mini|Der damalige Prinz und heutige niederländische König Willem-Alexander (Mitte) im Rang eines Kolonels im Gespräch mit einem deutschen Oberst der Luftwaffe (rechts) Der Oberst ist ein Dienstgrad der Bundeswehr, des Bundesheeres, der Schweizer Armee und weiterer moderner und früherer Streitkräfte. Bei den Wachkörpern Österreichs ist der Oberst eine Verwendungsbezeichnung.

In vielen Streitkräften finden sich mit dem deutschen Oberst vergleichbare Dienstgrade, die häufig auf das lateinische columnella (Verkleinerungsform von columna, Säule) zurückgehen und daher ähnlich wie das englische und französische colonel lauten.

Bezeichnung und Wortherkunft Oberst mini|hochkant|Obrist der Landsknechte (Kupferstich von Virgilius Solis) Die Dienstgradbezeichnung „Oberst“ geht auf den Superlativ von „oben“ zurück. Die Bezeichnung rührt daher, dass wegen der Zunahme der Mannstärke und Waffengattungen einer Armee des 16. Jahrhunderts die Führung der durch (Feld-)Hauptleute geführten Fähnlein schwieriger wurde, Kriegsherren daher etwa zehn Fähnlein (etwa 4000–5000 Landsknechte) zu einem Regiment gruppierten und als Vorgesetzten der (Feld-)Hauptleute einen „Obersten (Feld-)Hauptmann“ als Kommandeur (bzw. „Oberst-Leutnant“)Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit: Probleme und Lösungsansätze. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 51), ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. 94–95. bestimmten.Wenn die Truppe durch einen Militärunternehmer aufgestellt und finanziert wurde, so wurde er Regimentschef oder Regimentsinhaber genannt. Sein Regiment bot er gegen Bezahlung Kriegsherren an. Häufig führte der Militärunternehmer selbst als Obrist als militärischer Vorgesetzter sein Regiment. Aus den Bezeichnungen dieser „Fußknechtsobristen“Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit: Probleme und Lösungsansätze. 1990, S. 99. entwickelte sich die Kurzbezeichnung „Obrist“Vgl. auch das „Regime der Obristen“, wo der Begriff im 20. Jahrhundert auflebte. Nach Duden ist „Obrist“ heute als Alternativform von Oberst veraltet. Stattdessen bezeichnet es heute abwertend die Mitglieder einer Militärjunta, vgl. bzw. „Oberst“Leonhard Fronsperger: Von Kayserlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhaendlen / Ordnung und Regiment […]. 4., vermehrte und verbesserte Auflage. Sigmund Feyerabend und Simon Hüter, Frankfurt am Main 1566, Blatt 82.Vgl. auch Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit. Probleme und Lösungsansätze (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 51). Königshausen & Neumann, Würzburg 1991, ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. 93–95. und auch im 18. Jahrhundert in Preußen und Österreich die bis heute gebräuchliche Dienstgradbezeichnung „Oberst“. Bis 1945 wurde der Dienstgrad im Deutschen Reich üblicherweise mit „Obst.“ abgekürzt.

In den skandinavischen Sprachen werden entlehnte Bezeichnungen verwendet (/, , ).

Colonel Die englische und französische Dienstgradbezeichnung Colonel geht ebenso wie gleich oder ähnlich lautende Bezeichnungen in den meisten romanischen Sprachen (z. B. , und ) auf das lateinische Wort columnella zurück. Im Militärwesen wurde diese Bezeichnung zum Begriff für eine militärische Formation, der mit dem Lehnwort „Kolonne“ auch Eingang ins Deutsche fand.

In Rom war columnella allerdings keine Rangbezeichnung. Erst im italienischen Militär bildete sich daraus im 16. Jahrhundert die Bezeichnung colonnello als Titel eines militärischen Führers. Vermutlich war colonnello die Kurzform für die Verwendungsbezeichnung colonnello capitano (deutsch: „Hauptmann einer Kolonne“, Kolonnenführer). Auch im spanischen Militär kam der Begriff Kolonne unter Ferdinand II. als colunela in Gebrauch. Die damaligen spanischen Kolonnen bestanden aus knapp 1000 bis 1250 Mann, ihr Anführer war der cabo de colunela (deutsch: „Haupt einer Kolonne“, Kolonnenführer). Im Französischen tauchte der Begriff im 17. Jahrhundert in der Variante colonel auf. Die Briten übernahmen die Bezeichnung colonel aus dem französischen Heerwesen. Die Aussprache schliff sich in England im Laufe der Zeit zum heutigen ab.vgl. Raymond, Oliver: McClellan Aviation Museum, Office of History, Sacramento Air Logistics Center. August 1983. Abgerufen am 20. April 2008.

Polkownik Im Russischen lautet die traditionelle Bezeichnung des Dienstrangs PolkownikDeutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin; Deutsch-Russisches Wörterbuch, H.H. Bielefeld, 7. Unveränderte Auflage, Akademie-Verlag Berlin 1970; Lizenznummer: 202 100/242/70; Inhalt XI — „Das russische Alphabet“; Spalte: deutsche Umschrift in Eigennamen. ( = Oberst oder Kommandeur eines RegimentsDeutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin; Deutsch-Russisches Wörterbuch, H.H. Bielefeld, 7. Unveränderte Auflage, Akademie-Verlag Berlin 1970; Lizenznummer: 202 100/242/70; Seite 648.), ähnlich in vielen verwandten Sprachen (z. B. , , ). Das Wort stammt aus der altslawischen Wurzel polk (полк = Menge, Haufen, Schwarm), was im militärischen Kontext eine Truppenansammlung (meist mit „Regiment“ übersetzt) bedeutet und mit dem deutschen Lehnwort Pulk verwandt ist; Polkownik bedeutet demnach so viel wie Chef eines Heerhaufens oder „Regimentsführer“.

Pluralformen Der Plural von „Oberst“ ist laut Duden meist „Obersten“ oder seltener „Oberste“. Eine besonders eindeutige Präferenz für eine der beiden Pluralformen ist im zivilenVgl. dazu wie im militärischen Sprachgebrauch nicht auszumachen. „Obersten“ wird häufiger in Verbindung mit einem bestimmten Artikel gebraucht, während „Oberste“ stets gebraucht werden kann.In Kenntnis der Etymologie des Wortes als Superlativ von „oben“ in der Kombination „oberste Hauptleute“ wird man „Oberst“ eher wie das Superlativ von „oben“ deklinieren. Begreift man „Oberst“ dagegen als von seiner ursprünglichen Bedeutung gelösten Eigennamen, liegt die Deklination zu „Oberste“ genauso nah wie „Leutnante“ oder „Generale“ als Pluralformen von „Leutnant“ bzw. „General“.

Deutschland Bundeswehr

Der Dienstgrad Oberst wurde durch den Bundespräsidenten mit der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten auf Grundlage des Soldatengesetzes festgesetzt.

Befehlsbefugnis und Dienststellungen In der Bundeswehr ist der Oberst ein Offiziersdienstgrad, der gemäß der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) A-1420/24 „Dienstgrade und Dienstgradgruppen“ zur Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere zählt. Aufgrund der Zugehörigkeit zur Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere können Soldaten im Dienstgrad Oberst auf Grundlage des § 4 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund des Dienstgrades“) der Vorgesetztenverordnung innerhalb der dort gesetzten Grenzen Soldaten der Dienstgradgruppen Mannschaften, Unteroffizieren ohne und mit Portepee, Leutnanten und Hauptleuten Befehle erteilen.

Die Obersten dienen wie die meisten Stabsoffiziere vorwiegend auf Stabsposten und in der Regel nicht in der Truppe als militärische Führer.Genau daher werden sie im Gegensatz zu den Offizieren des Truppendienstes als Stabsoffiziere bezeichnet. Typisch sind Verwendungen in leitenden Funktionen Dezernatsleiter, (Unter-)Abteilungsleiter oder Referatsleiter in Kommandobehörden, Ämtern oder als Referatsleiter im Ministerium. Dort sind sie fachlich abschließend verantwortlich beispielsweise für Personal- und Materialplanung, Strategieentwicklung oder Einsatzplanung. Einige Oberste sind Kommandeure (meist kleinerer) Lehreinrichtungen (im Heer beispielsweise an einer Truppenschule oder Zentren). Oberste, meist gleichzeitig Kommandeure einer Lehreinrichtung, sind häufig für die Ausbildung und Weiterentwicklung ihrer Truppengattung verantwortlich und bekleiden dazu die Dienststellung – nicht den Dienstgrad – General der Fernmeldetruppe, General der ABC-Abwehrtruppe, General der Heeresaufklärungstruppe usw. An der Führungsakademie der Bundeswehr, der Offizierschule des Heeres oder ähnlich herausgehobenen Lehreinrichtungen lehren Oberste als Dozenten. Als Militärattaché, Adjutant des Ministers oder Verbindungsoffizier (z. B. im Bundespräsidialamt) nehmen Oberste auch wichtige (militär-)politische Aufgaben wahr. In Verbänden ab Ebene Brigade dienen sie in Stäben, in Brigaden und Divisionen teils als Chef des Stabes, teils als Abteilungsleiter, die ein Führungsgrundgebiet verantwortlich bearbeiten. Auf diesen Dienstposten unterstützen sie unmittelbar den Kommandeur des Verbandes bei der Führung der Truppe. Einige Oberste, vorrangig Soldaten in den Laufbahnen des Truppendienstes, werden in der Truppe auch als militärische Führer von Verbänden eingesetzt. Typisch sind Verwendungen als Regimentskommandeur, stellvertretender Brigadekommandeur und Kommandeur Brigadeeinheiten oder (seltener) Kommandeur Divisionstruppen. In besonders herausgehobenen Bataillonen (Schlüsselbataillone wie Offizieranwärterbataillone) sind Oberste auch Bataillonskommandeure. Erfahrene Oberste werden vereinzelt auch bereits als Brigadekommandeur eingesetzt. Unter allen Militärmusikoffizieren ist in der Regel nur der Leiter des Militärmusikdienstes und des Zentrums Militärmusik der Bundeswehr Oberst; Oberst ist in der Laufbahn der Militärmusiker also de facto der Spitzendienstgrad. Einige der oben aufgeführten Oberste werden auf Dienstposten für Offiziere im Generalstabsdienst verwendet.dann führen sie den Dienstgradzusatz „i. G.“ Generalstabsoffiziere haben in der Regel bereits vor Ernennung zum Oberst einen Lehrgang für General-/Admiralstabsdienst an der Führungsakademie der Bundeswehr absolviert und zählen zum Kreis derer, die später zum Brigadegeneral aufsteigen können.

Aufgrund der geschilderten und ähnlicher Dienststellungen können Soldaten im Dienstgrad Oberst in den in der Vorgesetztenverordnung aufgezählten Fällen allen dienstlich oder fachlich unterstellten Soldaten Befehle erteilen. Kommandeure einer Ausbildungseinrichtung, Brigade- und Regimentskommandeure, Kommandeure Brigadeeinheiten usw. sind als Einheitsführer Disziplinarvorgesetzter der ihnen truppendienstlich unterstellten Soldaten gemäß Wehrdisziplinarordnung.

Ernennung, Besoldung und Altersgrenze