mini|Toranlage, Hofseite. Links der Bergfried mit rechteckigem Grundriss und dem ehemaligen Zugang in 7 m Höhe mini|Toranlage, gleiche Ansicht um 1850 mit erhaltener Kapelle im 1. Stock mini|Modell im Museum an der Kaiserpfalz Gelnhausen

Die Kaiserpfalz Gelnhausen, auch Barbarossaburg genannt, geht, wie die 1170 gegründete, benachbarte Stadt Gelnhausen, auf Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) zurück. Die Kaiserpfalz diente dem Ausbau und der Sicherung des Reichsbesitzes in der WetterauDie Bezeichnung „Wetterau“ umfasste im Mittelalter einen weit größeren Bereich als heute, erstreckte sich im Nordwesten mindestens bis Wetzlar, im Süden weit über den Main hinaus (vgl.: Wetterau). und an der Via Regia zwischen Frankfurt am Main und Leipzig durch die Staufer. Trotz ihres ruinenhaften Zustands gilt sie wegen der nahezu ausschließlich originalen Bausubstanz als die besterhaltene Pfalzanlage der Stauferzeit.Waltraud Friedrich: Kulturdenkmäler in Hessen. Main-Kinzig-Kreis II.2: Gelnhausen, Gründau, Hasselroth, Jossgrund, Linsengericht, Wächtersbach. S. 511.

Geografische Lage mini|links|Lage der Kaiserpfalz auf der Kinzig-Insel

Die Anlage liegt – zusammen mit einer Siedlung der Burgmannen – auf einer Insel der Kinzig unterhalb der am nördlichen Talhang gelegenen Stadt Gelnhausen. Diese Wasserburg hat einen polygonalen Grundriss und nimmt das südöstliche Ende der ehemaligen Insel ein. Gegen die restliche Insel war sie durch einen zusätzlichen Graben vor dem Torbau gesichert.Waltraud Friedrich: Kulturdenkmäler in Hessen. Main-Kinzig-Kreis II.2: Gelnhausen, Gründau, Hasselroth, Jossgrund, Linsengericht, Wächtersbach. S. 509. Zu der Insel führten drei Brücken: Im Nordwesten die Verbindung zur Stadt Gelnhausen, im Nordosten die Verbindung zum oberen Kinzigtal und im Süden zur Straße nach Altenhaßlau.Günther Binding: Pfalz Gelnhausen. Eine Bauuntersuchung. S. 21 und Abb. 1.

Die Anlage war Teil eines Netzwerkes benachbarter Pfalzen in Frankfurt, Friedberg, Wetzlar, Trebur und Seligenstadt, die das Gebiet der Wetterau sicherten. Hinzu traten die Burgen der reichsnahen Ministerialen Hagen-Münzenberg in Münzenberg und der Herren von Büdingen in Büdingen.Folkhard Cremer u. a.: Hessen II. Regierungsbezirk Darmstadt. S. 351. Letztere Anlage weist Steinmetzzeichen auf, die auch in der Pfalz Gelnhausen vorkommen.Großmann: Mittel- und Südhessen, S. 232.

Geschichte Anfänge mini|hochkant|Der Bauherr: Kaiser Friedrich I.

Die Bauzeit der Pfalz kann heute recht genau eingegrenzt werden, wodurch der jahrzehntelange Streit über diese Frage geklärt ist. Zum einen ist durch die verwendeten Steinmetzzeichen die relative Chronologie des Bauablaufs bekannt: Deren große Zahl, 57 unterschiedliche sind dokumentiert, insgesamt etwa 500 erhalten,Günther Binding: Pfalz Gelnhausen. Eine Bauuntersuchung. S. 45, Abb. 9. belegen, dass zunächst der viereckige Bergfried an der Toranlage hochgezogen und der westliche Teil der Ringmauer begonnen wurde. Nachdem der Turm errichtet war, wurde das Untergeschoss des Palas gebaut. Dann kam es zu einer Bauunterbrechung. Mit einer neuen Mannschaft Handwerker wurden die beiden Obergeschosse des Palas aufgesetzt und anschließend die Torhalle mit der Kapelle errichtet. Abschließend wurde die südliche Ringmauer fertiggestellt. Insgesamt arbeiteten über 60 Steinmetzen auf der Baustelle, aber nur immer 10 bis 20 gleichzeitig.Günther Binding: Pfalz Gelnhausen. Eine Bauuntersuchung. S. 60 f. Zum anderen konnten 1992 drei Gründungspfähle aus dem Bereich der Torhalle dendrochronologisch untersucht werden, die alle auf den Winter 1169/70 oder den Sommer 1170 datieren. Da die Torhalle in das letzte Drittel der Bauaktivitäten fällt, kann also davon ausgegangen werden, dass die wesentlichen Bauten etwa im Zeitraum 1160 bis 1180 entstanden. Es kann aber sein, dass abschließende Arbeiten sich bis in die Regierungszeit Heinrich VI. hinzogen.Waltraud Friedrich: Kulturdenkmäler in Hessen. Main-Kinzig-Kreis II.2: Gelnhausen, Gründau, Hasselroth, Jossgrund, Linsengericht, Wächtersbach. S. 507. Die Aufsicht über die Baustelle wurde möglicherweise durch Hartmann von Büdingen oder durch Goswin von OrtenbergGünther Binding: Pfalz Gelnhausen. Eine Bauuntersuchung. S. 9. geführt.

Die Pfalz Gelnhausen war 1180 Schauplatz des großen Hoftages zu Gelnhausen, auf dem Heinrich dem Löwen in Abwesenheit der Prozess gemacht und sein Besitz aufgeteilt wurde. In den folgenden Jahren fanden dort weitere Hoftage statt. Insgesamt sind sieben Aufenthalte von Kaiser Friedrich I., acht von Heinrich VI., zwei von Philipp von Schwaben, mindestens vier von Friedrich II., sieben oder acht von Heinrich VII., einer von Konrad IV., zwei von Wilhelm von Holland, drei von Rudolf I. und einer von Adolf von Nassau belegt. Bei den späteren, weiteren Aufenthalten von Herrschern in Gelnhausen haben diese wahrscheinlich aufgrund des inzwischen schlechten baulichen Zustands der Anlage nicht mehr in der Pfalz gewohnt, sondern in der Stadt. Kaiser Maximilian I. wohnte bei seinen drei Aufenthalten in Gelnhausen jeweils am Untermarkt.Günther Binding: Pfalz Gelnhausen. Eine Bauuntersuchung. S. 10–14.

Organisation Die Pfalz war zur Stauferzeit eine Reichsburg, hatte einen Burggrafen und Burgmannen. Als Zubehör verfügte sie über den Büdinger Wald, in dem die Burgbewohner noch bis in das 19. Jahrhundert Holzrechte (Bau- und Brennholz) hatten. Die Burgmannen, die die Burghut sicherstellten, hatten ihre Anwesen in der Vorburg. Diese Siedlung entwickelte sich zu einer eigenständigen Gemeinde „Burg“. Städtebaulich und rechtlich war sie von der Stadt Gelnhausen völlig unabhängig,Folkhard Cremer u. a.: Hessen II. Regierungsbezirk Darmstadt. S. 350 f. hatte sogar ein eigenes Rathaus.Großmann: Mittel- und Südhessen, S. 231. Bis 1897 blieb sie selbständig. Erst dann wurde sie nach Gelnhausen eingemeindet.

Anfänglich wurde in der Pfalz auch eine Münzstätte betrieben.Günther Binding: Pfalz Gelnhausen. Eine Bauuntersuchung. S. 14 f.

Weitere Entwicklung Der Niedergang der Pfalz setzte nach dem Ende des 13. Jahrhunderts ein.Günther Binding: Pfalz Gelnhausen. Eine Bauuntersuchung. S. 15. Interessanterweise setzen dann die schriftlichen Zeugnisse zu dem Bauwerk überhaupt erst vermehrt ein, weil die Urkunden zu den Verpfändungen überliefert sind. 1363 wurde die Anlage schwer beschädigt, als der Landvogt in der Wetterau gegen Geächtete kämpfte, die sich hier verbarrikadiert hatten. Nachdem die Pfalz von Herrschern für ihre Aufenthalte in der Gegend kaum mehr aufgesucht wurde, nutzten die Einwohner der Burg-Gemeinde das, um die Gebäude für eigene Zwecke zu verwenden. König Wenzel beschwerte sich 1398 wegen dieser übergriffigen Nutzung.Folkhard Cremer u. a.: Hessen II. Regierungsbezirk Darmstadt. S. 352.

König Karl IV. verpfändete Burg und Stadt 1349. Weder er noch seine Nachfolger lösten sie wieder aus. Über verschiedene Stufen (siehe Übersicht) gelangte die Pfandherrschaft 1431 gemeinsam an die Grafschaft Hanau und die Kurpfalz, die sie als Kondominat verwalteten.

Phasen der Pfandherrschaft Zeitraum Pfandherrschaft Bemerkungen 1349 bis 1431 Hälfte Schwarzburg Hälfte Hohnstein Verpfändung zu je 50 % an Schwarzburg und Hohnstein. 1431 bis 1435 Schwarzburg Schwarzburg hat den Hohnsteiner Anteil übernommen. 1435 bis 1496HälfteZwischen beiden Pfandnehmern bestand aber ein besonderes Innenverhältnis: Von der Pfandsumme von 8000 Gulden hatte Hanau 7000 Gulden, die Pfalz aber nur 1000 Gulden aufgebracht. Zwischen beiden Pfandnehmern bestand die Abmachung, dass Hanau so lange Nutznießer der Einkünfte sein solle, bis die Pfalz 3000 Gulden an Hanau gezahlt und so beide tatsächlich einen hälftigen Anteil aufgebracht hätten. Das geschah aber nie (Ackermann: Gelnhausen. Die verpfändete Reichsstadt, S. 31). Hanau (vorbehaltlich Wiedereinlösung durch Schwarzburg)Hälfte Kurpfalz Schwarzburg verkaufte die Pfandschaft je zur Hälfte an Hanau und Kurpfalz. Auf den Hanauer Anteil behielt sich Schwarzburg ein Recht auf Wiedereinlösung vor. 1496 bis 1736Hälfte Hanau-MünzenbergHälfte Kurpfalz Bei der Heirat von Graf Reinhard IV. von Hanau-Münzenberg und Katharina von Schwarzburg-Blankenburg ging 1496 der Schwarzburger Anteil endgültig an Hanau über. Bei der Teilung der Grafschaft Hanau 1458 kam die Pfandschaft an die Grafschaft Hanau-Münzenberg 1736 bis 1746 Hälfte Hessen-Kassel Hälfte Kurpfalz Der hanauische Besitz gelangt als Erbe an Hessen-Kassel. 1746–1803 Hessen-Kassel Hessen-Kassel kauft den Anteil der Kurpfalz und ist damit alleiniger Pfandherr. 1803 erfolgt die Mediatisierung zugunsten Hessen-Kassels. Das Pfandschaftsverhältnis war damit gegenstandslos.

mini|Ansicht um 1840 aus: Georg Moller: Denkmähler der Deutschen Baukunst 3 mini|Die Kaiserpfalz um 1847 Immer wieder wurde an der teils baufälligen Anlage herumrepariert. Da sie aber keinen Zweck mehr erfüllte, verfiel sie weiter. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Stadt und Pfalz 1634 bei einem Ausfall des Kommandanten der schwedisch besetzten Festung Hanau, Jakob von Ramsay, schwer beschädigt.Barbarossastadt Gelnhausen, Stadtgeschichte

Um 1810 gehörte die Pfalz zu den ersten Bauwerken aus der Epoche der Romanik in Deutschland, die die Aufmerksamkeit kunstinteressierter Gelehrter fand.Hundeshagen. So wurde 1816 deren weitere Nutzung als Steinbruch durch Kurfürst Wilhelm I. von Hessen verbotenWaltraud Friedrich: Kulturdenkmäler in Hessen. Main-Kinzig-Kreis II.2: Gelnhausen, Gründau, Hasselroth, Jossgrund, Linsengericht, Wächtersbach. S. 508. und 1819 erschien die umfassende Dokumentation von Bernhard Hundeshagen.Bernhard Hundeshagen: Kaiser Friedrichs I. Barbarossa Palast in der Burg zu Gelnhausen. … In der Folge beschäftigte sich auch Georg Moller mit dem Bauwerk. Die Burgenromantik verhalf der Ruine 1827 zu ersten Sicherungsarbeiten, was aber nicht verhinderte, dass die Kapelle angesichts der zu erwartenden Kosten für eine Restaurierung 1856 weitgehend abgerissen wurde. 1860 wurden die Gewölbe der Torhalle abgetragen, neu aufgemauert und seitlich durch Strebepfeiler gegen Abrutschen gesichert. 1881 erhielten die Strebepfeiler eine Beton-Gründung, die offen liegenden Mauerkronen eine Zement-Abdeckung und die Bebauung des Innenhofes wurde abgeräumt. Hier hatten die Burgmannen-Familien der Schelme von Bergen und Boyneburg Häuser errichtet. Im Zuge des Abrisses wurden zahlreiche Spolien entdeckt. Seit 1961 werden permanent Sicherungsarbeiten durchgeführt.

Heute gehört die Pfalz dem Land Hessen und wird von den Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen unterhalten.Pfalz Gelnhausen auf der Homepage der Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten Hessen. Sie ist mit dem angegliederten Museum öffentlich zugänglich.

Architektur mini|links|240px mini|Schaufassade des Palas von Süden mini|Dreier-Arkade am Palas