mini|300px|Schriftrolle des Ijob Ijob oder Hiob (auch Job; , , , ) bezeichnet eine biblische Person, einen „Gerechten aus dem Land Uz“, und das nach ihm benannte Buch des Tanach. Die Rahmenhandlung beschreibt, wie der jüdische Gott JHWH Ijobs Leiden zulässt, seine Freunde verurteilt und Ijobs Treue am Schluss belohnt. Die Dialoge zwischen Ijob und seinen Freunden, Ijob und JHWH im Mittelteil zeigen und behandeln die Krise des Tun-Ergehen-Zusammenhangs und das theologische Problem der Theodizee.

Vom Namen und Schicksal Ijobs ist der Ausdruck Hiobsbotschaft abgeleitet.

Name Die Etymologie des hebräischen Namens ist unklar, wird aber häufig mit dem Radikal , in Verbindung gesetzt, wodurch man den Namen als „der Verhasste“ deuten könnte.„“ in: Samuel Rolles Driver, Francis Brown, Charles Augustus Briggs: The Brown-Driver-Briggs Hebrew and English Lexicon: With an Appendix Containing the Biblical Aramaic : Coded With the Numbering System from Strong’s Exhaustive Concordance of the Bible, Hendrickson Publishers, 1994. Die im deutschsprachigen Raum gebräuchliche Schreibung Hiob kommt von der mittellateinischen Konvention, den Buchstaben H vor einem I zu schreiben, um das I in Iob nicht als Halbvokal zu lesen.

Inhalt Aufbau Das Buch ist dreigeteilt in einen Prolog (Kapitel 1–2), einen Dialogteil (3–42,6) und einen Epilog ( ). Prolog und Epilog in Prosa bilden die Rahmenhandlung, in die die Dialogreden in Versform eingebettet sind. Der Prolog gliedert sich in eine Exposition und fünf Szenen mit einer doppelten Prüfung und Bewährung Ijobs im Leid: Text Inhalt 1,1–5 Exposition: Ijobs Frömmigkeit und Glück 1,6–12 Himmelsszene: Satan bezweifelt Ijobs Uneigennützigkeit. JHWH erlaubt ihm, Ijobs ganzen Besitz anzutasten 1,13–22 Ijob verliert Vieh und Kinder, ohne sich gegen JHWH aufzulehnen 2,1–7a Himmelsszene: Satan bezweifelt weiter Ijobs Frömmigkeit. JHWH erlaubt ihm, Ijob mit Krankheit zu schlagen, ohne ihn zu töten 2,7b–10 Ijob wird mit Geschwüren geschlagen und von seiner Frau zum Verfluchen JHWHs aufgefordert. Er hält an seiner Frömmigkeit fest. 2,11–13 Drei Freunde besuchen Ijob, um ihn zu trösten.

Der Dialogteil ist wie folgt gegliedert: Text Inhalt 3 Monolog: Ijobs Klage 4–28 Dialoge der drei Freunde mit Ijob 29–31 Monolog: Ijob fordert Gott heraus 32–37 Vier Reden Elihus 38–42,1–6 Zwei Reden JHWHs und Antworten Ijobs

Dabei bilden die Monologe den Rahmen für die Dialoge Ijobs mit den drei Freunden und weisen auf die Gottesreden voraus. Die Reden des vierten, zuvor ungenannten Freundes wirken daher als Einschub. Der Epilog kommt auf den Prolog zurück: Text Inhalt 42,7–9 JHWH urteilt über die drei Freunde 42,10–17 JHWH rechtfertigt Ijob und stellt sein Glück wieder herLudger Schwienhorst-Schönberger: Das Buch Ijob. In: Erich Zenger (Hrsg.): Einleitung in das Alte Testament. 6. Auflage, Kohlhammer, Stuttgart 2006, S. 336f.

Rahmenerzählung mini|Corrado Giaquinto: Satan erscheint vor Gott. Ölgemälde, ca. 1750 Prolog: Ijob lebt mit seiner Frau und zehn Kindern als wohlhabender Mann im unbekannten Land Uz. Er besitzt 11.000 Tiere (Kamele, Schafe, Rinder und Esel) und hat zahlreiche Knechte und Mägde . Er wird als frommer Mann geschildert. Auf Gottes Frage ( : „Hast du auf meinen Knecht Ijob geachtet? Seinesgleichen gibt es nicht auf der Erde, so untadelig und rechtschaffen, er fürchtet Gott und meidet das Böse.“) antwortet der Satan, Ijob sei nur so lange fromm, wie er in angenehmen Verhältnissen lebe ( : „Geschieht es ohne Grund, dass Ijob Gott fürchtet?“) und schlägt vor, Ijobs Gottesfurcht auf die Probe zu stellen. Gott lässt den Verlust allen Besitzes Ijobs zu sowie den plötzlichen Tod seiner zehn Kinder. Ijob nimmt die Schicksalsschläge an, ohne Gott zu verfluchen. Als Gott daraufhin dem Satan gegenüber die Frömmigkeit Ijobs rühmt, verlangt der Versucher, dass er Ijobs Gesundheit schädigen darf. Gott lässt auch das zu, und Ijob erkrankt an einem bösartigen Geschwür „von der Fußsohle bis zum Scheitel“. Obwohl ihn seine Frau nun auffordert, diesen Gott, der so etwas zulässt, zu verfluchen, bleibt Ijob bei seiner gottesfürchtigen Einstellung: „Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?“ ( ).

Die Nachrichten von den Schicksalsschlägen, die Ijob in kurzer Folge ereilen, überbringt ihm jeweils ein Knecht, der als einziger den Schlag überlebte. Daher stammt der umgangssprachliche Ausdruck „Hiobsbotschaft“ für eine schlimme Unglücksnachricht.

Im Epilog ( ) belohnt Gott Ijobs Treue. Weil er in all seinem Leid, seiner Armut und seiner Trauer seinem Gott dennoch die Treue hielt, erlöst Gott ihn von der Krankheit und segnet sein weiteres langes Leben damit, dass er ihn das Doppelte seines früheren Besitzes erwerben lässt. Auch werden Ijob sieben Söhne und drei Töchter (Jemima, Kezia und Keren-Happuch) geboren.

Reden mini|Job von Léon Bonnat (1880)mini|Hiob und seine Freunde, eine der Illustrationen von Gustave Doré für La Grande Bible de Tours (Die Große Bibel von Tours)Dialogteil (3–31): Im Eingangsmonolog (3) klagt Ijob über sein eigenes Leiden, beteuert, es nicht verdient zu haben, und fordert schließlich Gott selbst heraus. In acht Reden der im Prolog genannten Freunde Elifas 3, Bildad 3 und Zofar 2, denen jeweils Ijobs Entgegnung folgt, versuchen die Freunde, ihn zum Geständnis seiner Schuld zu bewegen. Sie sind typische Vertreter der Weisheitslehre: Dem Gerechten geht es gut, dem Gesetzlosen schlecht. Demzufolge muss Ijobs Leiden durch seine Schuld verursacht sein. Die Reden steigern sich, und die beiden Parteien reden immer mehr aneinander vorbei, bis sie sich am Ende nichts mehr zu sagen haben. Es zeigt sich, dass die Freunde Ijob mit ihrer Weisheit nicht weiterhelfen können. Diesem Abschnitt werden auch Ijobs Ausgangsmonologe (27–31) und sein Lied von der Weisheit (28) zugerechnet. Elihureden (32–37): Als vierter Redner betont Elihu als Anwalt Gottes in vier Reden Gottes Allmacht und Größe und stellt das Recht des Menschen, göttliches Wirken zu beurteilen, grundsätzlich in Abrede. Darüber hinaus meint er, dass Gott aufgrund seiner Allmacht auch gütig sein müsse. Dabei lenkt er den Blick weg von der Frage nach dem Grund für das Leid hin zu dem Zweck des Leids. Gottesreden (38–41): Letztendlich wendet sich Gott selbst aus einem Gewitter heraus an Ijob. In zwei Reden betont Gott seine Macht und die Herrlichkeit seiner eigenen Schöpfungswerke, zum Beispiel den Wasserkreislauf. Lange redet er über die Großartigkeit der von ihm erschaffenen Tiere und Naturgewalten, über den Leviathan und den Behemoth, woraufhin Ijob in zwei kurzen Antworten (40,4–5; 42,2–6) seine Klagen einstellt. Wichtig dabei ist, dass Gott nicht etwa Ijobs Unschuld in Frage stellt, also den Freunden nicht rechtgibt, sondern die unbegreifliche Größe seines Handelns darstellt. Durch rhetorische Fragen hilft er ihm wahrzunehmen, dass er der Schöpfer von allem sei und Gut und Böse ausschließlich in seinen Händen liege. Weiter erkennt Gott an, dass Ijob entgegen den Behauptungen seiner Freunde schuldlos an seinen Leiden gewesen sei.

Die dichterischen Teile weisen einen oft losen Zusammenhang miteinander und mit der Rahmenerzählung auf. So ist im Dialog von den Umständen, die der Prolog erzählt, in Anspielungen der Freunde die Rede. Hier klagt Ijob nicht über den Verlust seiner Reichtümer und Söhne: Er klagt über die Verachtung seiner Mitmenschen, deren Objekt er geworden ist, und schildert auch seine Krankheitssymptome. Das Auftreten von Elihu geschieht plötzlich, er wird weder davor noch danach noch einmal erwähnt. Die Gottesreden danach thematisieren weder die Argumente der Freunde noch Ijobs Anklagen. Der Prolog dagegen schafft den Rahmen für eine theologische Deutung des nachfolgenden Dialogs, die der Epilog explizit vollzieht, indem die Anklagereden der Freunde verurteilt werden. Zudem bezieht sich der Epilog auf die gleichen Schicksalsschläge, die der Prolog beschrieb.

mini|Satan schüttet die Plagen über Hiob aus (Aquarell von William Blake)

Entstehung Paralleltexte mini|Hiob im heilenden Wasser, aus einer persischen Manuskriptversion der Prophetengeschichten Thematik, Motive und literarische Gestalt des Ijobbuchs ähneln in mancher Hinsicht anderen altorientalischen und antiken Texten. Zum Vergleich herangezogen wurden unter anderem: Der Sumerische Ijob (um 2000 v. d. Z. ) enthält die Klage eines ungenannten Mannes über sein schweres Leid. Dessen Ursache wird in einer allgemeinen Sündhaftigkeit von Geburt an gesehen. Seine Bitte um Errettung wird erhört, so dass er zuletzt seinen Gott lobt. Der Babylonische Ijob (um 1200 v. d. Z.) ist ein Loblied mit dem Titel Ludlul bēl nēmeqi: „Ich will preisen den Herrn der Weisheit“. Der Dichter lobt den Gott Marduk, der ihn ohne Grund verlassen und von allen Verwandten und Freunden getrennt, dann aber – durch Traumvisionen angekündigt – gerettet habe. In der Babylonischen Theodizee (um 1000–800 v. d. Z.) beklagt ein leidender Gerechter die Ungerechtigkeit der Welt, worauf sein Freund auf deren unzugängliche, gottgewollte Ordnung verweist und ihn auffordert, sich demutsvoll an Gott zu wenden. In Texten aus dem Alten Ägypten seit etwa 2000 v. d. Z. sind weisheitliche Streitgespräche (Papyrus Anastasi I, um 1200 v. d. Z.), eine Klage des Bauern, ein Gespräch des Lebensmüden mit seiner Seele und Mahnworte des Ipu-Wer überliefert. Auch einige griechische Tragödien von Aischylos (~525–456 v. d. Z.) und Euripides (480–406 v. d. Z.) behandeln das Verhältnis menschlichen Leidens zur göttlichen Vorsehung oder Ordnung. Die Dialoge des Menippos von Gadara (um 400 v. d. Z.) gelten einigen Forschern als gemeinsames Vorbild für das Ijobbuch und das Werk De consolatione philosophiae des Boethius (480–524 n. Chr.). Direkte literarische Abhängigkeiten wurden nicht nachgewiesen. Man schließt jedoch nicht aus, dass die unbekannten Autoren des Ijobbuchs einige Motive und Formmerkmale aus den altorientalischen Paralleltexten gekannt und übernommen haben. Auch die Lokalisierung der Rahmenhandlung im Land Uz verweist eventuell bewusst auf einen allgemeinen orientalischen, nicht spezifisch israelitischen Hintergrund.Ludger Schwienhorst-Schönberger: Das Buch Ijob. In: Erich Zenger (Hrsg.): Einleitung in das Alte Testament. Stuttgart 2006, S. 339f.

Literarkritik Im Tanach ist das Buch Ijob Teil der Ketuvim, der poetischen Bücher. Der Hauptteil ist in dichterischer Sprache gehalten.Ernst Kutsch: Hiob. In: Evangelisches Kirchenlexikon, Bd. 2, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989, ISBN 3-525-50132-3, Sp. 531. In der Bibelwissenschaft ist die Ansicht verbreitet, dass es sich bei Ijob nicht um eine reale Person handelt, sondern um eine Fiktion oder, wie der Theologe Raik Heckl schreibt, „eine ganz bewusst gebildete sagenhafte Gestalt, die keinerlei Anspruch auf historische Verortung erhebt“.Raik Heckl: Hiob – vom Gottesfürchtigen zum Repräsentanten Israels. Studien zur Buchwerdung des Hiobbuches und zu seinen Quellen. Mohr Siebeck, Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-150337-5, S. 433. Dementsprechend ist die Lokalisierung kaum möglich: Wo genau das in als Ort der Handlung genannte Land Uz liegt, weiß man nicht. Der Alttestamentler Manfred Görg hält es für möglich, dass der Ortsname lediglich eine metaphorische Bedeutung hat. Die Rahmenerzählung scheint auf eine nomadische Lebensweise vielleicht in Arabien hinzudeuten, während Ijob in den Dialogteilen des Buches eher als wohlhabender Stadtbewohner erscheint.Jürgen Ebach: Hiob/Hiobbuch. In: Theologische Realenzyklopädie, Band 15. Walter de Gruyter, Berlin / New York 1986, ISBN 3-11-008585-2, S. 360.