiert und übersetzt sowie danach kommentiert werden. Wie es zur Verwischung der beiden Inschriften kam, etwa durch Auflösung der verwendeten Farben, ist in der einschlägigen Literatur nicht überliefert (siehe „Sekundärliteratur“ unten).

Die lateinischen Texte des Hartmann-Epitaphs in Übersetzung mini|Hartmann-Epitaph in Stuckädikula mit Habsburger Löwen in bekrönter Kartusche Der jüngere, noch heute prominente Text, der zu einem Gutteil lesbar ist, wurde mittels Autopsie und der Wiedergabe in Martin Gerberts Schrift von 1770Martin Gerbert: Feyerliche Uebersetzung der kaiserlich-königlich- auch herzoglich-oesterreichischen höchsten Leichen aus ihren Grabstädten Basel, und Königsfelden in der Schweiz nach dem fürstlichen Stift St. Blasien auf dem Schwarzwald den 14ten Wintermonats 1770. St. Blasien 1770. p. 12. rekonstruiert, die jedoch kleinere Unstimmigkeiten enthält. Gerbert fungierte von 1764 bis 1793 als Fürstabt von St. Blasien, wohin er 1770 die Überführung von sterblichen Überresten früher Habsburger aus der Klosterkirche Königsfelden und dem Basler Münster veranlasste (siehe oben), wovon die im selben Jahr erschienene Schrift handelt. Der ältere Text wiederum, der in den unteren zwei Dritteln durchscheint, jedoch nicht mehr vollständig sichtbar ist, wird in der Rheinauer KlostergeschichteMoritz Hohenbaum van der Meer: Millenarium Rhenaugiense. St. Blasien 1769. pp. 154, 413/212. wiedergegeben, die Mauritius respektive Moritz Hohenbaum van der Meer 1769 verfasst hat, sowie in einem KurzbeitragE. A. Stückelberg: „Das Denkmal Hartmanns von Habsburg in Rheinau“ in: Schweizerisches Archiv für Heraldik. Band 15, Heft 2 (1901). p. 49. von 1901 in einer Schweizer Zeitschrift für Heraldik. Van der Meer fungierte von 1758 bis 1774 als Prior des Klosters und setzte sich in mehreren Schriften vertieft mit dessen Geschichte auseinander.Johann Georg Mayer: „Leben und Schriften des Pater Moriz Hohenbaum van der Meer, Benediktiner im Stifte Rheinau“ in: Freiburger Diöcesan-Archiv. Band 11 (1877). pp. 1–34.

Während der Verfasser des älteren Epitaphtextes unbekannt ist, geht aus dem Kapitel Dissertatio de infelici naufragio Hartmanni Habspurgici Rudolphi I. imperatoris filiiMoritz Hohenbaum van der Meer: Millenarium Rhenaugiense. St. Blasien 1769. pp. 408/207-415/214. („Abhandlung vom unglücklichen Schiffbruch des Habsburgers Hartmann, Sohn Kaiser Rudolfs I.“) in Van der Meers Rheinauer Klostergeschichte von 1769 hervor, dass der Prior selbst den jüngeren Text verfasst hat, um den älteren zu berichtigen respektive anzureichern.Moritz Hohenbaum van der Meer: Millenarium Rhenaugiense. St. Blasien 1769. pp. 414/213-415/214. Dies betrifft namentlich die Titulatur Hartmanns, seine Rangfolge unter den Söhnen Rudolfs, sein Sterbejahr sowie die Erwähnung der Verlobung mit Johanna von England und der Räuberburg „Krenckingen“ (siehe unten). Ob ein Zusammenhang zwischen der Überschreibung des Epitaphs 1770 und der im gleichen Jahr veranstalteten Überführung von Hartmanns sterblichen Überresten aus dem Basler Münster in die Klosterkirche St. Blasien besteht, ist nicht bezeugt. Oberer Epitaphtext von 1770 (Abkürzungen aufgelöst): HARTMANNO COMITI DE HABSBURG ET DE KIBURG, ALSATIAE LANDGRAVIO, RUDOLPHI PRIMI AUGUSTI IMPERATORIS FILIO CHARISSIMO, IN SPEM REGNI ET IMPERII NATO, IM[M]O DESTINATO, JOANNAE EDUARDI I. ANGLIAE REGIS FILIAE SPONSO LECTISSIMO. QUUM DEVASTATA KRENCKINGEN, RHENAUGIAE INFESTA ALIISQUE ARCIBUS OPTATA QUIETE TOTA GAUDERET GERMANIA, DIE XX. DECEMBRIS ANNO M.CC.LXXXI. CUM XIII. NOBILIBUS HIC AD INFERIOREM PONTEM RHENI INFELICI NAUFRAGIO SUBMERSO, HOC AETERNAE MEMORIAE MONUMENTUM, PIA RECONDENS VISCERA, (CORPORE BASILEAE SEPULTO) RESTAURAVIT REVERENDISSIMUS, PERILLUSTRIS ET AMPLISSIMUS DOMINUS DOMINUS. JANUARIUS HUIUS MONASTERII ABBAS ANNO M.D.CC.LXX.Eigene Übersetzung: HARTMANN DEM GRAFEN VON HABSBURG UND KYBURG, DEM LANDGRAFEN DES ELSASS, SEINER MAJESTÄT KAISER RUDOLFS I. LIEBSTEM SOHN, GEBOREN IN DER HOFFNUNG AUF DAS KÖNIG- UND KAISERTUM, JA SOGAR [dazu] BESTIMMT, JOHANNAS DER TOCHTER KÖNIG EDUARDS I. VON ENGLAND AUSERLESENSTEM VERLOBTEN. NACHDEM KRENKINGEN VERWÜSTET WORDEN WAR, RHEINAU [gegenüber] FEINDSELIG UND WEITERE FESTUNGEN [verwüstet worden waren] DES ERWÜNSCHTEN FRIEDENS GANZ DEUTSCHLAND SICH ERFREUE, AM 20. TAGE DES DEZEMBERS IM JAHRE 1281 MIT 13 EDELLEUTEN HIER AN DER UNTEREN RHEINBRÜCKE IN UNGLÜCKLICHEM SCHIFFBRUCH VERSUNKEN, DIESES DENKMAL DES EWIGEN ANDENKENS, DIE SELIGEN EINGEWEIDE AUFBEWAHREND, (NACHDEM DER LEICHNAM IN BASEL BESTATTET WORDEN WAR) HAT WIEDERHERGESTELLT DER EHRWÜRDIGSTE, HOCHANGESEHENE UND ERLAUCHTESTE HERR, HERR JANUARIUS ABT DIESES KLOSTERS IM JAHRE 1770Unterliegender Epitaphtext von 1710 (Abkürzungen aufgelöst): HARTMANNO SERENISSIMO PRINCIPI AUSTRIACO COMITI HABSPURGICO LANDGRAVIO ALSATIAE RUDOLPHI I. AUGUSTI IMPERATORIS FILIO NATU MINIMO QUUM DEVASTATIS PRAEDONUM ARCIBUS OPTATA QUIETE TOTA GAUDERET GERMANIA DIE 20 DECEMBRIS ANNO 1280 CUM 13 NOBILIBUS HIC AD INFERIOREM RHENI PONTEM INFELICI NAUFRAGIO SUBMERSUS CUIUS VISCERA CORPORE BASILEAM DEVECTO HIC LOCI IN VETERI IAM DEST[R]UCTA BASILICA ANTE ANNOS 430 FUERE CONDITA. HOC PIUM AETERNAE MEMORIAE MONUMENTUM STATUIT GEROLDUS II. ABBAS RHENOVIENSIS CUIUS OPERA ET LABORE NOVA HAEC SPLENDIDIOR BASILICA EXTRUCTA [sic] FUIT ET CONSECRATA ANNO 1710Eigene Übersetzung: HARTMANN DEM DURCHLAUCHTIGSTEN ÖSTERREICHISCHEN PRINZEN DEM HABSBURGISCHEN GRAFEN LANDGRAFEN DES ELSASS DES ERHABENEN KAISERS RUDOLPH I. JÜNGSTGEBORENEM SOHN NACHDEM DIE RÄUBERBURGEN VERWÜSTET WORDEN WAREN DES ERWÜNSCHTEN FRIEDENS GANZ DEUTSCHLAND SICH ERFREUE AM 20. DEZEMBERTAGE IM JAHRE 1280 MIT 13 EDELLEUTEN HIER AN DER UNTEREN RHEINBRÜCKE IN UNGLÜCKLICHEM SCHIFFBRUCH VERSUNKEN DESSEN EINGEWEIDE NACHDEM DER LEICHNAM NACH BASEL GEBRACHT WURDE HIER SCHON IN DER ALTEN ZERSTÖRTEN BASILIKA VOR 430 JAHREN BESTATTET WORDEN WAREN. HAT DIESES FROMME DENKMAL DES EWIGEN ANDENKENS ERRICHTET GEROLD II. RHEINAUER ABT DURCH DESSEN ARBEIT UND MÜHE DIESE NEUE PRÄCHTIGERE BASILIKA ERRICHTET UND GEWEIHT WURDE IM JAHRE 1710

Kommentierung einzelner Passus der Epitaphtexte “SERENISSIMO PRINCIPI AUSTRIACO”