mini|Rudolf Dührkoop, Selbstporträt (1912)
Rudolf Dührkoop (* 1. August 1848 in Hamburg; † 3. April 1918 ebenda) war ein deutscher Porträtfotograf. Zunächst Autodidakt, arbeitete Dührkoop seit 1883 als Berufsfotograf und wurde schließlich zu einem der führenden Vertreter des Piktorialismus.
Leben Im Jahre 1848 kam Rudolf Johannes Dührkoop als Sohn des Zimmermanns Christian Friederich Dührkoop und Johanna Friederica Emile, zur Welt.vgl.: Staatsarchiv Hamburg: Bürger-Protokoll 1845. Fo. 930 der Staatsangehörigkeitsaufsicht, Band 80, Nr. 1240. In: Odette M. Appel-Heyne: Rudolf Dührkoop: Commercial Pictorialist. Boston 1972. Als 1870 der Deutsch-Französische Krieg ausbrach, trat Dührkoop freiwillig dem Infanterie-Regiment Nr. 76 bei und kam nach der Kapitulation als einfacher Soldat nach Paris.Death of Herr Rudolph Dührkoop. In: British Journal of Photography, Vol. 65, June 21, 1918, S. 286, (). Zwei Jahre später kehrte er ins Zivilleben zurück und heiratete Maria Louise Caroline Matzen.19. September 1845 – 29. September 1934. Staatsarchiv Hamburg 332-5, Standesämter 7156, Nr. 959 In der Todesanzeige für R. Dührkoop in: Neue Hamburger Zeitung, (Abend-Ausgabe), 6. April 1918, unpag., S. 10 (Digitalisat) lautete der Mädchenname „Malzen“. 1872 kam die gemeinsame Tochter Hanna Maria Theresia zur Welt. Ein Jahr später wurde die zweite Tochter, Julie Wilhelmine, geboren.vgl.: Dr. F. Schmidt an Fritz Kempe: Unveröffentlichter Brief, 14. Januar 1964. In: Odette M. Appel-Heyne: Rudolf Dührkoop: Commercial Pictorialist. Boston 1972. Dührkoop war zunächst als Mitarbeiter bei der Eisenbahn und dann als Kaufmann tätig. Während dieser Zeit begann er, sich für Fotografie zu interessieren. Dührkoop eignete sich das nötige Wissen über die Jahre hinweg an und machte sich mit den fotografischen Prozessen und der Optik vertraut.Historische Reminiszenzen. In: Photographische Correspondenz. 47. Jg., 1910, S. 545, (Digitalisat)
Berufsfotograf mini|Revers einer CdV um 1900 mini|Richard Skowronnek als Jäger, 1912 mini|Kopfstudie, zirka 1905
Die ersten Jahre 1882 veröffentlichte Dührkoop seinen ersten Artikel im Photographischen Wochenblatt, dem Organ des Photographischen Vereins zu Berlin.Rudolf Dührkoop: Ueber die Benutzung gelben Lichtes bei der Entwicklung von Bromsilber-Gelatine-Platten. In: Photographisches Wochenblatt, 8, 1882, S. 251–252. (Das Photographische Wochenblatt war von 1872(?) bis 1888 Organ des Photographischen Vereins zu Berlin.)
Ende des Jahres 1882 beantragte Dührkoop bei der Gewerbekammer Hamburg eine Fotografenlizenz, die im Januar 1883 erteilt wurde.„Infolge veränderter Verhältnisse ergriff Dührkoop so dann die Photographie als Beruf, …“ Karl Wilhelm Wolf-Czapek: R. Dührkoop und die Neugestaltung der Bildnisphotographie., S. 12. Diese Lizenz war zu damaliger Zeit Voraussetzung, um sich als Berufsfotograf zu betätigen.Odette M. Appel-Heyne: Rudolf Dührkoop: Commercial Pictorialist. Boston 1972, S. 11f. Warum es über ein halbes Jahr bis zur Eröffnung eines eigenen Ateliers dauerte, ist unbekannt. Im Oktober 1883 eröffnete Dührkoop sein erstes Atelier in der Großen Bäckerstraße 26 in Hamburg.Dieses Datum geht aus einem Bericht zum 25-jährigen Firmenjubiläum hervor. General-Anzeiger für Hamburg-Altona. 2. Oktober 1908, S. 2.Die Adresse „Gr. Bäckerstraße 26“ war von 1855 bis 1872 die Anschrift des fotografischen Ateliers von Emilie Bieber. Anschließend war der Fotograf Herman Matsen unter dieser Anschrift bis 1879(?) hier zu finden (Quelle: Hamburgische Adressbücher). Ob es zwischen dem Fotografen Matsen und der Ehefrau von Dührkoop verwandtschaftliche Verbindungen gab, konnte bisher nicht in Erfahrung gebracht werden.
Dührkoop begann als Porträtfotograf. Bereits ein halbes Jahr nach der Eröffnung seines Ateliers ließ er sich am Hopfenmarkt nieder. Am 1. November 1888 bezog Dührkoop ein Atelier in der Ferdinandstraße. 1890 eröffnete Dührkoop ein zusätzliches Atelier in Altona. Als seine „Spezialität“ bot er von einer Porträtaufnahme für 4,50 ℳ 12 Fotografien im Format CdV und eine im Kabinettformat an.Dührkoop schaltete 1890 in den Altonaer Nachrichten zahlreiche Anzeigen. Dort ist anstelle von CdV von „Visites“ die Rede. Auf den Rückseiten befanden sich zusätzlich zu dem Schriftzug des Ateliernamens weitere Angaben zu den Örtlichkeiten.
Im Laufe der Jahre begann Dührkoop mit Reportagefotografie. Er fotografierte außerhalb seines Ateliers 1891 eine Feier des 25-jähriges Jubiläums des 76. Regiments auf dem Heiligengeistfeld und 1892 eine Festszene auf dem Hopfenmarkt aus Anlass einer 50-Jahr-Feier zum Andenken an den Ausbruch des Hamburger Brandes.
Dührkoop machte 1887 seine damals 14-jährige Tochter Julie Wilhelmine, später bekannt als Minya, zur Studioassistentin.vgl.: Georg Heinrich Emmerich: Lexikon für Photographie. S. 131.
1888 schloss sich Dührkoop dem „Deutschen Photographen-Verein“ an mit Sitz in Weimar.Neue Mitglieder. Deutscher Photographen-Verein. In: Deutsche Photographen-Zeitung, 12, 1888, S. 199. In: Odette M. Appel-Heyne: Rudolf Dührkoop: Commercial Pictorialist. Boston 1972. 1890 wurde er Mitglied „Photographischen Gesellschaft in Wien“.Photographische Gesellschaft in Wien. Aufnahme April 1900. Photographische Correspondenz, 1900, S. 325, Digitalisat. In späteren Jahren schloss sich Dührkoop der „Gesellschaft zur Förderung der Amateur–Photographie“ in Hamburg und der „Deutsche Gesellschaft von Freunden der Photographie“ in Berlin an.
Zeitgeschehen Gegen Ende der 1880er Jahre kam es infolge von Weiterentwicklungen bei Kameras und Vereinfachung chemischer Verfahren zu Veränderungen. Einige Frauen und Männer, die finanziell unabhängig waren, begannen, Kameras zu kaufen und zu fotografieren, ohne daraus eine berufliche Tätigkeit werden zu lassen. Im Laufe der Zeit verstand man darunter die „Amateurfotografie“. Vergleichbar zu den Berufsfotografen schlossen sich die „Amateure“ in Vereinen zusammen und dokumentierten ihr Vereinsgeschehen in Zeitschriften. 1887 hatte sich in Wien der „Club der Amateur-Photographen“ gegründet. Als Vereinsorgan erschien die Photographischen Rundschau. 12 Jahre später übernahm Ernst Juhl die Redaktion. In Berlin hatte sich 1887 die „Deutsche Gesellschaft von Freunden der Photographie“ und Führung von Hermann Vogel etabliert, um „einen festen Boden zu schaffen für die Liebhaber“.P.[Paul] B.[Benthin]: Eindrücke von der siebten Hamburger Ausstellung. In: Photographische Mitteilungen. 36. Jg., Gustav Schmidt, Berlin 1899, S. 313 (Hier wird die Gründung erwähnt.) Die Bildgestaltung veränderte sich ebenso. Sie „befreite“ sich von den üblichen Requisiten der Ateliers. Da Amateure i. d. R. keine Ateliers besaßen, machten sie ihre Aufnahmen überwiegend im Freien. Eine nachträgliche Retusche von Porträtaufnahmen war nicht mehr erwünscht.
Die erfolgreichen Jahre Ende der 1890er Jahre begann Rudolf Dührkoop, seine Bildgestaltung zu ändern. 1899 waren erstmals Berufsfotografen zu der seit 1893 jährlich stattfindenden „Internationale Ausstellung von Amateur-Photographien“Die Geschichte der Ausstellung. In: Alfred Lichtwark: Die Bedeutung der Amateur-Photographie. Wilhelm Knapp, Halle 1895, S. 65f. in der Kunsthalle in Hamburg eingeladen worden, u. a. Dührkoop und Nicola Perscheid. „Dührkoop hat erst vor wenigen Monaten, angeregt durch die Ausstellungen der Gesellschaft zur Förderung der Amateur-Photographie, angefangen, die althergebrachte Atelierporträtfabrikation zu verlassen. Seine Aufnahmen sind im Freien oder im Zimmer hergestellt und ebenfalls ohne Retusche geblieben; …“ kommentierte E. Juhl den ersten Auftritt Dührkoops in der Photographischen Rundschau.Ernst Juhl: Siebente Internationale Ausstellung von Kunstphotographien in der Kunsthalle zu Hamburg. In: Photographische Rundschau. 13. Jg., 1899, S. 306 „Der leitende Gedanke, sagt Dührkoop, bei den von mir ausgestellten Bildern war der, mich von den Fesseln des Ateliers zu befreien … Statt Pose und Retousche wird man Charakteristik und Wahrheit verlangen …“Norddeutsche photographische Ausstellung in Hamburg. In: Photographische Correspondenz. 1899, S. 559.
Bereits im folgenden Jahr präsentierte Dührkoop gemeinsam mit den Fotografen Georg Koppmann auf Einladung der Hamburger Gewerbekammer auf der Weltausstellung in Paris seine Fotografien.Ein Commers der Hamburger Delegierten zur Pariser Weltausstellung … In: Altonaer Nachrichten. 19. Februar 1901, S. 2. Dührkoop beteiligte sich auch noch an zwei weiteren Ausstellungen in Berlin. In den redaktionellen Nachbetrachtungen wurde seinen Aufnahmen ein breiter Raum eingeräumt.Fritz Loescher: Die photographische Ausstellung im Künstlerhause zu Berlin. In: Photographische Chronik. 1900, S. 462 f.
Ateliers in Hamburg und Berlin Im Juni 1906 verlegte Dührkoop sein Atelier an den Jungfernstieg 34 im Heine Haus. Hier hatte er zwei Stockwerke angemietet.(Innerhalb eines Textes): Eine außerordentliche Ehrung … In: Hamburgerischer Korrespondent. (Morgenblatt, 2. Beilage, S. 2), 23. September 1906, unpag., [S. 10], Digitalisat Im September ließ Dührkoop die offene Handelsgesellschaft „Rudolf Dührkoop“ eintragen und machte seine Tochter Minya zur Gesellschafterin, die von diesem Zeitpunkt an das Atelier leitete.„Rudolf Dührkoop. Julie Wilhelmine, geb. Dührkoop, ges. Diez, zu Hamburg, ist als Gesellschafterin eingetreten; die offene Handelsgesellschaft hat begonnen am 22. September 1906. Prokura ist erteilt an Marie Wilhelmie Auguste Elisabeth Rosenlöcher.“ Eintragungen in das Handelsregister. 1906. 25. September. In: Hamburgischer Correspondent. 28. September 1906, Morgenblatt, 3. Beilage, S. 4 , Digitalisat
Rudolf Dührkoop verließ Hamburg, um im Dezember in Berlin Unter den Linden 10 eine „Werkstatt für künstlerische Camera-Bildnisse“ und „Neuzeitliche Kamerabildnisse“ zu eröffnen und zu betreiben.
25-jähriges Firmenjubiläum Am 1. August 1908 hatte Rudolf Dührkoop seinen 60ten Geburtstag begangen. Am 1. Oktober feierte das Atelier sein 25-jähriges Bestehen. An diesem Tag hatte Dührkoop zahlreiche Gäste in das Hotel Hamburger Hof geladen, das in direkter Nachbarschaft seines Ateliers in Hamburg lag. Als seine Gäste brachten Gustav Falke, Richard Dehmel und Detlev von Liliencron kleine Ständchen.Ein Künstler und Berufsjubiläum. In: Tagesbericht. In: Hamburger Nachrichten (Abendausgabe). 2. Oktober 1908, unpag., [S. 15], Digitalisat. Eine Woche später am 5. Oktober waren ca. 50 Personen seine Gäste im Hotel Kaiserhof in Berlin. Zu ihnen gehörten u. a. die Journalisten Fritz Hansen, Karl Wilhelm Wolf-Czapek und der Leiter der „Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie, Chemie, Lichtdruck und Gravüre“ Georg Heinrich Emmerich als Festredner.Das Dührkoop–Jubiläum in Berlin. In: Photographisches Wochenblatt. Jg. 34, Nr. 41, 1908, S. 405 Zu diesem Anlass wurde Dührkoop eine goldene Medaille des Herzogs Carl Theodor in Bayern überreicht.Diese Medaille war Dührkoop schon im Jahr 1905 (Photographische Korrespondenz. Jg. 1905, S. 350) verliehen worden, aber nie überreicht worden. und die Silberne Krone-Medaille vom Sächsischen Photographen-Bund verliehen.
Einflüsse Dührkoops Arbeitsweise ab Ende der 1890er Jahre wurde maßgeblich beeinflusst durch Alfred Lichtwark, dem damaligen Direktor der Kunsthalle Hamburg und bedeutendsten Akteur während der ästhetischen Reform in Deutschland. Als Förderer der „Kunstfotografie“ appellierte er auch an die Berufsfotografen.vgl.: Alfred Lichtwark: Die Bedeutung der Amateurphotographie. S. 69. Seine Vorlesungen brachten Dührkoop die neue Ästhetik nahe.vgl.: Michel Frizot: Neue Geschichte der Photographie. Köln 1998, S. 498. Auch Ernst Juhl war wichtig für Dührkoops Entwicklung. Juhl war organisierende Kraft der Ausstellungen in der Kunsthalle. Seine Sammlung von Kunstfotografien schloss eine beträchtliche Anzahl der Fotografien von Dührkoop ein. Über die Jahre hinweg verband die beiden eine Freundschaft.vgl.: Odette M. Appel-Heyne: Rudolf Dührkoop: Commercial Pictorialist. Boston 1972, S. 38.