zentriert|350px|Charles Meynier: Einzug Napoleons an der Spitze seiner Truppen durch das Brandenburger Tor, nach der siegreichen Schlacht bei Jena und Auerstedt. Berlin Napoleon Bonaparte zieht nach der siegreichen Schlacht bei Jena und Auerstedt an der Spitze seiner Truppen in Berlin ein. zentriert|128px|Kaiserliche Urkunde über die Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Kaiser Franz II. dankt ab und löst das Heilige Römische Reich auf. zentriert|212px|Der Rheinbund 1806 Der Rheinbund wird gegründet. 1806 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1254/55 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1798/99 (10./11. September) Bengalischer Solarkalender 1211/12 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2349/50 (südlicher Buddhismus); 2348/49 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 75. (76.) Zyklus Jahr des Feuer-Tigers 丙寅 (am Beginn des Jahres Holz-Büffel 乙丑) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1168/69 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4139/40 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1184/85 Islamischer Kalender 1220/21 (Jahreswechsel 20./21. März) Jüdischer Kalender 5566/67 (12./13. September) Koptischer Kalender 1522/23 (10./11. September) Malayalam-Kalender 981/982 Seleukidische Ära Babylon: 2116/17 (Jahreswechsel April) Syrien: 2117/18 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1862/63 (April)
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Europa Ein deutsches „Epochenjahr“
Die deutschsprachige Geschichtsschreibung stuft das Jahr 1806 zum Teil als ein „Epochenjahr“ ein. Ursächlich hierfür ist das Ende des Heiligen Römischen Reiches: Am 6. August 1806 verkündete Kaiser Franz II. die Niederlegung der Reichskrone. Diese Zäsur wird oder wurde von Historikern als ein mögliches Enddatum der Geschichte der Frühen Neuzeit gewertet.Katharina Weigand: Rezension von: Christine Roll / Matthias Schnettger (Hrsg.): Epochenjahr 1806? Das Ende des Alten Reichs in zeitgenössischen Perspektiven und Deutungen, Mainz: Philipp von Zabern 2008, in: sehepunkte 9 (2009), Nr. 9 vom 15. September 2009. Entsprechend widmeten sich 2006 – im 200. Jubiläumsjahr des Ereignisses – zahlreiche Publikationen und Ausstellungen dem Untergang des Reiches, beispielsweise etwa die Ausstellung Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation im Kulturhistorischen Museum Magdeburg und im Deutschen Historischen Museum in Berlin. In Süddeutschland wurde vor allem an die Gründung der Königreiche Württemberg und Bayern erinnert.Tagungsbericht: Historikertag 2006: Epochenjahr 1806? Das Ende des Alten Reichs in zeitgenössischen Perspektiven und Deutungen, 19. September 2006 bis 22. September 2006 Konstanz, in: H-Soz-Kult, 18. Oktober 2006. 1806 erlangten sie – ebenso wie Baden, Hessen-Darmstadt, Nassau und Berg – die politische Souveränität und konnten ihre Territorien zu weitgehend geschlossenen Einheiten vergrößern. Auf dieser Basis führten die Regierungen der genannten Staaten eine Reihe von Reformen und Modernisierungen durch.Walter Demel: Reich, Reformen und sozialer Wandel 1763–1806, Stuttgart 2005 (Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 12), S. 77. Zu einem Umbruch kam es auch in Norddeutschland: Im Jahr 1806 wurde die Region erstmals von den großen territorialen Veränderungen der napoleonischen Zeit erfasst. Infolge der Schlacht bei Jena und Auerstedt vom 14. Oktober 1806 erfolgte der Zusammenbruch des preußischen Staates. Die Historikerin Bettina Braun hält diese Entwicklung für eine nicht weniger relevante Zäsur als die Niederlegung der Kaiserkrone durch Franz II.Bettina Braun: Das Reich blieb nicht stumm und kalt. Der Untergang des Alten Reiches in der Sicht der Zeitgenossen, in: Christine Roll, Matthias Schnettger (Hrsg.): Epochenjahr 1806? Das Ende des Alten Reiches in zeitgenössischen Perspektiven und Deutungen, Mainz 2008, S. 7–30, hier S. 29.
Politische Zäsuren 1. Januar: Die Herrscher Bayerns (Maximilian Joseph) und Württembergs (Friedrich) werden zu Königen. 12. bis 16. Juli: Auf Initiative Napoleons unterzeichnen 16 Abgesandte deutscher Reichsfürsten die Rheinbundakte und gründen damit den Rheinbund. 6. August: Kaiser Franz II. aus dem Hause Habsburg-Lothringen legt die Kaiserkrone nieder und erklärt das Heilige Römische Reich für erloschen. Als Franz I. bleibt er weiterhin Kaiser von Österreich. 9. Oktober: Friedrich Wilhelm III. erklärt Frankreich den Krieg. 10. Oktober: Der preußische General Louis Ferdinand Prinz von Preußen fällt in der Schlacht bei Saalfeld im Vierten Koalitionskrieg gegen Napoleon Bonaparte.
14. Oktober: Napoleon I. schlägt in der Schlacht bei Jena und Auerstedt die preußische Armee. 27. Oktober: Napoleon zieht mit seinen Truppen in die preußische Hauptstadt Berlin ein. 28. Oktober: Kapitulation des preußischen Heeres unter Fürst zu Hohenlohe-Ingelfingen an Napoleon Bonaparte bei Prenzlau 11. Dezember: Im Frieden von Posen mit Napoleon Bonaparte schließt sich Sachsen dem Rheinbund an, kommt es zu Gebietsarrondierungen, wird Kurfürst Friedrich August III. der Königstitel gewährt und fällt ihm später das Herzogtum Warschau zu. 20. Dezember: Der sächsische Kurfürst Friedrich August III. wird zum König proklamiert und lenkt die Geschicke des Königreichs Sachsen als Friedrich August I. 26. Dezember: Die Schlacht von Pultusk im Vierten Koalitionskrieg endet zwischen französischen und russisch-preußischen Truppen unentschieden.
Lokale Ereignisse
26. August: Der Buchdrucker Johann Philipp Palm wird wegen eines gegen Napoleon gerichteten Pamphlets in Braunau am Inn auf Befehl Napoleons hingerichtet. 30. August: Friedrich August von Nassau-Usingen und sein Vetter Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg beschließen unter dem Druck Napoleons, ihre Fürstentümer zum Herzogtum Nassau zusammenzulegen. 6. September: Die Reichsstadt Frankfurt am Main wird in das Fürstentum Aschaffenburg einverleibt und nunmehr vom Fürstprimas des Rheinbunds, Karl Theodor von Dalberg, regiert. 15. September: Die Reichsstadt Nürnberg wird vom französischen Beauftragten Joseph-Mathieu Fririon offiziell an das neu gegründete Königreich Bayern übergeben. 16. Oktober: Die zu Preußen gehörende Stadt Erfurt kapituliert nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt gegenüber den Franzosen und wird bis 1814 von ihnen regiert. 6. November: Die Schlacht von Lübeck beendet den Rückzug Gebhard Leberecht von Blüchers. 7. November: Gebhard Leberecht von Blücher kapituliert nach der Schlacht bei Lübeck im Vierten Koalitionskrieg mit seinen preußischen Einheiten in Ratekau gegenüber den Franzosen unter Marschall Bernadotte. Die Lübecker Franzosenzeit beginnt. 19. November: Hamburg wird von napoleonischen Truppen besetzt. Es beginnt die Hamburger Franzosenzeit. Aus Erfurt und den umliegenden Landen inklusive der Grafschaft Blankenhain wird das direkt dem Kaiser der Franzosen unterstehende Fürstentum Erfurt gebildet.
Großbritannien
11. Februar: William Wyndham Grenville, 1. Baron Grenville, wird als Nachfolger des am 23. Januar verstorbenen William Pitt zum britischen Premierminister ernannt. Da sich das Land im Krieg befindet, bemüht er sich um eine möglichst breite Koalition, die auch die Opposition unter Charles James Fox mit einschließt, die sogenannte „Regierung aller Talente“. 15. Februar: Im zwischen Napoleon Bonaparte und Christian von Haugwitz ausgehandelten Vertrag von Paris verpflichtet sich Preußen zur Sperre aller seiner Häfen für britische Schiffe und zur Besetzung Kurhannovers. Großbritannien erklärt daraufhin Preußen den Krieg. 27. Februar: Preußen proklamiert die Besetzung Kurhannovers, das in Personalunion mit Großbritannien verbunden war. 21. November: Napoleon erlässt das Berliner Dekret und errichtet damit die Kontinentalsperre gegen Großbritannien.
Russland
2. Juni: Beginn eines weiteren Russisch-Türkischen Krieges 28. November: Der russische Kaiser Alexander I. tritt in den Krieg gegen Napoleon mit ein. Am selben Tag besetzen während des Vierten Koalitionskrieges französische Einheiten das zu Preußen gehörende Warschau. Der Großpolnische Aufstand beginnt.
Italien
miniatur|links|Norditalien 1806 Im 1805 gegründeten französisch dominierten Königreich Italien wird das französische Recht, insbesondere der Code civil eingeführt. 30. März: Joseph Bonaparte wird von seinem Bruder Napoleon zum König von Neapel ernannt.
Niederlande
mini|hochkant|Louis Bonaparte, König von Holland (Porträt von Charles Howard Hodges) 5. Juni: Louis Bonaparte wird König des am 24. Mai durch Staatsvertrag zwischen Frankreich und der Batavischen Republik neu gegründeten Königreich Holland.
Andorra
Napoleon Bonaparte ernennt Andorra zur Republik.
Afrika
8. Januar: Die Kapkolonie wird zur britischen Kolonie. Großbritannien will damit seinen Seeweg nach Indien absichern. 19. Januar: Die Briten besetzen das Kap der Guten Hoffnung in der Kapkolonie. Sie eroberten elf Tage zuvor zur Sicherung ihres Seeweges nach Indien das Gebiet zurück, das sie 1803 der Batavischen Republik zurückgegeben hatten.
Amerika und Karibik
6. Februar: In der Schlacht von San Domingo in der Karibik besiegen britische Linienschiffe unter dem Kommando von John Thomas Duckworth eine französische Flotte. 23. März: Die Teilnehmer der Lewis-und-Clark-Expedition, der ersten Forschungsreise vom Osten Nordamerikas zur Pazifikküste, treten die Rückreise an. 30. Mai: In einem Duell tötet der spätere US-Präsident Andrew Jackson den regional bekannten Duellschützen Charles Dickinson, der Jacksons Frau verleumdet hat. Die nahe dem Herzen liegende Kugel Dickinsons bleibt lebenslang in Jacksons Körper. 25. Juni: Eine britische Invasion am Río de la Plata setzt mit der Eroberung der Stadt Quilmes durch Truppen unter dem Befehl General William Carr Beresfords ein. Zwei Tage später wird von ihnen Buenos Aires eingenommen. 15. Juli: Vereinigte Staaten: Die Pike-Expedition beginnt. 12. August: In Buenos Aires kapitulieren die durch eine britische Invasion im Land befindlichen Soldaten unter dem Befehlshaber William Carr Beresford gegenüber den spanischen Streitkräften des späteren Vizekönigs Santiago de Liniers.
Weitere Ereignisse weltweit
18. August: Der Walfänger und Kapitän Abraham Bristow entdeckt die Gruppe der Aucklandinseln. Meuterei in Velur
Wirtschaft
22. März: Mit dem Kauf dreier Eisenhütten im Saardepartement, der Neunkircher Hütte, der Fischbacher Schmelze und dem Halberger Werk, begründen die Brüder Friedrich Philipp Stumm, Christian Philipp Stumm und Johann Ferdinand Stumm in Saarbrücken das Unternehmen Gebrüder Stumm. 1. Juni: In Preußen wird Papiergeld, sogenannte „Tresorscheine“, ausgegeben. 9. Oktober: In der Schweiz wird in Brig nach mehrjähriger Bauzeit die neue Straße über den Simplonpass eröffnet. Den Anstoß lieferte Napoleon Bonaparte, der bessere Alpenübergänge für seine Truppen wünscht.
Wissenschaft und Technik 23. März: Nach dem Überwintern an der Mündung des Columbia River tritt die US-amerikanische Lewis-und-Clark-Expedition den nach St. Louis führenden Heimweg an. 7. Oktober: Der Engländer Ralph Wedgwood erhält ein Patent für einen Apparat zur Verdoppelung von Schriftstücken, mit dem ein tintengetränktes Papier in Verbindung mit einem Metall-Schreibstift gemeint war. Die Produktion beginnt er einige Jahre später. 21. Dezember: Alexander von Humboldt berichtet erstmals von einem magnetischen Sturm. Der amerikanische Publizist, Übersetzer und Schriftsteller Noah Webster veröffentlicht das Wörterbuch A Compendious Dictionary of the English Language. Auf dieses Werk geht der Großteil der Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem britischen Englisch zurück.
Kultur Literatur
miniatur|Bd. I Titelblatt (gestochen) des Erstdrucks von 1806 Clemens Brentano und Achim von Arnim veröffentlichen den ersten Band der Volksliedsammlung Des Knaben Wunderhorn. Das Werk enthält Liebes-, Soldaten-, Wander- und Kinderlieder vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert.