mini|Die Wurzeralm vom Toten Mann aus gesehen Die Wurzeralm ist eine Alm und ein Wintersportgebiet im südlichen Oberösterreich im Osten des Toten Gebirges. Die Weideflächen liegen in einer Polje auf durchschnittlich . In der Polje befindet sich ein Moorkomplex, der Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten bietet und unter Naturschutz steht. Die Wurzeralm ist durch die ganzjährig betriebene Wurzeralmbahn, eine ausgeprägte touristische Infrastruktur mit mehreren Beherbergungsbetrieben und ein großes Wegenetz für den Tourismus erschlossen. Das Wintersportgebiet ist deutlich größer als die Alm und erstreckt sich zwischen und

Geographie mini|Topografische Karte der Wurzeralm und ihrer Umgebung Die Weideflächen der Wurzeralm liegen in einem Hochtal etwa 3 km nördlich des Pyhrnpasses im Gemeindegebiet von Spital am Pyhrn im Bezirk Kirchdorf. Das von West nach Ost langgestreckte Hochtal hat eine Länge von 2 km und eine maximale Breite von rund 500 m. Es befindet sich auf durchschnittlich und wird auf fast allen Seiten von hohen Wänden umrahmt. Im Norden befinden sich die Wände zwischen Roter Wand () und Mitterberg (). Im Nordosten dominiert die rund 350 Meter senkrecht abfallende Wand des Stubwieswipfels () das Landschaftsbild. Nach Südosten öffnet sich die Wurzeralm zum Tal In der Höll. Im Süden fallen Schwarzeck (), Wurzerkampl () und Gscheidriedl () mit steilen Flanken zum Talboden ab. Im Westen befinden sich die Ausläufer des Warschenecks ().

Das Skigebiet ist deutlich größer und erstreckt sich zwischen und Es umfasst zusätzlich die Osthänge unterhalb des Frauenkars und die Westhänge des Schwarzecks. Im Süden verläuft eine Piste entlang der Trasse der Standseilbahn zur Talstation sowie die Talabfahrt über die Gameringalm.

Das Almgebiet ist über eine nicht öffentliche Forststraße erreichbar. Die Talstation befindet sich direkt an der Pyhrnpass Straße B 138. Überregional ist das Gebiet über die Pyhrn Autobahn (A 9) mit dem Anschluss Spital am Pyhrn bzw. mit der Pyhrnbahn und der Haltestelle Linzerhaus erreichbar.

Geologie Lithostratigraphie mini|Der Stubwieswipfel besteht aus Plassenkalk Lithostratigraphisch bestehen die Gesteine der Wurzeralm und ihrer Umgebung überwiegend aus mesozoischen Sedimentgesteinen der Trias und des Jura, die vor rund 230 bis 150 Millionen Jahren abgelagert wurden.

Schieferton und Gips führendes Haselgebirge (Perm) tritt im Westen und Osten am Rand des Beckens auf. Der Warscheneckstock sowie die Ostseite des Schwarzecks bestehen aus gebanktem Dachsteinkalk (Karnium bis Rhaetium) der Trias. Formationen des Jura spielen im Bereich der Wurzeralm eine bedeutende Rolle. Hierlatzkalk (Unterjura) bildet das Schwarzeck. Am Gscheidriedl tritt die Allgäu-Formation (Unterjura - Mitteljura) zu Tage. Kieselmergel und Radiolarit (Oxfordium) finden sich in der Einschartung zwischen Mitterberg und Stubwieswipfel am Weg zur Stubwiesalm und auch zwischen Gscheidriedl und Wurzerkampl. Das Wurzerkampl wird von der Oberalm-Formation (Kimmeridgium bis Berriasium) gebildet. Rote Wand und Mitterberg sowie Stubwieswipfel bestehen aus Plassenkalk (Kimmeridgium bis Berriasium). Moränenreste finden sich an den Nord- und Südflanken des Beckens.

Direkt an der Talstation des Frauenkar-Lifts informiert eine Station des Rundwanderwegs „2 Millionen Jahre in 2 Stunden“ über heimische Gesteine, Mineralien und Fossilien.

Ehemalige Vergletscherung mini|Blick über den Teichlboden und das Untere Filzmoos zum ehemaligen Gletscherabfluss aus dem Brunnsteinerkar am Warscheneck Während der letzten Kaltzeit (Würm-Kaltzeit) war die Wurzeralm vollständig vergletschert. Die Eiszufuhr aus dem Brunnsteiner und dem Frauenkar sowie dem anschließenden Höhenbereich am Ostabfall des Warschenecks füllte das Becken der Wurzeralm bis über hinauf. Dieser oberste Teichl-Lokalgletscher floss über das Tal In der Höll ab und stieß nahe der Schmiedalm in etwa 1300 m auf den Teichl-Ferngletscher. Der Teichl-Ferngletscher wurde vom Ennsgletscher gespeist, der den Pyhrnpass () noch mit einer Mächtigkeit von 350 Metern überschritt und das Windischgarstner Becken erfüllte. Mit dem Rückzug der Gletscher vor etwa 7000 Jahren bildete sich im Becken der Wurzeralm ein Schmelzwassersee, der vor 3000 Jahren zu verlanden begann.

Hydrogeologie mini|Teichlschwinde Der Teichlboden befindet sich in einer Großdoline (Polje), wo weiches und wasserdichtes Haselgebirge vorherrschen. Im Brunnsteinersee im Westen entspringt die Teichl, die hier nicht oberflächlich abfließt, sondern erst bei den Filzmösern wieder zum Vorschein kommt. In Mäandern windet sie sich durch den Teichlboden, um im Ponor der Teichlschwinde wieder im Karst zu verschwinden. In der Höhle Rollende Lueg hört man noch tief im Untergrund den Bach fließen. In der Nähe der Talstation der Standseilbahn tritt sie in der Großquelle Teichlursprung dann endgültig zu Tage. Eingefärbtes Wasser zeigte, dass ein Teil im Teichlursprung wieder erscheint, jedoch auch in vielen anderen Quellen, was durch ein Netz von Spalten, Klüften und Schlünden im verkarsteten Kalkgestein erklärt wird.

Flora und Vegetation mini|Unteres Filzmoos Die Wurzeralm zeichnet sich durch eine große Biotopenvielfalt (Feuchtwiesen, Moorgebiete, Zwergstrauchheide, Nadelwald und Almweide) und eine besonders vielfältige Vegetation aus. Das Untere () und Obere Filzmoos () sind zwei Latschenhochmoore, die als die höchstgelegenen der Nordalpen gelten. Der Anteil der Latschen (Pinus mugo) beträgt etwa 50 Prozent, der Rest wird von Kleinseggenriedern in Anspruch genommen. Helmut Gams rechnete sie deshalb zu den wertvollsten des gesamten Ostalpenraumes. Hier gedeihen unter anderem Rasenbinse (Trichophorum cespitosum), Schlamm-Segge (Carex limosa), Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos), Blumenbinse (Scheuchzeria palustris), Wenigblütige Segge (Carex pauciflora). Auch seltene Moose wie Sphagnum compactum, Cinclidium stygium und Calliergon trifarium.Gerhard Pils: Die Pflanzenwelt Oberösterreichs. S. 231Viktoria Igel: Zustandserhebung der Moore im Bezirk Kirchdorf an der Krems/OÖ. Vegetationskartierung und Managementpläne. Diplomarbeit Universität Wien, 2011. S. 115–153 (PDF 16 MB)

mini|Blühender Alpen-Schnittlauch auf der Wurzeralm Bemerkenswert ist auch ein Massenvorkommen des Ende Juli blühenden Alpen-Schnittlauchs (Allium schoenoprasum subsp. sibiricum), der Charakterpflanze der Feuchtweiden dieses Gebietes. Dies wurde schon 1832 als gleich „Rosengirlanden eingefasste Bächlein“ erwähnt. Einen Monat früher blühen auf den gleichen Flächen Trollblume (Trollius europaeus) und Eisenhutblättriger Hahnenfuß (Ranunculus aconitifolius) in großen Beständen.

Der Teichlboden wird von einem landschaftsprägenden Lärchen-Fichtenwald umgeben. Die Lärchenbestände sind hierbei durch Aushieb der Schattenbaumarten und Nutzung als Weidefläche entstanden. Im Unterwuchs gedeiht hier die Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum).

Fauna Die offenen Gewässer sind Laichgewässer für Grasfrösche (Rana temporaria), Erdkröten (Bufo bufo) und Bergmolch (Triturus alpestris). Wenn der Brunnsteiner See lange mit den Schneemassen von Lawinen bedeckt ist, erfolgt die Eiablage erst im Juli, wodurch die Kaulquappen oft nicht mehr im selben Jahr zur Metamorphose gelangen, sondern im Wasser überwintern müssen. Weiter ist der terrestrisch lebende Alpensalamander (Salamandra atra) häufig anzutreffen.

Eingesetzte Elritzen (Phoxinus phoxinus) bilden im Brunnsteiner See und im Speichersee große Bestände.

Naturschutz Im Bereich der Wurzeralm sind derzeit mehrere Schutzgebiete ausgewiesen. Das Naturschutzgebiet Warscheneck-Süd-Wurzeralm - Stubwies (n165) ist insgesamt 817 Hektar groß und umfasst den nördlichen Teil zwischen Brunnsteiner See und Stubwieswipfel mit den Nieder- und Hochmoorflächen. Es beinhaltet das Europaschutzgebiet Teichlboden (eu27 bzw. AT3146000) gemäß FFH-Richtlinie als Teil des Netzwerks Natura 2000. Das Europaschutzgebiet hat eine Fläche von 1,6 ha und befindet sich im Bereich der Teichlschwinde. Schutzgüter sind unterschiedliche Lebensraumtypen sowie das Firnisglänzende Sichelmoos (Hamatocaulis vernicosus). Im südlichen Teil der Wurzeralm wurde das Landschaftsschutzgebiet Warscheneck-Süd - Wurzeralm (lsg08) verordnet. Es ist 257 ha groß und umfasst vor allem die Anlagen des Wintersportgebiets.

Im Jahr 1965 wurde mit dem Gebiet Brunnsteinersee-Teichelboden das erste Naturschutzgebiet der Region verordnet. Es erstreckte sich vom Warscheneck bis zum Stubwieswipfel, umfasste Teile des Skigebiets und maß insgesamt 480 Hektar. Im Zuge einer Neugliederung 2002 wurde der südliche Teil in ein Landschaftsschutzgebiet mit schwächerem Schutzstatus neu verordnet, um den Ausbau des Skigebiets zu ermöglichen. Als Ausgleich wurden die nördlichen Bereiche des Warschenecks unter Naturschutz gestellt.

Almwirtschaft mini|Fleck- und Braunvieh auf der Wurzeralm Erste Nachweise für eine Weidewirtschaft auf der Wurzeralm stammen aus dem Spätneolithikum. Pollenanalytische Untersuchungen zeigten, dass in der Zeit zwischen 2160 und 2775 v. Chr. der Anteil der Fichte plötzlich sank (Rodungszeiger) und der Anteil von Wegerich, Brennnessel und Ampfer stieg (Weidezeiger). Daraus kann geschlossen werden, dass für die Almwirtschaft nicht nur natürlich baumfreie Flächen genutzt wurden, sondern auch Wald gerodet wurde.

Die aktuelle Almfläche beträgt 275 Hektar, davon sind 96 Hektar Weidefläche. Die Alm ist Eigentum der Agrargemeinschaft Wurzeralm mit 4 Anteilsberechtigten. Von Mitte Juni bis Mitte September werden 60 Jungrinder und 4 Milchkühe aufgetrieben. Die Sennereihütte befindet sich in der Nähe der Bergstation und gehört zum Gehöft Wiederlechner in Liezen (Pyhrn 18). Sie ist baulich mit der alten Almhütte verbunden, die heute als Gastronomiebetrieb Wiederlechner-Hütte geführt wird.

Bergsport Erschließung mini|Das Linzerhaus wurde bereits 1931/1932 errichtet Mit der Fertigstellung der Pyhrnbahn im Jahre 1905 war die Wurzeralm auch für Bergsteiger und Schifahrer aus dem oberösterreichischen Zentralraum erreichbar. Nach Gründung des „Linzer Schi- und Rodelclubs“ stieg der Bedarf nach einer Unterkunft, und von den Mitgliedern dieses Vereins konnte die Loferhütte für die Wintermonate gepachtet werden. Die Hütte bot Platz für maximal ein Dutzend Gäste unter einfachsten Bedingungen. Sie war bis 1932 der einzige Touristenstützpunkt auf der Wurzeralm. Um die steigende Zahl der Gäste beherbergen zu können, erwarb der Alpenverein Linz ein Grundstück und beauftragte den Architekten Hans Arndt mit der Planung des Linzerhauses. Der Bau begann 1931, und das gesamte Baumaterial wurde mit Pferdefuhrwerken auf die Alm gebracht. Am 30. und 31. Juli 1932 wurde das Linzerhaus feierlich eröffnet. Um vom Bahnhof Spital am Pyhrn zum Anstieg auf zum Linzerhaus zu gelangen, mussten zuerst 5 km Fußmarsch entlang der Pyhrnpass Straße zurückgelegt werden. Dem Ansuchen des Alpenvereins nach Einrichtung einer Bedarfshaltestelle vor dem Portal des Bosrucktunnels wurde seitens der ÖBB vorerst nur zögerlich entgegengekommen, da die Haltestelle in einer Steigung und in einem Gleisbogen angelegt werden musste und das Anfahren mit einem erhöhten Kohlebedarf verbunden war. Schließlich wurde dem Wunsch entsprochen, und seit dem 21. Dezember 1935 existiert die Haltestelle „Linzerhaus“ der Pyhrnbahn. Die 1948 errichtete Materialseilbahn vom Tal bis zum Linzerhaus erleichterte den Materialtransport. 1962 wurde eine Personen-Gondelbahn erbaut, und die nun entbehrliche Materialseilbahn wurde abgetragen. Die 1978 erbaute Standseilbahn Wurzeralmbahn ersetzte die Gondelbahn, und in der neuen Bergstation wurde ein großes Restaurant eingerichtet.

mini|Hütten und Hotels bilden eine Streusiedlung im Gebirge