Die Spielregeln von Rugby Union, einer Sportart der Rugby-Familie, werden vom Verband World Rugby festgelegt. Von kleinen Anpassungen abgesehen gelten sie auch für die davon abgeleitete Variante Siebener-Rugby. Sie werden von einem Schiedsrichter und zwei Schiedsrichterassistenten durchgesetzt.
Das übergeordnete Ziel ist es mehr Punkte zu erzielen als der Gegner, wofür es mehrere Möglichkeiten gibt: Ein Versuch () – das kontrollierte Ablegen des Rugbyballs im gegnerischen Malfeld – bringt fünf Punkte, eine daraufhin durchgeführte Erhöhung () zwei Punkte, ein nach bestimmten Regelverletzungen gewährter Straftritt () drei Punkte und ein aus dem Spiel heraus erzieltes Dropgoal ebenfalls drei Punkte.
Das Spiel wird auf einem etwa 70 × 100 Meter großen Rasenplatz von zwei Mannschaften mit je 15 Spielern ausgetragen. An jedem Ende des Feldes befinden sich die Malstangen und das Malfeld. Die Spiele dauern achtzig Minuten und sind in zwei Hälften von je vierzig Minuten unterteilt; zur Halbzeit werden die Seiten getauscht.
Jede Mannschaft verteidigt eine Seite und versucht zu punkten. Nach einem erfolgreichen Antritt ist der Ball im allgemeinen Spiel und kann von jedem Spieler gepasst, gekickt, gefangen, aufgenommen oder auf den Boden gelegt werden. Der Ball kann in jede Richtung gekickt werden, darf aber nur rückwärts oder seitwärts geworfen werden; das Vorwärtspassen ist verboten. Die Spieler versuchen, den ballführenden Gegner am Laufen zu hindern, indem sie ihn mit Tacklings angreifen. Dabei bilden sich häufig Pakete () und offene Gedränge (). Nach kleineren Verstößen wird das Spiel mit einem Gedränge () wiederaufgenommen. Gerät der Ball ins Seitenaus, wird er mittels einer Gasse () eingeworfen.
Spielfeld mini|Diagramm eines Rugby-Spielfelds mit Markierungen und Entfernungen (in Metern) Rugby Union wird auf einem Spielfeld gespielt, das üblicherweise einen Rasenbelag hat. Die Regeln erlauben die Verwendung von Kunstrasen, Lehm, Sand oder Schnee, nicht aber von dauerhaft harten Oberflächen wie Asphalt oder Beton. Sie besagen nicht, dass das Spielfeld flach oder eben sein muss, sondern lediglich, dass die Oberfläche sicher zu bespielen sein muss.World Rugby: Der Platz. In: Regeln des Spiels, S. 27. Wenn eine der beiden Mannschaften das Gefühl hat, dass das Spielfeld unsicher ist, muss der Schiedsrichter versuchen, das Problem zu lösen und darf das Spiel nicht beginnen, wenn ein Teil des Bodens als gefährlich angesehen wird (beispielsweise Vereisung).World Rugby: Der Platz. In: Regeln des Spiels, S. 29.
Die Spielanlage () besteht aus der eigentlichen Spielfläche (), den an beiden Enden anschließenden Malfeldern () sowie dem Perimeterbereich (). Spielfläche und Malfelder zusammen ergeben das Spielfeld (). Eine typische Spielfläche ist im Erwachsenen-Rugby 100 m lang und 70 m breit. Je nach den spezifischen Anforderungen des jeweiligen Geländes kann die Länge auch nur 94 m und die Breite nur 68 m betragen.World Rugby: Der Platz. In: Regeln des Spiels, S. 26. Durch diese Flexibilität ist es beispielsweise möglich, auch Stadien zu nutzen, in denen üblicherweise Fußball oder Rugby League gespielt wird.
Linien Die Spielfläche wird durch eine durchgezogene Mittellinie () geteilt, die senkrecht zu den Seitenauslinien () gezogen wird. Eine 50 cm lange Linie wird senkrecht zur Mittellinie gezogen und kennzeichnet den Bereich, in dem die Abstöße ausgeführt werden. Die Bereiche zwischen der Mallinie () und der Mittellinie werden als Hälften bezeichnet. Außerdem werden zwei durchgezogene Linien senkrecht zu den Seitenauslinien gezogen, die 22 Meter von jedem Ende des Spielfelds entfernt sind und als 22-Meter-Linien bezeichnet werden. An beiden Enden des Spielfläche befindet sich ein Bereich, der von den Seitenauslinien, der Mallinie und der 22-Meter-Linie begrenzt wird, diese aber nicht einschließt.
In beiden Hälften werden zusätzliche unterbrochene Linien von fünf Metern Länge gezogen, die jeweils einen bestimmten Zweck erfüllen: 10-Meter-Linien: Gestrichelte Linien zehn Meter beidseits der Mittellinie und parallel zu dieser geben die Mindestentfernung an, die eine Mannschaft zwischen sich und der anderen, die einen Abstoß ausführt, einhalten muss.World Rugby: Antritt und Wiederantritt. In: Regeln des Spiels, S. 64. 5-Meter-Linien: Gestrichelte Linien, die fünf Meter ins Spielfeld hineinreichen und parallel zur Mallinie verlaufen. Ein Gedränge darf nicht näher als bis zu einer solchen Linie in Richtung Mallinie heranrücken. 15-Meter-Linien: Gestrichelte Linien 15 Meter beidseits der Mittellinie und parallel zu dieser kennzeichnen zusammen mit den 5-Meter-Linien jenen Bereich, in dem sich die Spieler beim Ausführen einer Gasse aufstellen müssen.World Rugby: Bilden einer Gasse. In: Regeln des Spiels, S. 93. Zusätzlich wird der Bereich zwischen den beiden senkrechten 5-Meter-Linien (d. h. fünf Meter von jeder Seitenlinie und fünf Meter von jeder Mallinie) als Gedrängezone () bezeichnet. Wenn eine strafwürdige Aktion außerhalb dieser Zone geschieht und die nicht regelverletzende Mannschaft ein Gedränge durchführen möchte, ordnet der Schiedsrichter eine Verschiebung des Gedränges in die Zone an.World Rugby: Gedränge. In: Regeln des Spiels, S. 104.
Anders als im Fußball, wo Werbung auf dem Spielfeld streng verboten ist, ist es gestattet, Sponsorenlogos auf den Rasen zu malen, was die Vereine, Profiligen und Turniere als zusätzliche Möglichkeit für Werbeeinnahmen nutzen. Immer häufiger kommt bei Fernsehübertragungen auch die Augmented-Reality-Technologie als Ersatz für die Bemalung zum Einsatz, um den Rasenbelag zu schonen, um die Kosten für die Bemalung zu sparen oder um Farbflecken auf den Trikots und der Haut der Spieler zu vermeiden.
Malfeld und Perimeterbereich Die Malfelder befinden sich hinter den Mallinien und entsprechen den Endzonen im American Football. Sie müssen zwischen 6 und 22 m tief sein und die gesamte Breite der Spielfläche abdecken. Ein Ball, den ein angreifender Spieler in diesem Bereich kontrolliert ablegt, wird als Versuch gewertet, es sei denn, es liegt ein vorheriger Regelverstoß vor oder der Spieler hat die Spielfläche verlassen, während er in Ballbesitz war.World Rugby: Erzielen von Punkten. In: Regeln des Spiels, S. 48.
Der Perimeterbereich, der die Spielfläche und die Malfelder umgibt, gilt als Aus (). Wenn der Ball oder ein Spieler das Seitenaus berührt, wird dem Gegner an jener Stelle entlang der Seitenauslinie, an der er das Spielfeld verlassen hat, eine Gasse zugesprochen. Eine Ausnahme besteht, wenn der Ball zuerst nicht von der Spielfläche abprallte, bevor er ins Seitenaus ging. In diesem Fall findet die Gasse zwar ebenfalls an der Seitenauslinie statt, aber parallel zu jener Stelle, wo der Ball gekickt wurde. Der Perimeterbereich sollte mindestens fünf Meter von der Spielfläche entfernt frei von Hindernissen und schweren, festen Gegenständen sein, die eine Gefahr für die Spieler darstellen könnten.World Rugby: Der Platz. In: Regeln des Spiels, S. 28.
mini|Malstangen mit Polsterung Im Perimeterbereich stehen ausschließlich 14 Kunststoffpfosten mit einer Mindesthöhe von 1,2 m. Sie markieren die Schnittpunkte bestimmter Linien oder andere festgelegte Entfernungen. Die Pfosten (manchmal mit einer Fahne obenauf) stehen auf einem gefederten oder anderweitig weichen Sockel und sind mit Schaumstoff gepolstert.World Rugby: Der Platz. In: Regeln des Spiels, S. 29.
Malstangen Die Malstangen sind H-förmig angeordnet und befinden sich in der Mitte der Mallinien an beiden Enden der Spielfläche. Sie umfassen zwei senkrechte Pfosten, die aus Stahl oder einem anderen Metall, manchmal aber auch aus Holz oder Kunststoff gefertigt sind, einen Abstand von 5,6 m zueinander haben und durch eine waagrechte Querlatte drei Meter über dem Boden verbunden sind. Die Mindesthöhe der Pfosten beträgt 3,4 m (wobei deutlich höhere üblich sind). Die unteren Enden der Pfosten sind oft mit speziell angefertigten Polstern versehen, um die Spieler vor Verletzungen zu schützen, wenn sie mit den Pfosten in Berührung kommen.
Erzielen von Punkten Punkte können durch einen Versuch (), eine anschließende Erhöhung (), einen Straftritt () oder ein Dropgoal erzielt werden. Die dabei erhaltene Anzahl Punkte wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrmals geändert (siehe unten). Nachdem eine Mannschaft Punkte erzielt hat, wird das Spiel von der gegnerischen Mannschaft durch einen Wiederantritt fortgesetzt.
Versuch und Erhöhung mini|Ein Spieler erzielt einen Versuch Ein Versuch, der fünf Punkte wert ist, wird erzielt, wenn der Ball im Malfeld () kontrolliert den Boden berührt. Beim Malfeld handelt es sich um den Bereich zwischen der gegnerischen Mallinie () und der Malfeldauslinie (). Ein Spieler kann einen Versuch erzielen, indem er den Ball ins Malfeld trägt und ihn auf dem Boden ablegt, während er ihn festhält. Es ist kein Druck nach unten erforderlich, aber der Spieler muss den Ball mit mindestens einer Hand oder mindestens einem Arm festhalten. Wenn der Ball im gegnerischen Malfeld landet, in der Regel als Folge eines Abstoßes oder eines Ballverlusts des Gegners, kann ein Spieler einen Versuch erzielen, indem er mit den Händen, den Armen oder der Körpervorderseite Druck nach unten ausübt. Befindet sich der Spieler in dieser Situation außerhalb des Spielfelds, wenn er den Ball berührt, wird trotzdem ein Versuch gewertet.World Rugby: Malfeld. In: Regeln des Spiels, S. 117–118. Die Mallinie ist Bestandteil des Malfelds, die Malfeldendauslinie und die Malfeldseitenauslinien jedoch nicht.World Rugby: Definitionen. In: Regeln des Spiels, S. 20. Legt ein Spieler den Ball im eigenen Malfeld ab, wird er „tot gemacht“ (neutralisiert) und die gegnerische Mannschaft erhält keine Punkte.World Rugby: Antritt und Wiederantritt. In: Regeln des Spiels, S. 65.
Wenn der Ball die Malfeldauslinie oder die Seitenlinien des Malfelds berührt, gilt er als „tot“ (aus dem Spiel) und ein Versuch kann nicht erzielt werden. Wenn eine Mannschaft ein Gedränge in der Nähe der Mallinie erhält, kann sie versuchen, den Gegner zurück in sein eigenes Malfeld zu drängen. Wird der Ball im Gedränge gehalten, kann ein Spieler auf ihn springen, sobald er die Mallinie überquert, und so einen Versuch erzielen. Falls eine Mannschaft einen Regelverstoß begeht und dadurch ein Versuch verhindert wird, kann der Schiedsrichter einen Strafversuch geben. Dieser wird zwischen den Malstangen gegeben, unabhängig davon, wo der Verstoß stattgefunden hat.World Rugby: Erzielen von Punkten. In: Regeln des Spiels, S. 48–49. Seit 2017 werden Strafversuche automatisch mit sieben Punkten gewertet, so dass keine Erhöhung mehr durchgeführt werden muss.
Die Mannschaft, die den Versuch erzielt hat, hat das Recht, eine Erhöhung durchzuführen. Dabei handelt es sich um einen Tritt auf die Malstangen. Der Ball muss die Querlatte zwischen den beiden Malstangen überqueren. Der Kick erfolgt parallel zur Seitenauslinie von einem beliebigen Punkt im Spielfeld aus, der auf der Höhe jener Stelle liegt, wo der Versuch gelegt wurde. Dies kann entweder durch einen platzierten Kick oder per Dropkick erfolgen, wobei der ausführende Spieler 90 Sekunden dafür Zeit hat. Ist die Erhöhung erfolgreich, erhält die Mannschaft zwei Punkte zugeschrieben. Die Gegner müssen hinter ihrer Mallinie stehen. Wenn der Kicker sich mit der Absicht, den Ball zu schießen, nach vorne bewegt, dürfen sie auf diesen zulaufen, um zu versuchen, den Ball zu erobern oder den Kicker aufzuhalten. Sie dürfen dabei nicht schreien, aber wenn der Ball umfällt, nachdem der Kicker seine Annäherung begonnen hat, können sie mit dem Angriff fortfahren.World Rugby: Erzielen von Punkten. In: Regeln des Spiels, S. 50–51.
Straftritte und Dropgoals mini|hochkant|Ausführen eines Straftritts