mini|Schalen-BH mini|BH-tragende Frau Der Büstenhalter, in Österreich auch Busenhalter, (beide Bezeichnungen umgangssprachlich BH abgekürzt) ist ein Kleidungs- und Wäschestück, das die weibliche Brust halten und stützen soll. Mit wenigen Ausnahmen wird er von Frauen ausschließlich als Teil der Unterwäsche getragen.

Geschichte mini|Strophium oder Fascia, ein langer Textil- oder Lederstreifen, dessen Ende eingeschlagen wurde, Mosaik in der römischen Villa Romana del Casale auf Sizilien, 4. Jahrhundert n. Chr.

Die Sitte, die Brüste zu bedecken und zu stützen, reicht mindestens ins antike Griechenland zurück. Im Jahr 2500 v. Chr. verdeckten minoische Frauen auf Kreta ihre Brüste. In griechischen Stadtstaaten wie Sparta sollen sich Frauen bei der Teilnahme an Sportveranstaltungen die Brüste abgebunden haben, um männlicher zu erscheinen. In der römischen Antike bedeckten und stützten Frauen ihre Brust mit der Fascia pectoralis.

Im Jahre 2008 wurden bei Umbauarbeiten in der Decke zwischen dem ersten und dem zweiten Obergeschoss im Osttiroler Schloss Lengberg (Österreich) über 2700 Textilfragmente entdeckt, darunter vier Büstenhalter mit deutlich erkennbaren Körbchen, die nach den Ergebnissen ihrer Radiocarbondatierung aus der Zeit zwischen 1440 und 1485 stammen. Zwei der Funde sahen wie heutige Büstenhalter aus, die beiden anderen wie ärmellose Hemden mit Körbchen. Ein Büstenhalter bestand aus feinem Leinen mit dekorativer wertvoller Nadelspitze.Dalya Alberge: Discovered in a castle vault, the scraps of lace that show lingerie was all the rage 500 years ago. In: dailymail.co.uk, 16. Juli 2012.Sensation: 532 Jahre alter BH gefunden. In: tirol.orf.at, 18. Juli 2012.

Anfang des 19. Jahrhunderts waren vorwiegend einfache Leibchen üblich. Da sich dabei die Brustwarzen abzeichneten, kamen wattierte „Brustverbesserer“ auf, die einem BH schon sehr ähnlich sahen und auch später über dem Korsett getragen wurden. Bereits am 7. Oktober 1892 meldete die in Wien ansässige Kleidermacherin und Unternehmerin Marianne Bendl das k.k. Patent des sogenannten „Busenschützers“, der heutigen Sport-BHs ähnelt, an.Marianne Bendl und ihr Reform-BH. In: Wien Museum Magazin, 9. Jänner 2026. Hugo Schindler aus Mariaschein in Böhmen meldete 1893 einen Büstenhalter beim „Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum“ zum Patent an. Dieser hatte zwei an einem Gürtel befestigte Kappen, die oben mit Bändern befestigt wurden.Stichtag: 6. Februar 1893 - Hugo Schindler erhält Schweizer Patent für den Büstenhalter, wdr.de, 6. Februar 2018 Das erste Patent auf ein Frauenleibchen als Brustträger wurde von der Dresdnerin Christine Hardt am 5. September 1899 angemeldet. Er bestand aus zusammengeknüpften Taschentüchern und Männerhosenträgern und war verstellbar. Die Französin Herminie Cadolle meldete im Jahr 1889 ein Patent auf einen Büstenhalter an. Der schwäbische Korsettmacher Wilhelm Meyer-Ilschen aus Cannstatt entwickelte 1904 seine „Bruststütze ohne Unterteil“ (erst später patentiert). Sein Schwiegervater Sigmund Lindauer, auch aus Cannstatt, ließ 1912 in seiner Firma S. Lindauer & Co den ersten Büstenhalter in Serienfertigung gehen (Marke Prima Donna); er hatte ein kaiserliches Patent auf den ersten BH ohne Längs- und Querstützen aus Fischbein und Knochen. Lindauers „Hautana“ machte rund um den Globus Karriere. Weltweit folgte eine Vielzahl weiterer Patentierungen.

Etwa gleichzeitig mit Hugo Schindler erfand in den Vereinigten Staaten Mary Phelps Jacob einen Ersatz für das Mieder: Aus zwei Tüchern und einigen Bändern fertigte sie ein Wäschestück, um ihre Brüste zu bedecken. 1914 ließ sie diese Erfindung patentieren und verkaufte das Patent anschließend für 1500 $ an die Warner Brothers Corset Company.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts löste der Büstenhalter das Korsett ab. Die ersten Modelle bestanden aus Leinen. Ab den 1920er Jahren wurden sie auch aus Seide, Musselin oder Batist hergestellt. Zu Beginn der 1930er Jahre wurden in den Vereinigten Staaten erstmals die noch heute bekannten Standardgrößen (A-, B- und C-Körbchen) eingeführt.

Die Massenproduktion von BHs begann in den 1930er Jahren, als industrielle Fertigungsmethoden weiterentwickelt wurden und die Konstruktion von BHs weiter verbessert wurde. Vor dieser Zeit gab es keine billigen, maschinell hergestellten BHs, und die Modelle, die verfügbar waren, mussten oft maßgeschneidert oder individuell angepasst werden. Die höheren Preise erschwerten es vielen Frauen, einen BH zu kaufen.

Mit der auch zunehmenden Akzeptanz von BHs in der Mode der USA und Europa änderte sich die Wahrnehmung, und sie wurden günstiger und verbreiteten sich damit zunehmend, auch weil die Nachfrage wuchs und die Massenproduktion das ermöglichte. In der Nachkriegszeit bestand Rohstoffmangel in Deutschland, BHs waren für Frauen in der Zeit unerschwinglich, sie wurden selbst genäht oder repariert und waren als Tauschware gefragt. In den 1950er Jahren war der BH dann ein weit verbreitetes Kleidungsstück, das für fast alle Frauen wieder zugänglich war.

1947, auch mit dem so genannten New Look, verdrängte der Büstenhalter modisch endgültig das Mieder. Es gab fortan BH mit verstärkten Körbchen (mit Fischbein-, später Metallbügel unterhalb der Schalen), wattierte und verstärkte BH, Push-ups, BH ohne Verschluss, Verschluss hinten oder vorn.

Ebenso wie andere Kleidungsstücke durchlief der BH eine Vielzahl von Formen und Moden: knabenhaft in den 1920er Jahren, rund in den 1930ern und spitz in den 1950er Jahren. Sport-Büstenhalter („Jogbra“) gibt es seit 1978. Ab 1994, mit der Einführung des „Wonderbras“ und neuer Materialien, kam es zu einem neuen Lingerie-Boom. Der teuerste jemals produzierte BH ist der juwelenbesetzte Fantasy Bra aus dem Jahr 2000, der mit einem Kaufpreis von 15 Mio. Dollar im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen wurde.

Aufbau

Ein Büstenhalter besteht aus zwei geformten, miteinander verbundenen Körbchen („Cups“) zur Aufnahme der Brüste, zwei über beide Schultern führende Träger zur vertikalen Stabilisierung und einem am Rücken oder vorn verschließbaren Band zur horizontalen und eigentlichen Stabilisierung. Handelsübliche Büstenhalter haben meistens einen rückwärtigen Verschluss (dann oft in Form von Hafteln), der aber auch vorderseitig zwischen den Körbchen liegen kann („französischer Verschluss“). Erhältlich sind auch Kombinationen der Grundtypen sowie Sonderformen mit Reißverschlüssen, Knöpfen oder seitlichem Verschluss.

Sowohl die beiden Schulterträger als auch das Rückenteil lassen sich zur Feinanpassung verstellen, z. B. ist der Rückenverschluss zur Weitenregulierung meist in zwei oder drei verschieden weit entfernte Ösen einhakbar. Weder Schulterträger noch Rückenband sollen beim Tragen in die Haut einschneiden, unter dem Rückenband sollten noch zwei Finger Platz haben. Sitzt es nicht waagerecht, sondern ist nach oben verschoben, so ist entweder ein kleineres Unterbrustmaß oder ein größeres Körbchen zu wählen.

BH-Formen Allgemeine BH-Formen: Fullcup: bedeckende Körbchen mit einem hohen Steg Ballkleid-BH (strapless): ohne Schulterträger, für rückenfreie Kleider Bandeau-BH: Oberteil in Form eines abgewandelten breiten Bandes, oft trägerlos Bügel-BH: älteste Form des Büstenhalters, mit Draht oder Plastik verstärkt, stabilisiert die Brust stärker, deshalb besonders für größere Cups geeignet Bügelloser BH: durch den flexibleren Aufbau für manche Größen verbesserter Tragekomfort Nackenträger-BH: ohne Trägerband um den Rücken, Vorderverschluss Nur-Cup-BH, bis zum Aufkommen der Kontaktlinsen als Haftschalen bezeichnet Stick-on-BH: selbsthaftende Silikon-Cups bzw. unter die Brüste klebbare Einweg-Cups, um Rücken und Dekolleté frei zu halten, auch unter dem Badeanzug tragbar Still-BH: Mit Möglichkeit, den Cup mit einer Hand zu öffnen oder herunterzuklappen, um das Stillen zu ermöglichen. Oft sind die Träger besonders breit und die Cups mehrlagig.

Modellierende BH: Minimizer-BH: zur optischen Verkleinerung größerer Brüste, bzw. zum Erreichen einer weniger weiblich wirkenden Silhouette Push-up-BH: zur optischen Vergrößerung kleinerer Brüste oder zur Modellierung des Dekolletés Balconette: sehr weit außenstehende Träger, eingearbeitete Bügel oder Halbschalen zum Anheben der Brüste Entlastungs-BH: für große Oberweiten, entlastet den Rücken, gewährleistet durch den besonderen Schnitt, meist vorgeformte Cups und strapazierfähige Materialien

BH zu Sportzwecken: mini|Junge Frauen in Sport-BHs.Sport-BH: besonders stützend, oft aus Funktionsfasern, auch mit integrierter Herzfrequenzmessung

Medizinische BH: Kompressions-BH: nach Brustoperationen zur Ruhigstellung der Brust und besseren Wundheilung Epithesen-BH Arthritis-BH: bei Bewegungseinschränkungen, mit leicht zu öffnendem Verschluss zwischen den Cups

Material und Pflege Büstenhalter bestehen meist aus einem Mix mehrerer Materialien: Baumwolle oder auch Viskose Elastan für die Elastizität Polyamid für die Formstabilität; alternativ auch Polyester oder Polyurethan Spitzenverzierungen

Bei Maschinenwäsche empfiehlt sich das Waschen von Bügel-BHs in besonderen Wäschenetzen, da herausrutschende Bügel unter Umständen zu Schäden an der Waschtrommel führen können. BH mit aufwendigen Spitzenverzierungen oder Stickereien wäscht man schonender im Wollprogramm oder mit der Hand.

BH-Größen mini|Nahtloser BH, weinrot

Die Größe eines BHs wird in allen Ländern durch die Kombination aus einer Zahl und einem Buchstaben, beispielsweise 75B, gekennzeichnet. Die Zahl gibt die Unterbrustbandweite an und sagt aus, bei welchem Unterbrustumfang der BH passt. Der Buchstabe gibt die Körbchengröße an und sagt aus, bei welcher Brustgröße der BH passt. In verschiedenen Ländern gibt es unterschiedliche Größensysteme, die teilweise in offiziellen Normen festgeschrieben werden. Trotz dieser Normierung passen BHs oft nicht richtig (siehe Abschnitt BH-Anpassung).

Körpermaße Die BH-Größen stützen sich auf zwei Messwerte in Zentimeter: Brustumfang ist der maximale horizontale Umfang, gemessen bei normaler Atmung und aufrechter Haltung. Das Maßband läuft dabei horizontal unter den Achseln und auf der Brusterhebung. Bevorzugt wird mit mäßiger Spannung über einen BH gemessen, der die Brust nicht in unnatürlicher Weise deformiert und nicht ihr Volumen verschiebt (EN 13402) Unterbrustumfang ist der horizontale Körperumfang direkt unterhalb der Brüste.

Erschwerend bei der Wahl der richtigen BH-Größe können neben unterschiedlich großen (asymmetrischen) Brüsten auch zeitlich begrenzte Schwankungen in der Brustgröße sein. BH-Größen, die nach unterschiedlichen Messmethoden und bei unterschiedlicher Füllung der Lunge mit Luft ermittelt werden, variieren bis zu mehreren Größen des Unterbrustbandes und noch deutlicher in der Körbchengröße.

Alternative Körpermaße Eine alternative Methode zur Bestimmung der Körbchengröße beruht auf der Messung des Halbbrustumfangs Abruf 28. Oktober 2018 und umgeht somit die Schwierigkeiten bei der Differenz zwischen den beiden unabhängigen Messungen von Brustumfang und Unterbrustumfang.

Da bei der üblichen Messmethode an zwei verschiedenen Höhen des Rumpfes gemessen wird, der Umfang des Rumpfes zu den Schultern hin im Normalfall aber zunimmt, entsteht ein systematischer Fehler. Athletische Frauen mit ausgeprägt V-förmigem Oberkörper können so bei der traditionellen Bestimmung der BH-Größe einen zu großen Cup erhalten. Einige Messmethoden verwenden daher die Differenz zwischen Brustumfang und Brustkorbumfang (maximaler horizontaler Umfang gemessen bei normaler Atmung und aufrechter Haltung, das Bandmaß über die Schulterblätter, unter den Achseln und über die Brust) zur Ermittlung der Körbchengröße. Im britischen System wird auch der Brustkorbumfang als direktes Maß für die Unterbrustbandgröße verwendet.

BH-Größensystem