mini|hochkant|Kostas Karyotakis, Selbstporträt Kostas Karyotakis (, * 30. Oktober 1896 in Tripolis; † 21. Juli 1928 in Preveza) war ein griechischer Dichter und Prosaist und gehört zu den umstrittensten Persönlichkeiten der neugriechischen Literaturgeschichte. Er prägte eine ganze Generation und löste das Phänomen des Karyotakismus aus, wurde jedoch von vielen Kritikern abgelehnt. Er ist heute einer der meistgelesenen neugriechischen Lyriker.

Leben mini|Kostas Karyotakis mit seiner Schwester, seinem Neffen und einer weiteren Verwandten in Preveza (1927) Karyotakis war Sohn des Ingenieurs Georgios Karyotakis und dessen Frau Ekaterini (geborene Skagianni). Er war das mittlere von drei Geschwistern: Seine um ein Jahr ältere Schwester Nitsa (* 1895) heiratete den Anwalt Panagiotis Nikoletopoulos, sein drei Jahre jüngerer Bruder Thanos (* 1899) war Bankangestellter. Aufgrund des väterlichen Berufs musste die Familie mehrere Male den Wohnort wechseln. So lebte sie auf Lefkada, in Patras, in Larisa, in Kalamata, in Argostoli, in Athen (1909–1911) und in Chania, wo sie bis 1913 blieb. 1912 veröffentlichte Karyotakis erste Gedichte in Kinderzeitschriften und wurde von der Jugendzeitschrift Pedikos Astir () ausgezeichnet.

1913 schrieb er sich in der juristischen Fakultät in Athen ein, wo er Ende 1917 sein Diplom erhielt. In der Folge versuchte er als Anwalt Fuß zu fassen, was allerdings aufgrund der damaligen Arbeitsmarktsituation fehlschlug. Stattdessen entschied er sich für eine Stelle als Beamter und arbeitete als solcher in Thessaloniki, Syros, Arta und Athen.

1919 veröffentlichte er seine erste Gedichtsammlung Der Schmerz des Menschen und der Dinge (), der ihm keine besonders guten Kritiken einbrachte. Im selben Jahr gab er die satirische Zeitschrift I Gamba () heraus, die jedoch nach sechs Ausgaben verboten wurde. Seine zweite Sammlung wurde 1921 unter dem Titel Schmerzmittel () veröffentlicht. In dieser Zeit begann er eine Freundschaft mit der Dichterin Maria Polydouri, die mit ihm in der Verwaltung der Präfektur Attika arbeitete. Im Dezember 1927 gab er mit Elegien und Satiren () seine letzte Gedichtsammlung heraus. Neben seinen Gedichten schrieb Karyotakis auch Prosatexte.

Karyotakis arbeitete in verschiedenen Ministerien, engagierte sich nebenbei gewerkschaftlich und war an Beamtenstreiks beteiligt. Im Januar 1928 wurde er zum Generalsekretär der Athener Beamtenvereinigung gewählt. Aufgrund einer von ihm autorisierten und unterschriebenen Veröffentlichung, die seinen ihm vorgesetzten Minister kritisierte, wurde er im Februar 1928 beruflich nach Patras, im Juni schließlich nach Preveza versetzt.

Kostas Karyotakis litt in den letzten Jahren seines Lebens an Syphilis.

Tod mini|Denkstein an dem Ort in Preveza, an dem Kostas Karyotakis Suizid beging Die Versetzung nach Preveza, einer Kleinstadt in Westgriechenland, machte Karyotakis schwer zu schaffen. Seine Briefe an Verwandte aus dieser Zeit offenbaren seine Verzweiflung an dem provinziellen Leben und der Kleinbürgerlichkeit. Am 20. Juli versuchte er erfolglos, sich zu ertränken. Am folgenden Tag besuchte er ein Café in Preveza und erschoss sich einige Stunden später. Er führte folgenden Abschiedsbrief mit sich:

Im Originaltext:

Die genauen Hintergründe des Todes sind nicht geklärt. Giorgos Savvidis, der Leben und Werk des Schriftstellers intensiv studierte und auch Einblick in persönliche Dokumente hatte, stellte die Theorie von der Drogenabhängigkeit Karyotakis’ auf. Viele Stellen in seinem Werk – so die These Savvidis’ – weisen einen Bezug zu Rauschmitteln auf. Unter anderem der Titel der zweiten Gedichtsammlung (Schmerzmittel), die Verbindung zu Baudelaire und seiner Wirklichkeitsflucht, zahlreiche Einzelstellen in Gedichten und vor allem der letzte Prosatext vom Juni 1928 (Sein Leben / ) könnten dafür sprechen, dass die Lyrik nicht der einzige Ausweg war, den Karyotakis aus seiner Situation zu nehmen versuchte. Dafür spreche auch, dass Karyotakis’ Familie aus dem Abschiedsbrief die Stellen mit der „vulgären Handlung“ und dem Krankheitsbekenntnis Karyotakis’ vor der Veröffentlichung entfernen ließ, da sie möglicherweise um seinen Rauschmittelkonsum wusste und verhindern wollte, dass sein ganzes Werk unter diesem Aspekt betrachtet wird.Savvidis 1989, S. 108 ff. und 130 Die Philologin Lizy Tsirimokou unterstützt die Thesen Savvidis’.Lizy Tsirimokou in: 1998, S. 63–92

Werk Das Werk Kostas Karyotakis’ besteht in erster Linie aus den drei von ihm selbst veröffentlichten Gedichtsammlungen, zu denen meist auch die letzten, nicht mehr veröffentlichten Gedichte des Jahres 1928 gezählt werden. Neben seinen eigenen Gedichten nahm er in die zweite und dritte Sammlung auch Übersetzungen fremdsprachiger Lyrik mit auf, die aufgrund des großen poetischen Eigenanteils Karyotakis’ bei der Übersetzung als Teil seines eigenen literarischen Werks betrachtet werden. Darüber hinaus verfasste er Prosatexte, die er im Laufe der 1920er Jahre veröffentlichte. In der Gesamtausgabe von Savvidis (1965) sind auch einige Gedichte enthalten, die Karyotakis nicht veröffentlichen wollte.

Lyrik „Der Schmerz des Menschen und der Dinge“ Karyotakis’ erste Gedichtsammlung war 1919 Der Schmerz des Menschen und der Dinge (). Sie enthält nur zehn Gedichte und zeichnet sich durch das noch vorhandene Vertrauen des Dichters in das poetische Wort aus. Das lyrische Ich spricht von Liebe als einem möglichen Ausweg dessen, der „den Schmerz“ gekostet hat. Der Schmerz ist für Karyotakis grundlegendes Weltempfinden, er rührt vom Wissen um die Wahrheit her. Als Dichter, der die Last auf sich nimmt, diesen Schmerz zu benennen, wird er von diesem beherrscht und zu dessen Opfer; das Dichtersein wird zur schicksalhaften Bürde.Filokyprou 2006, S. 93–104

„Schmerzmittel“ In seiner zweiten Gedichtsammlung, Schmerzmittel ), die nur zwei Jahre später veröffentlicht wird (1921), erscheint die Lyrik Karyotakis’ bereits in einem anderen Licht: Seine Gedichte sind nun nicht mehr wie in der ersten Sammlung eine Art Zwiegespräch mit anderen Menschen, sondern Monologe und Erfahrungen der Einsamkeit. Der Titel der Sammlung bezeichnet nicht mehr Inhalt und Ursprung der Gedichte (das heißt den Schmerz), sondern die Gedichte selbst: Sie dienen dem Poeten zur vorübergehenden Linderung des Schmerzes, ohne dass dieser jedoch wirklich beseitigt werden kann. Das Vertrauen in das eigene poetische Wort ist dahingeschwunden, ein Gefühl der Ineffektivität der Poesie bemächtigt sich des Dichters. Karyotakis ist hin- und hergerissen zwischen den ambivalenten Aspekten des lyrischen Lebens: Einerseits schenkt ihm die Dichtung Linderung des Schmerzes, andererseits öffnet sie neue Wunden und verschlimmert seinen Zustand; sie offenbart Wahrheiten und verdeckt zugleich. Kostas Karyotakis bietet in seiner Sammlung Schmerzmittel verschiedene Auswegmöglichkeiten an: die nostalgische Hinwendung zur eigenen unbeschwerten Kindheit, die Liebe oder die Hoffnung auf Ruhm. Je mehr Karyotakis die Kontrolle über seine lyrische Sprache gewinnt, desto mehr verliert er sie über sich und seinen Zustand.Filokyprou 2006, S. 104–128.

ΥΠΝΟΣ

Θα μας δοθεί το χάρισμα και η μοίρα να πάμε να πεθάνουμε μια νύχτα στο πράσινο ακρογιάλι της πατρίδας; Γλυκά θα κοιμηθούμε σαν παιδάκια γλυκά. Κι απάνωθέ μας θε να φεύγουν, στον ουρανό, τ' αστέρια και τα εγκόσμια. Θα μας χαϊδεύει ως όνειρο το κύμα. Και γαλανό σαν κύμα τ' όνειρό μας θα μας τραβάει σε χώρες που δεν είναι. Αγάπες θα' ναι στα μαλλιά μας οι αύρες, η ανάσα των φυκιών θα μας μυρώνει, και κάτου απ' τα μεγάλα βλέφαρά μας, χωρίς ναν το γρικούμε θα γελάμε. Τα ρόδα θα κινήσουν απ' τους φράχτες, και θα 'ρθουν να μας γίνουν προσκεφάλι. Για να μας κάνουν αρμονία τον ύπνο, θα αφήσουνε τον ύπνο τους αηδόνια. Γλυκά θα κοιμηθούμε σαν παιδάκια γλυκά. Και τα κορίτσια του χωριού μας, αγριαπιδιές, θα στέκουνε τριγύρω και, σκύβοντας, κρυφά θα μας μιλούνε για τα χρυσά καλύβια, για τον ήλιο της Κυριακής, για τις ολάσπρες γάστρες, για τα καλά τα χρόνια μας που πάνε. Το χέρι μας κρατώντας η κυρούλα, κι όπως αργά θα κλείνουμε τα μάτια, θα μας διηγιέται – ωχρή – σαν παραμύθι την πίκρα της ζωής. Και το φεγγάρι θα κατέβει στα πόδια μας λαμπάδα την ώρα που στερνά θα κοιμηθούμε στο πράσινο ακρογιάλι της πατρίδας. Γλυκά θα κοιμηθούμε σαν παιδάκια που όλη τη μέρα έκλαψαν κι απόστασαν.

SCHLAF

Wird uns das Glück zuteil und die Bestimmung, zum Sterben eines Nachts die grünen Gestade unsrer Heimat zu erreichen? Wir werden schlafen süß wie kleine Kinder, so süß, und über uns im Himmelskreise verlöschen Irdisches und die Gestirne. Und wie ein Traum wird uns die Woge streicheln, und blau wie eine Woge werden Träume uns Länder zeigen, die es nie gegeben. Die Liebe wird in unsren Haaren wehen, der Algen Atem unsre Stirnen salben, verborgen unter unsren großen Lidern werden wir lachen, ohne es zu wissen. Die Rosen regen sich auf ihren Hecken und kommen, um als Kissen uns zu dienen. Um unsern Schlaf in Wohlklang zu verwandeln, verschmähn die Nachtigallen ihren eignen. Wir werden schlafen süß wie kleine Kinder, so süß, und alle Mädchen unsres Dorfes stehn um uns her wie wilde Birnenbäume und beugen sich und sprechen im geheimen von goldnen Hütten und von Sonnenstrahlen am Sonntag, von schneeweißen Blumentöpfen, von unsren frohen Jahren, die verstreichen. Ein Mütterchen hält unsre Hand in ihrer, und wie wir langsam unsre Augen schließen erzählt sie uns – ganz bleich – als wär’s ein Märchen vom bittren Leben. Und wie eine Kerze brennt nieder dann der Mond zu unsren Füßen in jener Stunde, wenn wir an dem grünen Gestade unsrer Heimat endlich schlafen. Wir werden schlafen süß wie kleine Kinder, die von des Tages Tränen müde wurden.

Deutsche Übersetzung: Maria Oikonomou-Meurer und Ulrich MeurerZitiert aus: Mitsou, Marie-Elisabeth; Oikonomou, Maria (Hrsg.): Reflexionen. Essays neugriechischer Autoren, München 2005, S. 149 f.

„Elegien und Satiren“ Die dritte und letzte Gedichtsammlung, Elegien und Satiren (), markiert 1927 den Höhepunkt im Schaffen Karyotakis’. Sie ist sein definitiver und repräsentativster Zyklus und stellt einen Meilenstein in der neugriechischen Lyrik dar. Wiederum beschreibt der Titel der Gedichtsammlung ihren eigenen Inhalt; es sind sowohl Elegien enthalten, die in der Linie der bisherigen Dichtung Karyotakis’ stehen, als auch Satiren, die das letzte große Kapitel seiner dichterischen Tätigkeit darstellen. Während er in der Sammlung Schmerzmittel noch mögliche Auswege formulierte, um seine schmerzhafte Wahrnehmung der Wirklichkeit zu bewältigen, befindet er sich nun endgültig in einer Sackgasse und hat den Kampf aufgegeben. Seine Dichtung – so empfindet es Karyotakis – hat versagt, das Dichtersein ist sinnlos geworden; der letzte Schritt, den er noch verzweifelt tun kann, ist die Hinwendung zur Satire. Damit begibt er sich in ein poetisches Feld jenseits der Elegie; die für ihn unerträgliche Wirklichkeit wird nun nicht mehr beklagt oder offen benannt – denn das hat sich als sinnlos und selbstzerstörerisch erwiesen; nun wird sie in beißender Schärfe karikiert.Filokyprou 2006, S. 128–163

[ΤΙ ΝΑ ΣΟΥ ΠΩ...]

Τι να σου πω, φθινόπωρο, που πνέεις από τα φώτα της πολιτείας και φτάνεις ως τα νέφη τ' ουρανού; Ύμνοι, σύμβολα, ποιητικές, όλα γνωστά από πρώτα, φυλλορροούν στην κόμη σου τα ψυχρά άνθη του νου.

Γίγας, αυτοκρατορικό φάσμα, καθώς προβαίνεις στο δρόμο της πικρίας και της περισυλλογής, αστέρια με το πρόσωπο, με της χρυσής σου χλαίνης το κράσπεδο σαρώνοντας τα φύλλα καταγής,

είσαι ο άγγελος της φθοράς, ο κύριος του θανάτου, ο ίσκιος που, σε μεγάλα βήματα· φανταστικά, χτυπώντας αργά κάποτε στους ώμους τα φτερά του, γράφει προς τους ορίζοντες ερωτηματικά...

Ενοσταλγούσα, ριγηλό φθινόπωρο, τις ώρες, τα δέντρα αυτά του δάσους, την έρημη προτομή. Κι όπως πέφτουνε τα κλαδιά στο υγρό χώμα οι οπώρες, ήρθα να εγκαταλειφθώ στην ιερή σου ορμή.

[WAS SOLL ICH DIR ENTGEGNEN, HERBST …]

Was soll ich dir entgegnen, Herbst, der aufweht von den Lichtern