Kyphi (), k3pt, k3p, ist eine traditionelle Abendräucherung im alten Ägypten und Opferweihrauch für ägyptische Götter.
Verwendung Dem römischen Arzt RufusRufus von Ephesos oder Rufus aus Samaria? zufolge wurde in Heliopolis jeden Abend bei Sonnenuntergang Kyphi zu Ehren von Re verbranntJonathan Reinatz: Past scents: historical perspectives on smell (= Studies in sensory history.). University of Illinois Press, Urbana / Chicago / Springfield 2014, ISBN 978-0-252-03494-7, S. 56.. Plutarch berichtet, dass in ägyptischen Tempeln dreimal täglich geräuchert wurde, morgens mit Weihrauch, Mittags mit Myrrhe und mit Kyphi am Abend. In der griechisch-römischen Antike wurde Kyphi sowohl als Trank (z. B. in Wein) als auch als Mittel für Einreibungen verwendet. Auch beim Ausgraben von Zauberpflanzen wurde mit Kyphi geräuchertLaura Willer: Iatromagie: Magie und Medizin im griechisch-römischen Ägypten. In: Andrea Jördens (Hrsg.): Ägyptische Magie und ihre Umwelt (= Philippika. Band 80). Harrassowitz, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-447-10316-9, S. 288 (online). Kleopatra VII. verwendete Kyphi als Parfüm, und zwar in solchen Mengen, dass man sie schon vom Ufer aus riechen konnte, bevor ihr Boot gelandet warJ. Reinatz: Past scents: historical perspectives on smell (= Studies in sensory history.). Urbana / Chicago / Springfield 2014, S. 115.. Nach Dioskurides (1, 25) diente es als Medizin gegen AsthmaMarie-Hélène Marganne: Les remèdes d'origine égyptienne utilisés dans la médecine vétérinaire antique. In: Pallas. Band 101, 2016 (La trousse du vétérinaire dans l'Antiquité et au Moyen Âge. Instruments et pratiques), S. 206..
Herstellung Kyphi wurde in Ägypten in eigenen Tempelwerkstätten hergestellt, wobei aus heiligen Schriften gelesen wurde.Heinrich Otto Schröder: Publius Aelius Aristides. Heilige Berichte (= Wissenschaftliche Kommentare zu griechischen und lateinischen Schriftstellern.). Winter, Heidelberg 1986, ISBN 3-533-03697-9, S. 27. Die Rekonstruktionen der Rezepte für Kyphi basieren auf ptolemäischen Inschriften an den Tempeln von Edfu und PhilaeVictor Loret: Le kyphi, parfum sacré des anciens égyptiens. In: Journal asiatique. Band 10, 1887, S. 76–132 (online). sowie auf Texten von Plutarch.Plutarch, Über Isis und Osiris 80. Mit den Angaben von Plutarch ist die Zubereitung des Kyphi ziemlich genau nachzuvollziehen. Der ägyptische Priester Manetho von Mendes verfasste ein Buch über die Herstellung von Kyphi (Περὶ κατασκευη̑ϛ κυφίων), das nicht überliefert ist. Es haben sich aber einige Fragmente erhalten.
Die Zahl der Zutaten liegt zwischen zehn bei Pedanios Dioscurides, 16 bei Dioskurides, 36J. Scarborough: The Pharmacology of sacred Plants, Herbs and Roots. In: Ch. A. Faraone, D. Obbink (Hrsg.): Magika Hiera, Ancient Greek Magic and Religion. Oxford University Press, Oxford 1991, ISBN 0-19-504450-9, S. 160. und 50 bei dem Byzantiner Nikolaos Myrepsos.
Mischung 1: 4 Teile Weihrauch 2 Teile Benzoe 2 Teile Mastix 2 Teile Myrrhe 1 Teil Zeder 1 Teil Galgant oder Ingwer 1/2 Teil Kalmus oder Eisenkraut 1/2 Teil Kardamom 7 Rosinen 1/2 Teil Zimtrinde 1/2 Teil Cassia 1/2 Teil Wacholderbeeren 1/2 Teil Iris 1/2 Teil Zypresse einige Tropfen Lotosaroma einige Tropfen Wein einige Tropfen Honig
Mischung 2: 3 Teile Weihrauch 2 Teile Benzoe 2 Teile Myrrhe 1 Teil Wacholderbeeren 1/2 Teil Galgant 1/2 Teil Zimtrinde 1/2 Teil Zeder 2 Tropfen Lotusaroma 2 Tropfen Wein 2 Tropfen Honig einige Rosinen
Einzelnachweise
Kategorie:Altägyptische Religion Kategorie:Ritus Kategorie:Räucherwerk Kategorie:Medizingeschichte Kategorie:Parfüm