Der frühe österreichische Tonfilm beginnt mit der Produktion des ersten Tonfilms G'schichten aus der Steiermark im Jahre 1929. Bis in die 1950er hinein entwickelte sich der österreichische Lustspiel- und Musikfilm, der eine Reihe neuer Filmstars hervorbrachte. Der so genannte „Wiener Film“ entdeckte Publikumslieblinge wie Peter Alexander und wurde von Regisseuren wie Franz Antel und Gustav Ucicky häufig auch international erfolgreich verbreitet.

Die 1930er Jahre Die 1930er Jahre brachten die österreichische Filmwirtschaft zunächst in eine erneute schwere Krise – nachdem bereits zwischen 1923 und 1926 der Rückgang der Inflation die Exportvorteile zunichtemachten und zudem die Filmindustrie Hollywoods ihre Vormachtstellung in Europa begründete – beides zusammen hatte den Konkurs der meisten österreichischen Filmhersteller zur Folge. Nachdem sich die Stummfilmproduktion ab 1926 wieder erholt hatte, erlebte sie mit der internationalen Einführung des Tonfilms, die zeitlich in etwa mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 zusammenfiel, eine erneute Krise. Die Gründe dafür waren vor allem die hohen Umrüstungskosten der Stummfilmateliers und Aufnahmetechnik auf die Tonfilmproduktion, verbunden mit dem Rückzug der meisten Banken aus dem Filmgeschäft sowie der Verteuerung der Kredite als Folge der Weltwirtschaftskrise. Zudem konkurrierten verschiedene Tonfilmsysteme um ihre weltweite Etablierung, was sowohl Filmhersteller als auch die Kinos verunsicherte, auf welches System sie umstellen sollten.

Einen Ausweg aus der Krise brachte die „Erfindung“ des Wiener Films – ein musikalisch-komödiantisches Genre mit historisch-verklärtem Wiener Hintergrund, das sich rasch internationaler Beliebtheit erfreute und die Exporterlöse österreichischer Filme in die Höhe schießen ließ, was wiederum die heimische Filmproduktion beflügelte. Den Startschuss dieser „Filmmode“ begründete je nach Historikermeinung entweder bereits der 1932 in Deutschland von Max Ophüls nach Arthur Schnitzler inszenierte Wiener Stoff Liebelei, oder die ab 1933 in Wien entstandenen Werke Leise flehen meine Lieder (1933) und Maskerade (1934). Letztgenannte gelangte jedenfalls zu Weltruhm und waren ausschlaggebend für einen neuerlichen Produktionsboom in der Wiener Filmbranche.

Die Umstellungsphase von Stumm- auf Tonfilm Österreichische Tonfilmproduktionabendfüllende Spielfilme(nach Aufführungsjahr in Österreich)Armin Loacker: Anschluss im 3/4-Takt – Filmproduktion und Filmpolitik in Österreich 1930–1938. Wissenschaftlicher Verlag Trier, Trier 1999, ISBN 3-88476-312-1, S. 12 f. Jahr Anzahl 1929 1 (+ 23 stumm) 1930 3 (+ 24 stumm) 1931 8 (+ 16 stumm) 1932 10 1933 17 1934 14 1935 27 1936 23 1937 15 Bis 1930 wurden noch hauptsächlich Stummfilme hergestellt, da sowohl Kinos als auch Filmproduzenten erst umstellen mussten, was manche Filmproduktionsgesellschaften und Kinos aus Kostengründen nicht schafften und daher schließen mussten. Zudem wurde die Kapitalbeschaffung immer schwieriger, da aufgrund der 1929 ausgelösten Weltwirtschaftskrise Kredite immer teurer wurden. Die ersten Kurztonfilme ausländischer Produktion erreichten Österreich am 8. Juni 1928, wo sie in der Wiener Urania mit großem Erfolg aufgeführt wurden. Diese Filme wurden nach dem Tri-Ergon-Verfahren der Erfinder Massolle, Vogt und Engl nach einem deutschen Lichttonverfahren aufgeführt.

Der erste abendfüllende Tonfilm erreichte Österreich am 21. Jänner 1929 – im Wiener Central-Kino in der Taborstraße. Es war Alan Croslands The Jazz Singer, welcher in den USA bereits am 23. Oktober 1927 premierte, und in Österreich unter dem Titel Der Jazzsänger lief. Der Ton wurde synchron zum Film auf einer Schallplatte abgespielt (siehe Nadeltonverfahren).

Erste Versuche der Tonfilmherstellung in Österreich wurden im Sommer 1929 mit dem Lichttonverfahren Selenophon durchgeführt. Die Voraussetzungen für dieses Tonsystem wurden bereits ab Mitte der 1920er-Jahre von der Wiener Selen-Studiengesellschaft erarbeitet. Die seit 1929 existierende „Selenophon-Licht- und Tonbildgesellschaft“ meldete in den nächsten Jahren eine Reihe von Patenten zur Tonfilmerzeugung und -wiedergabe an.

Die Premiere des ersten österreichischen Tonfilms – G’schichten aus der Steiermark – fand am 23. August 1929 in Graz statt. Verwendet wurde allerdings das Nadeltonverfahren Ottoton des Regisseurs Hans Otto Löwenstein. Ein Großteil der ersten österreichischen Kurztonfilme dieses Jahres beschränkte sich noch auf das Einsetzen von plumpen Geräusch- und Musikeffekten. Der erste im Lichttonverfahren hergestellte Tonfilm entstand 1930 von der Sascha-Film und hieß Geld auf der Straße. Der Film hatte seine Premiere jedoch am Stadtrand von Wien und sorgte nur für wenig Aufsehen.Loacker, S. 3 f. Darauf folgten Kabarettsketche, wie etwa In der Theateragentur aus dem Jahr 1930, für den das Selenophon-Verfahren angewandt wurde.

Die Umstellung der Filmherstellung auf den Tonfilm brachte nicht nur großen Investitionsaufwand mit sich, sie verteuerte auch die Herstellung jeden Films um das Dreifache. Die österreichische Filmproduktion erlebte daher nach Mitte der 1920er Jahre, aus der sie sich eben erst erholt hatte, eine neuerliche Krise. Der größte Filmproduzent, die Sascha-Film, schlitterte 1931 in den Ausgleich und erholte sich hiervon nie wieder.

Die Sascha Filmindustrie in Wien geriet im Zuge der Umstellung der Filmproduktion von Stumm- auf Tonfilm in eine schwere Krise die 1930 zum Ausgleich führte. Nach Fertigstellung des ersten abendfüllenden Tonfilms der Sascha-Film 1930 („Geld auf der Straße“) sollte das Unternehmen liquidiert werden. Doch ein neues Konsortium erklärte sich bereit die Gesellschaft weiterzuführen. 1932 wurde das Unternehmen von den Gebrüdern Pilzer übernommen, und wenig später, nach Einstieg der deutschen Tobis Tonbild-Syndikat AG, wurde die Produktionsgesellschaft in „Tobis-Sascha-Filmindustrie AG“ umbenannt.

Nachdem 1930 erst vier Tonspielfilme hergestellt wurden, während die gesamte Filmproduktion zurückging, wurden erstmals 1931 mit neun Tonspielfilmen mehr Ton- als Stummfilme hergestellt. Die schlechte finanzielle Ausstattung der nach der großen Krise Mitte der 1920er-Jahre verbliebenen Filmproduktionsgesellschaften begünstigte zahlreiche Koproduktionen mit Ungarn, der Tschechoslowakei, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Nur die Filmverleiher machten auch in der Tonfilmzeit gute Geschäfte. Sie spezialisierten sich nun auf die Anbringung von Untertiteln in importierten fremdsprachigen Filmen.

Beginn der Tonfilmära Mit Etablierung der Tonfilmproduktion in Österreich ab 1931 wurden verschiedene Genres ausprobiert und Herstellungspraktiken aus der Stummfilmzeit angepasst. Die Eigenheiten und Stärken der österreichischen Sprache, insbesondere des Wiener Dialekts, konnten in Komödien erstmals ausgespielt werden. Die Zeit vieler Stummfilmstars hingegen war vorbei, da sie in Sprechrollen nicht glänzen konnten. Auch die Darstellungsweise änderte sich von übertriebenen Gesten im Stummfilm auf realistischere Verhaltensweisen im Tonfilm. Einige Karrieren endeten, viele Schauspieler kamen durch den Tonfilm jedoch erst richtig zur Geltung. Bekanntestes Beispiel hierfür ist wohl Hans Moser, dessen hektisches, nuschelndes zutiefst wienerisch gefärbte Sprechweise zu seinem Markenzeichen wurde und Erfolgsgarant war.

Auch Attila Hörbiger, der 1930 an der Seite seines Bruders Paul Hörbiger in Der unsterbliche Lump debütierte, feierte mit dem Tonfilm den Start einer erfolgreichen Karriere in österreichischen Komödien und dem Wiener Film. Der beliebte Conférencier des Simpls, Karl Farkas, konnte in Justizmaschine und Unter den Dächern von Wien, welcher der französischen Produktion Unter den Dächern von Paris nachempfunden war, sein schauspielerisches Können im Tonfilm beweisen.

Die hohe Arbeitslosigkeit der 1930er-Jahre beeinflusste ebenfalls das Filmschaffen. So standen 1932 sowohl in Max Neufelds Sehnsucht 202 als auch in Scampolo von Hans Steinhoff Arbeitslose im Mittelpunkt. In Scampolo wirkten Dolly Haas und Paul Hörbiger als Hauptdarsteller. Billy Wilder schrieb das Drehbuch. Es war neben Madame wünscht keine Kinder aus dem Jahre 1933 das einzige Drehbuch das Billy Wilder für einen österreichischen Film schrieb.

Auch die politischen Parteien wussten die Möglichkeiten des Tonfilms zu nutzen. So ließ die Sozialdemokratische Partei zwei Filme herstellen: Das Notizbuch des Mr. Pim, in dessen Verlauf ein konservativer Amerikaner vom „Roten Wien“ überzeugt wird und Die vom 17er-Haus von Artur Berger, ein sozialutopischer Film, der für die Landtagswahl 1932 produziert wurde. Dies war auch der letzte Film der SPÖ vor dessen Verbot im Ständestaat. Als Tonverfahren verwendete man das Selenophon-System und die Bauten – man sieht den Wiener Stephansdom im Jahre 2032 umgeben von dutzenden verglasten Wolkenkratzern – stammten von Emil Stepanek. Der Film endet mit dem Aufruf „Seid gescheit! Das rote Wien siegt! Wählt sozialdemokratisch!“. Regisseur Artur Berger, der mit Siegfried Bernfeld auch das Drehbuch schrieb, war auch am Gemeindebauprogramm der Stadt Wien beteiligt.

Mit Der Hexer (1932) nach Edgar Wallace mit Paul Richter als Inspektor und Unsichtbare Gegner (1933) mit den Schauspielgrößen Raoul Aslan, Paul Hartmann, Oskar Homolka und Peter Lorre seien auch zwei erfolgreiche Kriminal- und Spionagefilmproduktionen des frühen Tonfilms in Österreich genannt. Regisseur der beiden Filme war Rudolf Katscher, der später in Großbritannien als R. Cartier Karriere machte.

Auch in Deutschland prägten Österreicher das Tonfilmgeschehen wie zuvor das Stummfilmgeschehen. Billy Wilder arbeitete 1930 am Drehbuch zu Menschen am Sonntag mit und adaptierte 1931 das Drehbuch zur Erstverfilmung von Erich Kästners Emil und die Detektive – einer der ersten Real-Kinderspielfilme mit Ton. Ebenfalls 1931 spielte der Südtiroler Luis Trenker in der Hauptrolle des Ufa-Films Berge in Flammen, der wiederum vom österreichischen Regisseur Karl Hartl inszeniert wurde. Auch der aus Pressburg stammende Peter Lorre feierte 1931 als Hauptdarsteller des deutschen Kriminalfilmmeisterwerkes M – Eine Stadt sucht einen Mörder den Durchbruch als Schauspieler. Und Otto Preminger stellte ebenfalls in Berlin und im selben Jahr seinen ersten Film fertig: Die große Liebe. Wilder, Lorre und Preminger emigrierten nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 in die Vereinigten Staaten, wo sie zu Weltruhm gelangten.

1933 wurde das „Lehrinstitut für Tonfilmkunst“ am Bauernmarkt – wo einst die Wiener Kunstfilm über Ateliers verfügte – in Wiens 1. Bezirk gegründet. Als Lehrer fungierten fortan Größen des österreichischen Films wie Artur Berger, Karl Farkas, Heinz Hanus, Franz Herterich, Fritz Klingenbeck, Hans Theyer und andere. Von den 833 Kinos, die in Österreich 1934 bestanden, befanden sich 177 in Wien.

Der Wiener Film – Höhenflug des österreichischen Tonfilms Der französische Journalist und Autor Zo d’Axa vertrat 1919 die Auffassung, dass Filmkomik dramatisch sein müsse, wie etwa die irische oder die amerikanische. Bei der Wiener Filmkomödie stellte er hingegen fest: „Das wienerische Lustige scheint mir im gesprochenen und gesungenen Wort, wenn überhaupt wo, zu liegen, also kann etwas, das auf der Bühne die Wiener zum Lachen bringt, im Film nur mater Schimmer einer Komik sein.“ Der erste Schauspieler, der gemäß dieser Beobachtung die Wiener durch gesprochenes und gesungenes zum Lachen brachte, war Hans Moser, der bereits in den 1920er Jahren zu seinen ersten Rollen kam, aber erst mit dem Tonfilm, der den Wiener Film hervorbrachte, seine wahren Fähigkeiten zur Geltung bringen konnte.