Kaiserswerth ist ein am Rhein gelegener Stadtteil Düsseldorfs, der zum Stadtbezirk 5 gehört. Die frühere Reichsstadt wurde 1929 eingemeindet. Der ursprüngliche Ortsname war „Suitbertuswerth“.

Der Name Kaiserswerth leitet sich aus dem mittelhochdeutschen Wort Werth für Insel her. Er bedeutet somit Kaiserinsel bzw. Insel des Kaisers.

Der Ortsteil gilt als „gehobene“ Wohnlage.

Geografische Lage mini|Rheinufer

Direkt am Rheinstrom und auf halbem Wege zwischen Düsseldorf und Duisburg liegt Kaiserswerth. Der Rhein macht hier einen flachen Bogen, so dass der Fluss gut 13 Kilometer überblickt werden kann. Das 4,81 km² große Kaiserswerth liegt etwa 10 km vom Stadtzentrum Düsseldorfs entfernt und hat rund 8.100 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2016). Nach der Besiedlungszeit ist Kaiserswerth der älteste urkundlich nachweisbare Stadtteil von Düsseldorf. Zusammen mit den Stadtteilen Angermund, Kalkum, Lohausen, Stockum und Wittlaer bildet Kaiserswerth heute den Düsseldorfer Stadtbezirk 5.

Geschichte mini|Keyserswerd, um 1630 mini|Keyserswerdt, 1646

Vorgeschichte mini|hochkant|Der Kaiserswerther Menhir

Das älteste noch erhaltene Denkmal in Kaiserswerth und in Düsseldorf insgesamt ist, von einigen Bodenfunden abgesehen, der Kaiserswerther Menhir aus der Zeit von 2000 bis 1500 v. Chr.

Mittelalter mini|Ruine der Kaiserpfalz in Kaiserswerth mini|hochkant|Rückansicht der Suitbertus-Basilika vom Rheinufer aus gesehen

Zwischen 695 und 700 gründete der Mönch Suitbert ein Benediktinerkloster auf einer dem Rhein vorgelagerten Insel, einem Werth, dem späteren Kaiserswerth, das jedoch 88 Jahre später wieder zerstört wurde.Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. Triltsch-Verlag, Düsseldorf 1979, ISBN 3-7998-0000-X, S. 243.Friedrich Tamms: Düsseldorf, ja das ist unsere Stadt. Econ-Verlag, Düsseldorf 1966, S. 32. Diese Rheininsel, auf der der Fronhof Rinthausen lag, war dem Angelsachsen Suibertus vom fränkischen Hausmeier Pippin dem Mittleren geschenkt worden.Heinrich Averdunk In: Geschichte der Stadt Düsseldorf. 1894, S. 44. OnlinefassungHugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. Triltsch-Verlag, Düsseldorf 1979, ISBN 3-7998-0000-X, S. 15. Der angeführte Königshof wurde später schrittweise zu einer Burg umgebaut.Dieser Königshof wird als Präbende erwähnt, die als Frohnhof bereits von Pippin dem Stift Kaiserswerth geschenkt wurde. Weiterhin gehörten zur Schenkung auch die Waldgrafschaften für das umfangreiche Waldgebiet von Saarn/Linforf bis nach Flingern.In einer Urkunde, die von Kaiser Heinrich VI. 1193 ausgestellt wurde, wird diese Schenkung angeführt → Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 540. 1858, Teil 4, S. 377, , (digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de). Zudem war dies einer der ältesten Rheinübergänge, mit gutem Überblick über den Rhein. Für eine Festung war und ist dies eine günstige strategische Lage.

Nach der Zerstörung des Benediktinerklosters wurde das „Stift Kaiserswerth“ gegründet. Der König des Ostfränkischen Reiches Ludwig III. stellte 877 das Stift unter seinen Schutz und befreite dessen Kirchen und Güter von der normalen Gerichtsbarkeit sowie von allen Zöllen und öffentlichen Lasten.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 71. 1840, Teil 1, S. 37, , (digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de). 1045 wurde die im Mittelalter weit bekannte Kaiserpfalz in Kaiserswerth von dem salischen Kaiser Heinrich III. gegründet. Beim „Staatsstreich von Kaiserswerth“ im Jahr 1062 entführte der Kölner Erzbischof Anno II. von Köln den noch minderjährigen deutschen König Heinrich IV. aus dieser Kaiserpfalz.Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. Triltsch-Verlag, Düsseldorf 1979, ISBN 3-7998-0000-X, S. 19. Durch diesen Königsraub erlangte Anno bis zur Volljährigkeit von Heinrich IV. die Regentschaft über das Heilige Römische Reich.

1078 wurde nahe dem Kaiserswerther Menhir die Kirche St. Georg errichtet (1689 zerstört).

Im Jahre 1145 wurde Kaiserswerth Reichsstadt, als König Konrad III. die Einwohner unter seinen Schutz nahm.E. Wisplinghoff: Mittelalter und frühe Neuzeit. Von den ersten schriftlichen Nachrichten bis zum Ende des Jülich-Klevischen Erbstreits (ca. 1609–1614). In H. Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf. Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. (Band 1) Schwann/Patmos, Düsseldorf 1988.Für die Aussage ob 1145 Kaiserswerth tatsächlich schon eine Stadt war, sind nähere Angaben im nachfolgenden Kapitel „Stadt Kaiserswerth“ angeführt. Vermutlich unterstand das Kloster und der spätere Stift spätestens ab Ende des 9. Jahrhunderts dem direkten Schutz des Reiches. König Ludwig der Jüngere nahm, 877 urkundlich nachweisbar, den Stift in seinen Schutz und verlieh ihm Immunität. Dieser Schutz und Immunität wurden von weiteren Königen der Karolinger 888 (Arnolf von Kärnten), 904 und 910 (Ludwig das Kind) bestätigt. Die gleichen Bedingungen dürften später auch für die Kaiserpfalz mit der kleinen Ortschaft weitgehend bis zur Machtübernahme ab 1424 durch den Kölner Erzbischof gegolten haben.

1174 verlegte Kaiser Friedrich Barbarossa den Rheinzoll von Tiel (Niederlande) nach Kaiserswerth. Er baute eine neue Kaiserpfalz als mächtige Zollfestung. Diese mittelalterlichen Kaiserpfalzen waren kein ständiger Wohnsitz des Kaisers, sondern wurden von ihm auf seinen Reisen durch das Reich besucht. Er regierte das Reich „vom Pferd aus“. Die heutigen Mauerreste stammen von dieser staufischen Pfalz ab. Dass die Pfalz im Jahr 1189 noch nicht vollendet war, belegt ein Brief, den Friedrich Barbarossa auf seinem zweiten Kreuzzug aus Philippopolis an seinen Sohn Heinrich schrieb und ihm auftrug, für die Fertigstellung und Bewachung der Bauten in Kaiserswerth und Nimwegen zu sorgen.Peter Eschbach: Zur Baugeschichte der Hohenstaufenpfalz Kaiserswerth. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Zeitschrift des Düsseldorfer Geschichtsvereins. Achtzehnter Band, Düsseldorf 1903, S. 159 ().

In einer Urkunde von 1193 wurde dem Stift Kaiserswerth von Kaiser Heinrich VI. sowohl die Immunität wie auch der Reichsforst Aap und die Berechtigung, die Waldgrafen für viele Gemarkungen zwischen der Ruhr und der Düssel zu ernennen, bestätigt. Neben vielen weiteren wurden auch die Gemarkungen Ratingen, Stockum, Flingern und Derendorf angeführt. Damit wurden Pfründen bestätigt, die bereits Pippin der Mittlere an das Stift vergeben hatte.

Im staufisch-welfischen Thronstreit hielt Kaiser Otto IV. hier hochrangige Gefangene fest. Zu deren Befreiung belagerte Graf Adolf III. von Berg die Pfalz mehrmals zwischen 1213 und 1215. Gegen Ende des 11. und Anfang des 12. Jahrhunderts begann der alte Rheinarm, die Fieth, zu verlanden. Zur Erstürmung der Befestigung konnte deshalb ein Damm errichtet werden. Hierdurch wurde einer der beiden Rheinarme umgelenkt und fiel trocken. Damit verlor auch die Festung Kaiserswerth ihre Insellage und konnte eingenommen werden.

1237 wurde die erweiterten Basilika St. Suitbertus neu geweiht. Deren Kirchturm ließ schon 1243 der Burggraf aus strategischen Gründen wieder abtragen. Zwischen 1247 und 1249 belagerte König Wilhelm von Holland Kaiserswerth. Nach der Schwächung des deutschen Kaisertums wurde Kaiserswerth dann 1273 durch König Rudolf I. an den Kölner Erzbischof verpfändet. Diese Verpfändung galt aber nur für die Kaiserpfalz und die Stadt. Der Rheinzoll war ausdrücklich nicht in der Verpfändung enthalten.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Köln. Urkunde Nr. 636. Band 2, 1846, S. 373, , (digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de).

Es folgten weitere Verpfändungen durch König Adolf von Nassau 1293 und König Albrecht I. 1298. Grund dieser Verpfändungen waren die Erstattung der Wahl- und Krönungskosten, die der jeweilige Erzbischof von Köln für die neuen Könige übernommen hatte.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 994. 1853, Teil 2, 1201–1300, S. 586, , (digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de). Letztere Verpfändung von 1298 für den Besitz der Burg in Kaiserswerth wurde vom deutschen König Albrecht I. in einer Urkunde vom 28. „Erntemonat“ an Kurköln bestätigt.Christoph Jakob Kremer: Akademische Beiträge zur Gülch- und Bergischen Geschichte. 1781, Band 3, Urkunde CCVI, S. 224. Durch Zahlung von 36.000 Mark wäre König Albert berechtigt gewesen, die Verpfändung von 1298, die neben den Orten Kaiserswerth, Sinzig und Dortmund auch den Rheinzoll in Kaiserswerth beinhaltete, wieder auszulösen.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 997. 1853, Teil 2, 1201–1300, S. 587–588, , (digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de). Der Burggraf in Kaiserswerth zu dieser Zeit (1298), Edelherr Ludwig von Sonneberg, war anfangs nicht bereit, Kaiserswerth mit der Zollstätte freiwillig an den Erzbischof Wigbold von Köln zu übergeben. König Albert fordert deshalb 1298 die Grafen von Berg, Geldern, Mark, Jülich und Kleve schriftlich dazu auf, den Erzbischof bei der Übernahme von Kaiserswerth zu unterstützen.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 1008. 1853, Teil 2, 1201–1300, S. 593, , (digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de). Der Burggraf übergab daraufhin Kaiserswerth an den Erzbischof.

Es folgten weitere Verpfändungen des Rheinzolls von Kaiserswerth an die Grafen von Berg und von Kleve. 1397 kam es zu einem Streit um eine Rente für die Grafen von Berg aus dem Zoll von Kaiserswerth. Dieser Streit führte zur Schlacht von Kleverhamm, die die Grafen von Mark und Kleve gewannen. 1424 verkaufte Graf Gerhard von der Mark, der die Pfandschaft Kaiserswerth 1413 durch eine Erbteilung mit seinem Bruder Adolf II. von Kleve-Mark erhalten hatte, die Zollstätte für 100.000 Gulden an Erzbischof Dietrich von Köln. mini|alt=Nieschenkachelfragment mit Wappen Cleve-Mark aus Kaiserswerth (zweite Hälfte des 15. Jhs./Bodenfund aus Kaiserswerth)|Nieschenkachelfragment mit Wappen Cleve-Mark aus Kaiserswerth (zweite Hälfte des 15. Jhs./Bodenfund aus Kaiserswerth)1454 einigte man sich urkundlich darauf, dass der Graf von Cleve und Mark „an der helffte an burch, stadt, zoll, vayden ind allre ander guiden renten ind herlicheyden zu Keyserswerden syn leven lanck ungehindert blyuen“ sollte.Sönke Lorenz: Kaiserswerth im Mittelalter, Genese, Struktur und Organisation königlicher Herrschaft am Niederrhein. In: Studia humaniora. Band 23; Droste Verlag GmbH, Düsseldorf, 1993, S. 116–117. Im Jahr 1462 ging Kaiserswerth dann vollständig an das Erzbistum Köln über und wird ab diesem Zeitpunkt auch als kölnische Landstadt aufgeführt.