Der Football Club Internazionale Milano, kurz Internazionale oder Inter, im deutschsprachigen Raum bekannt als Inter Mailand, ist ein 1908 gegründetes italienisches Fußballunternehmen aus der lombardischen Hauptstadt Mailand.
Weitere Bezeichnungen sind I Nerazzurri („Die Schwarz-Blauen“), La Beneamata und Il Biscione.
Mit 21 nationalen Meistertiteln, zehn nationalen Pokalsiegen, dem dreimaligen Gewinn des Europapokals der Landesmeister bzw. der UEFA Champions League, dem zweimaligen Gewinn des Weltpokals, einmal der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft und drei Finalsiegen im UEFA-Pokal bzw. der UEFA Europa League zählt Inter zu den erfolgreichsten Fußballvereinen der Welt. Der Verein ist außerdem einer von acht Klubs, die in einer Saison das große Triple gewonnen haben.
Inter ist der einzige Klub in Italien, der seit Gründung der Serie A durchgehend in der höchsten Spielklasse teilnimmt.
Heimspielstätte ist das auch unter dem ehemaligen Namen San Siro bekannte Giuseppe-Meazza-Stadion. Dieses teilt sich der Klub mit dem Stadtrivalen AC Mailand.
Geschichte Anfänge (1908–1929) mini|Football Club Internazionale Milano im Gründungsjahr 1908 mini|hochkant|Die Meistermannschaft des FC Internazionale Milano im Jahr 1910. Der FC Internazionale Milano wurde am 9. März 1908 von mehreren verärgerten kosmopolitischen Mitgliedern des „Milan Cricket and Football Club“ (der heutigen AC Mailand) im Mailänder , nahe der Piazza del Duomo, gegründet. Die hitzige, fast fünfstündige Gründungssitzung, der Italiener und Schweizer beiwohnten, endete mit den Unterschriften auf der Vereinssatzung. Der „Football Club Internazionale Milano“, wie sich der Verein offiziell nannte, wurde vom nationalistischen Milan CFC, in dem nur Italiener spielen durften, abgespalten.
Der Name Internazionale („International“) wurde gewählt, um die Offenheit der Mannschaft für Spieler aller Nationalitäten zu demonstrieren. Zum Präsidenten wurde Giovanni Paramithiotti, ein streng katholischer Venezianer, gewählt, erster Kapitän wurde der Schweizer Hernst Manktl. Die Vereinsfarben waren schon damals Schwarz-Blau. Das erste Wappen (mit den Initialen FCIM) wurde während der Gründungssitzung auf einen Bierdeckel gezeichnet. Ein weiteres Symbol für „Internazionale“ wurde das Wappen der ehemaligen Herrscherfamilie Mailands, der Visconti. Daher rührt auch die Sitte, die Spieler als die „Biscioni“ (Schlangen), zu bezeichnen. Während die AC Mailand in der Frühzeit der Verein der Arbeiter war, wurde Inter zum Verein der Bürger, Künstler und Intellektuellen.
Die Anfänge von Inter waren aufgrund der finanziellen Lage schwierig. So mussten sich die Spieler ihre Schuhe und sogar ihre Trikots selbst kaufen.FIFA.com: Trotzdem holte der Verein bereits zwei Jahre nach seiner Gründung den ersten Titel: Unter Kapitän und Trainer Virgilio Fossati wurde im Jahr 1910 die Meisterschaft gewonnen, auch wenn es den Begriff „Scudetto“ damals noch nicht gab und dieser Titel sowie der folgende 1920 nicht mit den späteren Titeln verglichen werden kann (siehe dazu auch Serie A).
Die Umbenennung in Ambrosiana-Inter (1929–1955) Saisondaten 1929–1955 Saison Platz Punkte 1929/30 1. 50 1930/31 5. 38 1931/32 6. 38 1932/33 2. 46 1933/34 2. 49 1934/35 2. 42 1935/36 4. 36 1936/37 7. 31 1937/38 1. 41 1938/39 3. 37 1939/40 1. 44 1940/41 2. 35 1941/42 12. 26 1942/43 4. 34 1946/47 10. 36 1947/48 12. 37 1948/49 2. 55 1949/50 3. 49 1950/51 2. 59 1951/52 3. 49 1952/53 1. 47 1953/54 1. 51 1954/55 8. 36 Grün unterlegt: Gewinn der Meisterschaft Inter wurde 1929/30 erster Meister der neu gegründeten gesamtitalienischen Profiliga Serie A. Im Kader der vom Ungarn Árpád Weisz trainierten Meistermannschaft befand sich Giuseppe Meazza, der zwei Jahre zuvor zu Inter gekommen war. Mit Meazza, der als einer der besten italienischen Fußballer der Geschichte gilt, wurde Inter in der Folge zwei weitere Male Meister und einmal Pokalsieger. In diesen Jahren war Juventus Turin der Hauptrivale von Inter. Die Partien zwischen den beiden Vereinen werden heute als Derby d’Italia bezeichnet. Zurückzuführen ist das unter anderem auch auf die Tatsache, dass Inter und Juve lange Zeit die einzigen beiden italienischen Klubs waren, die noch nie aus der höchsten Spielklasse abgestiegen waren. Mit dem Zwangsabstieg von Juventus im Jahr 2006 verbleibt allein Inter als Dauermitglied der Serie A.
Während der Zeit des faschistischen Regimes musste Inter, das sich nach der Ansicht Mussolinis zu offen gab, 1928 gezwungenermaßen mit der US Milanese zur „Società Sportiva Ambrosiana“ (ab 1932 „Associazione Sportiva Ambrosiana-Inter“) fusionieren. Die Meisterschaften 1936/37 und 1939/40 wurden trotz des Krieges gewonnen, da in Italien bis 1943 Fußball gespielt wurde.
mini|Meistermannschaft der Saison 1953/54 Im Jahr 1945 wurde der Verein wieder in „Football Club Internazionale“ umbenannt und erkämpfte sich seine Vormachtstellung in Italien zurück. Unter Trainer Alfredo Foni wurde Inter 1952/53 und 1953/54 Meister. Spieler dieser Mannschaft waren der schwedischen Nationalspieler Lennart Skoglund, der Ungar István Nyers und der italienische Nationalspieler Benito Lorenzi.
Das Titelduell zwischen Juventus und Inter im Jahr 1961 wurde zum Skandal der Serie A: Damals drängten zu viele Zuschauer in das Turiner Stadio Comunale. Nach einem Pfostenschuss von Inter kam es zu Unruhen, was den Schiedsrichter zwang, das Spiel abzubrechen. Wie üblich wertete man das Spiel 2:0 für Inter, die Gästemannschaft, womit die Mailänder die Tabellenführung übernahmen. Der Verband ordnete jedoch einen Tag vor Saisonende ein Wiederholungsspiel an. Beachtenswert ist, dass damals Umberto Agnelli sowohl Präsident des italienischen Fußballverbands als auch von Juventus war. Inter, das aufgrund der Vorgänge völlig aus der Fassung gebracht worden war, verlor sein letztes Ligaspiel, während die Turiner unentschieden spielten – Juventus war Meister. Aus Wut ordnete Inters Präsident Angelo Moratti an, dass Inter im nun bedeutungslosen Wiederholungsspiel eine Jugendmannschaft auflaufen ließ. Juventus siegte 9:1. Den Ehrentreffer für die Mailänder erzielte der junge Stürmer Sandro Mazzola, der zum ersten Mal für die Profimannschaft auflief und später einer der besten Spieler Italiens wurde.Goal.com: Die Geschichte des bösen Blutes zwischen Juventus und Inter Mailand
„Grande Inter“ (1955–1972) Saisondaten 1955–1972 Saison Platz Punkte 1955/56 3. 39 1956/57 5. 35 1957/58 9. 32 1958/59 3. 46 1959/60 4. 40 1960/61 3. 44 1961/62 2. 48 1962/63 1. 49 1963/64 2. 54 1964/65 1. 54 1965/66 1. 50 1966/67 2. 48 1967/68 5. 33 1968/69 4. 36 1969/70 2. 41 1970/71 1. 46 1971/72 5. 36 Grün unterlegt: Gewinn der Meisterschaft
Nachdem der Ölmagnat Angelo Moratti Inter-Präsident geworden war, gelangten die Nerazzurri in den 1960er Jahren zu großem Ruhm – die Ära Angelo Moratti gilt bis heute als erfolgreichste Zeit des Vereins. Maßgeblich am Erfolg beteiligt war Helenio Herrera, der damalige Trainer. Der in Marokko aufgewachsene Argentinier war neben seinem Spielsystem (siehe Catenaccio) vor allem auch wegen seiner ungewöhnlichen Spielvorbereitung berühmt. In der Umkleidekabine mussten zum Beispiel die Spieler Kirchenlieder singen oder sich den Ball in schneller Folge zuwerfen, um Vertrauen und Mannschaftsgeist zu entwickeln.
mini|hochkant|Internazionale nach dem Gewinn des Europapokal der Landesmeister 1964/65 Herreras Spitzname lautete „Il Mago“' (der Zauberer). Er baute eine disziplinierte und kämpferische Truppe auf, war ein Meister der Übertreibung und befasste sich früher als andere mit Sportpsychologie. Er begründete damit die Rolle des modernen Trainerberufs. Unter der Führung des „Sklaventreibers“ erlebten die Nerazzurri ihre Blütezeit. „Grande Inter“ schaffte Mitte der 1960er Jahre in vier Jahren dreimal den Einzug in ein Europapokalfinale, wovon zwei gewonnen wurden. Ab der Saison 1961/62 beendete Inter in den folgenden sechs Jahren die Meisterschaft nie schlechter als auf Platz zwei. Harte Manndeckung u. a. durch Tarcisio Burgnich und Aristide Guarneri; Armando Picchi als hinter den Manndeckern agierender „Ausputzer“ ohne direkten Gegenspieler und ein sehr kompaktes Mittelfeld sicherten das eigene Tor ab. In der Offensive gab es Vorstöße des Außenverteidigers Giacinto Facchetti, Konter durch Luis Suárez und Jair und obendrein einen Stürmer wie Sandro Mazzola. Diese kompakte defensive Ausrichtung war ein dauerhaftes Erfolgskonzept. Inter spielte selten „schön“ und erzielte nicht viele Tore, eröffnete den Gegnern aber auch kaum Chancen zu Treffern. „Grande Inter“ gewann in der Saison 1962/63 den „Scudetto“ und ein Jahr später mit einem 3:1-Endspielsieg über Real Madrid in Wien den ersten Europapokal der Landesmeister. Im selben Jahr beendete Inter die Meisterschaft als Vizemeister. Dem vorangegangen war das bisher einzige Entscheidungsspiel um den Titel in der Serie A gegen den FC Bologna.
Seinen bis dahin größten Erfolg feierte der Verein in der Saison 1964/65, als Inter als erste italienische Mannschaft das Triple aus Meisterschaft, Europapokal und Weltpokal gewann. Im Landesmeistercup-Endspiel im San Siro wurde Benfica Lissabon mit 1:0 bezwungen. Im Anschluss verteidigte Inter gegen Independiente aus Argentinien den Weltpokal, den es bereits im Vorjahr gewonnen hatte. Auch 1967 kam Inter ins Landesmeister-Finale und verlor dieses nach frühzeitiger Führung gegen die klar überlegenen Schotten von Celtic Glasgow mit 1:2. Ironischerweise endete ausgerechnet mit dem zehnten Meistertitel, dem ersten Meisterstern und als erster Träger nach Juventus, die glorreiche Zeit der „Grande Inter“. 1968 übergab Angelo Moratti sein Präsidentenamt an Ivanoe Fraizzoli. In der Folgezeit wurden noch mehrere Titel gewonnen, doch an die erfolgreiche Zeit der 1960er Jahre konnte der Verein, insbesondere auf europäischem Niveau, nicht mehr anknüpfen. Erst 2010 gelang wieder ein Erfolg in der europäischen Königsklasse.
Zu einem Eklat kam es im Oktober 1971, als in 2. Runde des Europapokals der Landesmeister im Spiel Borussia Mönchengladbach gegen Inter ein Fan beim Stand von 2:1 Inter-Spieler Roberto Boninsegna mit einer Coca-Cola-Dose bewarf und dieser daraufhin ausgewechselt wurde. Inter versperrte die Kabine, so dass kein offizieller Arzt Boninsegna untersuchen konnte. Das Spiel, welches 7:1 für die Borussia ausging und als Büchsenwurfspiel in die Geschichte einging, wurde anschließend annulliert. Nach einem 0:0 im Wiederholungsspiel zog Inter in die nächste Runde ein. In derselben Spielzeit erreichten die Nerazzurri zum vierten Mal das Landesmeister-Finale und verloren dort gegen Ajax Amsterdam mit 0:2.
Inter nach der Ära Angelo Moratti (1972–2005) Saisondaten 1972–2005 Saison Platz Punkte 1972/73 5. 37 1973/74 4. 35 1974/75 9. 30 1975/76 4. 37 1976/77 4. 33 1977/78 5. 36 1978/79 4. 36 1979/80 1. 41 1980/81 4. 36 1981/82 4. 35 1982/83 3. 38 1983/84 4. 35 1984/85 3. 38 1985/86 6. 32 1986/87 3. 38 1987/88 5. 32 1988/89 1. 58 1989/90 3. 44 1990/91 3. 46 1991/92 8. 37 1992/93 2. 46 1993/94 13. 31 1994/95 6. 52 1995/96 7. 54 1996/97 3. 59 1997/98 2. 69 1998/99 8. 46 1999/00 4. 58 2000/01 5. 51 2001/02 3. 69 2002/03 2. 65 2003/04 4. 59 2004/05 3. 72 Grün unterlegt: Gewinn der Meisterschaft
Am 21. August 1979 verstarb Giuseppe Meazza, das Mailänder San-Siro-Stadion wurde daraufhin nach ihm benannt. In der Saison 1979/80 gewann Inter die Meisterschaft, während dem Stadtrivalen AC Milan wegen eines Wettskandals 30 Punkte abgezogen wurden.
In den frühen 1980er Jahren spielten unter anderem Alessandro Altobelli, der in 466 Spielen für Inter 209 Tore erzielte, Gabriele Oriali, Graziano Bini, Ivano Bordon und Giuseppe Baresi eine wichtige Rolle in der Mannschaft. Sowohl 1977/78 als auch 1981/82 gewann Inter die Coppa Italia.